Kleiner Rückblick – Verkauf Elternhaus

Fortsetzung Teil 25

Mein Vater vor seinem neuen Mercedes
Der Hof meines Elternhauses

Die Zeit machte keinen Halt vor dem normalen Alltagstrott. Nachdem meine Mutter am 29. Oktober 1997 gestorben war, verweigerte mir mein Vater meinen Erb-Pflichtteil. Das war das einzige Mal, dass ich gegen dessen unlautere Machenschaften angegangen bin. Ich wollte mir nichts mehr gefallen lassen, was meinem Gerechtigkeitssinn widersprach. Nach einigem Hin und Her zwischen den Anwälten und Intrigen gegen mich, erlangte ich nach zwei Jahren einen Erfolg vor Gericht, und mein Vater musste mir den Anteil ausbezahlen. Danach herrschte zwischen uns Funkstille.

Mein Vater konnte und wollte nicht alleine leben und hatte bereits ein halbes Jahr nach dem Tod meiner Mutter einen vollen Ordner mit Kontaktadressen. Nach einigen missglückten Beziehungsversuchen lernte er schließlich 2004 auf einer Tanzveranstaltung eine Frau aus dem Duisburger Süden kennen, für die er bereit war sein Haus aufzugeben.

Mit meinem Sohn G., der bis dahin mit ihm unter einem Dach gewohnt hatte und bereits im Testament als Erbe des Hauses vorgesehen war, überwarf er sich nach einer heftigen Auseinandersetzung. G. wurde kurzerhand enterbt und vor die Türe gesetzt. Der wollte sich das aber nicht gefallen lassen und versuchte, sein Bleiberecht einzuklagen, was jedoch misslang.

Da G. zuvor den Anbau des Hauses neu verkabelt hatte, entfernte er erbost alle neu eingezogenen Stromleitungen und hinterließ seinem Großvater ein riesiges Chaos.

Danach zog er zu seiner Freundin, die allerdings verheiratet war und drei Kinder hatte: ein Mädchen vom Ehemann und Mädchen und Junge von meinem Sohn G. Diese Beziehung hält bis heute. Mein Sohn suchte sich eine eigene Wohnung, als sein Zimmer benötigt wurde.

Als mein Vater das Haus verkaufen wollte, rief er mich völlig überraschend an. Ein ungehaltener Ton wurde laut, der mich unverzüglich in mein Elternhaus beorderte.
Mein Sohn Patrick hatte sich, trotz des fehlenden Kontaktes zu den Großeltern, bereit erklärt, mir zu helfen. „Das tue ich für Dich!“, hatte er betont, was ihm damals sicher schwer gefallen ist, denn er litt unter diesem Missverhältnis. Er hatte als Kind jedes Jahr davon gesprochen, dass die Schule und der Zug an Sankt Martin durch die Straße meiner Eltern zog. Es bedrückte ihn, alle Häuser geschmückt zu sehen, die Leute an den Türen stehend, nur meine Eltern nicht.

Schon, als wir am vereinbarten Termin bei meinem Vater eintrafen, schämte ich mich für ihn. Er begrüßte Patrick nicht und wies in seiner derben Art auf den mit Sperrmüll vollgestellten Hof hin und auf die Sachen, die zum Bauhof gebracht werden mussten. Volle Ölwannen, ein Berg Flaschen, Farben und Kabel etc. erwarteten uns. Da der Abfall von meinem ältester Sohn stammte, fühlte ich mich mit schuldig und wollte den alten Mann nicht ohne Hilfe lassen.

Patrick schleppte alles mit mir zum Auto und wir brachten es weg.
Von meinem Vater kein „Danke“, nichts! Den restlichen Sperrmüll ließ er abholen.
Da mein Sohn G. auf den Prozessausgang gegen meinen Vater wartete, durfte dieser zwei Jahre lang das Haus nicht verkaufen.

Danach fiel das Urteil positiv für meinen Vater aus, und er beauftragte 2006 einen Makler mit dem Verkauf. Schon die ersten Käufer zeigten großes Interesse. Schließlich erhielt ein junges Paar den Zuschlag.

Das Haus wurde samt Möbel verkauft. Die persönlichen Sachen hatte mein Vater schnell zur Mitnahme zusammengestellt. Weitere waren für den Müll vorsehen. Er war ja derjenige, der alles wegwarf, damit andere Menschen sich daran nicht bereichern konnten.

Diesmal war er ‚großzügig‘ und zeigte auf die ausrangierten Dinge. Davon könnte ich mitnehmen, was ich wollte. Ich sicherte mir die Ölgemälde und kleinen Dinge, die mich an mein altes Zuhause erinnerten. Er wollte nichts haben. Seine Freundin hatte eine komplette Wohnung.

Ein Jahr bevor meine Mutter starb, hatte ich ihr ein Ölbild gemalt: „Der Nachtwächter“ von Spitzweg, was mir sehr gut gelungen war. Allein der Rahmen hatte viel Geld gekostet. Damals erfuhr ich von G., dass mein Vater das Bild kurz und klein geschlagen hatte, damit ich es nicht zurückbekomme. Das machte mich fassungslos!

Den Schmuck meiner Mutter bekam die Nachbarin. Einen Goldring aus den 40er Jahren, den sie immer getragen hatte, lag auf dem Küchenschrank. Mein Vater hat ihn einfach weggeworfen, ohne mich zu fragen, so wie es immer geschah.

Nachdem das Haus verkauft worden war, zog mein Vater zu seiner Lebensgefährtin in den Duisburger-Süden.

Meine Träume von der Straße, an der mein Elternhaus stand, waren vielfältig. Oft zeigte das Traumbild einen völlig vereisten Weg, zwischen Frost belasteten Häusern. Schweigen ringsum. Alles war menschenleer.

Bevor mein Vater endgültig auszog, träumte ich, wie er mit seiner neuen Frau in seinem Mercedes um die Ecke bog. Ich lief hinterher, doch ich konnte ihn nicht einholen, und er entschwand vor meinen Blicken.

Danach träumte ich die alten Träume, vom nach Hause wollen und nicht können, lange nicht mehr. Manchmal kommen sie für kurze Zeit wieder, und ich suche verzweifelt den Weg dorthin.

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

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