Kleiner Rückblick – Neuer Lebensabschnitt

Fortsetzung Teil 22

Zwischenzeitlich war trotz der neuen Aufgabe in mir der Ruf nach Liebe nicht verstummt. Wie andere Menschen auf die Uhr schauten, so schaute ich auf den Kalender. Schiller und das Schreiben hatten mich über die Zeit getragen. Er blieb allgegenwärtig.

Die Jahre waren fast unmerklich vergangen, doch die Aussage von R. M. konnte ich nicht vergessen. Als ich damals nach einem Partner fragte, hatte sie mir das Jahr 2006 genannt.

Viele der damaligen Freundinnen hatten sich für immer verabschiedet oder vielmehr ich mich von ihnen. P. war darunter und auch I., von der ich mich wegen ihrer Exzentrik distanziert hatte. Daneben hatte ich neue Bekanntschaften in Voerde gemacht und alte in Homberg aufgefrischt.

Als die Sache mit R. M. damals in die Brüche ging, hatte I. deren Zukunftsaussagen allesamt in Frage gestellt. Das Jahr 2006 nahte, und ich hoffte noch immer. Fast drei Jahre lang hatte ich allein gelebt.

Für meine neuen Bekannten von der Presse war ich nur interessant, solange ich ihnen Stoff für neue Artikel lieferte. Auch hier entpuppten sich vermeintliche Freundschaften als schnell vergänglich. Ein Ende 2005 gegründeter Kulturverein in Geldern hatte mir außer einer Menge Arbeit als Schatzmeisterin nur Oberflächliches gebracht. Jeder kochte hier sein eigenes Süppchen. Von Verbund spürte ich wenig und kehrte schließlich auch dem den Rücken zu.

Dass ich mitunter als weltfremder, nicht kritikfreier Exot belächelt wurde, kam erschwerend hinzu. Viele suchten meinen Rat, aber wirklichen Umgang mit mir schien niemand zu wollen. Immer war ich diejenige, die Einladungen aussprach, nur selten erhielt ich eine zurück. Schließlich war ich nicht lustig, sondern nur ‚komisch‘.

Auch ein wieder aufgenommener Kontakt zu E., die inzwischen eine mit neuen Frauen besetzte Gruppe leitete, änderte daran nichts. Sie lehrte immer noch die gleichen Dinge, und ich äußerte nach wie vor Kritik, sobald mein Bauchgefühl die Alarmglocken läuten ließen.

E. liebte Tobias-Channelings genauso, wie die Geistheilung durch irgendwelche selbsternannten „Lichtgestalten“, die gar keine waren. Einer davon entpuppte sich später als Kinderschänder. Sie animierte die anderen Gruppenmitglieder zur Teilnahme an fragwürdigen Veranstaltungen, aber ich lehnte es ab, Deeksha gebende indische Gurus reich zu machen, die in den Augen der westlichen Welt die spirituelle Weisheit scheinbar für sich gepachtet hatten. Doch damit stand ich allein.

Ich brauche Gott und seinen christlichen Geist, den er einst seinem Menschensohn Jesus mit auf diese Welt gegeben hatte. Sonst niemanden! Jeder, der sich auf ihn beruft, ist in der Lage heilend zu wirken, wenn der ‚Himmel‘ das so vorsieht und das kostenlos. Ich musste feststellen, dass manche Ärzte nicht durch Gott, sondern durch ihren Geldbeutel heilen.

Mit meiner christlichen Überzeugung konnte auch die neue Gruppe nichts anfangen. Deshalb kehrte ich E. schließlich wieder den Rücken zu. Was sollte sie mir beibringen?! Sie hatte selbst nichts dazugelernt. Ihre Wahrheit war nicht meine. Ich hatte doch alles IN mir, was wichtig für mich war.

Irgendwie war ich zu gläubig, zu leidgeprüft, zu wenig esoterisch, zu lebenserfahren, zu mystisch und passte wohl kaum in die Denkweise meiner Zeitgenossen. Das war auch nicht meine Absicht, denn ich liebte es mittlerweile, mit einem Bein in der Vergangenheit zu stehen. Egal, was ich tat, ich schien immer zwischen den Welten und Zeiten zu wandeln.

Meine Lebensanschauung war anders, mein Glaube und mein Bewusstsein hatten sich entwickelt und aus mir eine Einzelgängerin gemacht. Nur eine sehr alte Seele konnte ertragen, was ich im Leben erfahren musste. Es war mein Weg! Erst jetzt konnte ich ihn segnen, weil ich sah, welche Tiefe er mir durch seine Schwere gegeben hatte. Ich war nicht stolz darauf – im Gegenteil und hoffte, dass auch Gott mich segnen würde.

Ich sehnte mich nach Menschen und blieb dennoch unter vielen allein. Um mich zu erden, unternahm ich lange Spaziergänge durch die Rheinauen oder fuhr nach Kevelaer, um Kraft zu tanken und „Gott zu atmen“, obwohl er sehr wahrscheinlich dort, unter den vielen Geschäftemachereien des Pilgerortes, am wenigsten zu finden war. Doch ganz gleich, wo ich lief, ich fühlte mich einsam und verlassen. Ich hatte das Alleinsein gelernt und lebte autark mein Leben. Sollte DAS meine Bestimmung sein? Es machte mir zu schaffen! Wenigstens empfingen mich meine drei Katzen mit Freude, wenn ich nachmittags von meinem Vollzeitjob nach Hause kam.

Mein jüngster Sohn war die einzige Menschenseele, die mir emotional und aufgrund der räumlichen Nähe verbunden war, doch er blieb mir trotzdem fremd, weil er ein ganz anderes Naturell hatte, als ich. Was uns jedoch immer vereinte, war unsere Tierliebe. Er hegte und pflegte die Katzen, wenn ich ein paar Tage weg war. Seine Lieblingskatze hieß „Sally“. Ich rief sie „Wichtel“. Sie pinkelte durch ihr Revierverhalten ständig alle Übergardinen voll, aber wir liebten sie trotzdem.

Patrick und ich, wir beide waren hochsensibel. Sobald wir längere Zeit zusammen in einem Raum waren, entwickelte sich ein explosives Gemisch, das kurz darauf explodierte. Er entzündete sich an meiner Art und ich an seiner. Ein Teufelskreis, den man nur durch räumliche Trennung entkommen konnte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Patrick sein Studium aufgegeben, weil es finanziell nicht zu stemmen war. Der Bafög-Antrag war zwar gestellt worden, doch die Antwort darauf verblüffte und erschreckte uns beide: Ich sollte fast 400 Euro an Patrick zahlen, obwohl ich ihn bisher alleine unterhalten hatte und nie einen Pfennig Unterhalt von seinem Erzeuger bekam. Er wohnte und aß bei mir, wurde eingekleidet, wenn er etwas brauchte und bekam ansonsten alles, was die Uni betraf, zusätzlich von mir. Hinzu kam dann noch seine fehlende Hilfe, die Unordnung und seine immer desolateren Wohnräume. Ich war verzweifelt!

In seiner Grundeigenschaft war Patrick ein liebenswerter Mensch, der sich selbst als wertloses Geschöpf empfand und genauso lebte. Er lehnte es ab, den Bafög-Bescheid umzusetzen und verzichtete auf die Geldforderung, weil er mir nicht schaden wollte. Das war auch eine Eigenart von ihm: Er hätte niemals etwas von mir weggeworfen und sei es nur eine Trockenblume gewesen, die langsam auseinander fiel.

Ich hatte ihm den Führerschein finanziert, und er benutzte meinen Micra solange, bis er rundherum verbeult war. Bei ihm herrschte das Chaos – die ‚Kehrseite der Medaille‘.

Im Frühjahr brachte er mir die Nachricht, dass er nach Duisburg-Neudorf ziehen will. Grund dafür war eine junge Frau, in die er verliebt war und die in nächster Nähe zu seiner neuen Wohnung wohnte. Mit ihr verbrachte er seine Freizeit, hing in irgendwelchen Clubs ab und zelebrierte seine Rap-Musik.

Bevor er umzog, richtete ich ihm das Nötigste ein: Eine neue Küche, Schlaf- und Wohnzimmer mit Flachbild-TV, Vorhänge und Lampen. Ich wollte, dass er es gut vorfand, in seiner 45 qm-Wohnung und wusste, dass er kein Geld zur Verfügung hatte, um sie einzurichten. Kurz darauf begann er nach einem Praktikum eine Ausbildung zum Bürokaufmann, die er auch beendete. Er war damit nicht nur unterfordert und unglücklich, sondern fand letztendlich keine Anstellung.

In der Zwischenzeit zerplatzten alle seine Träume. Die größte und letzte Liebe seines Lebens betrog ihn mit seinem besten Freund. Das hatte er niemals verwunden. Danach wollte er zwar nichts mehr von Frauen wissen, weil er deren materielle Einstellung hasste, hatte aber dennoch die Sehnsucht nach einer heilen eigenen Familie.

Ich weiß noch den Tag, an dem Patrick bei mir auszog. Das war das erste Mal, dass wir getrennt voneinander lebten. Als damals die Türe ins Schloss fiel, schauderte es mich. Ein neuer Lebensabschnitt begann! Ich blieb alleine mit meinen drei Katzen zurück.

Wird fortgesetzt…

Geister der Nacht

The Nightmare – Johann Heinrich Füssli 1741-1825

Licht ohne Schatten –
nimmt Einsamkeit,
bringt Gesellschaft der Engel,
vertreibt die Angst vor der Dunkelheit,
macht quälende Gedanken erträglicher.
Die Geister,
die im Verborgenen lauerten,
sie schweigen,
erwachen in der Finsternis zu neuem Leben.
 
Ängste
werden wieder Schatten werfen,
zerren an der Bettdecke,
vertreiben den Schlaf
durch Gedankengespinste,
des Lebens böse Erinnerungen.
Alpträume sind die Geschenke der Geister,
bringen die alten Schwingungen,
greifen nach dir –
vielleicht schon in der nächsten Nacht!?

Verbotene Sehnsucht

So, wie die Schwalben ohne Rast
zu segeln durch die Lüfte,
 
mit allen Sinnen, fern der Last
zu atmen süße Düfte;
 
oh, wie du lockst, du weite Welt,
mit Schönheit und mit Leben,
 
und jeder Stern am Himmelszelt,
will meine Sehnsucht regen;
 
wie leide ich an meiner Ruh’
der abgeschied’nen Welten,
 
so hör’ mich rufen, laut: Nur DU
kannst meiner Seele helfen!
 
Wollt’ nahe sein nur DIR, mein Herz
und opfern DIR mein Leben,
 
dass Einsamkeit mir wird zum Schmerz,
bitt’ ich DICH zu vergeben.
 
Seh’ nicht als Sünde meinen Drang
des Daseins Sinn zu üben,
 
folg’ trotzdem DIR ein Leben lang,
gib meiner Seele Frieden.
 

These are the days of my life – Queen

Manchmal fühle ich mich
Sometimes I get to feelin‘

Ich war zurück in der alten Zeit, lange her
I was back in the old days, long ago

Als wir Kinder waren, als wir jung waren
When we were kids, when we were young

Die Dinge schienen so perfekt zu sein, weißt du?
Things seemed so perfect, you know?

Die Tage waren endlos, wir waren verrückt, wir waren jung
The days were endless, we were crazy, we were young

Die Sonne schien immer, wir lebten nur zum Spaß
The sun was always shinin‘, we just lived for fun

Manchmal scheint es in letzter Zeit so, als ob ich es einfach nicht weiß
Sometimes it seems like lately, I just don’t know

Der Rest meines Lebens war nur eine Show
The rest of my life’s been, just a show

Das sind die Tage unseres Lebens
Those are the days of our lives

Die schlechten Dinge im Leben waren so wenige
The bad things in life were so few

Diese Zeiten sind jetzt alle vorbei, aber eines ist wahr
Those days are all gone now but one thing is true

Wenn ich schaue und finde, liebe ich dich immer noch
When I look and I find I still love you

Sie können die Uhr nicht zurückdrehen, Sie können das Blatt nicht zurückdrehen
You can’t turn back the clock, you can’t turn back the tide

Ist das nicht eine Schande?
Ain’t that a shame?

Oh, ich würde gerne einmal eine Achterbahnfahrt machen
Ooh, I’d like to go back one time on a roller coaster ride

Als das Leben nur ein Spiel war
When life was just a game

Es nützt nichts, zu sitzen und darüber nachzudenken, was du getan hast
No use in sitting and thinkin‘ on what you did

Wenn Sie sich zurücklehnen und es durch Ihre Kinder genießen können
When you can lay back and enjoy it through your kids

Manchmal scheint es in letzter Zeit so, als ob ich es einfach nicht weiß
Sometimes it seems like lately, I just don’t know

Lehnen Sie sich besser zurück und gehen Sie mit dem Fluss
Better sit back and go, with the flow

Das sind die Tage unseres Lebens
These are the days of our lives

Sie sind in der Schnelligkeit der Zeit geflogen
They’ve flown in the swiftness of time

Diese Tage sind jetzt alle vorbei, aber einige Dinge bleiben
These days are all gone now but some things remain

Wenn ich schaue und finde, keine Veränderung
When I look and I find, no change

Das waren die Tage unseres Lebens, ja
Those were the days of our lives, yeah

Die schlechten Dinge im Leben waren so wenige
The bad things in life were so few

Diese Zeiten sind jetzt alle vorbei, aber eines ist immer noch wahr
Those days are all gone now but one thing’s still true

Wenn ich schaue und finde, liebe ich dich immer noch
When I look and I find, I still love you

Ich liebe dich immer noch
I still love you


Quelle: LyricFind
Songwriter: Brian May / Freddie Mercury / John Deacon / Roger Taylor
Songtext von These Are the Days of Our Lives © Sony/ATV Music Publishing LLC

Zeitenwechsel

Vier Jahreszeiten – Alfons Mucha 1862-1939

Treibt durch das Jahr
so schnell die Zeit,
mit weiten Riesenschritten,
man sehnt sich nach
des Frühlings Kleid
und gleich ist es
entglitten.
 
Schon hüllt des
Sommers heißer Atem
die Welt in prächt’ges Glühen,
sieht man bereits
in stillem Warten,
den Herbst schon Regen sprühen.
 
Bald fegt der Wind
mit starker Hand
den Staub der warmen Tage,
dann geht ein Welken durch das Land,
bringt trüb
der Stürme Plage.
 
Und fern erscheint
ein weißes Leuchten,
der Frost, er steht im Eisgewand.
Die Winterzeit streut ihre feuchten
Gesellen auf das kalte Land.
 
So wird der Wechsel
aller Zeiten
von hell nach dunkel uns beschert,
sind schlechte Jahre zu bestreiten,
gefolgt von guten umgekehrt.
 

Heil der Welt

Alexandre Cabanel 1823-1889 – Der Abendengel

Ich möchte die Welt umarmen,
um sie mit meinem Seelenlicht,
dem warmen,
zu durchströmen –
sie friert so lange schon.

Ich möchte ihr Mantel sein und Schutz
und ohne zu lärmen,
das Eis zerstoßen,
um es mit goldener Flamme,
der großen,
für ewig zu schmelzen.

Ich möchte mit dieser Flamme
die Funken in den kalten Herzen entzünden
und nach beendeter Eiszeit verkünden:
Sie haben sich gewärmt am Heil der Welt.
Sie leben im Licht!
 

Kleiner Rückblick – Schiller

Fortsetzung Teil 21

Gisela Seidel

Im Dezember 2003 war ich auf dem Weg zum Altenheim mit einem voll bepackten Wäschekorb von meiner Wohnungstreppe gestürzt und hatte mir einen riesengroßen Bluterguss am Oberschenkel zugezogen. Meine „Gabor“-Schuhe waren hin, und ich hatte mich im ersten Schockzustand auf die Bank im Flur gesetzt, um Atem zu holen und mich zitternd auszuheulen. Es war alles zu viel.

Mir war so, als wäre ich geschubst worden. Es war wie ein „Stopp“!
„Die geistige Welt schubst nicht!“, rief eine Stimme in mir. Trotzdem war der Sturz für mich die Aufforderung, nicht mehr ins Altenheim zu gehen, der ich umgehend nachkam. Ich sollte etwas anderes tun. Da war ich sicher! Aber was?

Von Esoterik war nur noch die Frauengruppe bei E. geblieben, und ich fuhr einmal wöchentlich nach Krefeld. E. nannte sich schamanische Heilerin und Kartenlegerin. Ab und zu kriegte sie hellsichtige Bilder, wie damals bei D.
Das kam plötzlich und unerwartet. Mir sagte sie irgendwann aus heiterem Himmel: „Ich sehe für dich die Namen Hus und Eck.

Jan Hus 1370-1415
Johannes Eck 1486-1543

Jan Hus war wegen Ketzerei verbrannt worden. Johannes Eck war ein Gegner Martin Luthers. Was ich damit zu tun haben sollte, weiß ich bis heute nicht. Nur waren alle diese Personen eng mit der Kirche verbunden.

Gegen ein Honorar von 10 Euro pro Person zeigte E. uns alles, was mit Geistheilung zu tun hatte. Wir machten Meditationen in der Gruppe, bei denen ich in Halbtrance viele „Bilder sehen“ konnte.

Ich sah Petrus auf einem Berg stehend ins Tal hinabsehen, saß inmitten von Indianern auf einer Anhöhe beim Lagerfeuer und schaute zuletzt in ein freundliches Männergesicht mit Zopf, das nach kurzer Zeit mit einem Lächeln wieder verschwand.

Noch ganz verzückt fuhr ich an diesem Abend nach Hause und wälzte mein Lexikon, in der Hoffnung, dort vielleicht das Bild wieder zu entdecken. Aber ich fand es nicht, und ein Name wurde mir auch nach wiederholtem Bitten von meinem Geistführer nicht genannt.

Auch an E., vielmehr an den dortigen Räumlichkeiten hatte die mediale alte Dame aus I. Bekanntenkreis nichts Gutes gelassen. Sie hatte gesagt, der Raum, in dem sich die Gruppe traf, sei von negativer Energie durchsetzt und auch über E. fand sie kein positives Urteil. I., die bis zu diesem Zeitpunkt stets mitgefahren war, wollte sich der vermeintlichen Gefahr nicht mehr aussetzen. E. tat mir leid, denn ich hatte sie als vertrauenswürdig eingestuft und konnte nichts Negatives an ihr finden. Nun hieß es ihr gegenüber Farbe bekennen, und es fiel mir sehr schwer, mich an einer weiteren „Hexenjagd“ zu beteiligen, von der ich gar nicht überzeugt war. E. war verständlicherweise sehr betroffen über unsere Entscheidung und von dem, was man ihr anlastete. Doch ich gehorchte meinem Bauchgefühl und das riet mir, der Gruppe fernzubleiben.

Friedrich Schiller, Gemälde von Anton Graff;
Quelle: Wikipedia

Dann vergingen zwei weitere Monate. Mittlerweile hatte ich fast 300 Gedichte geschrieben, und ich schaute und wartete auf neue Erkenntnisse, die mich weiterbringen sollten.

Im März 2004 entdeckte ich in einer Zeitung eine Ausstellung im Goethemuseum in Düsseldorf. Sie nannte sich „Weimarer Frühling“. Ich plante einen Besuch und fuhr alleine mit der S-Bahn dorthin, obwohl ich so etwas noch niemals zuvor gemacht hatte.

Das Museum zeigte vor allen Dingen „Goethe“, und als ich das obere Stockwerk erreicht hatte, war ich fast enttäuscht darüber. Dann betrat ich den letzten Raum, der Schiller gewidmet war und blieb vor einer Reproduktion seines Gemäldes von Anton Graff stehen. Ich schaute zu ihm hinauf…nein, er schaute mich an, und es war dasselbe freundliche Gesicht, das mir in der Meditation erschienen war. Als mir das bewusst wurde, brach ich in Tränen aus. Ich kannte diese alte Seele! Doch woher? Es war wie ein Déjà-vu, und ich fuhr glücklich, mit schillernden Gedanken nach Hause.

Direkt am nächsten Tag eilte ich in die nächste Buchhandlung und kaufte mir das erste Buch „Unser armer Schiller“. Eigentlich war es das zweite, denn ich hatte ja noch die Rowohlt-Bibliografie von R. M. zu Hause. Ich verschlang diese Lektüren und kaufte in Antiquariaten das ein, was mir ‚von oben‘ gezeigt wurde, denn mir war klar, dass ich geführt wurde.

Doch meine Fragen nach dem Warum blieben unbeantwortet. Sollte ich etwas aufdecken, was anderen nicht gelungen war? Es musste schon ein besonderes Buch werden, denn Biografien über Schiller gab es genug. So entschied ich mich dazu, eine Biografie aus seiner Perspektive zu schreiben, um eine besondere Nähe zu ihm herzustellen.

Im Juni 2004 fuhr ich zum zweiten Mal nach Weimar und war begeistert. Hier ließ ich mein Herz! Der Jakobskirchhof aktivierte schon beim Betreten den Tränenfluss bei mir, und ich war mir sicher: Die alte Schwingung ist noch da!

Als ich den Kirchenraum betrat und dem Spiel der Organistin lauschte, konnte ich nicht mehr aufhören zu weinen. Mir war, als würde Schillers Geist durch meine Augen die Welt schauen. Er begleitete mich und zeigte mir alles, was ich sehen sollte.

Die Biographie wuchs langsam, aber stetig. Ich fand alles, was ich brauchte. Manchmal nicht sofort. Dann musste ich auf meine innere Stimme hören, schrieb hin, was mir in den Sinn kam und stellte im Nachhinein fest, dass es immer richtig gewesen ist.

Die Bücherberge um mich herum wuchsen. Vieles kaufte ich, denn ich wollte die alten Bücher in Händen halten, so als könnte ich den Inhalt auf Wahrheit erfühlen. Über die Hoffmeister-Biografie habe ich mich am Allermeisten gefreut. Ich bekam sie für 15 Euro. Ein Schatz unter vielen aus dem 19. Jahrhundert. Allerdings musste ich achtgeben, denn einige Stellen waren absichtlich verfälscht, weil die Angehörigen dieser Personen noch lebten.

Die Briefe von Schiller konnte ich mir finanziell nicht leisten. Die Nationalausgabe zu kaufen, wäre viel zu kostspielig für mich gewesen, und ich war froh, dass ich sie kostenlos in der Stadtbücherei leihen konnte. So erfasste ich tausende von Seiten in relativ kurzer Zeit und bemerkte, dass ich beim Lesen des alten Sprachstils überhaupt keine Schwierigkeiten hatte.

Schiller schien IN mir zu sein, und ich war in seiner Welt und wäre am liebsten dort geblieben. Ich konnte mich mit ihm verbinden. Es war wundervoll, was mir da widerfuhr! Ich nahm es als ein Geschenk von „allerhöchster Stelle“.
Ich liebe diese große Seele! Ich fühlte eine besondere Nähe zu ihm, eine Vertrautheit, als würde ich ihn schon ewig kennen. Vielleicht tue ich das tatsächlich!? Ich weiß es nicht.

Seine Biografie lag mir sehr am Herzen. Immer wieder wurde er als Weiberheld dargestellt. Dabei hatte er doch nur ein starkes Liebesdefizit – ähnlich wie ich. Das wollte ich klarstellen. Er war ein ganz normaler Mensch, mit allen Ängsten und Nöten. Zeit seines Lebens war er mit Schulden behaftet, aber sie hielten ihn am Leben. Das machte ihn noch sympathischer und mir ähnlich.

Friedrich Schiller in Tiefurt

Ende 2004 war die Biografie fertig. Doch mir fehlte die Schreibroutine und später, als das Buch beim Engelsdorfer Verlag veröffentlicht war, entdeckte ich viele Fehler, die ich nicht mehr korrigieren konnte. Es ärgerte mich wahnsinnig, aber ein Lektorat hatte ich mir nicht leisten können.

Im Schillerjahr 2005 kam es auf den Büchermarkt. Zuvor hatte ich natürlich nach einem renommierten Verlag gesucht, fand jedoch keinen. Außerdem war es viel zu spät. Die Verlage hatten ihre Bücher schon längst gedruckt.
Wieder fluteten unzählige Neuerscheinungen den Markt. Mein Buch blieb weitgehend unentdeckt. Viel zu wenige kauften es. Ich war enttäuscht und hatte erst mal vom Schreiben genug.

Doch dachte ich, wenn es wirklich meine Bestimmung ist, muss ich weitermachen. Plötzlich fiel mir der Traum von „Jakobus dem Älteren“ ein. Jetzt wusste ich, was er mir sagen wollte: Er sollte mich an mein Apostolat erinnern, das ich zu erfüllen hatte. War ich mit diesem Schreibauftrag in dieses Leben gegangen?

Worte können verletzen, aber auch heilen. Sollte ich heilende Worte wie Seelentrostpflaster in die Welt streuen? Wieso halfen mir meine Engel dann nicht auch bei der Verlagssuche? Auch sie hatten den eigenen Willen der anderen zu respektieren. Hier durften sie nicht eingreifen. Deshalb hatte ich meinen „Verlag im Dorf der Engel“ als himmlischen Fingerzeig begriffen. Dort wurden meine Bücher verlegt. Leider war dort kein Geld für Werbezwecke vorhanden. Deshalb ist der Verkauf schleppend und viele Lesungen waren für mich nicht zu bewältigen. 2009 wurde das Buch überarbeitet und neu aufgelegt. Für das Buch-Cover ließ ich einen für mich ‚lebendigen‘ Schiller malen.

Damit das Buch jedermann zugänglich ist, habe ich es komplett ins Internet gestellt:
Schiller – Erinnerungen

Eigentlich konnte ich schon deshalb stolz auf den autobiografischen Roman sein, weil es die einzige Ich-Biografie über Schiller ist, die es auf der Welt gibt. Er hatte selbst nichts hinterlassen.

Doch was konnte meine Biografie über Schiller bewirken? Sie konnte zeigen, wie sehr der Geist den Körper trägt…nicht umgekehrt! Schillers Körper war durch eine schwere Krankheit zerstört. Trotzdem ließ ihn sein Geist Unmögliches vollbringen.

Nach ersten Leseterminen mit großem Lampenfieber und mäßigem Erfolg folgten diverse Radiosendungen und Kontakte zur Presse. Die Schiller-Biografie brachte viele neue Menschen in mein Leben, darunter auch ein Kontakt zu einer Frau, die für eine rheinische Zeitung schreibt.

Eines Tages kam sie mit einem alten Artikel über eine Niederrhein-Dichterin zu mir, die ich bis dahin nicht gekannt hatte und meinte, damit ein neues Thema für eine weitere Ich-Biografie für mich zu haben.

Henriette Brey hatte ähnlich wie Schiller trotz ihrer großen Leiden das Schreiben zu ihrer Berufung gemacht, um Menschen von Nutzen zu sein. Auch sie sah es als ihre Lebensaufgabe, die Welt mit guten Gedanken, christlichem Glauben und ethischer Vollkommenheit zu bereichern. Gott selbst machte sie stark für diesen Weg!

Henriette Brey hatte zu mir gefunden und ich zu ihr. Eine neue Ich-Biografie entstand im Stil der Jahrhundertwende um 1900.

Wieder las ich unzählige Bücher der Dichterin selbst, um ihren Stil in mich aufzunehmen, damit ich ihn später in den Buchtext zurückfließen lassen konnte. Henriette Brey hatte einen überaus ‚blumigen‘ Schreibstil.
Erschwerend hinzu kam dazu noch ihre streng anerzogene katholische Gesinnung. Alles Neuland für mich. Ihr Großneffe achtete darauf, dass die Kirche betreffende Dinge strikt korrekt dargestellt wurden, wie z. B. die Messe vor und nach dem Konzil.

Leider musste ich gewisse andere Vorkommnisse ihres Lebens ‚verdeckt‘ darstellen, damit es der Kirche dienlich war. Liebe zum anderen Geschlecht, auch platonische, durfte dort nicht vorkommen.

Noch dazu gestaltete sich das Schreiben schwierig, weil ich zunächst eine komplette Biografie über Henriette Brey erstellen musste, die später im Bautz-Kirchenlexikon veröffentlicht wurde.

Grafik von Heinrich Brey – „Henriette Brey -Ein Vogel im Käfig“

Wird fortgesetzt…

Herbst

Hans Andersen Brendekilde 1857-1942

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Aus: Das Buch der Bilder 1906, Axel Junker Verlag

Rainer Maria Rilke 1875-1926

Kleiner Rückblick – Außerirdisch

Fortsetzung Teil 20

Ostern 1958

Es ist traurig, dass mein Vater mich schon als kleines Mädchen nicht sonderlich gemocht hatte, noch tragischer war es für mich gewesen, in meinen schwersten Stunden mutterseelenallein zu sein.

Ende 1997 starb meine Mutter an den Folgen einer Alzheimer-Erkrankung. Damals hatte ich zu meinen Eltern keinen Kontakt. Mein Vater hatte mich nicht informiert, als sie in der Klinik im Sterben lag. Ich hatte keine Tageszeitung abonniert, deshalb war es ein Wink des Himmels, dass ich eine Zeitung kaufte und dort die Todesanzeige meiner Mutter fand. Dort wurde ich nicht erwähnt.

Ein halbes Jahr später sollte ich auf gleiche Art und Weise die Todesanzeige meiner Bekannten vom Bundespresseamt entdecken. Sie war an Krebs verstorben.

Heute muss ich sagen: „Es gibt keine Zufälle!“ Was mich finden soll, das findet mich.

Mein Erscheinen bei der Beerdigung war von meinem Vater nicht erwünscht gewesen. Das hatte mir mein Sohn G. damals am Telefon mitgeteilt. Er warf mir vor, dass ich überhaupt nicht trauern würde. Doch was sollte ich dazu sagen!?
Als meine Mutter im Sterben lag, erkrankte mein Kater „Paulchen“ plötzlich so schwer, dass er nur noch schrie. Sonntags musste ich ihn einschläfern lassen, weil er Wasser in der Lunge hatte. Sein Herz war zu schwach. Ich habe Tag und Nacht geweint, wie um ein Kind, dem nicht mehr zu helfen war. Von dem Todeskampf meiner Mutter wusste ich damals nichts. Später erst erfuhr ich, dass sie an den gleichen Symptomen wie mein Kater gestorben ist. Zufall?

Um des lieben Friedens willen fügte ich mich und hatte nicht an der Trauerfeier teilgenommen, obwohl mir das zuvor schlaflose Nächte bereitete. Schließlich war ich zu der Einsicht gekommen, dass ‚der Abschied‘ einzig und allein eine Sache zwischen mir und meiner Mutter war. Am offenen Grab hatte ich mich allein von ihr verabschiedet, nachdem die Trauergesellschaft bereits gegangen war, doch ich konnte nicht weinen.

Hochzeit meiner Eltern 1950

Während des Readings mit R. M. bat meine Mutter mich um Vergebung und verließ mich an der Seite des Lichtwesens, mit dem sie gekommen war. R. M. meinte, sie würde geschult werden und ihre Seele gereinigt. Später vernichtete ich die Tonbänder. Kein Fremder sollte sie hören! Meinem Vater habe ich nie davon erzählt, weil er sowieso glaubte, dass nach dem Tod nichts mehr käme.

Ich hatte damals sehr großes Vertrauen zu R. M. und merkte gar nicht, wie sehr sie es verstand, andere Menschen für sich einzunehmen und zu manipulieren.
Jedes Mal, wenn ich in die Stadt fuhr, dachte ich immer erst daran, wie ich R. M. eine Freude machen könnte. I,, meine Bekannte, ging es genauso wie mir, doch sie hatte auch das nötige Geld, um dies umzusetzen. Sie kaufte Geschenke für R. M., hier mal ein Kettchen, ein Handtäschchen oder einen Schal.

R. M. durchleuchtete das Leben von I. genau und verordnete ihr, sie müsse sich von allem alten Ballast trennen. Damit meinte sie alle Dinge, die an den kürzlich verstorbenen Gatten erinnerten, sprich alte Fotos, Gemälde und Kunstgegenstände. All das nahm R. M. an sich, um es – wie sie sagte, zu entsorgen. Zwei Ölgemälde nahm ich mit zu mir. Eins war das Lieblingsbild des Mannes gewesen. Ich sollte es aufbewahren und gab es später an sie zurück.

Während dieser Zeit erkrankte mein Chef mit 54 Jahren an Hautkrebs. Für die Verabschiedung eines Kollegen hatten wir Fotos gemacht, und ich zeigte I. und auch R. M. das Bild meines Vorgesetzten. R. M. erklärte sofort, dass er sterben würde. Ich sollte keine Energie mehr hineinstecken und keine Hoffnung. Seine Seele wüsste es längst. Es bliebe noch Zeit zum Abschiednehmen.

Irgendwann träumte ich von einem schwarzen Riesenschnauzer, der auf zwei Beinen zu mir gelaufen kam und mit mir redete. Ich wusste damit nichts anzufangen. Der Traum ließ mir keine Ruhe. Dann erzählte ich R. M. davon. Sie spulte das Traumgeschehen zurück, wie einen Film und sagte mir, dass mein Chef sich in einen Hund verwandelt hätte, weil er wusste, wie tierlieb ich sei. Dadurch glaubte er, besser an mich heranzukommen. Er wäre gekommen, um sich zu verabschieden. Mit dem heutigen Wissen über meine Träume und denen meiner Oma, ist es leicht, den schwarzen Hund als den Tod zu entschlüsseln.

Seitdem ich wusste, wie es um meinen Chef stand, schrieb ich einige Gedichte für ihn. Ich machte sie ihm zum Geschenk. Er nahm sie sogar mit in die Klinik und später sagte mir seine Frau, dass er sie sehr gemocht hätte. Zwei Jahre nach meinem Traum ist er dann gestorben. R. M. hatte Recht behalten.

Ende 2003 lud ich den neuen Bekanntenkreis und auch R. M. und ihre Kollegin zu Kaffee und Kuchen ein. ‚Petrus‘ war ebenfalls dabei, doch obwohl sie sonst immer gerne im Mittelpunkt stand, verstummte sie diesmal, weil R. M. anwesend war. Die beiden stammten aus zwei Welten. Geisterwelt und Esoterik passten irgendwie nicht zusammen.


R. M. hatte mir als kleine Gabe eine Rowohlt-Bibliografie über Friedrich Schiller mitgebracht, über die ich mich sehr wunderte. Mit den Klassikern hatte ich noch nie zu tun gehabt, und sie interessierten mich auch nicht sonderlich.

Während wir angeregt miteinander plauderten, stand R. M. plötzlich auf und bat I., ihr ins Wohnzimmer zu folgen. Sie sagte ihr, dass der verstorbene Mann den Kontakt suchen würde. Erst nach einer halben Stunde kehrten beide an die Kaffeetafel zurück

Als sich gegen Abend die Gesellschaft langsam auflöste, blieben nur noch I., die nonnenhafte B., eine Lehrerin, die Ikonen malte und fast täglich in die Kirche ging und ich, zusammen mit R. M. übrig. Diese sprach plötzlich mit mir über meine Zukunft und meinte, ich würde einige Gedichte nicht nur selbst schreiben, sondern viele, längst verstorbene Dichter hätten schon lange darauf gewartet, dies mit mir gemeinsam zu tun. Jeder, der mit meinem Geist kompatibel sei, könnte sich mit mir verbinden. R. M. bekam ein Bild von einem Rondell, wie auf einem Spielplatz, auf dem die Dichter säßen. Abwechselnd kämen sie zu mir und füllten ihren Geist in meine Gedanken. Ich empfand eine tiefe Dankbarkeit und Demut, als ich das erfuhr. Es fühlte sich in mir ganz stimmig an.

Weiter prophezeite sie mir, dass ich Biografien schreiben würde. Ich sollte schon mal ein Regal leerräumen. Es würden viele Bücher sein, und ich würde bis ins hohe Alter schreiben. Eine Schiller-Biografie wäre mein erstes Buch. Sie sagte mir auch, dass mich der Spagat zwischen meiner „normalen“ Arbeit und der Schriftstellerei beinahe zerreißen würde. Ich müsste damit rechnen, dass meine Hellsichtigkeit stärker werden würde. Ich war sprachlos und konnte das alles zunächst gar nicht glauben.
Besonders die Schiller-Biografie lag mir im Magen. Weil ich gerade das für ganz unmöglich hielt, bezweifelte ich auch den Rest.

Natürlich wollte ich wissen, wann der nächste Mann in mein Leben kommt. Durch den „göttlichen Kanal“ nannte man mir das Jahr 2006. Drei einsame Jahre lagen nun vor mir, und ich dachte im ersten Moment mit Schrecken an die lange Zeit.
„Du wirst die Zeit für Dich brauchen!“, hatte R. M. gesagt. „Ich bekomme ein Bild mit zwei Ringen. Das bedeutet immer eine feste, lange Partnerschaft. Freu Dich auf diesen wunderbaren Mann!“
Die Zeit bis dahin war zwar lang, aber immerhin sah sie überhaupt eine Partnerschaft für mich. Das war mir Trost genug.

R. M. lebte ebenfalls allein. Sie sagte, dass es für sie sehr schwer wäre, mit einem Mann zusammen zu sein, weil sie dessen Gedanken lesen könnte. Sie erkannte sogar die Geschenke schon vorher, die man ihr machte. Das nahm ihr zu Weihnachten und an Geburtstagen die Freude.

Als Medium war sie außergewöhnlich. Wir waren alle von ihr fasziniert – außer P.

Den Jahreswechsel 2003/2004 feierten I. und ich zusammen mit R. M. Es war eine außergewöhnliche Nacht mit ebensolchen Ereignissen. Die Seele von „Gerhard Schröder“ gesellte sich in unseren Kreis und befand sich laut Auskunft von R. M. im Raum der Versuchung. Er sprach über R. M. mit uns und äußerte sich über das desolate Bildungssystem, als säße er mit in unserer Runde.

Sie erzählte mir, ich sei in einem früheren Leben Hohepriesterin in Ägypten gewesen und hätte Schriftrollen und Steintafeln bewacht. Mein Sohn sei mein engster Vertrauter gewesen und hätte ein Leben lang als Priester schützend an meiner Seite gestanden. Dann hätte ich mich in einen Hohepriester verliebt und meinen Keuschheitsschwur gebrochen. Ich hätte mit ihm fliehen wollen, doch er sah seine höhere Pflicht in den Diensten der Götter. Weil ich nicht ohne ihn weiterleben wollte, hätte ich mich schließlich durch Schlangenbiss getötet und wäre sofort nach dem Biss ins Meer gegangen.

Ich war hin- und hergerissen. Sollte ich das glauben oder nicht!? Bei P. war ich Priesterin in Atlantis, bei R. M. Priesterin in Ägypten. Ich erfuhr es ja am eigenen Leib und war Zeuge dieses Geschehens, und meine innere Stimme wehrte sich nicht. Das erklärte sogar die Ängste, die der Blick aufs Meer heute noch bei mir auslöst.

Danach saßen wir lange und lauschten den Botschaften, die uns durch den „göttlichen Kanal“ offenbart wurden. Doch wer saß am anderen Ende des Kanals? War das wirklich Gott? Wenn man ihm nicht die volle Aufmerksamkeit widmete, wurde er ungehalten. R. M. meinte lapidar: „So ist er!“

R. M. hatte uns erzählt, dass Satan sie besuchen käme. Er würde sehr gut aussehen, hätte eine braune Hautfarbe, wie mein Sohn und würde ihr gefallen. Ich glaubte ihr das, denn nur allzu oft wurde sie von der übrigen Welt abgeschottet. Dann war ihre Telefonleitung gestört. Jedes Mal war nur ein lautes Knacken und Rauschen zu hören.
„Ich werde geschult!“, erklärte sie uns und litt entsetzlich darunter. Was während dieser angeblichen Schulungen wirklich stattfand, durfte sie nicht erzählen. Vermutlich befand sie sich nur allzu oft selbst im ‚Raum der Versuchung‘! Ich dachte sofort, dass ihr etwas Gutes niemals ihre Kräfte nehmen würde… im Gegenteil.

Meinen Sohn hatten P. und ich während einer Blödelei bereits als die sumerische Königin Schub-ad ausgemacht, die vor rund 5.000 Jahren gelebt hatte. Das, weil Patrick jede Arbeit scheute und grundsätzlich allen Lernstoff wusste, ohne zu lernen.
Für Erich van Däniken und Zecharia Sitchin ist diese Königin außerirdisch und dies durch DNA beweisbar.

Sumerische Königin oder Hofdame (ungewiss) Schub-ad ca. 2.500 v. Chr. aus dem Buch „Götter, Gräber und Gelehrte“
Frauen machen Geschichte

R. M. hatte in der Silvesternacht versucht, mir mittels Reiki belastende Energien zu nehmen. Sie verlangte, dass ich meine Mutter beschimpfte, weil ich immer noch nicht trauern konnte. Aber ich fühle keinen Hass auf meine Mutter und wollte sie nicht angreifen.

Meine Bekannte hatte mir davon berichtet, dass R. M. dazu in der Lage sei, ihr Aussehen zu verändern. Sie hatte sich ihr mit dem Gesicht einer Alkoholikerin gezeigt und sie gefragt, wen sie sehen würde. I. war darüber ganz erschrocken gewesen, denn sie erkannte P. als ältere Frau. Das beängstigte mich irgendwie. Warum tat sie das?

In dieser Silvesternacht machten wir Fotos…auch von R. M., die urplötzlich gegen drei Uhr aufbrach und nach Hause fuhr. Es war so, als würde ihre Kraft schwinden, denn dann offenbarte sich uns anscheinend ihr wirkliches Gesicht, wie bei „Aschenputtel“ um Mitternacht, wenn der Zauber nachließ, oder eher wie ein Vampir, der das Tageslicht fürchtete.

Ein paar Tage später, empfing mich I. ganz aufgeregt. Sie hatte die Fotos entwickeln lassen und präsentierte mir nun eine R. M., die wir so nicht kannten. Es zeigte ein fremdes Gesicht, nicht das liebliche, dass wir bisher wahrgenommen hatten.
I. weigerte sich, die Bilder in der Wohnung aufzubewahren und ließ sie in der Garage, um sie später zu entsorgen.

Uns war aufgefallen, dass I. seit einiger Zeit keinen wirklichen Lebenswillen mehr hatte. Irgendwie schien sie verändert zu sein. Sie saß nur noch auf ihrer Couch und wartete lächelnd auf den Tod. Da stimmte etwas nicht!

Eine andere Bekannte von I. war ebenfalls als Medium tätig. Diese Dame war schon über achtzig Jahre alt und sorgte unter anderem dafür, dass Verstorbene den Weg ins Licht finden konnten. Angeblich kannte sie sogar ihren eigenen Todestag und wusste, dass sie bald gehen musste. Man konnte ihr am Telefon einen Namen nennen, und sie wusste sofort, ob derjenige auf der guten oder bösen Seite stand.
I. bat sie um Auskunft über R. M., und es verschlug uns fast die Sprache, als die Dame ihr sagte, R. M. stünde auf der ‚anderen Seite‘. Sie hätte I. einen Dämon an die Decke im Wohnzimmer gehängt, der dafür sorgen sollte, dass sie apathisch vor sich hinvegetierte. Die alte Dame musste viele Gebete sprechen, um das dunkle Etwas zu entfernen. Erst nach Tagen gelang es ihr.

Reginas Show hatte ein Ende! Wir sahen von weiteren Kontakten ab, denn ihr Klumpfuß bekam plötzlich eine andere Bedeutung. Es gab noch ein paar geliehene Bücher, die ich ihr zurücksandte, mit ein paar erklärenden Worten per Brief.
R. M. brauchte keine Erklärung. Sie wusste selbst am besten, warum wir ihr den Rücken zukehrten. Dennoch tat es mir irgendwie leid, dass es so gekommen war, denn ich mochte sie. Aber ich wollte mich der Gefahr nicht weiter aussetzen.
I. sagte: „Wenn du von der Gefahr weißt und setzt dich ihr trotzdem aus, verlierst du den Schutz deiner Engel!“ Das klang einleuchtend und daran hielt ich mich.
Trotzdem blieben Zweifel. War unsere „Hexenjagd“ richtig gewesen? Ich versuchte auszupendeln, ob die alte Dame Recht gehabt hatte, und das Pendel blieb ohne jegliche Bewegung stehen. Es rührte sich nicht. Ich sollte nicht fragen!

Irgendwann – Monate waren inzwischen vergangen – erschien mir R. M. im Traum. Ich wusste, dass sie es war, doch die Gestalt, in der sie mir erschien, zeigte ihr wahres Gesicht. Es war ein grüner, haarloser Kopf, wie ein Alien, mit riesengroßen, dunklen Augenhöhlen. Das Wesen schimmerte kardinalsrot, wie das Buch. Beim zweiten Traum stand R. M. vor einer Schaufensterscheibe, und ich sah mich dahinter in meinem Bett liegen. Ich spürte, dass sie nach mir schaute und erwachte davon.

Ich bin ihr und der geistigen Welt für das, was ich gesehen und erfahren habe, dankbar. Sie durfte mir ein Stück meines weiteren Weges beleuchten, doch manches konnte ich zu der Zeit noch nicht so recht glauben. Als Biografin sah ich mich jedenfalls nicht. Doch irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich einsah, dass das Schreiben der Gedichte nicht alles gewesen sein konnte.

Die Verlagssuche für meine Gedichte gestaltete sich alles andere als einfach. Auch hier merkte ich schnell, dass es gar nicht einfach war, die Guten von den Bösen zu unterscheiden. In letzter Minute zog ich die rettende Notbremse. Es gab Verlage, die sich mit den wohlklingendsten Namen schmückten und sich hier mit keinen geringeren Zeitgenossen, als Goethe & Co. bedienten. Doch gerade diese Häuser verlangten viel Geld für ihre Tätigkeit, was absolut unseriös und nicht branchenüblich ist. Sogenannte Zuschussverlage sollte man meiden wie die Pest! Man sagt, wer einmal bei einem solchen Verlag veröffentlicht hat, ist bei renommierten Verlagen für alle Zeit unten durch.

Nach vielen vergeblichen Kontakten zu Verlagshäusern musste ich einsehen, dass die Zeit für Gedichte und Lyrik offenbar vorbei war. Deshalb entschloss ich mich, alles ins Internet zu stellen und ließ mein Buch „Himmelspoesie“ im BoD-Verfahren drucken. BoD-Verlage wurden ebenfalls von den renommierten nicht akzeptiert. Wer dort ein Buch publiziert, gilt in der elitären Schriftstellergemeinde nicht als Autor(in), und ich schon gar nicht, weil ich zur ‚bildungsfernen Schicht‘ gehöre und kein adäquates Studium vorweisen kann.

Fortsetzung folgt…