Herbstzeit

Die letzten Blätter fallen von den Zweigen
und auf den Straßen liegt das nasse Laub.
Tief sich die Äste der Platanen neigen
und Regen mischt sich mit dem Straßenstaub.
 
Von Ferne naht die Nacht mit dunklen Schatten
und um die Häuserecke pfeift der Wind.
Ein braunes Blatt tanzt auf den Gehwegplatten,
die feuchte Luft macht Fensterscheiben blind.
 
Spinnweben glänzen nass in letzten Sonnenstrahlen;
ein Regenbogen spannt sich über Stadt und Land.
Mit voll bepackten Zweigen die Kastanien prahlen –
stehn majestätisch dort am Straßenrand.
 
Hör’ fern vom Kirchturm her der Abendglocke Ton.
Ihr Klang ist anders als an Sommertagen.
Die graue Stille ist des Herbstes Handwerkslohn –
es wird bald Winter, will das Läuten sagen.
 
Und oft in dieser finstren Totensonntags-Zeit,
lässt sich ein Lichtstrahl durch die kahlen Äste gleiten.
So wirst du Mensch – traf dich auch wehes Leid –
zu neuer Hoffnung über Gräber schreiten!
 

Geister der Nacht

The Nightmare – Johann Heinrich Füssli 1741-1825

Licht ohne Schatten –
nimmt Einsamkeit,
bringt Gesellschaft der Engel,
vertreibt die Angst vor der Dunkelheit,
macht quälende Gedanken erträglicher.
Die Geister,
die im Verborgenen lauerten,
sie schweigen,
erwachen in der Finsternis zu neuem Leben.
 
Ängste
werden wieder Schatten werfen,
zerren an der Bettdecke,
vertreiben den Schlaf
durch Gedankengespinste,
des Lebens böse Erinnerungen.
Alpträume sind die Geschenke der Geister,
bringen die alten Schwingungen,
greifen nach dir –
vielleicht schon in der nächsten Nacht!?

Verbotene Sehnsucht

So, wie die Schwalben ohne Rast
zu segeln durch die Lüfte,
 
mit allen Sinnen, fern der Last
zu atmen süße Düfte;
 
oh, wie du lockst, du weite Welt,
mit Schönheit und mit Leben,
 
und jeder Stern am Himmelszelt,
will meine Sehnsucht regen;
 
wie leide ich an meiner Ruh’
der abgeschied’nen Welten,
 
so hör’ mich rufen, laut: Nur DU
kannst meiner Seele helfen!
 
Wollt’ nahe sein nur DIR, mein Herz
und opfern DIR mein Leben,
 
dass Einsamkeit mir wird zum Schmerz,
bitt’ ich DICH zu vergeben.
 
Seh’ nicht als Sünde meinen Drang
des Daseins Sinn zu üben,
 
folg’ trotzdem DIR ein Leben lang,
gib meiner Seele Frieden.
 

Zeitenwechsel

Vier Jahreszeiten – Alfons Mucha 1862-1939

Treibt durch das Jahr
so schnell die Zeit,
mit weiten Riesenschritten,
man sehnt sich nach
des Frühlings Kleid
und gleich ist es
entglitten.
 
Schon hüllt des
Sommers heißer Atem
die Welt in prächt’ges Glühen,
sieht man bereits
in stillem Warten,
den Herbst schon Regen sprühen.
 
Bald fegt der Wind
mit starker Hand
den Staub der warmen Tage,
dann geht ein Welken durch das Land,
bringt trüb
der Stürme Plage.
 
Und fern erscheint
ein weißes Leuchten,
der Frost, er steht im Eisgewand.
Die Winterzeit streut ihre feuchten
Gesellen auf das kalte Land.
 
So wird der Wechsel
aller Zeiten
von hell nach dunkel uns beschert,
sind schlechte Jahre zu bestreiten,
gefolgt von guten umgekehrt.
 

Der Wind

John William Waterhouse 1849-1917

Es ist der Wind, der durch die Bäume fegt,
der peitschend mein Gesicht zerschneidet,
 
der sich hoch zu den weißen Wolken hebt
und tief sich mit dem Boden dann vereinet;
 
der die Natur mit fester Hand stets voran treibt
und nächtelang um meine Hauswand heult,
 
der Räder drehend in den Sphären bleibt,
als Weltengärtner Samen um sich streut.
 
Er ist der rastlose Motor der Welt,
denn ohne ihn versiegt das Leben;
 
ob stürmisch oder milde eingestellt,
vereint er sich mit Sonne, Mond und Regen.
 

Der Baum

streckt weit zum Himmel seine Äste,
als wolle er das Wolkentreiben spüren,
um der Natur, gleich einer Ballerinen-Geste,
den Tanz auf Zehenspitzen vorzuführen.
 
Er neigt sich, wiegt sich,
folgt dem Takt des Windes,
verankert mit den wurzelfesten Streben,
wild, mit dem ungestümen Geist des Kindes,
erfasst von Böen und Sturm,
Zeit seines Lebens.
 
Noch hält er Stand
und trotzt der Witterungen Launen,
als Sieger steht er triumphierend, stolz;
noch sehn die Menschen zu ihm auf und staunen,
doch fällt er,
wenn erst alt und morsch sein Holz.

Hölle

Bild: Karin M.

Satans lieblose Sphäre der Frevel.
 
Dem Guten abgewandte
finstere Welt der Schatten.
Dimension der Bewusstlosigkeit.
 
Ohne Gott sein ist Qual.
 
Unterwelt der Dämonen und Ängste.
 
Erlösung der geistig Toten
durch Jesus am Kreuz,
 
Reinkarnation als Bewährung.
 
Heimkehr der verlorenen Söhne und Töchter.
 
Aus der Verdammnis
zurück in die himmlische Reinheit.
 

Zerbrochen

Frank William Warwick Topham (1838-1924)  – Der zerbrochene Krug

So viele Tränen hab ich geweint,
zu Hause in dunkelster Stunde.
So viele Verse hab ich gereimt,
sie tragen des Leids bittre Kunde.
 
Vergeblichkeit spür’ ich, in all meinem Tun,
bei Tag und bei Nacht in den Gliedern.
Meine zerbrochene Seele muss ruhn.
Gabst meinem Gefühl kein Erwidern.
 
Mit vollen Händen stand ich vor dir,
gab dir mein Herz, unverwunden.
Du hast’s genommen, doch was gabst du mir:
Nur ein paar gestohlene Stunden!?
 
Brachte der Wahn nach vermeintlichem Glück,
nur Illusionen und Träume zum Blühen,
lass’ ich mit bittrer Enttäuschung zurück,
all’ meine Hoffnung, mein Mühen.
 
Alles im Wandel! Die Gegenwart rinnt
wie feiner Sand durch die Hände,
auch, wenn das Sehnen tief in mir brennt,
so fühl ich doch: Es ist zu Ende.
 
Wieder hat meines Schicksals Geschick
ein bittres Kapitel geschrieben.
Die Zeit begräbt mein scheinbares Glück,
ich werd’ von ihr weiter getrieben.
 
Lange noch sucht die Sonne vergebens,
einen Weg, durch die Wolken zu scheinen.
Solang’ der gänzliche Sinn meines Lebens,
ist, deinen Verlust zu beweinen.