Kleiner Rückblick – Selbst-Aufgabe

Fortsetzung Teil 38

Valentinstag

Es ist der 14. Februar 2009: Valentinstag! Für mich unbedeutend, wenn auch mit einer gewissen Symbolkraft behaftet. Der Tag steht für die Liebenden. So genannt nach dem heiligen Sankt Valentin, der im Jahre 269 enthauptet wurde und den Tod eines Märtyrers starb. Er gilt als Schutzpatron gegen die „fallenden Krankheiten“ Epilepsie und Ohnmacht.
Gegen die Ohnmacht im übertragenen Sinn könnte ich ihn als Schutzgeist sicher gut brauchen.

Nichts hat sich seit zweieinhalb Jahren verändert…und letztendlich doch alles. K. und ich, wir hatten uns damals nicht zum letzten Mal getrennt, waren später wieder zusammengekommen. Vier Mal, genauer gesagt, wobei die Trennungszeit jedes Mal größer wurde. Drei Mal trennte K. sich von mir, oder besser: er ging auf Distanz, ein Mal ging es von mir aus. Ein langer Prozess, in dem es für mich nie wirklich zu Ende war.
R. M., die Hellseherin aus der Vergangenheit, sie hatte recht behalten, als sie die Ringe gesehen hatte: Die Verbindung hält für immer. Für mich ist das wirklich so. Bei jedem neuen Mann kämen unweigerlich Vergleiche. Niemand könnte diesen standhalten.

Bereits im Januar 2007 ging K. wieder auf Abstand, den er brauchte, wie er sagte. Ich hatte „böse Dinge“ über seine Kinder geschrieben, weil mir das übertriebene Familiengetue zum Hals heraus hing. Alleine gegen das Wort „Familie“ habe ich mittlerweile eine richtige Abneigung entwickelt. Einerseits verurteilte ich seine übergroße Fürsorge, andererseits hätte ich alles dafür gegeben, diese Erfahrung mit ihm zusammen machen zu dürfen. Seine Kinder werde ich wohl niemals kennenlernen. Oft sehe ich seinen Sohn auf dem Fahrrad von der Schule nach Hause radeln.

Nachdem ich das erste von drei Tränen durchtränkten Weihnachtsfesten gefeiert und mir Silvester vorgestellt hatte, wie zukunftsoffen und traulich sich die Eheleute B. zugeprostet hatten, war mir bei so viel Scheinheiligkeit der Kragen geplatzt.

K. und ich, wir waren uns sehr ähnlich, aber ich verstand dieses ausschließliche Fixiertsein auf seine Kinder überhaupt nicht. Es gibt auch ein Leben ohne die Kinder. Für ihn gab es nur sie! Für mich steht die Partnerschaft an erster Stelle. Darüber ließ er natürlich nicht mit sich reden und spielte mir gegenüber den „zerbrochenen Krug“. Leer und nicht mehr in der Lage, irgendwelche Emotionen von mir aufzunehmen, wandte er sich recht theatralisch von mir ab…bis zum März 2007. Er hatte mir wie immer ein schlechtes Gewissen gemacht. Ich fühlte mich schuldig an seinem „zerbrochenen“ Zustand, weil ich nicht die Oberflächlichkeit besaß, mit der Situation anders umzugehen.

Die Wiederannäherung war zunächst nur zögerlich vonstatten gegangen, endete aber in einer Reise nach Weimar, die wir vor Ostern gemeinsam unternahmen. K. hatte mich dazu eingeladen und betonte immer wieder, dass das wohl das erste Mal sei, dass mich ein Mann zu einer Reise einladen würde. Recht hatte er! War seine Großzügigkeit nur Machogehabe? Ich verstand ihn nicht. Seiner Frau bezahlte er doch auch ALLES. Er finanzierte seit fast zwanzig Jahren ihr ganzes Leben, inklusive Urlaube, während sie tagtäglich nur auf der Couch saß. Wenn sie etwas nicht tun wollte, war Diabetes ein vorzügliches Druckmittel, um ihren Mann für Arbeiten zu benutzen, die eigentlich ihr Part waren. Es schüttelte mich jedes Mal, wenn er mir schrieb, dass er am Wochenende Keller und Hausflur putzen müsse. Er fuhr zum Einkaufen, weil sie keinen Führerschein besitzt und kümmerte sich um die Kinder. Wenn er etwas mit ihnen unternahm, dann tat er es für gewöhnlich allein, weil seine Frau keine Lust dazu hatte. Er tat seine Pflicht (meinte er). Was tat sie? Sieht so eine glückliche Ehe…eine gut funktionierende Partnerschaft aus? Manchmal frage ich mich wirklich, wie naiv Männer sind!

Jedes Jahr um Ostern fuhr seine Frau mit den Kindern in ihre Heimat. 2007 tat sie das auch, und wir fuhren nach Weimar. Diese Tage waren wohl die schönste Zeit, die ich mit K. erleben durfte. Ein Hauch von Glück schwebte über all unseren Unternehmungen. Er bewunderte meine „schönen Kleider“, wie er sagte, die ich extra für ihn gekauft hatte und abends ausführte. Als wir in Höhe von Goethes Gartenhaus in den Ilmwiesen auf der Bank saßen, war es mir, als könnte ich mit ihm in eine andere Zeit entfliehen. Wir waren uns ganz nah, und ich schwebte auf „Wolke 7“.

Foto: Gisela Seidel – In Weimar

Aber leider geht alles Schöne irgendwann zu Ende. Der Absturz von meiner Wolke war vorprogrammiert. Wir fuhren heim und ein paar Tage später kam seine Familie aus Bulgarien zurück. Der Schalter „Gisela“ wurde wieder auf „Aus“ gestellt. Sein ‚Heiligtum‘ und seine kleinen Engel waren zurückgekehrt, und ich hatte in der Versenkung zu verschwinden.

Ich stürzte emotional in den Abgrund. Es tat so weh, und ich konnte nichts dagegen tun. Ich fühlte mich so ohnmächtig und so minderwertig.
Immer wieder fragte ich mich, wieso K. in der Lage war, nach all den gemeinsamen Glücksmomenten wieder zu seiner Frau zurückgehen zu können, ohne, dass es ihm wehtat. Er ging direkt aus meiner Welt in ihre…ohne die geringsten Skrupel zu haben. Was er mir damit antat, war ihm durchaus bewusst – auch, wenn er es nie verstehen konnte.

Wenn ich ihn nicht verlieren wollte, musste ich damit leben. Seine Frau schien von alldem nichts zu ahnen. Sie fühlte sich in Sicherheit. Sie wusste doch, wie sehr ihr Mann an den Kindern hing und umgekehrt. Niemals würde er von dort weggehen! Zu alledem hatte sie gelernt, ihr Spiel „Alleine bin ich lebensunfähig“ perfekt zu spielen, und wenn er nicht so funktionierte, wie sie es sich vorstellte, wurde sie krank.

„Sie ist gut für mich!“, sagte er mir einmal und wusste anscheinend mal wieder nicht, was er mir damit sagte. Sie war doch nur gut für ihn, weil sie keine Erwartungen mehr an ihn stellte. Leere Waagschalen = Ruhe und Frieden, Ausgeglichenheit…und sie war eine gute Köchin, eine gute Hausfrau und Mutter. Was wollte er von mir? GAR NICHTS…vielleicht die Leidenschaft!? Er nahm alles mit, was ich ihm in Liebe zu geben bereit war. Ohne innerliche Verrenkungen spielte er Zuhause den zufriedenen Ehemann.

Nach emotionalem Kampf versuchte ich im Sommer 2007 die endgültige Trennung zu vollziehen. Es war ein schrecklicher Sommer! Jedes Wochenende, wenn K. mit seiner Familie draußen im Garten saß und wieder einmal grillte, saß ich zu Hause und weinte mir die Augen nach ihm aus. Im Geiste sah ich ihn im Kreise „seiner Lieben“ sitzen. Er genoss sein Leben auch ohne mich. Ich konnte das nicht! Ohne ihn war ich unglücklich. Er hatte Spaß mit seiner Frau und seinen Kindern, währenddessen mich die Sehnsucht von innen aushöhlte.

Dann machte ich Schluss, weil er mir am Telefon etwas von einer Einladung zur Hochzeit erzählt hatte, wo er mit seiner Frau hinfahren wollte. Daraufhin telefonierte er nicht mehr mit mir, aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Es war die Hölle, denn damit nahm er mir eine für mich lebenswichtige Kontaktmöglichkeit. Das brachte das Fass zum Überlaufen!

Fünf Monate lang hielt ich die Trennung durch, doch ich konnte es nicht aushalten und abschließen. Traurigkeit und Verzweiflung waren jeden Tag bei mir zu Gast. Sie brachten mir Tränen, die niemand sah und die Erkenntnis, dass man Liebe nicht einfach loslassen kann.

Ein Mal in dieser Zeit sahen wir uns zufällig auf der Straße. Ich fuhr mit dem Auto an ihm vorbei. Unsere Blicke trafen sich nur kurz, doch ich spürte, dass die Liebe noch immer da war. Ich schrieb ihm einen langen Brief, und er antwortete…aber nur, weil ihn mein leerer Blick berührt hatte. Wenige Briefe später merkte ich, dass sich nichts geändert hatte. Er wollte weiter seinem Entschluss folgen und keinen Kontakt mit mir haben, weil er mir nur Unglück bringen würde, wie er meinte. Ich sollte mich von ihm frei machen, sagte er.

Im Januar 2008 schickte ich spontan und unüberlegt eine Email an K., weil ich im Internet etwas über Dualseelen gelesen hatte, das er auch lesen sollte. Schließlich führte mein Brief zu weiteren Briefen und letztendlich zu einer tätlichen Fortführung unserer Verbindung, mit allem was dazu gehörte.

„Guten Morgen, mein Liebes, wir verlieren uns nicht! Auch ich bin seelenlos und leer ohne Dich.
Immer wenn Du mir so schreibst wie gestern (der lange Brief von gestern Mittag und dieser Brief über den Kreislauf aus dem Du ausbrechen musst) zwingt mich das dazu logisch und verstandesmäßig darüber nachzudenken was ich tue, warum ich etwas tue und ob mein Handeln für Dich etwa sogar schädlich ist. Das war auch an Deinem schlimmsten Tag der Fall, als ich Dich in den fünf langen Monaten in Deinem Auto gesehen hatte und wir uns gerade wieder geschrieben hatten. Mein Gefühl sagt mir, dass es gut ist, Dich zu lieben und das Geschenk Deiner Liebe anzunehmen. Mein Verstand sagte mir, dass ich für Dich schädlich sei und dass diese Liebe für Dich wirklich wie ein Gefängnis ist, aus dem Du ausbrechen MUSST.

Die Bedingungen unter denen diese Liebe leben muss, ist für Dich ein Kreislauf (ein Gefängnis) aus dem Du ausbrechen musst, weil es Deinem Gefühl von Wahrheit und Offenheit widerspricht. Und diese Bedingungen sind durch MICH bestimmt. ICH bin es dann, der Dich in diesem Kreislauf gefangen hält. Nicht aktiv als Kerkermeister, der Dich irgendwo einsperrt und ab und zu etwas zu essen gibt, wohl aber als Ursache und Antrieb für Dein subjektives Gefangensein in einem Kreislauf (oder Deinem ‚Kerkerdasein‘ wie Du es damals genannt hast).

Ich wollte damals, dass Du Dich von mir befreist, dass Du wieder ganz in Deinem Gefühl von Wahrheit frei und unabhängig leben kannst. Unabhängig und frei von mir. Ich wollte, dass Du wieder frei atmen kannst und jede Antwort von mir, egal ob durch ein Wiedersehen oder durch Briefe, hätte Dein Ausbrechen aus Deinem Gefängnis behindert. Deshalb habe ich mich dafür entschuldigt, Dir geantwortet zu haben. Glaube mir, ich habe sehr unter Deiner Abwesenheit gelitten. Nicht mit Weinen und Schmerz aber mit Trauer, …einem unendlichen Meer von Trauer … und Sorge um Dich.

Ich habe NIE die Verbindung zu Dir unterbrochen, in keinem Moment der langen Zeit der Trennung. Mein ‚Unsichtbarmachen‘ sollte Dir helfen, Dich von mir befreien zu können. Es klingt paradox, aber das war das Zeichen meiner Liebe für Dich. Ich habe selbst am Allermeisten darunter gelitten… Mein Verstand sagt mir, dass eigentlich ICH in einem Kreislauf gefangen bin und nicht Du. Dein logischer Verstand (nicht Dein emotionaler Verstand!) müsste Dir eigentlich sagen, dass DU vollkommen frei und unabhängig bist. Du bist selbstständig, stark und unabhängig und brauchst keinen Mann an Deiner Seite, der Dich ernährt. Du bist hochintelligent. DU kannst mir Deine Liebe und Zuneigung schenken oder nicht. DU bist frei! DU kannst Deine Verbindung zu mir trennen und hast es auch in den fünf Monaten schon getan (wenn auch unter großen Schmerzen und Qualen, aber Du hattest es getan!). Ich kann das nicht – selbst wenn ich es wollte! Du bist viel freier als ich!

Immer wenn ich logisch und verstandesmäßig denke, komme ich immer wieder zum gleichen Schluss: ich muss Dich freigeben und die geistige und körperliche Verbindung zu Dir trennen, WEIL ich Dich liebe. ABER ES GEHT NICHT! Ich werde Dich nicht freigeben, WEIL ich Dich liebe! Ich kann meine Verbindung zu Dir nicht trennen! Dein K.“

Dieser Brief brachte es auf den Punkt! Ich weiß nicht, wie oft ich ihn bisher gelesen habe, aber es waren unzählige Male, und er beeindruckt mich jedes Mal wieder aufs Neue.

K. fühlte sich in einem Alltags-Kreislauf gefangen? Jeder Mensch ist frei in seinen eigenen Entscheidungen. Wenn man etwas wirklich will, gibt es kein Gefängnis…es sei denn, man säße tatsächlich hinter Gitter. Gefangen halten die Ängste, von denen man sich befreien kann, indem man wie der Narr im Tarot voller Gottvertrauen durch sie hindurch, mutig weitergeht. Dann ist man frei und geht voran! Alle anderen MÜSSEN dann folgen.

Da Ostern 2008 in den März fiel und sehr frostig war, blieben wir in meiner Wohnung, als seine Frau nach Bulgarien fuhr. Es war sehr eng zwischen uns. Er wich nicht von meiner Seite. Ich genoss unsere Gesten und Berührungen. Ich liebte ihn so sehr! Wir hatten viele Monate nachzuholen. Der Kurzurlaub ging schnell zu Ende. Danach: erneuter Absturz und Einsamkeit.

Als dann mein Geburtstag kam, gratulierte er mir in wenigen Worten per Email.

Ich hatte ihn gebeten, beim Tragen meiner neuen Couchgarnitur zu helfen, weil ich annahm, dass meine Freunde es nicht alleine schaffen würden, mir diese an meinem Geburtstag in die Wohnung zu bringen. Nicht freiwillig (was ich von einem Freund, der vorgibt mich zu lieben, erwartet hätte), sondern nach mehrfachem Bitten, hatte K. sich schließlich für den Notfall bereiterklärt, mir zu helfen. Mit einem solchen Verhalten hatte er mich schon einmal vor den Kopf gestoßen. Das war, als wir zusammen im Bett lagen und er ganz nebenbei bemerkte, dass meine Gardinenstange herunterhing und aussah, als würde sie jeden Moment aus der Wand reißen. Jeder andere Mann hätte sofort eine Leiter und Werkzeug geholt. Er nicht! Es war ja 17 Uhr und Zeit nach Hause zu gehen, wo seine Frau bereits darauf wartete, dass er ihr den Hintern nachtrug.

Das hatte mich empfindlich getroffen! Ich bin schon immer hilfsbereit gewesen und hätte einen Freund niemals „im Regen stehen lassen“. Und dann ausgerechnet an meinem Geburtstag. Ich war es so leid! Er wollte nichts für mich tun, und mit meinem Leben hatte er nichts am Hut. Ich war ja auch nicht seine Frau.

Ich machte meiner Enttäuschung Luft: „B. und St. bringen gegen Abend die zweite Couch und den Sessel. Vielleicht kommt M. zum Kaffeetrinken.

Warum lässt Du unsere Liebe sterben? Ich bin wütend über Deine Bequemlichkeit, über Dein Nichts-tun-wollen und Deine fehlende Eigeninitiative! Und ich bin noch wütender darüber, dass Du mich eiskalt im Regen stehen lässt, weil Du mir immer wieder die gleiche Antwort schuldig bleibst: die nach unserer gemeinsamen Zukunft.

Du lässt mich alleine – wie immer seit zwei Jahren! Ein In-den-Arm-nehmen in einem Brief ist ja auch einfacher zu bewerkstelligen, als es tatsächlich zu tun. Dafür brauchst Du Deine Wohnung nicht zu verlassen.
Kein Aufwand betreiben…es darf nichts kosten…den familiären Schein wahren. Nichts riskieren, kein Geld und schon gar nicht das bequeme Leben.
Ich habe einen traurigen Geburtstag! Mir steht nicht der Sinn nach feiern und fröhlich sein. Der Mensch, den ich liebe, liebt mich nicht. Ihm ist es offenbar gleichgültig, wie lange diese Verbindung noch bestehen bleibt. Wenn sie beendet würde, gibt es ja immer noch eine andere Frau…es ist ja auch egal, wer da im Bett liegt und mit am Tisch sitzt.“

Mein Chef hatte mir einen Strauß Rosen überreicht. Von K. hatte ich noch nie Blumen geschenkt bekommen…nicht mal zum Geburtstag. Er war kein Blumenschenker. Das hatte ich bereits während unserer gemeinsamen Woche bemerkt, als ich mir in einer Gärtnerei ein Topf-Blümchen gekauft hatte. Er hätte das niemals für mich bezahlt, um mir eine Freude zu machen. Schon damals hatte ich bemerkt, dass er generell NUR das tat, was in SEINEN Augen gut war. Ein Blumenstrauß war für ihn unnütze Geldverschwendung. So etwas schenkt er nicht, auch wenn ich mich darüber sehr gefreut hätte.

Wieder einmal fühlte K. sich zerstört und zog sich zurück. Es war wie immer: Anstatt sich mit dem Thema auseinander zu setzen, ging er in den Rückzug. Da, wo ich mir Aussprachen erhofft hatte, stieß ich auf Schweigen. Es war wie es immer war. Ändern würde er sich niemals.

Carl Spitzweg (1808-1885) – Postkutsche

„Mein Liebes, bitte lasse mich meinen Weg zum Frieden selber finden. Ich kenne mich wahrscheinlich besser als Du mich? Natürlich bin ich innerlich in einem totalen Umbruch und voller Unruhe und Unsicherheit. Aber das kann ich nur mit mir selber ausmachen und jeder Druck oder Einfluss von außen (damit bist nicht Du oder Deine Vorwürfe gemeint) bringt mich von meinem inneren Weg ab. Dieses Abweichen von diesem inneren Weg empfinde ich dann als seelischen Schmerz und zerstörerisch. Ich muss meinen richtigen Weg wieder finden. Und Du gehörst zu diesem Weg! Auch in Zukunft! Das spüre ich genau. Deshalb darf ich Dich auch nicht verlieren.

Erinnerst Du Dich an einen unserer ersten Briefe, als Du von den beiden Kutschen erzähltest, in denen wir beide reisten? Du wolltest immer zusammen in einer Kutsche zum gleichen Ziel reisen. Ich wollte immer in zwei Kutschen reisen, die den gleichen Weg nehmen und auch das gleiche Ziel ansteuern. Diese Diskrepanz zwischen unseren Zielen ist geblieben, von Anfang an. Wir sind beide sehr ‚exotische‘ Wesen mit ungewöhnlichen Ansichten und Empfindungen. Ich sage das nicht aus einer Selbstverliebtheit oder aus Egoismus heraus sondern weil es einfach so ist. Und gerade deshalb sind wir uns immer so nah und so ähnlich. Das macht unsere Verbindung aus und deshalb werden wir uns auch nie verlieren. Unsere Verbindung ist nicht schwächer geworden und hat nicht an Intensität verloren. Das empfinde ich nicht so. Es tut mir leid, wenn Du mich heute nicht fühlen kannst. Das bedeutet nicht, dass wir nicht mehr verbunden sind! Wir sind verbunden! Ich denke an Dich! Dein K.“

Ja, ja, da waren sie wieder, die beiden Kutschen! Es hatte sich nichts geändert. Ich war so dermaßen wütend auf ihn, weil er nichts für uns tun wollte, dass ich am liebsten seine Frau angerufen hätte, damit sie es endlich erfährt. In meiner Verzweiflung drohte ich ihm damit. Ich hatte Rachegedanken, weil er mich schon jahrelang leiden ließ und kein Ende in Sicht war. Sie sollte auch leiden!

Ich konnte nicht heraus aus meinem Gefängnis, weil tiefe Gefühle mich an ihn banden, aber ich wollte es, weil ich keine gemeinsame Zukunft für uns sah. Seine Frau sollte nichts von uns erfahren. Dann wäre es nämlich zu Hause recht unbequem für ihn geworden.

„Tue es nicht – für die Kinder!“, hatte er geschrieben.

Er war ganz einfach nicht willens unsere Liebe zu leben und vor allen Dingen: Er war zu feige. Auf meine Drohung reagierte er natürlich sehr wütend, was aus seiner Sicht verständlich war. Wie immer hielt ich es ohne ihn nicht lange aus. Ich schrieb ihm einen langen Brief und bat darum, er möge die Trennung zurücknehmen. Nun bestrafte er mich und ließ zunächst alle meine Nachrichten unbeantwortet. Ende April kam seinerseits ein „Wir haben uns nicht verloren!“

Fortsetzung folgt…

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

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