Kleiner Rückblick – Friemersheim

Fortsetzung Teil 45

Dorfkirche in Friemersheim – Foto: Gisela Seidel

Bereits im Jahr 2010 hatte ich erneut damit begonnen, in der Bibel zu lesen, bzw. sie richtig zu studieren. Dazu schaffte ich mir verschiedene Ausgaben an und fand so meinen Favoriten, die Züricher Bibel. Ich benötige einen gewissen Sprachklang, damit ich mich für die Worte dort öffnen kann. Mittlerweile ist das Buch durch und durch bunt markiert.

Damals begann meine lange Suche nach Wahrheit und Lebenssinn. Ich las eine Zeit lang wöchentlich mit den Zeugen Jehovas, die mir zufällig an der Haustüre begegnet waren. Das ging fast ein Jahr, doch dann merkte ich, dass wir uns in gewissen Dingen nicht nähern konnten. Ihr Fundamentalismus ging mir zu weit. Ich kann nicht grundsätzlich an eine Religion und an ein Buch glauben, das von Priestern gemacht worden ist. Ich glaube an einen Gott, der so, wie ich ihn empfinde, nicht in diesen Schriften dargestellt wird.

Die Kirchen wollen von jeher nur Macht, um ihre kleingläubig gemachte Gemeinschaft zu unterdrücken. Ich lehne einen solchen Extremismus ab. Den gibt es leider in jeder Religion. Man muss darauf achten, sich davon nicht gefangen nehmen zu lassen. Das Himmelreich lässt sich nicht kaufen, schon gar nicht durch Kirchen. Viele Bibelstellen wurden gefälscht, erstaunlicherweise noch in der Gegenwart. Da heißt es nicht mehr „du sollst nicht töten“, da heißt es neuerdings „du sollst nicht morden“.

Damals wollte ich meine Neugierde befriedigen und wissen, woher die unterschiedlichen Glaubensrichtungen stammen und was der Ursprung ist. Ich war ja bereits mit dieser Wissbegierde auf die Welt gekommen und befriedigte sie mit dem Lesen bestimmter Bücher, zu guter Letzt mit dem Studium der Kabbala, vermittelt von Friedrich Weinreb.

Obwohl mich diese religionsphilosophische Betrachtung dem Sinn der mosaischen Schriften näher brachte, blieb ein großes Fragezeichen in mir. Im Buch „Hiob“ und an anderen Stellen wurde von Reinkarnation geschrieben. Darüber gingen sowohl die Zeugen Jehovas als auch die reformierten Kirchen hinweg. Es kann nicht sein, was nicht sein darf!

Mit der Zeit merkte ich, dass mich das Studium immer mehr zu mir selbst führte, zu meinem Lebenskern…dem Gott in mir.

Nachdem der arme Schäferhund meines Nachbarn eingeschläfert worden war, schaffte er sich einen Welpen an, einen Golden Retriever.
Ich kenne mich mit Hunden nicht aus, und mein Nachbar ließ ihn meistens frei im Garten herumlaufen, obwohl er eigens dafür einen großen Zaun um sein Gartenhaus hatte bauen lassen. Jedes Mal, wenn ich in den Garten ging, musste ich aufpassen, nicht in die Hinterlassenschaft des Hundes zu treten, die überall herumlag. Da der Welpe noch keine Erziehung genossen hatte, attackierte er ständig meine Fersen, um daran zu nagen, was seinem Herrchen sichtlich Spaß machte.

Irgendwann stand ich am Küchenfenster und sah zufällig, wie er die große Stechpalme, die auf meiner Gartenseite stand, mit der Heckenschere bearbeitete. Während er die unteren Zweige abschnitt, schwoll mein Hals. Ich öffnete das Fenster und schrie nach draußen, er soll das sein lassen. Danach beschwerte ich mich bei dem Menschen in der Firma, der die Wohnungsverwaltung unter sich hatte. Da kam keine Resonanz. Ich hatte das Gefühl, mir wurde nicht geglaubt. Man ignorierte mich einfach. Jahre später erfuhr ich, dass mein Nachbar es bei meiner Nachmieterin genauso gemacht hatte und der Wohnungsverwalter entschuldigte sich bei mir.

Danach herrschte jedenfalls Funkstille im Haus. In den Garten wollte ich nicht mehr. Es war alles zu viel!

Ich suchte nach einer neuen Wohnung, fand aber keine passende im heimatlichen Ortsteil. Da ich diesen noch nie verlassen hatte, fiel mir meine Entscheidung sehr schwer: Im Oktober 2012 zog ich in den Stadtteil Friemersheim. Das Mietshaus lag unmittelbar am Deich. Dahinter liegt die Rheinaue, in der ich oft mit K. spazieren war.

Foto: Gisela Seidel

Der Umzug war eine große Herausforderung, und ich bekam plötzlich Hilfe von meinem türkischen Arbeitskollegen, der sich, zusammen mit seinem Cousin und seinen Kindern, fleißig und hilfsbereit in die Arbeiten einbrachten. Ich bin noch heute dankbar für die Hilfe und überrascht von so viel Freundlichkeit.

Blick vom Balkon – Foto: Gisela Seidel

Nach sechs Wochen Arbeit zog ich endgültig in meine neue Bleibe ein. Das Schönste an dieser Wohnung war der große Balkon und die herrliche Lage mitten im Grünen. Meine beiden alten Katzen kamen natürlich mit, aber mein „Wichtel“ litt zusehends an Altersdemenz, konnte kaum noch sehen und schrie unentwegt. Zum Glück konnte man das außerhalb der Wohnung nicht hören. Mein Sohn Patrick hing an der Katze, und ich tat alles, um ihr Leben noch eine Weile schön zu machen.

Wichtel – Foto: Gisela Seidel
Dibo – Foto: Gisela Seidel

Die neue Wohnung lag ca. 10 Kilometer von meiner Firma entfernt. Eine ganz neue Erfahrung. Auch die Wohnung von K. konnte ich nun nicht mehr sehen, was mir sehr beim Vergessen half.

Alles war soweit gut, und ich versuchte neue Menschen kennenzulernen. Sie sollten gläubig sein und sich mit mir darüber austauschen wollen. Deshalb trat ich wieder der evangelischen Kirche bei. Aber ich hatte wohl zu viel erwartet.

Der Platz um die Dorfkirche ist für mich ein mystischer Ort, mit dem Haus des Küsters unmittelbar neben der Kirche. Ein altes Lehrerhaus steht unweit gegenüber, welches heute als Museum zu besichtigen ist.

Lehrerhaus Friemersheim

Wird fortgesetzt…

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

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