Am Meer

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Sonnendurchtränkter weißer Strand,
wie lieb ist mir deine Idylle.
Das Meer umspült den flüchtigen Sand,
die Wogen durchbrechen die Stille.
 
Endlose Wellen in glitzerndem Nass
schimmern wie funkelnde Sterne,
glänzen wie Seide und gläserner Strass,
brechen das Licht in der Ferne.
 
 Muscheln verzieren die feuchte Natur,
Sonne verbrennt letzte Schatten;
Krebse wandern auf Poseidons Spur,
Salzluft liegt auf den Rabatten.
 
 Strahlender Himmel in endlosem Blau,
spiegelt sich tief in den Fluten;
salziger Wind nimmt den Wolken das Grau,
Sonne kühlt ab ihre Gluten.
 

Rosenduft

John William Waterhouse 1849-1917- My sweet Rose

Die alte Rosenlaube dort am Buchenhain,
ihr gilt mein täglich Sinnen, ach, so oft.
 
Sie ließ mich sinken in die tiefsten Träumerein,
mit meinem Oden sog ich auf den Duft.
 
Vergangen ist die Zeit, als ich die Worte fand,
so wie der Sand rinnt
durch das schmale Glas der Uhren,
 
und als entzweite sich des Lebens lichte Band,
verwischten auch die letzten meiner Spuren.
 
So grau blickt eine Welt der Lichtgestalt entgegen,
die ich geworden, alt und ewiglich.
 
Die Uhren bitt’ ich, mögen rückwärts sich bewegen.
 So dufte Rose einmal noch für mich!
 

Herzensströme

Franz von Assisi – Maler unbekannt

Impulse aus guten Gedanken –
weich fließende, göttliche Kraft.
Unteilbare, himmlische Ranken,
in Liebe, so friedvoll gedacht.
 
Dringt tief, wie ein sonniges Weben,
erwärmend und mild in Dein Herz;
bringt Freude und Glanz in Dein Leben,
streckt Seele und Blick himmelwärts.

Heilige Agnes im Kerker

In meiner Not gibst Du mir Stärke,
ein schützend‘ Kleid aus Engelshand.
Durch Lichtgewand und Wunderwerke
reicht mir der stille Gott die Hand.
 
Wenn böse Energien durchdringen
den Bannkreis meines lichten Seins,
so können Flammen ihn nicht bringen,
den Tod, der mich mit ihm vereint.
 
Bringst mir, für meine letzte Stunde,
ein Unschuldskleid aus Himmelslicht.
Bringst bald der Welt die Todeskunde,
noch eh‘ der neue Tag anbricht.

Nach Ostern

Carl Larsson 1853-1919 – Abend vor der Reise nach England

Kein Läuten mehr – die Osterglocken schweigen!
Still lastet Schwere auf dem kalten Tag,
und wieder liegen Fröste auf den Zweigen,
als wenn die Welt uns nicht mehr blühen mag.

Das Vogelsingen ist heut leis geworden.
Die Straßen leer, selbst Kinderlachen schweigt.
Das Leben scheint mir beinah ausgestorben,
wenn rauer Wind die frischen Wipfel streift.

Die Jahre sind so schnell dahingegangen.
Es blieb ein welker Kranz aus ferner Zeit.
Ob meinem wehen Herzen noch, dem bangen,
ein wenig Zuversicht erhalten bleibt?

Wohl dem, der aus des Lebens schweren Tagen
und aus den Stunden ungetrübten Glücks
ein Leuchten darf in seiner Seele tragen…
ein Sonnenlächeln göttlichen Geschicks.

Der letzte Schritt

Jüngling und Tod – Jacopo Vignali 1592-1664

In jeder Hoffnung geht die Trauer mit.
Gevatters Sense schneidet zur Vollendung.
Es folgt der Todesengel uns auf jeden Tritt.
So liegt in jedem Leben auch Beendung.

Der Atem Gottes weht durch diese Welt.
In jedem Leben fließt der Liebe Geist.
So, wie die Ähren, Halm an Halm gestellt,
der Sturm des Lebens alle niederreißt

und Mitleid reift heran in manchem Trieb.
Wenn andre hilflos beieinander liegen,
fällt Nächstenliebe durch ein hehres Sieb,
lässt zarte Keime lichtgesegnet siegen.

Am Lebensende bringt der Tod die Wendung.
Lasst gehen uns den letzten, schweren Schritt.
Leid steht am Ende jeder Lebenssendung,
doch jedes Opfer bringt den Segen mit.

Offene Türen

Der Erdball groß und wunderbar,
ein Spielplatz für die Engel gar.
Die Himmel liegen weit.
 
Vom All hinab, der Cherub Tanz.
Die Welt hüllt sich in Lichterglanz,
und stille steht die Zeit.
 
In jedem Herzen brennt ein Licht,
doch unsre Augen seh’n es nicht.
Die Liebe leuchtet hell.
 
Öffne dem Nächsten deine Tür,
dann spürst Du: Jesus öffnet Dir
die seine, weit und schnell.
 

Lied der Engel

In Tönen, die nur Seraphinen singen,
durchströmt ein glockenheller Klang die Welt,
durch überirdisches Vibrato ferner Stimmen,
wird unsre Dunkelheit zum lichten Tag erhellt.

Wo Gottes milde Segensströme fließen,
ergießt sich jetzt der Engel heil’ger Lobgesang,
endlose Liebe wird sich über uns ergießen
und unsre wunden Herzen füllen, lebenslang.

Schutzengel

So fremd sind uns historische Epochen,
so grausam das Geschehen mancher Zeit.
Ein Lidschlag war’s und 100 Jahre krochen,
so wie ein Windhauch durch die Ewigkeit.
 
So manche Seele hat die Zeit verschlungen,
doch auch so viele neu der Welt geboren,
und immer hat der Mensch danach gerungen,
den Gott zu finden, den er glaubt verloren.
 
So viele Hilfeschreie in der Not durchdrangen
den Schleier dieser andren Dimension,
wo Gottes Helfer menschlich wehes Bangen
in Freude wandeln, nur für Glaubenslohn.
 
So geht der Engel, der dich freundlich leitet,
von Ewigkeit zu Ewigkeit mit dir;
schützt deine alte Seele Flügel breitend,
und bist du einsam, steht er vor der Tür.
 
So trägt er für dich manche Daseins-Bürde,
und oft trägt er auch dich auf seinem Rücken;
als wenn die Liebe niemals enden würde,
baut er dir ständig neue Himmelsbrücken.

Verlorenes Paradies

Es geht ein Hoffen um die Welt,
 ein altes Sehnen,
 
ein Streben, frei vom Drang nach Geld,
befreit von Tränen,
 
es ist die Suche nach dem Glück,
für ewig gar,
 
bringt uns das Paradies zurück,
wie’s damals war,
 
in dem nur dornenlose Rosen stehen
und alle Lebensräder rückwärts drehen;
 
in dem es keine Sünde gibt,
nur einen Gott, der uns unendlich liebt.