Einsamkeit

Caspar David Friedrich 1774-1840 – Frau am Fenster

Keine Stimme, die ruft,
kein Herz, dem ich fehle,
nur Einsamkeit, Stille,
durch die ich mich quäle –
aus der Ferne, der Klang der Motoren
und manchmal will sich die Ruhe
in meine Seele bohren.
 
Suche Beschäftigung,
die diesen Bann durchbricht,
doch wirklich finde ich sie nicht.
Kann mich nicht fügen,
nicht konzentrieren,
möcht‘ manchmal den Verstand verlieren.
 
Ich schau’ die Wände an –
es sind dieselben, die ich vor einer Stunde sah;
verwandeln möchte ich die gelben
in bunte, mit Punkten,
die ich dann zählen könnte,
um mich abzulenken,
vom Denken.

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

10 Kommentare zu „Einsamkeit“

  1. Während ich diese dichterisch wunderschönen Zeilen lese, die eine große Einsamkeit so nachfühlbar beschreiben
    und ich mich dabei auch in das Bild von Caspar David Friedrich „Frau am Fenster“ hineinfühle,
    kommen mir noch viele andere geistig Große Einsame in Erinnerung…..
    —–
    Wer Tiefes, Wahres, Großes für die Menschheit tat, war sehr oft einsam.
    Das Leben der anderen ging fröhlich weiter wie bisher, und niemand bemerkte, daß da jemand fehlte.
    Aber er/sie hatte währenddessen keinen von den Fröhlichen da draußen vergessen.

    1. Auch die Stille bietet Wellen von Gedanken, in denen man versuchen muss, oben zu bleiben, um nicht unterzugehen. Wenn wir Seine Hand erfassen, nimmt Er uns mit in die Ewigkeit des Seins.

  2. Dafür sind wir nicht gedacht, zumindest nicht dauerhaft. Auf der anderen Seite eine gute Chance, mit sich selbst Freundschaft zu schließen. Und das Netz gibt es ja auch noch.

    Guten Morgen, liebe Gisela.

    1. Jeder Mensch hat seine eigene Bestimmung. Manche sind derart gestaltet, dass sie sich von allen anderen entfernen, geistig und körperlich. Dieser Prozess tut weh. Ist er jedoch durchlaufen, wird das Alleinsein die Türe zur stillen Einkehr in die eigene Seele. So ist die Einsamkeit wie eine Einweihung.
      Ja, das Netz gibt es auch noch. Guten Tag, lieber Reiner, und viele Grüße, Gisela

    1. Nein, das waren meine Gefühle, bevor ich aufgehört habe, Punkte zu zählen. Erst als mir die Einsamkeit zum Freund wurde, sah ich Alleinsein als Zufriedenheit und konnte glücklich leben. Also, höre auf zu zählen, lebe! Liebe Grüße, Gisela

    1. Negative Gedanken in positive umzuwandeln, ist oft nicht leicht. Man muss geduldig sein. Irgendwann wird der Bann durchbrochen.
      Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße, Gisela

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