Leere Blätter

Jakobs Traum von der Himmelsleiter

Leere Blätter
Von Gisela Seidel

Die Tage gingen – Leere-Blätter-Zeiten –
mir fehlten uns’re Wortverbundenheiten;
in meinem Innern fühlte ich nur Leere,
trennten mich von dir und deiner Sphäre
doch nur die bloßen Alltagslücken,
lassen sich mit Gedankenbrücken nun neu verbinden –
ein ewig Wiederfinden.

Verbindung

Michelangelo – Sixtinische Kapelle
Verbindung 
von Gisela Seidel

Beseelt von neuem Glück will ich dir schreiben
in manchen Reim versteckter Weisheit Sinn,  

vieles wird wie die Sphinx zwar groß und schön,
doch um so rätselhafter bleiben,  

das Wort wird lenken deinen Weg zu Anbeginn;  
und während ich gedanklich mich im Vers verbinde,

verrinnen die Sekunden visionär;  
ersehnend fühl’ ich lang vergangne Erdengründe

– die Zeit, sie flog dahin, als Obs ein Lidschlag wär'.  
Bist Führer meiner Seele fehlend’ Hand,

bin nur im Geiste das verborgne Glied,  
hinter des Schleiers Anderwelten, unerkannt,

bin ich Vermittler, spinne dir mein Lied.  
Ich bleibe stumm, habe nur diese Zeilen,

um dir zu sagen: Sinnend wart’ ich hier!  
So sehr ein Wort verletzt, so sehr kann es auch heilen;

bin nur gedankenweit entfernt von dir.  
Du wirst es spüren: Wenn ich bei dir weile,

vergessen wir gemeinsam Zeit und Raum,  
wenn ich vom Licht des Universums schreibe,

verschmelzen Endlichkeit und Ewigkeit im Traum.  
So, wie ein Wolkenband den Himmel ziert,

so sollen die geschriebnen Worte sein,  
Gedanken, wie von Engeln inspiriert,
sie gehen tief ins menschlich' Herz hinein.