Kleiner Rückblick – Außerirdisch

Fortsetzung Teil 20

Ostern 1958

Es ist traurig, dass mein Vater mich schon als kleines Mädchen nicht sonderlich gemocht hatte, noch tragischer war es für mich gewesen, in meinen schwersten Stunden mutterseelenallein zu sein.

Ende 1997 starb meine Mutter an den Folgen einer Alzheimer-Erkrankung. Damals hatte ich zu meinen Eltern keinen Kontakt. Mein Vater hatte mich nicht informiert, als sie in der Klinik im Sterben lag. Ich hatte keine Tageszeitung abonniert, deshalb war es ein Wink des Himmels, dass ich eine Zeitung kaufte und dort die Todesanzeige meiner Mutter fand. Dort wurde ich nicht erwähnt.

Ein halbes Jahr später sollte ich auf gleiche Art und Weise die Todesanzeige meiner Bekannten vom Bundespresseamt entdecken. Sie war an Krebs verstorben.

Heute muss ich sagen: „Es gibt keine Zufälle!“ Was mich finden soll, das findet mich.

Mein Erscheinen bei der Beerdigung war von meinem Vater nicht erwünscht gewesen. Das hatte mir mein Sohn G. damals am Telefon mitgeteilt. Er warf mir vor, dass ich überhaupt nicht trauern würde. Doch was sollte ich dazu sagen!?
Als meine Mutter im Sterben lag, erkrankte mein Kater „Paulchen“ plötzlich so schwer, dass er nur noch schrie. Sonntags musste ich ihn einschläfern lassen, weil er Wasser in der Lunge hatte. Sein Herz war zu schwach. Ich habe Tag und Nacht geweint, wie um ein Kind, dem nicht mehr zu helfen war. Von dem Todeskampf meiner Mutter wusste ich damals nichts. Später erst erfuhr ich, dass sie an den gleichen Symptomen wie mein Kater gestorben ist. Zufall?

Um des lieben Friedens willen fügte ich mich und hatte nicht an der Trauerfeier teilgenommen, obwohl mir das zuvor schlaflose Nächte bereitete. Schließlich war ich zu der Einsicht gekommen, dass ‚der Abschied‘ einzig und allein eine Sache zwischen mir und meiner Mutter war. Am offenen Grab hatte ich mich allein von ihr verabschiedet, nachdem die Trauergesellschaft bereits gegangen war, doch ich konnte nicht weinen.

Hochzeit meiner Eltern 1950

Während des Readings mit R. M. bat meine Mutter mich um Vergebung und verließ mich an der Seite des Lichtwesens, mit dem sie gekommen war. R. M. meinte, sie würde geschult werden und ihre Seele gereinigt. Später vernichtete ich die Tonbänder. Kein Fremder sollte sie hören! Meinem Vater habe ich nie davon erzählt, weil er sowieso glaubte, dass nach dem Tod nichts mehr käme.

Ich hatte damals sehr großes Vertrauen zu R. M. und merkte gar nicht, wie sehr sie es verstand, andere Menschen für sich einzunehmen und zu manipulieren.
Jedes Mal, wenn ich in die Stadt fuhr, dachte ich immer erst daran, wie ich R. M. eine Freude machen könnte. I,, meine Bekannte, ging es genauso wie mir, doch sie hatte auch das nötige Geld, um dies umzusetzen. Sie kaufte Geschenke für R. M., hier mal ein Kettchen, ein Handtäschchen oder einen Schal.

R. M. durchleuchtete das Leben von I. genau und verordnete ihr, sie müsse sich von allem alten Ballast trennen. Damit meinte sie alle Dinge, die an den kürzlich verstorbenen Gatten erinnerten, sprich alte Fotos, Gemälde und Kunstgegenstände. All das nahm R. M. an sich, um es – wie sie sagte, zu entsorgen. Zwei Ölgemälde nahm ich mit zu mir. Eins war das Lieblingsbild des Mannes gewesen. Ich sollte es aufbewahren und gab es später an sie zurück.

Während dieser Zeit erkrankte mein Chef mit 54 Jahren an Hautkrebs. Für die Verabschiedung eines Kollegen hatten wir Fotos gemacht, und ich zeigte I. und auch R. M. das Bild meines Vorgesetzten. R. M. erklärte sofort, dass er sterben würde. Ich sollte keine Energie mehr hineinstecken und keine Hoffnung. Seine Seele wüsste es längst. Es bliebe noch Zeit zum Abschiednehmen.

Irgendwann träumte ich von einem schwarzen Riesenschnauzer, der auf zwei Beinen zu mir gelaufen kam und mit mir redete. Ich wusste damit nichts anzufangen. Der Traum ließ mir keine Ruhe. Dann erzählte ich R. M. davon. Sie spulte das Traumgeschehen zurück, wie einen Film und sagte mir, dass mein Chef sich in einen Hund verwandelt hätte, weil er wusste, wie tierlieb ich sei. Dadurch glaubte er, besser an mich heranzukommen. Er wäre gekommen, um sich zu verabschieden. Mit dem heutigen Wissen über meine Träume und denen meiner Oma, ist es leicht, den schwarzen Hund als den Tod zu entschlüsseln.

Seitdem ich wusste, wie es um meinen Chef stand, schrieb ich einige Gedichte für ihn. Ich machte sie ihm zum Geschenk. Er nahm sie sogar mit in die Klinik und später sagte mir seine Frau, dass er sie sehr gemocht hätte. Zwei Jahre nach meinem Traum ist er dann gestorben. R. M. hatte Recht behalten.

Ende 2003 lud ich den neuen Bekanntenkreis und auch R. M. und ihre Kollegin zu Kaffee und Kuchen ein. ‚Petrus‘ war ebenfalls dabei, doch obwohl sie sonst immer gerne im Mittelpunkt stand, verstummte sie diesmal, weil R. M. anwesend war. Die beiden stammten aus zwei Welten. Geisterwelt und Esoterik passten irgendwie nicht zusammen.


R. M. hatte mir als kleine Gabe eine Rowohlt-Bibliografie über Friedrich Schiller mitgebracht, über die ich mich sehr wunderte. Mit den Klassikern hatte ich noch nie zu tun gehabt, und sie interessierten mich auch nicht sonderlich.

Während wir angeregt miteinander plauderten, stand R. M. plötzlich auf und bat I., ihr ins Wohnzimmer zu folgen. Sie sagte ihr, dass der verstorbene Mann den Kontakt suchen würde. Erst nach einer halben Stunde kehrten beide an die Kaffeetafel zurück

Als sich gegen Abend die Gesellschaft langsam auflöste, blieben nur noch I., die nonnenhafte B., eine Lehrerin, die Ikonen malte und fast täglich in die Kirche ging und ich, zusammen mit R. M. übrig. Diese sprach plötzlich mit mir über meine Zukunft und meinte, ich würde einige Gedichte nicht nur selbst schreiben, sondern viele, längst verstorbene Dichter hätten schon lange darauf gewartet, dies mit mir gemeinsam zu tun. Jeder, der mit meinem Geist kompatibel sei, könnte sich mit mir verbinden. R. M. bekam ein Bild von einem Rondell, wie auf einem Spielplatz, auf dem die Dichter säßen. Abwechselnd kämen sie zu mir und füllten ihren Geist in meine Gedanken. Ich empfand eine tiefe Dankbarkeit und Demut, als ich das erfuhr. Es fühlte sich in mir ganz stimmig an.

Weiter prophezeite sie mir, dass ich Biografien schreiben würde. Ich sollte schon mal ein Regal leerräumen. Es würden viele Bücher sein, und ich würde bis ins hohe Alter schreiben. Eine Schiller-Biografie wäre mein erstes Buch. Sie sagte mir auch, dass mich der Spagat zwischen meiner „normalen“ Arbeit und der Schriftstellerei beinahe zerreißen würde. Ich müsste damit rechnen, dass meine Hellsichtigkeit stärker werden würde. Ich war sprachlos und konnte das alles zunächst gar nicht glauben.
Besonders die Schiller-Biografie lag mir im Magen. Weil ich gerade das für ganz unmöglich hielt, bezweifelte ich auch den Rest.

Natürlich wollte ich wissen, wann der nächste Mann in mein Leben kommt. Durch den „göttlichen Kanal“ nannte man mir das Jahr 2006. Drei einsame Jahre lagen nun vor mir, und ich dachte im ersten Moment mit Schrecken an die lange Zeit.
„Du wirst die Zeit für Dich brauchen!“, hatte R. M. gesagt. „Ich bekomme ein Bild mit zwei Ringen. Das bedeutet immer eine feste, lange Partnerschaft. Freu Dich auf diesen wunderbaren Mann!“
Die Zeit bis dahin war zwar lang, aber immerhin sah sie überhaupt eine Partnerschaft für mich. Das war mir Trost genug.

R. M. lebte ebenfalls allein. Sie sagte, dass es für sie sehr schwer wäre, mit einem Mann zusammen zu sein, weil sie dessen Gedanken lesen könnte. Sie erkannte sogar die Geschenke schon vorher, die man ihr machte. Das nahm ihr zu Weihnachten und an Geburtstagen die Freude.

Als Medium war sie außergewöhnlich. Wir waren alle von ihr fasziniert – außer P.

Den Jahreswechsel 2003/2004 feierten I. und ich zusammen mit R. M. Es war eine außergewöhnliche Nacht mit ebensolchen Ereignissen. Die Seele von „Gerhard Schröder“ gesellte sich in unseren Kreis und befand sich laut Auskunft von R. M. im Raum der Versuchung. Er sprach über R. M. mit uns und äußerte sich über das desolate Bildungssystem, als säße er mit in unserer Runde.

Sie erzählte mir, ich sei in einem früheren Leben Hohepriesterin in Ägypten gewesen und hätte Schriftrollen und Steintafeln bewacht. Mein Sohn sei mein engster Vertrauter gewesen und hätte ein Leben lang als Priester schützend an meiner Seite gestanden. Dann hätte ich mich in einen Hohepriester verliebt und meinen Keuschheitsschwur gebrochen. Ich hätte mit ihm fliehen wollen, doch er sah seine höhere Pflicht in den Diensten der Götter. Weil ich nicht ohne ihn weiterleben wollte, hätte ich mich schließlich durch Schlangenbiss getötet und wäre sofort nach dem Biss ins Meer gegangen.

Ich war hin- und hergerissen. Sollte ich das glauben oder nicht!? Bei P. war ich Priesterin in Atlantis, bei R. M. Priesterin in Ägypten. Ich erfuhr es ja am eigenen Leib und war Zeuge dieses Geschehens, und meine innere Stimme wehrte sich nicht. Das erklärte sogar die Ängste, die der Blick aufs Meer heute noch bei mir auslöst.

Danach saßen wir lange und lauschten den Botschaften, die uns durch den „göttlichen Kanal“ offenbart wurden. Doch wer saß am anderen Ende des Kanals? War das wirklich Gott? Wenn man ihm nicht die volle Aufmerksamkeit widmete, wurde er ungehalten. R. M. meinte lapidar: „So ist er!“

R. M. hatte uns erzählt, dass Satan sie besuchen käme. Er würde sehr gut aussehen, hätte eine braune Hautfarbe, wie mein Sohn und würde ihr gefallen. Ich glaubte ihr das, denn nur allzu oft wurde sie von der übrigen Welt abgeschottet. Dann war ihre Telefonleitung gestört. Jedes Mal war nur ein lautes Knacken und Rauschen zu hören.
„Ich werde geschult!“, erklärte sie uns und litt entsetzlich darunter. Was während dieser angeblichen Schulungen wirklich stattfand, durfte sie nicht erzählen. Vermutlich befand sie sich nur allzu oft selbst im ‚Raum der Versuchung‘! Ich dachte sofort, dass ihr etwas Gutes niemals ihre Kräfte nehmen würde… im Gegenteil.

Meinen Sohn hatten P. und ich während einer Blödelei bereits als die sumerische Königin Schub-ad ausgemacht, die vor rund 5.000 Jahren gelebt hatte. Das, weil Patrick jede Arbeit scheute und grundsätzlich allen Lernstoff wusste, ohne zu lernen.
Für Erich van Däniken und Zecharia Sitchin ist diese Königin außerirdisch und dies durch DNA beweisbar.

Sumerische Königin oder Hofdame (ungewiss) Schub-ad ca. 2.500 v. Chr. aus dem Buch „Götter, Gräber und Gelehrte“
Frauen machen Geschichte

R. M. hatte in der Silvesternacht versucht, mir mittels Reiki belastende Energien zu nehmen. Sie verlangte, dass ich meine Mutter beschimpfte, weil ich immer noch nicht trauern konnte. Aber ich fühle keinen Hass auf meine Mutter und wollte sie nicht angreifen.

Meine Bekannte hatte mir davon berichtet, dass R. M. dazu in der Lage sei, ihr Aussehen zu verändern. Sie hatte sich ihr mit dem Gesicht einer Alkoholikerin gezeigt und sie gefragt, wen sie sehen würde. I. war darüber ganz erschrocken gewesen, denn sie erkannte P. als ältere Frau. Das beängstigte mich irgendwie. Warum tat sie das?

In dieser Silvesternacht machten wir Fotos…auch von R. M., die urplötzlich gegen drei Uhr aufbrach und nach Hause fuhr. Es war so, als würde ihre Kraft schwinden, denn dann offenbarte sich uns anscheinend ihr wirkliches Gesicht, wie bei „Aschenputtel“ um Mitternacht, wenn der Zauber nachließ, oder eher wie ein Vampir, der das Tageslicht fürchtete.

Ein paar Tage später, empfing mich I. ganz aufgeregt. Sie hatte die Fotos entwickeln lassen und präsentierte mir nun eine R. M., die wir so nicht kannten. Es zeigte ein fremdes Gesicht, nicht das liebliche, dass wir bisher wahrgenommen hatten.
I. weigerte sich, die Bilder in der Wohnung aufzubewahren und ließ sie in der Garage, um sie später zu entsorgen.

Uns war aufgefallen, dass I. seit einiger Zeit keinen wirklichen Lebenswillen mehr hatte. Irgendwie schien sie verändert zu sein. Sie saß nur noch auf ihrer Couch und wartete lächelnd auf den Tod. Da stimmte etwas nicht!

Eine andere Bekannte von I. war ebenfalls als Medium tätig. Diese Dame war schon über achtzig Jahre alt und sorgte unter anderem dafür, dass Verstorbene den Weg ins Licht finden konnten. Angeblich kannte sie sogar ihren eigenen Todestag und wusste, dass sie bald gehen musste. Man konnte ihr am Telefon einen Namen nennen, und sie wusste sofort, ob derjenige auf der guten oder bösen Seite stand.
I. bat sie um Auskunft über R. M., und es verschlug uns fast die Sprache, als die Dame ihr sagte, R. M. stünde auf der ‚anderen Seite‘. Sie hätte I. einen Dämon an die Decke im Wohnzimmer gehängt, der dafür sorgen sollte, dass sie apathisch vor sich hinvegetierte. Die alte Dame musste viele Gebete sprechen, um das dunkle Etwas zu entfernen. Erst nach Tagen gelang es ihr.

Reginas Show hatte ein Ende! Wir sahen von weiteren Kontakten ab, denn ihr Klumpfuß bekam plötzlich eine andere Bedeutung. Es gab noch ein paar geliehene Bücher, die ich ihr zurücksandte, mit ein paar erklärenden Worten per Brief.
R. M. brauchte keine Erklärung. Sie wusste selbst am besten, warum wir ihr den Rücken zukehrten. Dennoch tat es mir irgendwie leid, dass es so gekommen war, denn ich mochte sie. Aber ich wollte mich der Gefahr nicht weiter aussetzen.
I. sagte: „Wenn du von der Gefahr weißt und setzt dich ihr trotzdem aus, verlierst du den Schutz deiner Engel!“ Das klang einleuchtend und daran hielt ich mich.
Trotzdem blieben Zweifel. War unsere „Hexenjagd“ richtig gewesen? Ich versuchte auszupendeln, ob die alte Dame Recht gehabt hatte, und das Pendel blieb ohne jegliche Bewegung stehen. Es rührte sich nicht. Ich sollte nicht fragen!

Irgendwann – Monate waren inzwischen vergangen – erschien mir R. M. im Traum. Ich wusste, dass sie es war, doch die Gestalt, in der sie mir erschien, zeigte ihr wahres Gesicht. Es war ein grüner, haarloser Kopf, wie ein Alien, mit riesengroßen, dunklen Augenhöhlen. Das Wesen schimmerte kardinalsrot, wie das Buch. Beim zweiten Traum stand R. M. vor einer Schaufensterscheibe, und ich sah mich dahinter in meinem Bett liegen. Ich spürte, dass sie nach mir schaute und erwachte davon.

Ich bin ihr und der geistigen Welt für das, was ich gesehen und erfahren habe, dankbar. Sie durfte mir ein Stück meines weiteren Weges beleuchten, doch manches konnte ich zu der Zeit noch nicht so recht glauben. Als Biografin sah ich mich jedenfalls nicht. Doch irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich einsah, dass das Schreiben der Gedichte nicht alles gewesen sein konnte.

Die Verlagssuche für meine Gedichte gestaltete sich alles andere als einfach. Auch hier merkte ich schnell, dass es gar nicht einfach war, die Guten von den Bösen zu unterscheiden. In letzter Minute zog ich die rettende Notbremse. Es gab Verlage, die sich mit den wohlklingendsten Namen schmückten und sich hier mit keinen geringeren Zeitgenossen, als Goethe & Co. bedienten. Doch gerade diese Häuser verlangten viel Geld für ihre Tätigkeit, was absolut unseriös und nicht branchenüblich ist. Sogenannte Zuschussverlage sollte man meiden wie die Pest! Man sagt, wer einmal bei einem solchen Verlag veröffentlicht hat, ist bei renommierten Verlagen für alle Zeit unten durch.

Nach vielen vergeblichen Kontakten zu Verlagshäusern musste ich einsehen, dass die Zeit für Gedichte und Lyrik offenbar vorbei war. Deshalb entschloss ich mich, alles ins Internet zu stellen und ließ mein Buch „Himmelspoesie“ im BoD-Verfahren drucken. BoD-Verlage wurden ebenfalls von den renommierten nicht akzeptiert. Wer dort ein Buch publiziert, gilt in der elitären Schriftstellergemeinde nicht als Autor(in), und ich schon gar nicht, weil ich zur ‚bildungsfernen Schicht‘ gehöre und kein adäquates Studium vorweisen kann.

Fortsetzung folgt…