Kleiner Rückblick – Neuentdeckung

Fortsetzung Teil 36

Quelle: Wikipedia, 12. Oktober 1492 – Columbus Entdeckung Bahamas

Ich brauche einen Mann, der ohne Wenn und Aber offiziell zu mir steht, und an dessen starke Schulter ich mich hin und wieder anlehnen kann. K. betrachtete unsere Liaison von einer ganz anderen Position aus. Er wollte nichts für mich tun und nichts aufgeben, aber alles haben…und ich wollte ihn. Im Grunde waren wir beide Egoisten.
Eigentlich wollte ich ihn nicht verlieren. Sobald ich darüber nachdachte, überkam mich die Panik. Trotzdem war es wie ein Sog, der mich in das unvermeidliche „Aus“ hineinzog. Noch ein paar Tage und Briefe lang kämpften wir beide. Das ist ein Auszug meines vorläufig letzten Briefes:

„Manchmal führen unüberlegte Handlungen zu überraschenden Lösungen! Es gibt Momente, da fällt es einem wie Schuppen von den Augen, und man sieht Dinge, die vorher nicht sichtbar waren. Es ist Dir egal, ob Du mich verlierst oder nicht.
Du hast einmal von Deinem „Kussverhältnis“ geschrieben, dass sie heute noch des Öfteren anrufen würde, und Du ihre Sehnsucht spüren kannst. Aber es sei zu Ende. Die Tür sei für immer verschlossen.
Unsere „große“ Liebe reduziert sich leider noch nicht einmal auf das gleiche Niveau: Es ist ein Kuss-(Bett-)verhältnis und Du bist weit davon entfernt, zu wissen, ob Du mehr von mir willst. Nein, dazu gibt es keine Vision. Deine Einstellung zu unserer Liebe ist leicht erkennbar, zumal Du nie etwas anderes hast verlauten lassen: Es ist eine Liebe, die nichts fordert und keine Forderungen zulässt. Gelegentliche Treffen, bei denen jeder seinen Spaß hat, nichts mehr, und wenn es zu Ende ist, begnügt man sich mit den schönen Erinnerungen. Ich habe noch niemals eine so große Gleichgültigkeit erfahren müssen, wie die, die in diesen Worten steckt. Selbst unsere Verbundenheit „ertränkst“ Du in dieser Gleichgültigkeit. Du hast dadurch alles zerstört. Alles, was mir wichtig war, ist nun tot. Viele schöne Worte wurden zwischen uns geschrieben. Wie habe ich diese Worte geliebt! Aber es waren leider NUR Worte ohne Taten. Ich habe sie falsch bewertet, wie ich auch die Worte „Ich liebe Dich“ aus Deinem Munde falsch bewertet habe…“

Ein Ausschnitt aus seiner Antwort:
„…Ich war sehr ratlos, als ich Deine Abschiedsbriefe wieder und wieder gelesen hatte. So viele Seiten voller Vorwürfe und Anklagen. Bin ich wirklich so? Mein erster Impuls war, Dir eine Antwort zu schreiben, in der ich alle Deine Vorwürfe Stück für Stück zu entkräften versuche, um Dich von meiner Liebe zu überzeugen. Danach habe ich mich dagegen entschieden, weil das eine logische Erklärung geworden wäre und wir beide viel zu emotionale Menschen sind, als dass es irgend etwas genutzt hätte.

Danach wollte ich Dir schreiben, was Du Gutes für mich bist, welch guten Einfluss Du auf mich hast und was Du für mich bedeutest. Es sollte nur Positives von Dir und für Dich sein. Ich wollte Dir noch einmal schreiben, was ich für Dich empfinde, und dass es GUT ist, dass ich es für Dich empfinde. Aber Du hast in der letzten Woche gesagt, dass in Deinen Karten etwas von Veränderung stand. Ich habe das damals nicht so sehr beachtet, weil ich die Karten nicht als Richtschnur für unser Leben akzeptieren will. Aber vielleicht ist doch etwas Wahrheit darin!?

Ich bin froh, dass Du meinen Traumstein nicht zurückgeben willst und mir Deine Türe offen hältst. Eines Tages werde ich durch Deine Tür gehen. Aber noch nicht jetzt. Es ist noch nicht die richtige Zeit. Ich werde mich auch zurücknehmen und Dir keinen Grund für irgendeinen Vorwurf mehr liefern, dass ich in Dir nur eine „oberflächliche“ Beziehung sehen und meinen „Spaß“ und etwas „Abwechslung“ bei Dir suchen würde. Das ist es ganz sicher nicht. Ganz sicher! Es genügt, wenn ich Dich sehe, und ich bin in einer Traumwelt, in der es keine Zeit mehr gibt. Wenn Du mich berührst (wie letzte Woche), dann bin ich total hilflos und Dir vollkommen ausgeliefert. Ich könnte mich nicht gegen Dich wehren, selbst wenn ich es wollte. Wenn Du mich berührst, BIN ich Dein BESITZ! Und das macht mir Angst, ganz große Angst, weil ich nichts, aber auch gar nichts dagegen tun kann. Du hast gesagt, dass meine Hände ganz warm sind, wenn ich Dich berühre. Das ist nur bei Dir. Das hängt nur von Dir ab. Du bist es, die mich dann verändert. Du veränderst meine Augen, so dass ich in Dich und Du in mich hineinsehen kannst. Das macht mir Angst! Angst vor der Verantwortung, die ich Dir gegenüber habe. Wie kann ich Dir gerecht werden?

Du kennst zwar Deine Eltern und Deine Verwandten, aber Du warst nie ZUHAUSE bei ihnen. Du warst immer in einer anderen, in DEINER Welt zuhause. Und dort bist Du zwar sicher, aber einsam. Du suchst einen Partner, der Deine Welt mit Dir teilt. Ich werde Dein Partner in Deiner Welt sein. Aber ich kann noch nicht Dein Partner in Deiner Wohnung, in unserem täglichen Zusammenleben, in Deinem Alltag sein. Jetzt kann ich Dein geistiger Partner, Dein Seelenpartner sein, der ALLE Gedanken und Gefühle mit Dir teilt. Möchtest Du das auch für mich sein?“


Als ich las, dass er sich zurücknehmen wollte, lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Ich verstand zwar, warum er das tun wollte, aber es zeigte mir gleichzeitig ein Bild auf, das ich nicht sehen wollte: Er würde wieder öfter mit seiner Frau schlafen. Das konnte ich nicht ertragen! Es ging nicht! Wir standen wieder am Anfang.

„…Aber ich habe Dir versprochen, dass ich Verantwortung für Dich übernehmen möchte. Wie kann ich das tun, wenn ich wie Wachs in Deinen Händen bin, sobald wir uns sehen und berühren? Mein Wille und meine Beherrschung verschwinden dann genauso, wie dieses Wachs in einer Kerze schmelzen würde. Wie kann ich Verantwortung für Dich übernehmen, wenn ich nicht einmal mich selbst beherrschen kann? Und wenn es nur deshalb ist, um Dich davon zu überzeugen, dass Du für mich eben kein bloßer Zeitvertreib, keine oberflächliche Affäre und keine triviale Abwechslung bist, mit der man für einige Zeit seinen Spaß haben kann. Du bist für mich kein „bunter Punkt in meinem Alltagsgrau“, so wie Du geschrieben hast. Das kann ich Dir nur beweisen, indem ich Dir zeige, wie sehr ich Dich als Mensch und nicht nur als Frau achte und respektiere. Indem ich Dir zeige, wie sehr ich Deine Intelligenz, Deine Gefühle, Deine Gedanken und Dein Talent als „Meisterin der Worte“ schätze und…bewundere. Ja bewundere! Du besitzt eine ungeheure Empfindsamkeit und ein großes Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit, Schwingungen aufzunehmen, die sonst niemand aufnehmen kann und gleichzeitig eine unendliche Zerbrechlichkeit und Zartheit. Ja, das bewundere ich an Dir. Und gerade deshalb, auch wenn es mir selbst am Meisten wehtut:
Das ist meine Verantwortung für Dich: Ich muss mich selbst zunächst zurücknehmen, damit Du nie mehr das Gefühl hast, dass Du benutzt worden bist. Das habe ich nie getan und werde es auch nie tun. Aber wenn wir uns sehen, wird es für mich sehr schwer, wenn nicht unmöglich sein, Dich nicht besitzen zu wollen. Deshalb werde ich mich solange zurücknehmen, bis ich Dir Dein ZUHAUSE geben kann, wie Du es verdienst. Dein K.“

Maler unbekannt

Ich wusste, dass er es gut meinte, aber sein Entschluss tötete mich. Er wollte mich nicht mehr als Frau…oder doch!? Hatte eine Geliebte nicht immer das Gefühl benutzt zu werden, zumal sich die Treffen meist nur auf die wenigen Stunden im Bett beschränkten…und auf sonst nichts? Er hatte nie Zeit für mich! K. hatte geschrieben, dass seine Ehe perfekt sei. Was wollte er von mir oder mit mir? Er schrieb mir von einem Alptraum, in dem angeblich mein großes Bett eine Rolle spielte. Sehr suspekt, wie ich fand! Plötzlich wollte er ‚es‘ nicht mehr in meiner Wohnung tun, sondern irgendwo im Freien.

„…dort wo Bäume und grüne Pflanzen sind, dort wo wir Vögel hören können. Wir werden uns einen schönen Tag mit viel Sonne und Wärme aussuchen und dann EINS werden… Dein K.“

Das war eine Wirklichkeitsflucht…ein Vorwand, weil er Angst hatte, wieder etwas Falsches zu tun. Zeit schinden! Er hatte dieses „Bild“ schon einmal gehabt, ganz am Anfang unserer Verbindung.

„…Ich wollte es damals zusammen mit Dir in der freien Natur erleben, weil ich es vorher genau so in meinem Bild „gesehen“ hatte. Ich habe damals meiner „Vision“, meinem inneren Bild nicht entsprochen und habe nachgegeben, weil ich Dir nicht widerstehen konnte und weil wir beide es so wollten. Danach hatte ich das Ge-fühl, es zu früh und unter ungünstigen Vorzeichen getan zu haben, obwohl es für mich sehr schön war. Erinnerst Du Dich, wie ich Dich gebeten hatte, zu warten und Geduld zu haben? Ich hatte einen Fehler begangen, nicht Du! ICH habe meinem Bild nicht entsprochen!“

Ich verstand: Sein einziger Fehler war ICH! Er versuchte allen Ernstes aus unserer Liebe eine Freundschaft zu machen. Dann war er raus aus der Verantwortung.
Doch das Auf- und Ab in unserem Gefühlschaos war noch lange nicht zu Ende, denn wir trafen uns erneut.

„…Ich bin auch glücklich, wenn ich bei Dir bin! Ich fühle mich dann auch sehr geborgen und wohl und sehr vertraut mit Dir. Es ist schön mit Dir! Wir werden gut miteinander auskommen. Bitte habe Geduld mit mir und sei nicht allzu sehr fordernd und umklammernd. Das erdrückt mich sonst, obwohl ich es eigentlich sehr mag. Ich werde sonst immer wieder versuchen auszuweichen und zu flüchten, obwohl ich es eigentlich gar nicht will. Auf eine gewisse Art bin ich schon sehr seltsam…Habe bitte Vertrauen und Geduld mit mir! Ich küsse Dich! Dein K.“

Carlos Schwabe 1866-1926

Und wieder nahte das nächste Wochenende mit unausweichlicher Einsamkeit, die meine Gedanken wie eine Schraubzwinge in tiefste Grübeleien hineinpresste.

Egal, was wir taten, es endete in einer Sackgasse. Wir hatten uns zur falschen Zeit kennengelernt. Ich wollte ihn loslassen, weil ich keine gemeinsame Zukunft für uns sehen konnte. Wir mussten vergessen, um wieder frei zu sein. Wir durften so nicht weitermachen, und er dachte das auch.

Es war das erste Mal, dass er mich beim Namen nannte, und ich ahnte schon den Inhalt des Briefes:

„Liebe Gisela, auch ich habe an diesem Wochenende sehr viel nachgedacht. Ich habe auch gestern Mittag gespürt, dass wir uns trennen werden. Du hast Recht, wenn Du sagst, dass man sein Glück nicht auf dem Unglück von anderen aufbauen darf, weil es dadurch von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Wir haben uns in unserem Leben zu spät getroffen. Ich weiß, dass wir uns beide gegenseitig sehr lieben. Wir sind wirklich Dualseelen, und ich weiß wie sehr Dich unsere Trennung verletzten wird. Mir wird es nicht anders gehen, wenn auch in anderer Form, die Du nie verstanden hast. Verzeih mir bitte! Ich wollte, dass Du Glück empfindest und verursache Dir doch immer nur Schmerz und Gram. Ich konnte Dich nicht glücklich machen. Verzeih mir! Ich bringe Dir nur Unglück und Verzweiflung.

Ich danke Dir für die schöne Zeit, die ich mit Dir verbringen durfte, für die Gespräche und die vielen, vielen Briefe von Dir. Für Deine Gedanken und Gefühle, die Du mir entgegengebracht hast, wie tausend schöne, kostbare Geschenke. Ich werde nichts löschen, weder die Briefe, die E-Mail-Verzeichnisse, noch die Erinnerungen, Gedanken und Gefühle für Dich, meine Liebe zu Dir, alles bleibt in einer meiner wenigen schönen Welten, in meiner Gisela-Welt. Sie sind jetzt dort verborgen, nur für mich sichtbar, aber sie leben dort weiter…

Sei nicht allzu traurig, denke nicht an den Schmerz und lenke Dich ab, mit der Arbeit an Deinem Roman. Er ist wichtig! Du bist wichtig! Adieu – gehe mit Gott, er allein weiß wohin unsere Wege uns führen und warum! Dein K.“

Er hatte sich entschieden und einen Schlussstrich gezogen. Nun musste der konsequente Vollzug folgen, und er setzte alle Kraft daran, dies zu tun.

„…Du kannst nicht umschalten zwischen der „Welt mit mir“ und der „Welt ohne mich“ – wie ich das scheinbar ohne Probleme tun kann. Wir beide sind gleichzeitig sehr stark und sehr schwach. Aber wir werden die Zeit der Trennung ertragen und gestärkt daraus hervorgehen. Unsere Liebe ist nicht zu Ende!!! Dein K.“

Als ich seinen Brief las, war es wie ein Stich ins Herz! Da wusste ich erst, dass er seinen Entschluss ernst meinte. Wie konnte er das tun? Ich war fassungslos! Das war doch mehr als paradox: Er wollte mich schützen und trennte sich von mir, damit ich nicht vor Sehnsucht und Verzweiflung kaputtging. –Doch was kam nach der Trennung: Sehnsucht und Verzweiflung! So endete der 13. September 2006 mit einem Desaster. Für mich war es eine Trennung für immer, obwohl ich das nicht glauben wollte.

Ein totaler Wandel wollte vollzogen sein. Nicht ganz ohne eigene Schuld war es zu diesem Bruch gekommen. Die Boten des Schicksals waren nicht gerade gnädig gewesen. Ich versuchte, die Erinnerungen loszulassen und mich abzulenken, aber es gelang mir nicht wirklich. Die Traurigkeit hatte mich in ihren Klauen und brachte Stagnation und Tränen in meine Tage, die leer und trostlos dahingingen. War es das endgültige Ende oder nur der Anfang eines langen Prozesses, der nun in Gang gesetzt worden war?
Ich konnte nicht glauben, dass es zu Ende sein sollte, weil es sich nicht „wahr“ anfühlte. Meine Lebensharfe war verstummt. Wo immer ich die Saiten anschlagen wollte, fehlte der Resonanzboden. K. war fort, und ich versuchte irgendwie weiter zu leben.

Die Wochen, die folgten, brachten Ablenkung auf eine ganz besondere Art und Weise: Mein Sohn Patrick musste notfallmäßig ins Krankenhaus und wurde sofort operiert. Ein Abszess auf den Stimmbändern verhinderte ganz plötzlich das Schlucken und hätte womöglich noch Schlimmeres verursacht, wenn der Arzt es nicht rechtzeitig entdeckt hätte. Als er wieder zu Hause war, hatte er mit dem Micra einen Totalschaden…der erste. Kurz darauf folgte ein zweiter. Ihm war zum Glück nichts geschehen. Der Monat hatte es in sich. Das war Stress pur!

Tagsüber war ich weitestgehend abgelenkt. Aber wenn ich abends alleine in meinen vier Wänden auf meiner Couch saß, kamen die Erinnerungen wieder hoch. Die Sehnsucht nach K. schmerzte, und mein leeres Postfach feuerte Pfeile in mein Herz, jedes Mal wenn ich es öffnete. Einen Monat lang dauerte die Zwangsklausur. Als ich am 12. Oktober 2006 in das Gästebuch meiner Homepage schaute, fand ich dort einen Eintrag von K. vor, der mir einen Stein von der Seele nahm:

„Heute ist der 12. Oktober! Heute vor genau 514 Jahren hat jemand vor den Bahamas auf spanisch laut „Land in Sicht“ gerufen und danach lernten die damaligen Amerikaner Europa kennen. Heute vor genau vier Monaten hat mir jemand sein Gedicht vom Herbst geschenkt, mit dem die schöne Zeit begann. Heute vor genau einem Monat dann das vorläufige Ende, emotionaler Tod, ein Fluch (!): „Herz aus Stein“, Leere und Kälte, eine graue, farblose Welt.
Magie der Zahlen: „12“ – Vollkommenheit, Abgeschlossenheit, bei Reichstein: Opferung und Sühne; „10“ – Vollständigkeit, Gesamtheit, alles oder auch Wechsel des Glücks; meine Glückszahl „8“ – Unbeschränktheit, Offenheit, Freiheit, Unendlichkeit, keine Grenzen, kein Besitz, alle Richtungen und Wege sind offen – wo bleibt sie?

Heute ist der 12. Oktober! Was ist geblieben?
Schmerz, Sehnsucht, Leere, die Kälte, das Nichts. Tagsüber das Versinken in Arbeit, Konzentration auf Logisches, Verstandesmäßiges, abends Ablenkung, …Flucht vor den eigenen Gedanken und Wünschen. Nachts ist keine Flucht möglich: Träume, Träume ohne Ende, Aufwachen jede Nacht: Jemand ist da und ruft! Ich darf nicht antworten! Dann kommt schon der nächste Tag. Was bleibt noch? Trauer, ein Gefühl von Leere, die Gewissheit immer das Gute und Schöne gewollt und nichts Böses getan zu haben. Das Gefühl, Dir aus Unvermögen und Pflichtbewusstsein Leid zugefügt und…versagt zu haben. Das Gefühl, Dir nicht mehr in die Augen sehen zu dürfen. Außerdem ein Türkis, der früher immer ganz heiß in der Hand brannte, jetzt ist er kalt und tot!

Und doch: Die Moquis leben beide, sehr aktiv, sie stahlen und vibrieren, manchmal pulsieren sie wie ein Fluss – sie sind ein Trost! Du sagtest, sie würden zu Staub zerfallen, sobald das Ende kommt. Sie LEBEN, ich streichle und behüte sie. Ich hoffe!

Und doch: Sie sind so unendlich wertvoll: die vielen, vielen Briefe, die Gedanken, die AUGEN-Blicke, die Fotos, die ich immer wieder ansehe, die Gedichte, die Internetseite mit der Rubrik für einen besonderen (?) Menschen, dem Gedicht „Bittere Neige“, das mir Hoffnung lässt und trotzdem sehr weh tut, weil es unter Schmerzen geschrieben worden ist.

Und doch: Ich spüre Deine Gedanken, Deine Nähe, wenn ich an Deiner Wohnung vorbeigehe. Ich denke an unsere jetzt so leere Bank in Friemersheim. Die Sträucher in der Umgebung sind jetzt geschnitten. Einsam steht sie jetzt, allein, nicht mehr geschützt durch das üppige Grün um sie herum, wie ein kaltes, ungeschütztes, leeres Nest auf einem weiten Acker.

Ich habe mehrmals versucht, diese, unsere Bank, unseren Kraftort, mit dem Fahrrad ganz ohne Karte oder Navigationsgerät, nur nach Gefühl zu finden. Ich komme zwar jedes Mal ein Stück näher, aber ich habe sie bisher immer noch nicht erreichen können. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf! Irgendwann werde ich sie und Dich wieder finden. Die Zeit wird nicht trennen!

Und doch: Die Dankbarkeit überwiegt! Dankbarkeit für alles was Du mir Schönes von Dir gegeben hast!
Heute ist der 12. Oktober!


Wird fortgesetzt…






Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

2 Gedanken zu „Kleiner Rückblick – Neuentdeckung“

    1. Danke fürs Lesen, vielmehr für den Versuch, trotz Leseschwäche. Zugegeben, es ist ein langer Text, aber ich kann ihn schlecht kürzen, denn die Briefe sind dort im Original abgebildet. Es ist meine Autobiografie. Ab 2009 wird es kürzer…und ich immer älter. Ich freue mich, wenn Du mich weiterhin ‚verfolgst‘.

      Herzliche Grüße

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