Arm und reich

Jean-Léon Gérôme 1824-1904
CONDE, LOUIS III. DE BOURBON + LUDWIG XIV. VON FRANKREICH 1674

Den Glanz von einst, voll Sinneslust und prächtig,
trägt die Erinnerung mit Weh und tiefem Groll.
Wie gestern, sind auch heut’ die Reichen mächtig,
und blutend zahlt das Volk den bitt’ren Zoll.
 
Die Armut klafft aus offnen Weltenwunden,
die Qual des Hungers gräbt sich ein, voll Schmerz.
Auch heute liegt in trauertiefen Stunden,
manch’ sterbend Kind am stillen Mutterherz.
 
Man tanzt mit viel Glamour in Taft und Seide,
Champagner fließt und Kaviar wird serviert.
Da draußen, gar nicht weit im tristen Kleide,
wird eine trockne Scheibe Brot zum Mund geführt.
 
Verschwendung hier und anderswo das Darben;
wo Fülle doch für alle birgt die Welt.
Die Zeit legt auf die Wunden Wohlstandsnarben,
der Teufel dient alleine Macht und Geld.
 
Und was satanisch grinst aus den Gazetten,
ist, was Profitgier und die Politik serviert.
Die Armut wälzt sich angstvoll in den Betten
und Reichtum glänzt daneben, ungeniert.

Jean-Léon Gérôme 1824-1904

Autor: Gisela

s. meine Seite "über mich"

6 Gedanken zu „Arm und reich“

  1. Also doch „le Roi-Soleil“, ich hätte auf Constanze hören sollen, sie hatte das gleich vermutet;
    auch der Herr hinter dem Dauphin schien ja ein katholischer Priester zu sein, was nicht zum Großen Kurfürsten gepasst hätte, nun sind alle Zweifel ausgeräumt…

    Noch einmal herzliche Grüße
    Wolfregen

  2. Ausdrucksstarke Zeilen, liebe Gisela,
    besonders gefällt mir das Ende: „Die Armut wälzt sich angstvoll in den Betten und Reichtum glänzt daneben, ungeniert.“ Besser lässt sich das nicht formulieren, da denkt man gleich an Lazarus und den reichen Prasser. Das Bild mit dem Großen Kurfürsten (oder liege ich da falsch?) gefällt mir auch sehr! Der alten Zeit bin ich nicht so gram, die brachte große Kunst hervor, man denke nur an Venedig, die Oper und den damaligen Baustil; heute regiert eine andere Sorte Mensch, der Geschmack ist entsprechend…

    Herzliche Grüße
    Wolfregen

    1. Lieber Wolfregen, danke für Deinen Kommentar.
      Die Darstellung von Ludwig XIV. hatte ich mir vor Jahren abgespeichert. Leider konnte ich den Maler nicht mehr finden.
      Diese Epoche hat schöne Dinge hervorgebracht, aber auch großes Leid. Heute hat sich manches verbessert, aber der Zeitgeist bringt einen abstrakten, kalten Kunststil hervor, der sich auch im Mobiliar widerspiegelt. Pommesbuden-Charakter, Muskelmänner und Plastik-Frauen. Aber auch das wird sich wieder ändern.
      Das Schöne wird erhalten bleiben, auch Venedig, die Oper und die Liebe an alten Gebäuden.

      Alles Gute für Euch und ♥liche Grüße

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