Grenzenlose Liebe

William Adolphe Bouguereaut 1825-1905

So, wie der Wind die Vögel trägt,
so trag ich dich auf Händen,

wenn dich ein Seelensturm erregt,
ich will ihn von dir wenden;

will streicheln dich mit Sommerbrisen
und warm dich sanft umströmen,

will dich auf bunt gefärbten Wiesen
mit Sonnenlicht verwöhnen;

ich geb‘ dir Halt und Lebensmut,
solang‘ du bei mir bist,

das Böse um dich mach‘ ich gut,
die Dunkelheit zum Licht.

Ich führ‘ dich in ein Märchenland
der goldbekränzten Feen,

die, wie mit unsichtbarer Hand,
dir Himmelsblumen säen.

Ich bin mit dir und halt dich warm,
wenn du zu frieren drohst,

schläfst du erst sanft in meinem Arm,
wird Liebe grenzenlos.

An den, der leis mich rief


Schweben im Meer der
Lautlosigkeit.
Der Lärm der Welt verklingt,
und um mich her versinkt,
ganz schwerelos, die Zeit.

Sie trägt mich himmelan
und wirbelt mich im Tanz,
umhüllt und schließt mich ein
mit lichtem Strahlenglanz.

Erfüllt mich liebevoll
mit engelgleichem Traum;
glänzt wie ein kleines Licht
am großen Lichterbaum.

So frei, voll Harmonie,
in Quintenklangmusik,
geb’ ich mein Innen hin,
an den der leis’ mich rief.

Lebensplan

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Wenn du mich rufst, dann komme ich
durch finst’re Nacht zu dir.
 
Wenn du mich suchst, dann brennt ein Licht
ganz hell an meiner Tür.
 
Du findest mich im Überall,
siehst mich in deinen Träumen;
 
bin schneller bei dir als der Schall,
wie Wind in allen Bäumen.
 
Den Plan für deine weit’ren Wege,
halt ich in meiner Hand;
 
du wirst sie sicher finden,
darauf hast du mein Pfand!
 
Ließ ich doch mein Vertrauen
und meine Liebe dir,
 
so lass’ mich durch dich schauen,
des Lebens Wunder hier.
 
Dann fließen alle Fragen
und alle Zweifel fort,
 
nie soll dein Herz verzagen,
an einem falschen Wort.

An Dich

Aglaida and Boniface – Alexandre Cabanel

Mein Herz, es ruft nach dir ganz in der Stille,
bist mir mein Alles und mein fernes Nichts.
 
Du hinter Wolken liegende Idylle,
verborgene Unendlichkeit des Lichts.
 
Nur in Gedanken kann ich dich erfassen,
in Träumen dir die Hände reichen;
 
will meinen Blick nicht von dir lassen,
von meinem Weg will ich nicht weichen.
 
Wird sich der letzte Schleier heben
und  Dimensionen sich verbinden,
 
werd’ ich durch off’ne Himmel eilend,
den Weg zu dir nach Hause finden.

Himmlische Berührung

Sulamith Wülfing 1901-1989

Und sanft berühr’ ich dich in Träumereien,
verspür’ die Nähe deiner sich’ren Führung,
darf mich an der Unendlichkeit der Liebe freuen,
genieße die Sekunden himmlischer Berührung.

In meinen Taggedanken bist du mein Begleiter,
verbunden stets durch deiner Worte Kraft,
bist mir im Hintergrund mein stiller Leiter,
der meines Daseins Fülle Sinn verschafft.

So wie das Liebesglück gepaart mit Tränen,
folgt der Enttäuschung bange Hoffnung dann;
und der Erfüllung folgt alsdann das Sehnen,
so bindet uns ein flüchtig’ Leben ewig lang.

Berührungslos

Fühle berührungslose Nähe,
distanzlose Gedanken,
die, würdest du sie sehen,
wie dornenlose Rosen,
duftend um dich ranken.
Bruchteile von Sekunden,
mit einem Lächeln lieben –
so seelentief verbunden;
als stünd’s in einem heil’gen Buch geschrieben,
mit tausend Zauberworten,
die, wenn sie ausgesprochen an geheimen Orten,
die Herzensflammen bis in Ewigkeiten brennen ließen,
und dort verweilend,
würden sie den Jüngsten Tag begrüßen.
In den Unendlichkeiten
würden sie die neuen Morgen kränzen,
als kleine Sterne
funkelnd an den fernen Himmeln glänzen,
und sich, wie unsichtbarer Liebesregen,
auf die Geschöpfe dieser Erde legen.
Ahnst du mein unsichtbares Wangenstreicheln;
fühlst du die fessellosen Bande?
Möchte’ gerne deiner Seele schmeicheln,
bin ich doch deinen Weg zu glätten außerstande.

Alte Liebe

Nur deine Seele weiß,
dass wir zusammen waren,
vor tausenden von Erdenjahren,
als uns in fernem Land
die tiefe Liebe band,
und wir uns sehnten
nach den Blicken des anderen.

So viele Leben, die wir durchwanderten!
Und immer warst du fern,
doch tief im Herzen
blieben wir verbunden,
und funkelt in der Einsamkeit
des Alls ein Stern,
so seh‘ ich dich in
flücht’gen Traumsekunden.

Ich möcht‘ die Liebe fühlen,
die ich einst verlor
und in Erinnerungen wühlen,
denn ich fror,
bei meiner Seeleneinsamkeit,
der kühlen.