Kleiner Rückblick – Verlust des Herzkönigs

Fortsetzung Teil 41

George Goodwin Kilburne , (1839 – 1924)

Das war der Anfang vom Ende! Mir war die Gegenwart eines geliebten Menschen tausend Mal mehr wert als ein Foto. Er brauchte meine Gegenwart nicht. Er brauchte lediglich meine Energie zur Stärkung seiner Lebenskraft. Ich kreiste ja in Gedanken immer um ihn herum. Meine Kraft nahm ab, seine zu. Seitdem ich in ihn verliebt war, fühlte ich mich minderwertig, zweite Wahl. Meine Fotos waren lediglich seine Onaniervorlage.

Mehr als 3.000 Euro hatte ich aus purer Verzweiflung für Kartenlegerinnen und sogenannte Hellseherinnen ausgegeben. Obwohl er davon wusste, tat er nichts, außer es mir schön zu reden. An jeden Strohhalm klammerte ich mich. Ich war emotional abhängig von ihm und beherrscht von meinen Zukunftsängsten.

Bei einem weiteren Treffen war es zum Eklat gekommen. Es war wie immer schön mit ihm gewesen, doch dann kam der Moment, wo er aus dieser Harmonie heraus auf die Uhr schaute, wortlos aufstand und zum Duschen ging. Fertig zum Gehen kam er ins Wohnzimmer zurück. Ein Mal duschen und die Sache war vergessen – meine Zweckbestimmung war erfüllt!

Da K. ein französisches Abitur hatte, sprach er kein Englisch. Als ein Amerikaner die Firma übernahm, wurde Englisch vorausgesetzt. Im Jahr 2000 bekam ich von einer Privatlehrerin, die vom Arbeitgeber finanziert wurde, Englisch-Unterricht in einer kleinen Gruppe von vier Personen. 2002 hatte ich bei der IHK eine Prüfung abgelegt, um notfalls in ganz Europa arbeiten zu können. Deshalb hatte ich K. meine Englischvokabel herausgesucht, die er für seine neue Arbeit brauchen konnte und verlängerte dadurch seine Anwesenheitszeit bei mir um zehn Minuten. Er war ungehalten. Die Vokabel wollte er nicht haben.

Sofort merkte ich, dass er unruhig wurde, und als ich ihn fragte, ob dies zu riskant sei, und er es bejahte, bin ich in Tränen ausgebrochen. Er hatte mir damit nur zu deutlich gezeigt, wo er stand: bei seiner Familie. Ich war NUR das Risiko, nicht etwa die große Liebe, für die man etwas riskierte.

K. gehört zu den Menschen, die am Telefon lächeln können. Wenn ich seine Stimme hörte, versank ich in ihr. Das verband mich sofort mit ihm. Er hat das nie verstehen können, weil ihm die Gespräche mit mir offenbar nichts bedeuteten. Er hasste es anscheinend, mit mir zu telefonieren. Ich versuchte ihn noch einmal anzurufen, doch er lehnte es ab, mit mir zu sprechen.

„Ich bin im Moment voller Wut und Ärger. Alles ist schlecht! Nach dem Essen hat sich mein neuer Chef aufgedrängt, weil er sich unbedingt noch heute mit mir treffen will. Ich bin in allerschlechtester Stimmung. Das kann nicht gut werden! Ich will auch nicht telefonieren. Ich will nur noch Ruhe und Frieden.“

Das war Anfang September 2008. Ein Mal kam er zu einem Gespräch in das Büro meines Chefs, weil er dort eine Besprechung hatte. Ein kurzes „Hallo“, ein paar verlegene Blicke – nicht mehr. Ich war äußerlich gefasst, aber innerlich total aufgewühlt und wund. Am liebsten hätte ich laut geschrien, aber ich lächelte tapfer und trug den Schmerz mit nach Hause. Danach schickte ich K. noch eine kurze Email ins Büro und fragte ihn, ob wir nur noch Kollegen wären. Ich bekam darauf keine Antwort. Das schnitt mir messerscharf ins Herz. Hatte ich solch eine Behandlung verdient? K. hatte die Türe einfach zugemacht! Da stand kein Spalt mehr offen, wie er einmal geschrieben hatte. Lange fragte ich mich warum.

„Ich will vorläufig keinen Kontakt!“, hatte er mir geschrieben, und es hatte wie der Befehl „Lass mich in Ruhe!“, geklungen.

Er tat mir so weh damit. Drei Jahre später war ich immer noch untröstlich. Ob ich frei bin von ihm? Im Tagesbewusstsein ja, obwohl ich ihn immer lieben werde. Er war etwas ganz Besonderes für mich…ein besonderer Mensch, von einer ausgestorbenen Art. Aber er hat auch besondere Ecken und Kanten, die, wenn man sich daran stößt, sehr verletzend sein können.

Ganz am Anfang hatte er geschrieben, dass meine Ängste das wundervolle Gefühl, das uns verband, zerstören würden. Waren es nicht SEINE Ängste, die unserer Liebe keinen Raum boten? K. habe ich für immer verloren. Er forderte von mir, in Ruhe gelassen zu werden, damit er seinen Frieden wiederfindet. Wenn ich auf dem Friedhof liege, werde ich Ruhe und Frieden genug haben. Leben ist immer auch Risiko…weitergehen…ausprobieren. Er wollte seine Familie nicht verlieren. Mich zu opfern war leicht.

Mittlerweile verstehe ich, warum er das tat. Wenn ich auch sein wortloses Fallenlassen niemals verstehen werde. Jemanden ohne Erklärung, ohne Abschied abzuservieren, halte ich für verwerflich. K. musste sein altes Büro räumen, von dem aus er gehen konnte, wann er wollte. Dort war er sein eigener Herr. Dann wurde er in die Hauptverwaltung versetzt und war somit unter ständiger Kontrolle. Es wäre nicht mehr möglich gewesen, zu mir zu kommen. Nach Feierabend wollte er die Freizeit mit seiner Familie verbringen…und seine Frau belügen, lag ihm fern.

Ich habe sein bequemes Hamsterrad zum Eiern gebracht. Er hatte Angst, dort herauskatapultiert zu werden. Er hatte einmal die Behauptung aufgestellt, dass Frauen eine viel größere materielle Einstellung hätten als Männer. Liebe ist kein Besitz, sondern ein Geschenk! Ich wollte ihn nie besitzen. Ich hatte gehofft, dass er sich mir schenkt, genauso, wie ich mich ihm schenken wollte.

Er hatte Angst vor finanziellen Verlusten und davor, gesellschaftliches Ansehen zu verlieren, wenn er sich für ein Leben mit mir entschieden hätte. Das wollte er nie.
Heute verstehe ich ihn…damals wollte ich das nicht.

Ich weiß nun, es wird kein Haus mit hellen Räumen für K. und mich geben. Er wird niemals für mich da sein…schon gar nicht, bevor seine Kinder erwachsen sind…in acht bis zehn Jahren vielleicht, und dann wird er seine „kranke, arme, ohne ihn lebensunfähige Frau“ auch nicht mehr verlassen wollen. Er hatte sie zur Unselbstständigkeit erzogen und nun war sie abhängig von ihm. Mit ihm zusammen leben war meinerseits eine Illusion. Wenn man gehen will, geht man gleich oder nie. Er nannte das eine romantische Kurzschlussreaktion, und K. liebte seine Frau auch und vor allem seine Kinder.

Eine der vielen medialen Frauen hatte mir gesagt, es sei eine karmische Verbindung, die gelebt werden MUSS, damit sich das Negative endlich auflösen kann. Sie meinte, ich sei in einem meiner Vorleben schon einmal mit K. zusammen gewesen. Wir hätten uns sehr geliebt, dann wäre er jedoch die Ehe mit einer anderen Frau eingegangen, weil er durch sie seine „Aufgabe“ besser erfüllen konnte. K. sah seine jetzige Aufgabe in der Erziehung der Kinder.

Diskus von Chinkultic – Maya-Kalender

Lt. Maya-Kalender ist er mein Lehrer, wenn ich die Geburtsdaten vergleiche. Das kommt der Wahrheit sicher nahe, denn ich habe viel gelernt aus dieser schmerzhaften Geschichte. Man sollte niemals Liebe mit Leidenschaft verwechseln; am Besitz anderer kann man sich gewaltig die Finger verbrennen; Hände weg von verheirateten Männern; man muss lernen, sich selbst zu lieben, um solchen Verlockungen zu widerstehen.

Vielleicht war K. ja doch Lermontow gewesen, der Offizier in roter Uniform, den ich in Weimar gesehen hatte?

2009 steckte ich in einem dunklen Tunnel ohne Licht, das Ende nicht absehbar. Damals hatte ich oft keine Kraft mehr, um weiterzugehen. Dann hielt ich inne und lauschte: Da ist niemand auf der Welt, der meinen Namen ruft, niemand, der mich vermisst, niemand, der mich liebt. Wird jemand am Ausgang stehen, wenn die Nacht zu Ende ist?

Bild: Bernhard Brügging

Wird fortgesetzt…

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

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