Kleiner Rückblick – Pendelfragen

B. beim Kartenlegen

Das Jahr 2009 zog sich wie Kaugummi. Eine letzte Lesung über „Henriette Brey“ hatte ich in einem Altenheim absolviert. Danach war damit Schluss. Meine Kräfte waren aufgebraucht, denn das ungnädige Ende mit K. zerrte an meinen Nerven. Außerdem schien es mir die Luft zum Atmen genommen zu haben. Immer, wenn ich mich anstrenge oder aufgeregt bin, folgt Kurzatmigkeit.

Das brachte zusätzlich eine Freundin auf den Plan, die ganz von oben herab urteilte: „So etwas könnte mir nicht passieren!“

Sie war rund 13 Jahre jünger als ich und eine typische Jungfrau, was das Sternzeichen betraf. Wir kannten uns schon lange durch ihre Tante Ursel, die bereits mit 40 Jahren verstorben war. Deren Halbschwester G. hatte ihre Tochter B. verwöhnt. Sie wollte ihr das bieten, was sie selbst als Kind nicht hatte, denn sie war in einem Heim aufgewachsen.

Von jeher wirkte B. wie ein vornehmes Burgfräulein auf mich, das gerne auf ihre Untergebenen herabschaute und sie verurteilte. Für B. zählte nur Geld, Mode, Einfluss, Platin-Schmuck und teure Autos. Sie lebte gerne mit Hummer, Steaks, Lachs und mediterraner Küche und war dann oftmals völlig überrascht, wenn ich ihr Bratkartoffeln und Bratheringe vorsetzte, die sie nicht kannte.

G. und B. waren nicht gern gesehene Gäste. In jedem Geschäft und in den Speiselokalen waren sie unbeliebt, denn es ging kaum etwas ohne lautstarke Beanstandungen, bei denen nicht das Personal herabgekanzelt wurde.

B. ist eigentlich eine liebe Person, wenn nicht der Einfluss ihrer dominanten Mutter gewesen wäre. Doch die war Patentante meines jüngsten Sohnes. Deshalb ist unsere Verbindung nie ganz abgerissen und mein Sohn mochte sie.

Da ich stets meine Meinung sage, bin ich mehrfach mit G. aneinander geraten, weil sie sehr ausländerfeindlich ist. B. hörte immer auf ihre Mutter. Deshalb war jahrelang Funkstille zwischen uns. Doch wie der Zufall es wollte, traf ich B. irgendwann auf dem Parkplatz von Aldi wieder und es war, als hätten wir uns nie getrennt.

Mein kleiner Bekanntenkreis wusste, dass ich Karten legen konnte und pendelte. Kartenbilder machen nicht immer eine Aussage, doch wenn ich es sehen soll, dann tue ich das auch. So saßen B. und ich oft bei mir und stellten den guten Geistern Fragen, die wir selbst nicht beantworten konnten.

B. war seit 2005 mit ihrem ehemaligen Schulkameraden St. verheiratet und lebte in Xanten. Dort hatte sie eigentlich für ihren Vater eine Eigentumswohnung gekauft, weil der keine adäquate Wohnung zur Miete finden konnte. Doch der Vater starb 2008, und sie zog selbst mit ihrem Mann in die Wohnung. Im selben Haus wohnte noch eine junge Frau zur Miete, die B. jedoch nicht duldete. Die Frau wurde kurzerhand hinausgeekelt und suchte sich eine neue Bleibe. Dann kaufte man kurzerhand auch diese Wohnung und besaß somit das ganze Haus.

Während einer Pendelsitzung fragte B., wo sie und ihr Mann zukünftig wohnen würden. Mein Pendel zeigte an, St. in Xanten und B. im Gelderland. Wir waren beide sehr verblüfft und konnten uns keinen Reim auf dieser Antwort machen. Doch die Erklärung kam 2015.

K. war fort aus meinem Leben. Patrick hatte eine eigene Wohnung und kam meist samstags. Ich aktivierte meine Handarbeitskenntnisse, die ich bereits in meiner Schulzeit und zu Hause von meiner Mutter gelernt hatte. So viele Pullover, Schals und Tücher konnte niemand tragen! Ein Blog dazu setzte mich unter Druck. Das alles tat ich zusätzlich zur Haus- und Gartenarbeit in meiner Freizeit, doch es füllte mich nicht aus.

Ich hatte von 50plus gehört und schrieb mich dort ein, um neue Bekanntschaften zu machen. Da fühlte ich keinen Gemeinschaftssinn. Viele warteten nur darauf, andere nieder zu machen. Ein paar meiner Gedichte schrieb ich dort ein, doch kurz darauf beschuldigte mich ein angeblicher Rechtsanwalt i. R. des Datendiebstahls, weil er meine Homepage entdeckt hatte, wo dieses Gedicht ebenfalls stand.

Ganz egal, was ich schrieb, ich fühlte mich wie auf einem anderen Stern. Das war mir viel zu oberflächlich! Schnell wurde mir klar, ich gehöre dort nicht hin. Einen einzigen Bekannten aus dieser Zeit, habe ich als fernen Begleiter meines Schreibens mitnehmen dürfen. Wir telefonieren heute noch ein paar Mal im Jahr, obwohl er mittlerweile sehr krank ist.

Es war kein Jahresverlauf, der mir Zuversicht gab. In mir war alles leer. Wenn die Liebe weg ist, fühlt man sich so. Da war ein Loch in der Herzgegend.

Ich schrieb längst keine Gedichte mehr. Von Verlagsseite erklärte man mir, es würden keine Gedichte mehr gelesen. Auch ein Roman ohne Leser macht wenig Sinn. Da bei mir ein gewisser Sprachpurismus herrscht, kann die heutige Leserschaft nur wenig Freude daran finden. Man hält mich für altmodisch.

Es ist mir ein Anliegen, diese althergebrachten Worte zu bewahren. Manchmal klingen sie sehr pathetisch, aber ich fühle mich darin.

Wird fortgesetzt…