Die Blütezeit nimmt ihren zarten Lauf, und Gänseblümchen seh’ ich auf dem Wege blühn, Insekten voller Leben, Löwenzahn zuhauf, und Opa seh’ ich lächelnd vor dem Garten stehn,
wie er von Oma rationierte Stumpen raucht. Ich seh’ den grauen Qualm, wie er verweht, wie der Moment, der war und zeitverbraucht in mir als Bild erneuernd aufersteht.
Spüre Geborgenheit, die Blicke treffen sich und ein Gefühl von Wärme zeigt Gesicht. Ich nehm’ es mit, soweit es trägt in sich, den Hauch „Zuhause“ jetzt und ewiglich.
Ich war ein Kind und glaubte an Gespenster; der Winter war ein eisiger Patron, und er malte Blumen an mein Fenster, manchmal träum‘ ich noch heut‘ davon.
Mal sah’n sie aus wie eine Rosenhecke, mal wie Drachen aus dem Fabel-Land, und dann kroch ich unter meine Decke, und hielt den Teddy fest in meiner Hand.
Das ist ungezählte Winter, ungezählte Jahre her, und die Eisblumen am Fenster, die blühen heut‘ nicht mehr.
Ich bin viel zu sehr erwachsen und das Träumen fällt mir manchmal schwer, denn die Eisblumen am Fenster, die blühen heut‘ nicht mehr.
Und ein Schneemann stand in unser’m Garten, der konnte mit mir reden, ist doch klar. Half mir wie ein großer Freund beim Warten, bis es Zeit für die Bescherung war.
Das Feuerwehrauto hab‘ ich gleich gesehen; der Weihnachtsmann hat wirklich dran gedacht! Ich nahm es mit ins Bett beim Schlafengehen, und die Eisblumen haben uns bewacht.
Das ist ungezählte Winter, ungezählte Jahre her, und die Eisblumen am Fenster, die blühen heut‘ nicht mehr.
Doch manchmal, wenn ich Kinder spielen seh‘ im Winterschnee, dann hab‘ ich das Gefühl, die Eisblumen sind ganz in meiner Näh’ und ich kann sie sehen, wenn ich will!
Manchmal dauert’s viele Winter, doch dann wird ein Traum von früher wahr, und die Eisblumen am Fenster, die sind dann wieder da.
Und die Wunder aus der Kindheit, die sind auf einmal vorstellbar, denn die Eisblumen am Fenster, Die sind jetzt wieder da.
Die Traumwelt schloss sich und die Nachtgespenster verteilten sich im Dunst des Morgengrauens; sie klebten als Erinnerungsschwaden vor dem Fenster, verloren sich am Fuß des Träumebaumes.
Durch trübe Scheiben ließ man mich erkennen, was heute farblos und verwaschen scheint, gegeißelt hab‘ ich meines Körpers Brennen, mich ausgeschaltet, wenn die Seele weint.
Heut‘ denk‘ ich an des Vaters starke Arme, wie sie mich manchmal schlugen, ohne Grund, herzlos schien er, voll Wut, ohne Erbarmen, als er mich fast erschlug zu jener Stund‘.
Erinnere mich an Mutters kalte Blicke, ihr Schweigen, um dem Vater beizupflichten. Zum Ausgleich all der blutigen Geschicke vergab ich ihnen, duldend und nicht richtend.
Dann kam die Zeit, die nur dem Körper diente, niemals der Seele, mitnichten dem Verstand. Auswege, die ich mir selbst verminte; der Schrei nach Liebe, die mich niemals fand.
Die vielen ‚Werkstattmänner‘, wie Maschinen, die an mir schraubten, werkelten und gingen, wie ich das Los zog, all die zu bedienen, die mich benutzten, um mich zu verdingen.
Als Einverständnis haben’s alle aufgefasst, weil ich geschwiegen habe, wie das Mädchen, das sich gehorsam fügte, denn die alte Last hing elternhörig am verbundenen Fädchen.
Längst sind sie fort, der Tod hat sie genommen. Gedanken kreisen. War’s das, was ich wählte? Bin ich auf diesem Lernpfad angekommen, zu unterscheiden, was mich ständig quälte?
Zusammenfassung: Dieses Gedicht ist ein Zeugnis davon, wie Gewalt und Vernachlässigung eine Seele brechen und wie das antrainierte Schweigen ein Leben lang nachhallt. Es ist ein tief dunkler Text, aber das Niederschreiben dieser Dunkelheit ist an sich schon ein Akt der Selbstermächtigung und des Lichts.
Als ich Kind war, liebte ich den Garten, spielte stets im Hof und bei den Bäumen, war erfüllt von kleinen Mädchenträumen, konnte kaum mein Reich des Glücks erwarten.
Lehnte oft am Anbau alter Mauern, die den Hühnerstall zum Hof begrenzten, schaute, was die Rosen, rot, bekränzten, sah sie meine Kindheit überdauern.
Spielte mit den Spinnen an den Netzen, die mit Kreuzen auf dem Rücken hingen; pflückte sie und forschte, wie mit Dingen, es fiel schwer, sie dann zurückzusetzen.
Einmal fühlte ich zwei Augen schauen, als ich an der groben Stalltür stand, Blicke fühlend, habe ich mich umgewandt. Was ich sah, erfüllte mich mit Grauen.
An der weiß getünchten Mauer hing‘s, ganz bedrohlich über meinem Kopfe, sah wie‘s Herz der Spinne pochte, merkte, wie ihr schmaler Atem ging.
„Heute kommst du noch davon!“, fühlte ich gedanklich, lief und weinte. Sie war schwarz und hatte lange Beine, groß und haarig…war wie ein Spion.
Nie mehr wieder sammelte ich Spinnen, unsichtbar befohlen, waren sie tabu und es war, als schaute ‚sie‘ mir zu, als wenn ihre Blicke nie vergingen.
Die Hauswand bebte, als ich mit Kinderhänden, ballwerfend, das Spiel erlebte.
Aufprall und Takt, mit kindlichen Gemüt erdacht, bis Ballspiel schallend an den Wänden Geräusche macht.
Ein altes Spiel - geworfen, aufgefangen, die Bälle, die die Hauswand trafen. Niemals den Grund berühren, bloß nicht daneben langen!
Zehnmal das Werfen zu Beginn, zehnmal das Fangen; neunmal in nächster Runde, erhöhten Grad erlangen.
Mit einmal Händeklatschen oder zwei, mal hinten und mal vorne, im Stehen und im Bücken, unter den Beinen durch, zuletzt noch hinterm Rücken.
Schwierigkeitsgrad erhöht, bei immer kürzeren Runden, so scheint die Lebenszeit – verkürzt mit Jahr und Stunden.
Mir war es verboten, im Haus zu spielen. Um drin zu bleiben, musste es draußen regnen und stürmen. Also ging ich auf den Hof, meist alleine, und spielte stundenlang mit zwei Bällen gegen die Hauswand. Meine Mutter muss wohl starke Nerven gehabt haben.
Das Ballspiel ist alt und den Kindern heutzutage unbekannt. Ich hatte viel Spaß daran und kenne heute noch die Regeln. Das Spiel besteht aus zehn Schwierigkeitsgraden. Die Runden reduzieren sich, nachdem man das Ziel erreicht hat.
Ein Ball oder mehrere werden zehnmal hintereinander an die Wand geworfen und wieder aufgefangen. Dabei dürfen sie nicht zu Boden fallen. Hat das geklappt, geht es in die nächste Runde.
Vor dem Fangen muss einmal in die Hände geklatscht werden. Weiter geht es achtmal hintereinander mit einem doppelten Klatschen. Siebenmal muss man einmal vor und einmal hinter dem Körper klatschen und sechsmal muss der Ball unterm rechten Bein hindurch an die Wand geworfen und wieder aufgefangen werden und danach fünfmal unterm linken Bein hindurch. Viermal wird der Ball wieder mit den Fäusten, den Knien oder auch dem Kopf zurück an die Wand geprellt, bevor er gefangen wird. Dreimal wird der Ball von hinten gefasst und über die Seite an die Wand geworfen und in der vorletzten Runde muss man sich drehen, bevor man den Ball auffängt. Zu guter Letzt wird der Ball vom Rücken aus über den Kopf an die Wand geworfen und wieder aufgefangen.
Bei diesem Spiel werden Kindheitserinnerungen wach.
Die Winterstürme durchdringen die Welt mit wütender Macht. – Da sinkt auf schneeigen Schwingen die tannenduftende Nacht…
Da schwebt beim Scheine der Kerzen ganz leis nur, kaum, daß du’s meinst, durch arme irrende Herzen der Glaube – ganz so wie einst… Da schimmern im Auge Tränen, du fliehst die Freude – und weinst, der Kindheit gedenkst du mit Sehnen, oh, wär es noch so wie einst!…
Du weinst!… die Glocken erklingen – es sinkt in festlicher Pracht herab auf schneeigen Schwingen die tannenduftende Nacht.
Rainer Maria Rilke, 1875-1926
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