Alter und neuer Mensch

Baum der Erkenntnis – Quelle: Pinterest

Epheser 4,22–24: „Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.“

Das Ziel der Menschheit ist es, ihre Unwissenheit, ihren Irrtum und ihren Aberglauben zu vertreiben und sie in das strahlende Licht der göttlichen Wahrheit und des göttlichen Wissens zu bringen, damit sie beginnen kann, so zu leben und sich zu verwirklichen, wie es dem Zweck ihrer irdischen Inkarnation gemäß sein sollte.

Irgendwann kam der Verfall, die Verfälschung des geoffenbarten Wissens zu politischen, theologischen und manchmal auch staatlichen Zwecken.

Der Mensch glaubt weiterhin an Legenden. Die Geschichte von Adam und Eva ist eine solche. Gott ist die große, geistige Kraft der Schöpfung von allem.

Ich stelle ernsthaft die Frage: Lässt dieser große Geist in seiner Allmacht, seinen Sohn am Kreuz sterben, um die Erbsünde des ersten Menschenpaares zu tilgen, wie Gott es angeblich versprochen hatte? Laut Kirche hat der Nazarener durch seinen Tod den Menschen die Türe zur Wiederauferstehung geöffnet, die bis zu jenem Zeitpunkt verschlossen war. Sie gaukelt den Menschen heute noch vor, die Verstorbenen würden in ihrer alten Gestalt am jüngsten Tag wiedererscheinen.

Durch Jesus’ Lehren hat er wahrlich das Bewusstsein gestärkt und dafür gesorgt, dass die Menschen den richtigen Weg zur Erleuchtung finden.

In der Bibel gibt es eine weitere Geschichte von Abraham, der seinen Sohn töten/opfern sollte, angeblich auf Befehl Gottes. Sollte das der Beweis für Abrahams Gottesfürchtigkeit und Gehorsam sein? Noch einmal die Frage: Was ist das für ein Gott, der so etwas fordert? Auch Ibrahim wollte seinen Sohn opfern. Ja, Söhne waren damals das Wertvollste. Töchter zählten nichts.

Meiner Meinung nach hat die katholische Kirche die jüdische Überlieferung vom sündigen Paar Adam und Eva für sich selbst benutzt, um die gläubige Bevölkerung zu manipulieren und ihr ein schlechtes Gewissen zu machen.

Paulus schrieb den Ephesern: „Ihr dürft nicht mehr so leben wie die Heiden.“ Das bedeutet, man kann nicht Christ sein und weiter vortäuschen, als sei alles beim Alten. Es verlangt nach einer radikalen Umkehr und Änderung des Lebensstils.

Wie der historische Mensch lebte, erfahren wir aus der Bibel:

Adam und Eva gehorchten Gott nicht und aßen von der verbotenen Frucht. Kain erschlug seinen Bruder aus Eifersucht. All diese Ereignisse überschatteten die Menschheit und endeten mit der Sintflut. Danach geht es sündig weiter: Die Menschen wollten gottgleich sein und bauten einen Turm, um Gott zu erreichen.

Heute sind die Menschen nicht schlechter oder besser als früher, nur die Methoden sind anders.  Die Mächtigen halten die Schwachen nieder, Frauen werden erniedrigt oder vergewaltigt, es gibt Kriege mit Millionen Toten, Korruption, Diebstahl, Lügen und Betrug. Das ist der Mensch, der alte Mensch, der in der Sünde lebt. Doch das Schlimmste ist, dass die Menschen sich von Gott entfremdet haben.

Paulus schreibt in den Versen davor: „Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung hingegeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier.“ – Ja, es gab unreine Dinge in Form von sexuellen Ausschweifungen, Satanskulten oder unterschiedlichen Süchten. Das war in Ephesus so und das ist heute weltweit nicht anders, nur die Begierden sind andere geworden.

Jesus’ Lehre ist der Weg zu Gott. Das wusste auch Paulus. Das Christentum ist nicht einfach eine damals neue moralische und sittliche Weltanschauung, die sich bis in ferne Zukunft fortsetzen wird. Ein wenig anständiger zu werden, reicht nicht. Es geht darum, ein neuer Mensch in einem neuen Leben zu werden. Jesus ging es darum, den Menschen innerlich neu zu machen, und das geschieht nicht nur in einem einzigen Leben. Die Seele und ihre Anteile werden sich in mehreren Leben ‚erhellen‘ müssen. Aber das bestimmen geistige Kräfte, nicht der Mensch.

Nur, was hat den Menschen so schlecht gemacht, in all seiner Eigenwilligkeit mit seinem angeblichen Ungehorsam? Eva war es angeblich (natürlich eine Frau!), die Adam den Apfel reichte, was von Gott verboten war. In der jüdischen Überlieferung war es eine Frucht vom Baum der Erkenntnis (Gen 2,17); danach konnten sie Gut und Böse erkennen. Diese Wahrnehmung, nach dem Beweisbaren zu urteilen, ließ sie die unsichtbare Welt des Himmels vergessen. Genauso ist es auch heute.

Gott hat den Menschen nach seiner Idee erschaffen, nach seinem Bilde, wie es heißt. Auch heute noch wird es von den Kirchen missinterpretiert. Man erklärt, Gott sehe aus, wie wir, mit ebensolchen Eigenschaften. Einziger Unterschied sei die Sterblichkeit des Menschen mit maximal 120 Jahren.

Gen 1,31: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.“ – Und danach folgt die 2. Schöpfungsgeschichte in Gen 2.

Warum soll der Mensch sein Kleid wechseln, wenn der/das erst Erschaffene sehr gut war? Der erste Mensch muss sich stark und frei gefühlt haben, bis ihm bewusst wurde, dass er sterblich ist. Möglich wäre es aber auch, wenn die Menschen zuerst in geistiger Gestalt vorhanden gewesen wären, in einer Sphäre, die man „Himmel“ nennt, im Astralleib. Wer weiß?

Pfingsten

Christ geht über das Wasser – Julius Sergius von Klever (1850-1924)

Religion ist es, Gott* zu dienen, indem man seiner Schöpfung dient. Religion hat wenig mit den herkömmlichen Vorstellungen dieser Welt zu tun. Religion ist das, was Gott in den Menschen befähigt, sich in deren Leben zu offenbaren. Religion ist das, was die Verbindung zwischen Mensch und Gott und zwischen Mensch und Mitmenschen verstärkt. Religion ist das, was dich dazu bringt, in deine Welt hinauszugehen und zu dienen, wo immer du kannst. Religion ist Dienst, und Dienst ist Religion. Alles andere ist nicht wichtig.

Wenn der physische Körper abfällt, erweisen sich alle Glaubensrichtungen, für die Menschen lange gekämpft und gestrebt haben, als leer und vergeblich, sinnlos und zwecklos, denn sie haben nicht das Wachstum der Seele gesteigert. Wenn du dich verausgabst im Dienst an anderen, wächst deine Seele in Gestalt und Stärke.

*Ich nenne ihn so. Er hat viele Namen.

Die katholische Kirche hat in den ersten Jahrhunderten heidnische Feste umgewandelt und als christliche eingeführt. Darunter fällt auch das Pfingstfest. Das ursprüngliche, altägyptische „chamsin“, arabisch für ‚Fünfzig‘, nämlich die 50-tägige Dauer des heißen Wüstenwindes, dessen Anfang von den Juden als „pessach“ (Ostern) und dessen Ende als Wochenfest gefeiert wurde.

Die Opfer für dieses Fest waren von den Priestern vorgeschrieben: ein 7-jähriges Lamm, 2 Brote und 2 Schafe als Brandopfer. Außerdem wurden noch ein Bock für die Sünden des Volkes und 2 weitere für das Wohlergehen des Volkes geopfert.

Geld für die Priesterkasse, gestern und heute. Die Einfältigkeit des Volkes wurde stets ausgenutzt. Für jedes Orakel gab es Geld. Weissagungen Dritter wurden mit dem Tod bestraft. Um an der Macht zu bleiben, mussten die Priester dem Volk Angst machen.

Schon zu Moses Zeiten wurden Tausende aus dem eigenen Volk geopfert, durch Verbrennen, Niedermetzeln, Aufhängen oder Kreuzigen, lebendig begraben oder in den Abgrund gestoßen. Moses als Prophet benannte sein Opfer durch ein Orakel und vollzog dieses Todesurteil in der Überzeugung, dass es für das Gemeinwohl notwendig sei.

Die biblischen Gestalten konnten die Verhältnisse des Weltgeschehens nicht deuten. Immer war Glück und Unglück Wirkung unsichtbarer Wesen, deren Wille man sich erdienen musste.

Die Bibel bleibt für jeden denkenden Menschen ein wichtiges Dokument alter Zeit, auch wenn die mit Fälschungen behaftete Theologie, welche von Schriftgelehrten, Priestern, Päpsten und Kaisern beauftragt wurde, längst aufgedeckt ist.

Die Schriften sind ein vortreffliches Menschenwerk, den damaligen Bildungsstand widerspiegelnd, erhaben klingend, aber fehlerhaft. Auf keinen Fall sind sie Gottes Wort!

Menschliches Wohlergehen liegt nicht in der Täuschung, sondern in der Erkenntnis.

Markus 1,22: „Und die Menschen waren erstaunt über Jesus’ Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.“

Deren vorentworfene Reden sind tot in sich selbst und beleben keine Seele. Jesus hingegen hat das Feuer in den Zuhörern entfacht und ihren Geist (ihr Bewusstsein) geöffnet, damit sie seine Botschaften verstehen konnten. So ging ihnen ein Licht auf!

In Apostelgeschichte 2 folgt dann ein Zitat aus dem Propheten Joel 2,28:
„Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch.“

Ausgießung des Heiligen Geistes – Quelle: Wikipedia

Frühling – Der Berufene

von Ephides

Zeichnung von Ludwig Richter (1803-1884)

Wer sagt der Erde, dass sie blühen soll, wenn der Frühling da ist? Sie weiß nur, dass er da ist, und blüht, weil sie nicht anders kann. Und wer sagt ihr, dass sie ruhen muss und die Geschöpfe, die sie hervorgebracht hat, in sich hineinnehmen muss, dass sie zurückkehren in ihren Schoß, die Baum- und Blumenseelen, die das Blühen und Früchtetragen vollbracht haben? Niemand sagt es ihr, und niemand sagt den Geschöpfen der Natur, dass die Zeit des großen Ruhens, der Arbeit nach innen, gekommen ist. Und dennoch weiß jedes Hälmchen, wann seine Zeit gekommen ist, zu sprießen, und fühlt jeder Baum die Müdigkeit, wenn die große Ruhe kommt.

So auch der Berufene. Er kennt seine Zeit zum Schweigen wie zum Wirken. Er weiß die Zeichen der Zeit zu finden und zu deuten. Er kennt die Arbeit in der Stille, das Wirken nach innen, wie die Sprache, die ihm gegeben ist, und weiß, wachzurütteln, wenn die Zeit es verlangt.

Seht, auch im Frühling der Erde sind viele Blumen und Blüten schon erfroren, und die Kälte hat sie, die zu früh gekommen sind, hinweggenommen. War es aber nicht dennoch die Wahrheit, die ihr Erscheinen kündete? Waren die, deren Blüten der Frost nahm, nicht dennoch Kinder des Frühlings und Träger seiner belebenden Kräfte, genau wie die anderen Blüten, die das Licht grüßten, nachdem der Frost gegangen war?

So auch der Berufene. Mögen viele vergeblich gewartet haben auf die Weltenwende, auf den Frühling der Welt, der sich mächtig ankündigt, sie haben nicht vergeblich gewartet, auch wenn das Leben im vergeblichen Warten hinging. Sie sind Kinder des Weltenmorgens wie jene, die den Weltenfrühling erleben werden.

Die Zeit der Frühlingsstürme, die aufrüttelnde, die schöne, starke Zeit ist gekommen. Wer den Frühling spürt, drängt zur Blüte, und manches in der Knospe verborgen Schlummernde wird sich öffnen, und einmal wird offenbar werden der Weltenwende ganze Herrlichkeit.

Gott geleite euch!

Gedanken über Krieg und Frieden

Aufgrund der neuesten Ereignisse veröffentliche ich meinen Beitrag aus 2023 noch einmal. Neues Blutvergießen, Chaos und Zerstörung treiben mich dazu. Die Kriege gehen weiter, es ist ein Kampf um Machtwechsel und um Frieden. Es kann kein Nachlassen geben.
Wir haben das Privileg, Teil der gewaltigen Armee der spirituellen Befreiung zu sein, die ihren Krieg auf dem Schlachtfeld des Materialismus führt. Der Geist wird über die Materie triumphieren, denn der Geist ist Herr und die Materie ist Diener. Es ist töricht, dem Diener zu erlauben, den Meister zu beherrschen.

Man sehnt sich nach einer ganz anderen Art des Lebens. Hier wird man nie das Gefühl haben, die Vollkommenheit sei erreicht. Es wird klar, dass sie hier auf dieser Welt nie erreicht werden wird. Irgendwo gibt man auf, auch die Hoffnung. Man kann nicht zu Ende denken.

Was fehlt, ist für jeden Menschen unterschiedlich. Meist kann man seine hier gesetzten Ziele nicht erreichen. Wer hat Schuld daran? Einer wird sagen: Ich bin selbst schuld daran, und wird depressiv. Ein anderer gibt diese Schuld seinem Partner, einer Behörde, einer Regierung. Hat man dann Frieden?

Man sucht den Ausgang, kann aber die Sehnsucht nach Frieden nicht stillen. Wir alle wollen Frieden haben auf der Welt. Doch die Unruhe in uns, treibt uns oft aggressiv voran.

Auch in friedlichen Zeiten wird gestorben. Es gibt für Menschen glückliche Zeiten, in denen es sich schwerer stirbt, als in schweren. Dann ist man nicht bereit, loszulassen. Wir verdrängen den Gedanken an den Tod.

Doch ist man auf Dauer glücklich in einer hellen, friedvollen Welt? Gewiss gönnen wir jedem Volk Frieden und Freiheit, aber zur gleichen Zeit, wo wir es gönnen, wissen wir, dass dieser Frieden nicht ewig währt. Diese Überlegung mag der Mensch nicht.

Der Mensch sucht einerseits nach einem friedvollen, harmonischen Leben, scheut jedoch die Vollkommenheit, den Gleichmut und damit die Langeweile. Wozu lebt man, wenn man alles haben kann? Was ist der Sinn des Ganzen? Wer sind wir? Jede Religion hat wohl eine andere Antwort darauf.

Es wird klar, dass der Frieden ein anderer sein muss. Ist es alleine der Sinn des Werdens, der uns Frieden bringen kann? Diese Welt wird beherrscht vom Wachsen und Werden und ist weit von Vollkommenheit entfernt.

Ich frage mich, was ist den Menschen geschehen, die in der Vergangenheit für ihre Freiheit im sogenannten 3. Reich sterben mussten und im 30-jährigen Krieg, oder jetzt in der Ukraine oder anderswo auf der Welt? Man sucht Schuldige und Ursachen. Wer war/ist „das Böse“? War die Geschichte schuld, die Menschheit, die es in sich aufnahm? Der Militarismus? ‚Kranke‘ Wahrnehmungen? Manipulation? Schnell merkt man, dass zwischen allem ein Zusammenhang besteht, der nicht einzeln benennbar ist. Eins fügte sich ins andere. Jeder hat eine andere Friedenssehnsucht. Alle sind unzufrieden, irgendwie. Wir suchen nach Fehlern der Regierungen, Religionen etc. und wollen es bestimmen. Auch hier fehlt die Vollkommenheit, weil alles von Menschen gemacht wurde. Alle Systeme müssen unehrlich sein, denken wir.

Wir sprengen im Wissen ständig die Grenzen. Unsere Bewusstwerdung breitet sich immer weiter aus. Das Leben hat eine gewisse Unschärfe, es ändert sich konstant. Wir können gut und böse oft nicht unterscheiden, weil es zu verschwommen in der Wahrnehmung ist. Immer mehr Wissen scheint uns zu irritieren, weil es uns ständig auf diese Verschwommenheit aufmerksam macht. Was man nicht weiß, muss man glauben – ein vernachlässigtes Gebiet. Vieles kann man durch Wissen nicht erreichen. Wer sind wir? Wir sind da, wissen aber nicht, warum.

Wir wollen nicht, dass jemand vom Tod redet. Tod hat mit Wissen zu tun. Was danach ist, wissen wir nicht, glauben wir nur. Glauben kommt aus dem Bereich des Nichtbewussten. Manche möchten sich dem Wissen aus Angst entziehen, Angst vor dem Tod, vor dem Atomkrieg, vor Krankheit, der Einsamkeit etc. Innerlich ahnt man die Unwahrheiten und will davon nichts hören. Es ist etwas Verborgenes in uns, das wir nicht erklären können. Wir brauchen eine Wende auf der Welt, eine Wende, die zu Gott und zu uns selbst führen soll. Wissen führt immer nur zu weiteren Antworten, die in ihrer Gesamtheit zu verschwommenen Wahrheiten führen müssen.

Man möchte leben ohne ein Zerfließen der Zeit. Diese Sehnsucht nach Leben ist eigentlich die Sehnsucht nach Frieden. Der Mensch muss sich in seiner Einmaligkeit sehen. Auch der andere ist einmalig.

Den Nächsten lieben bedeutet, ihm etwas zu gönnen, das weitergeht, als ich ihn lieben könnte. Wenn ich meinen Feind liebe, bedeutet dies, dass er Beziehung zum Ewigen bekommt. Ich spüre, er muss erlöst werden. Ich gönne meinem Feind also, dass er den Weg zu Gott finden wird.

Der Mensch muss auf Erden „den gordischen Knoten lösen“ – die Überwindung eines schwierigen Problems meistern. Polarität ist als geteilter gordischer Knoten zu sehen.  Ein Gegensatzpaar, dem einem einzelnen Pol nie eine Wertung (etwa gut oder schlecht) zukommt. Die Pole sind die zwei gegenüberliegenden Enden derselben Sache, im Geiste untrennbar, zu einer Einheit verbunden und bedingen einander. Freund – Feind, Frieden – Krieg, hell – dunkel etc.  Nur Gott ist eins – unteilbar.


Ein Hauch von Liebe

Liebe ist auf dieser Welt nur ein Hauch der göttlichen Liebe. Die Macht des Geistes ist das Höchste; es gibt nichts Größeres in dieser Welt. Die Liebe ist die größte Macht von allen; Liebe ist die Macht des Geistes in Aktion. Liebe, so steht es in der Bibel, ist die Erfüllung des Gesetzes.

Gott, der Große Geist, ist der Inbegriff von Liebe und Weisheit. Er ist die Dynamik, die es allem ermöglicht, zu existieren, zu atmen, sich zu bewegen, Gefühle zu haben und sich auszudrücken. Gott ist jenseits allen endlichen Verständnisses, jenseits aller Begrenzung und Beschränkung. Er ist der unendliche Geist, die Quelle von allem, was je gewesen ist und je sein wird. Er ist der Geist, der die Liebe möglich macht und alles Bewusstsein mit den Attributen Seiner Göttlichkeit ausgestattet hat. Er ist der Geist, der sich im Menschen regt und ihn befähigt, sich zu Höhen des Idealismus, der Selbstaufopferung und des Dienstes zu erheben. Wir sind Teil seines Plans.

Die göttliche, unendliche Liebe hat den großen Plan erdacht. Da es unendliche Liebe gibt, muss es auch Barmherzigkeit geben, denn Barmherzigkeit, Mitgefühl, Toleranz, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Liebe, das sind die Attribute der Göttlichkeit.

Man kann in keinem Labor den Geist sezieren. Genauso wenig kann der Mensch Leben erschaffen. Leben erschaffen kann nur Gott. Wie niedrig die Form des Lebens auch sein mag, sie kann von Menschen nicht hergestellt werden, weil das Leben nicht physisch ist.

Der Tod hat keine Macht über das Leben oder die Liebe.

Man wird mich belächeln, wenn ich schreibe, dass mir meine Katzen stets näherstanden als Menschen. Ich liebe Tiere über alles. Es tut mir innerlich weh, wenn ich diese Geschöpfe leiden sehe. Katzen sind meine Lebensgefährten geworden, und ich bin dankbar dafür, durch die Liebe dieser Tiere in meinem irdischen Dasein beschenkt worden zu sein. Ich fühle mich dadurch reichlich gesegnet. Sie haben und hatten Liebe von einem Menschen und ich hatte Liebe von ihnen. Ich bin überzeugt davon, dass es meinen bereits verstorbenen Katzen nach dem Tod gutgeht, ohne Anzeichen von Alter oder Gebrechen, sondern schön in der Anmut; sanfte, liebevolle Geschöpfe, denen ich in ihrer Entwicklung hoffentlich helfen konnte.

Liebe in ihrer höchsten Form ist göttlich; Liebe in ihrer niedrigsten Form ist der Gipfel der Selbstsucht.

Die Schatten der Erfahrungen sind zu Meilensteinen auf dem Weg der geistigen Erkenntnis geworden. Zu sich selbst zu finden und sich selbst zu lieben, waren schwierige Wegstrecken, die ich zurücklegen musste.

Liebe kann nicht gemessen oder gewogen werden, Liebe kann mit keinem Skalpell oder Instrument seziert werden, aber sie existiert. Die Liebe ist die größte Macht im Universum, sie ist die Erfüllung des Gesetzes. Das ganze Universum existiert wegen der Liebe. Es ist die Liebe, die das Schicksal jedes Lebewesens im gesamten Sein lenkt.

Die Liebe, die der Gipfel, die Grundlage und die Quelle allen Lebens ist, dringt durch den Menschen und versucht, sich in größerem Maße auszudrücken, sodass in der Fülle der Zeit das ganze Universum von der Liebe des Wesens, das alles gestiftet hat, umhüllt sein wird.

Es ist leicht, die zu lieben, die dem Spiegelbild gleichen. Darin liegt keine Tugend, keine Heiligkeit. Aber diejenigen zu lieben, die einem feindlich gesinnt sind, das ist die Eigenschaft einer entwickelten Seele.

Die höchste ist die altruistischste Form, sie liebt, weil sie muss, sie liebt, weil sie weiß, dass die Liebe die Erfüllung des göttlichen Gesetzes ist.

Vielfach ist die Liebe zu einer Familie egoistisch, eine Liebe zu Blutsbanden. Oft wird sie von einem Beschützerinstinkt geleitet und ist ein Überbleibsel der tierischen Abstammung im Evolutionsstrom. Aber die Liebe ist zu ihren höchsten Aspekten fähig, wenn sie danach strebt, alle zu lieben, ohne an sich selbst zu denken, ohne Belohnung, ohne Wärme, sondern weil sie Selbstverleugnung ist, das Göttliche in Aktion. Die Liebe will dienen, aufrechterhalten, trösten. Die Liebe drückt sich in Barmherzigkeit, Mitgefühl, Freundlichkeit und Güte aus. Sie offenbart sich in Verzicht und Opferbereitschaft.

Die Liebe in unserer Welt ermöglicht viele wundersame Taten, wie Aufopferung, Heldentum, Dienst und Selbstverleugnung. Aber können wir die Kraft der Liebe ermessen, die von einem hoch entwickelten, geistigen Wesen ausgeht, das einen Teil der Lebenskraft selbst sammelt, um befähigt zu sein, uns Menschen ein Schutzschirm zu sein?

Erst nach dem Tod verstehen wir die wahre Bedeutung der Liebe, denn die Liebe ist im Wesentlichen eine geistige Eigenschaft. Liebe ist die Eigenschaft, die Seelen und Gemüter verbindet. Die Liebe ist ein Ausdruck des Großen Geistes. Liebe ist der Wunsch, alle notwendigen Opfer zu bringen, um zu dienen. Die Liebe sieht kein Übel, keinen Schmerz, keinen Schaden, sie begehrt nichts für sich selbst.

Die wahre Liebe ist die Vereinigung zweier Seelen. Der Große Geist hat in unendlicher Weisheit bestimmt, dass jedes der beiden Geschlechter das andere ergänzt. Und dort, wo die vollständige Verschmelzung stattfindet, ist es wahre Liebe, denn jeder liefert, was dem anderen fehlt, und die Dualität bildet die Einheit. Da sie ein Teil des unendlichen Geistes ist, hat sie eine unendliche Anzahl von Variationen, die von der niedrigsten bis zur höchsten reichen, von der magnetischen und physischen körperlichen Anziehung über die mentale bis hin zur geistigen, die die Grundlage ist.

In dieser Welt ist sie außergewöhnlich. Es ist die Ausnahme, nicht die Regel, dass sich die beiden Hälften treffen. Wenn sie es tun, finden sie zueinander und werden ganz. Das ist die natürliche Ehe der Seelen. Es ist die uralte Lehre von den Affinitäten, den Seelenverwandtschaften, die ihren Ausdruck finden. In einem Prozess, der Millionen und Abermillionen von Jahren dauert, kann man sehen, dass das Zusammentreffen von zwei Hälften oder Affinitäten nicht üblich ist, weil sie etwa zur gleichen Zeit geboren werden müssen. Wenn dies der Fall ist, ist es Teil des göttlichen Plans.

Die indische Philosophie behauptete schon vor Jahrtausenden, dass der Mensch vor Urzeiten beide Geschlechter in sich getragen hat, so wie es auch in der 1. Schöpfungsgeschichte der Bibel steht. Der Mensch war demnach androgyn wie ein Engel, also Mann und Frau in einer Person. Die Entwicklung der Teilung war ein Prozess, der in Jahrmillionen geschehen ist. Das Naturgesetz, als Gesetz der Materie, hat die beiden Geschlechter voneinander gelöst, um sie dann aber in einem äußerlich erlebten Akt wieder körperlich zu vereinigen. Doch ist diese Vereinigung nur für kurze Zeit und nur körperlich.

Die Sehnsucht nach Zusammenschluss im Geiste bleibt bestehen, die Sehnsucht nach einem einzigen Ich. Eines Tages wird man einsehen, dass die sexuelle Kraft nur ein Selbstbetrug ist. Man glaubte, in der körperlichen Einheit die vollkommene Erfüllung erreichen zu können. Ein Feuerwerk, das gleich danach ausgebrannt und erloschen war. Es blieb eine Sehnsucht nach dem Glück, die nicht auszulöschen ist.

Die Liebe ist die Offenbarung einer Kraft, die hier auf Erden Menschen zwingt, sich zu vereinigen. Es ist nur ein körperliches Einswerden möglich. Die Seele bleibt alleine. Um diesem Teufelskreis zu entkommen, müssten wir die sexuelle Kraft in eine schöpferische wandeln, d. h., sie auf eine höhere Ebene erheben und sie ins Erhabene steigern, verfeinern, veredeln und den Trieb im künstlerischen, kulturellen Schaffenskreis umsetzen.  

Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet!“ – Goethe

Terror dieser Zeit – Ursache und Wirkung

KI modifiziert

Wir leben in einer Zeit, in der Kerzen angezündet werden, um durch kleine Lichter warme Gedanken in die Welt zu senden. Taten fehlgeleiteter Menschen machen derzeit sprachlos. Wir müssen den Terror dieser Welt erleben, der durch rücksichtsloses Erzwingen Änderungen herbeiführen will, die nur die Terroristen selbst für gut befinden. Wer immer seinen Mitmenschen so etwas antut, muss mit eigenen Konsequenzen rechnen.

Wie traurig ist es, Millionen von Menschen zu sehen, die nicht wissen, wer und was sie sind, die blind und taub für die geistigen Realitäten sind? Sie haben sich verirrt und leben in einem Sumpf, in dem sie umherirren, weil sie nicht in der Lage sind, Wege der Wahrheit zu beschreiten. Hier ist nicht reich oder arm gemeint. Alle sind gleichermaßen betroffen.

Sicher wird es gerade in dieser Zeit viele Menschen geben, denen Beten innere Kraft gibt. Ein Gebet ist eine Bitte um Hilfe an die höheren Mächte im spirituellen Bereich. Es wird immer nur die eigenen Wünsche vorbringen, auch wenn diese mit den Wünschen anderer Menschen nicht übereinstimmen. Möglicherweise beten diese um genau das Gegenteil.

Ein Gebet kann das Wirken des Naturgesetzes nicht verändern. Es kann nicht in die Abfolge von Ursache und Wirkung eingreifen. Der Mensch besitzt nicht die Macht, die mathematische Gewissheit zu unterbrechen, dass die Wirkung mit unveränderlicher Präzision auf die Ursache folgt.

Das Gesetz ist unumstößlich und unabänderlich. Es gibt keine religiöse Übung, keine Hymne, kein Gebet, kein heiliges Buch, das sich einmischen und die Abfolge von Ursache und Wirkung verändern könnte. Die Wirkung folgt der Ursache mit methodischer und mechanischer Gewissheit, und niemand hat die Macht, ob er Priester oder Laie genannt wird, diesen natürlichen Prozess zu stören. Wer das Wachstum des Geistes wünscht, muss die Art von Leben führen, die allein das spirituelle Wachstum gewährleisten kann.

Menschen erkennen nicht, dass niemand berechtigt ist, unschuldigen Geschöpfen unnötige Grausamkeit und Terror zuzufügen. Das Höhere sollte immer dem helfen, was es für das Niedere hält. Hier sind auch die Tierversuche gemeint. Niemand soll glauben, dass Menschen durch diese bösartigen Versuche Gesundheit erlangen können. An den Nebenwirkungen wird man es erkennen.

Das Verständnis des Lebenssinns wird dazu führen, dass die furchtbare, schreckliche, materialistische Krankheit beendet wird, die den Planeten Erde zu dem schrecklichen Ort macht, der er geworden ist, während er der Garten Eden sein sollte, in dem die Früchte des Geistes im Überfluss vorhanden sind.

Kaisertreue und 1. Weltkrieg

Weihnachten in den Kriegsjahren

Militär, Kaiser und 1. Weltkrieg
Auszug aus meinem Buch „Henriette Brey, Dichterin der Seele“

In der Dienstuniform des 1. Garderegiments zu Fuß mit Interimsfeldmarschallstab, machte er bei seiner Ankunft eine vorzügliche Figur. Wo immer der gerne reisende Kaiser Wilhelm II. erschien, erntete er Jubel, und die Bevölkerung empfing ihn mit Begeisterungsstürmen. An der euphorischen Menschenmenge vorbeischreitend, schien er den Beifall der Nationalen sichtlich zu genießen, die anschließend formulierten: „Jeder Zoll ein Kaiser!“ Die Männerwelt folgte ihrem Idol und machte gezwirbelte Schnurrbärte mit geschwungenen Spitzen zum damaligen Modeideal.

Der Plan, ein Denkmal Wilhelms des Großen auf dem Kleinen Markt in Geldern errichten zu lassen, welches im Rahmen einer Festveranstaltung feierlich enthüllt werden sollte, wurde im Laufe der Feierlichkeiten ausgeführt.

Nachdem Graf Hoensbroech ein Kaiserhoch ausgesprochen hatte, welches mit tausendfachem Echo von den Umstehenden erwidert wurde, spielte die Regimentskapelle die Nationalhymne. Unter Glockengeläut hoben sich nahezu 2000 Brieftauben in den blauen Niederrheinhimmel, um die Botschaft der Denkmalsenthüllung an alle umliegenden Orte zu tragen.  

Sechs Meter hoch ragte „der Heldenkaiser“ nun über dem Platz. Bereits ein Jahr später sollte die heimische Garnison an ihm vorbei in den Krieg ziehen.

Der Bürgermeister verabschiedete damals die abrückenden Soldaten feierlich, mit einer markigen, von Pathos strotzenden Ansprache. Die Pickelhauben glänzten und funkelten in der Augustsonne, als die Tausendschaft, begleitet von brausendem Jubel, zum Bahnhof marschierte. 

Schon bald verblutete in den Jahren 1914 bis 1918 die ganze Welt auf dem Feld der Ehre!

Der Kaiser war davon überzeugt, dass der Krieg von den Regierungen Russlands, Englands und Frankreichs geplant worden war, um Deutschlands Vormachtstellung zu vernichten. Als am 28. Juni 1914 der Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin in Sarajevo einem Attentat zum Opfer fielen, formierten sich alle militärischen Kräfte im In- und Ausland.

Auf des Krieges vermeintlichen Segen, kraftvolle Begeisterung, Mut, Opferbereitschaft und Heldentum zu schaffen, folgten Tod, Elend, Leid und Hunger. Ein unsichtbarer Feind hatte sich in die Lager und Städte geschlichen: die Cholera. Not und Jammer schritten im Gefolge.

Tausendfache Opfer brachte der Krieg. Das Leben war ein Bangen um diejenigen, die in den ersten Reihen kämpften. Deutschland weinte um seine Söhne, um die in fremder Erde Begrabenen, um die vergeblich Zurückersehnten, die nie mehr heimkehren sollten. Würden die Wunden, die der Krieg geschlagen hatte, jemals wieder verheilen? Als die Kriegsgewitter die deutschen Gaue durchbrausten, die Männer zu ihren Waffen eilten, und die Zurückgebliebenen täglich um ihren Schutz beteten, gingen angstvoll sorgende, aber auch glücklich stolze Gedanken durch die Köpfe der wartenden Angehörigen.

Manch einer im Dorfe ging mit rot geweinten Augen umher, der sein Liebstes hatte im Feld lassen müssen. Der Himmel verlangte am Altar des Vaterlandes allzu oft das schwerste Opfer. Wenn man den einzigen Sohn hatte hergeben müssen, war das Herz voller Jammer. Die Leidtragenden schritten mit blassem Stolz, in schwarzen Gewändern umher und hoben sich die Tränen des Schmerzes für das Dunkel der Nacht auf. Man zeigte keine Tränen und ertrug sein Leid still und ergeben.   

Doch sehr viel leichter fiel es auch nicht, den verkrüppelten Sohn in die Arme zu schließen, der sein Bein oder seinen Arm für das Vaterland verloren hatte. Wem sollte der Bauer nun sein Erbe geben?

Alle saßen im gleichen Boot, denn fast jeder hatte einen seiner Lieben draußen im Feld. Wenn die Post einmal länger dauerte oder gar ausblieb, vermutete man sogleich das Schlimmste. Es ging ein Hoffen und Sorgen durch die Reihen, welches nicht nur alle Wartenden standesgleich machte, sondern sie einander menschlich nahebrachte. Jeder, ob Herr oder Knecht, arm oder reich, bangte um den Liebsten im Schützengraben.

Die Not der Zeit und die Liebe zum Vaterland brannten allen auf der Seele. Es galt als etwas Großartiges, gegen den Feind kämpfen zu können, und es war etwas Herrliches, die Heimat verteidigen zu dürfen. Man starb im Frieden mit Gott und opferte freudig sein Leben für die Heimaterde. Gestorben als Held und als Christ mit dem fest umklammerten Eisernen Kreuz in den blutigen Händen.   

Gedanken über das Weihnachtsfest

Viggo Johansen (1851–1935)

Ganz gleich, wie Weihnachten gefeiert wird, das Fest bringt Glanz und Licht in die dunklen Wintertage. Da werden Stimmen laut, die darauf hinweisen, Weihnachten sei ein heidnisches Fest. Was ist heidnisch? Andersgläubig? Das würde bedeuten, alle Nichtchristen wären Heiden. Ich sehe das anders.

An Gott-Vater glauben, an den Schöpfer dieses herrlichen, einzigartigen Planeten, kann der Mensch auch ohne Zugehörigkeit zu einer renommierten Kirche. Hier wird unterschieden zwischen dem Christen-Gott und beispielsweise Allah, dem Gott der Muslime. Dabei gibt es nur EINEN Gott. Auch Andersgläubige feiern Weihnachten. Für die Muslime gilt Jesus immer schon als bedeutsamer Prophet.

In ihrer Heiligen Schrift, dem Koran, gibt es ebenfalls eine Geburtsgeschichte Jesu. In den Versen 22 und 23 der 19. Sure wird erzählt, dass Jesus an einem „fernen Ort“ unter einer Palme geboren wurde. Vorangestellt ist hier – wie auch in der Bibel – das Wunder der Empfängnis, der Beweis, dass Gott Dinge aus dem Nichts erschaffen kann. Muslime sehen in Jesus einen Propheten, den sie Isa nennen, einen Gesandten Gottes, aber nicht – anders als die Christen – seinen Sohn.

Sind wir nicht alle Kinder Gottes? Mal mehr, mal weniger spirituell; viele in außergewöhnlicher Gestalt und mit Talenten ausgestattet, die nur von Gott gegeben sein können. Talente, die andere heilen, die mit Worten berühren. Die ‚sehend‘ machen, da, wo zuvor noch ein ‚blindes‘ Bewusstsein herrschte. Auch Jesus hat ‚sehend‘ gemacht, und obwohl er immer nur selbstlos für die Menschen da war, haben genau diese ihn ans Kreuz schlagen lassen, um ihn zu brechen. Damit sie in die Welt hinausschreien können: „Seht nur, er ist doch gar nicht Gottes Sohn! Er stirbt, wie alle anderen Menschen auch!“

Er war ein Mensch. Das hat Jesus nie bestritten. Aber er war in besonderer ‚Verbindung‘ mit der Sphäre, die manche leugnen. Er war einzigartig, wie jeder Mensch einzigartig ist. Aber seine Botschaften werden Ewigkeiten überdauern, weil sie zeitlos sind.

In einer angeblichen Engel-Offenbarung an Seth (3. Sohn Adams und Evas) wurde diesem mitgeteilt, dass in 5.500 Jahren Gottes Sohn käme und den Körper Adams wieder auferstehen lassen würde, als Zeichen, dass Jesus wirklich der Messias sei. Die verborgene Schrift, aus der diese Weisheit stammte, soll im Tempel Jerusalems aufbewahrt worden sein.

Dann gibt es noch die Fundamentalisten, die es sich auf den wortgetreuen Bibelversen bequem machen und behaupten, das Fest sei heidnisch. Sie lehnen alles ab, was mit diesen Tagen zusammenhängt, und brüsten sich damit, besser zu sein und Gott wohlgefälliger, als die anderen Menschen.

Wenn ich auf den Kommerz rund um das Weihnachtsfest schaue, kann ich verstehen, wenn man ein solches Fest nicht feiern möchte. Geht der Sinn der Geschichte verloren, wenn ich den Menschen, die ich liebe, Geschenke mache? Sicher nicht! Dabei denke ich an die ‚Heiligen drei Könige‘, die dem neugeborenen Jesuskind Geschenke brachten. Sie schenkten Gold, Weihrauch und Myrrhe. Gold zum Zeichen, dass er der Besieger des Bösen und aller Hasser ist, Weihrauch zum Zeichen, dass sein Geist von den Toten aufersteht, erhaben über Himmlisches und Irdisches, und Myrrhe zum Zeichen, dass er die Bitterkeit des Leidens und des Todes erfahren wird.

Auch wir sollten das Böse besiegen und an ein Weiterleben glauben. Alles, was wir hier auf Erden erfahren, werden wir mitnehmen hinter den Horizont, damit wir nach einer Zeit des Ausruhens ein neues Weihnachtsfest feiern dürfen. Das ist ein Geschenk von Gott an uns.

Ewigkeitssonntag

Aus dem Poesiealbum meiner Mutter:
„Lass die Winde stürmen auf der Lebensbahn, ob die Wogen türmen gegen deinen Kahn. Schiffe ruhig weiter, wenn der Mast auch bricht. Gott ist dein Begleiter. Er verlässt dich nicht.“

Jahre vergehen wie im Flug. Es ist schon ein Kreuz mit der Zeit, die physikalisch in Ordnung gebracht, vierdimensional die Relativitätstheorie bildet. Sie erfüllt, beseelt den Alltag der Menschen oder kann ihn belasten. Niemand kann das Fortschreiten der Gegenwart, von der Vergangenheit kommend und zur Zukunft hinführend, halten.

Anders als heute tickten die Uhren zu Luthers Zeiten. Damals, als die Kirchen noch gut gefüllt waren, maß man dem Kirchenjahr eine große Bedeutung zu. Das tut man noch Jahrhunderte später. Obwohl ich mich von der Kirche entfernt habe, frage ich mich: Welche Bedeutung hat das Kirchenjahr heute noch?

Es beginnt mit dem 1. Advent in der dunklen Jahreszeit, nachdem der depressive November seine Nebel lichtet, wieder durchlässig wird für die Strahlen des Lichterglanzes. Eine Geburt kündigt sich an; etwas ganz Neues von größerer Reinheit soll entstehen. Nicht nur deshalb wird Maria als unberührte Jungfrau und dennoch als Mutter dargestellt.

In der Adventszeit beginnt die Zeit der Besinnung. Die Hektik des Alltags soll draußen bleiben. Man besinnt sich auf das, was wichtig ist, begegnet Liebe und Einsamkeit mit anderen Gefühlen als sonst.

Im neuen Jahr dann, darf das ‚geborene Kind‘ ganz zur Entfaltung kommen. Es bringt Hoffnung auf einen neuen Frühling, auf Licht und Leben. Es ist die Zeit, in der Unkraut und Weizen noch durcheinanderwachsen. Die Zeit der Ernte scheint noch weit. Viele Blüten werden sterben müssen, um anderen das Leben zu ermöglichen. Fastenzeit und Passion – Zeit des Leidens, des Sterbens und der Wiederauferstehung. Mensch und Natur entdecken die göttliche Kraft des Werdens.

Sommer – ermüdender Alltagstrott. Man kommt zurecht, wenn auch langsam unter der Hitze der Alltäglichkeiten.

Erntedankfest – die Speicher sind gut gefüllt für den Winter. Die Felder liegen brach. Die Herbstwinde fegen darüber und erinnern uns an unsere eigene Vergänglichkeit. Aber es bleibt eine Hoffnung auf einen neuen Frühling, darauf, dass der Tod nur eine Wandlung ist.

Der Ewigkeitssonntag beendet den Jahreskreis und alles beginnt aufs Neue.

Wir sind nicht allein auf diesem Weg, der uns nach dem Lebenssinn fragen lässt.

Man sagt, man müsse das Leben planen. – Eine aus der Hektik des Alltags geborene Halbwahrheit. Lebenszeit kann nicht geplant werden. Mein Sohn ist ohne vorheriges Anzeichen gestorben. Die Hektik des Alltags und die Einstellung der Menschen haben seine Lebenszeit verschlungen. Ich musste das Gefasstsein üben und frage mich, was wirklich wichtig ist.

Das ‚Christkind‘ wird trotzdem zur Welt kommen, alles Negative über Bord werfen und uns an das Lebenswerte in dieser Welt erinnern. Das sehe ich als Sinn dieses Geburtstages, auch wenn der genaue Zeitpunkt nirgendwo bestätigt ist.

Der christliche Geist trägt das zeitlos Liebevolle in sich und wird unser Herz durch schöne Klänge für angenehme Dinge öffnen und Familien zusammenführen. Er lässt uns nicht vergessen, dass die Liebe zu Gott auch Nächstenliebe heißt. Das schließt auch die Tiere mit ein.

Gelassenheit müssen wir lernen. Sich selbst nicht mehr so wichtig nehmen. Die Zeit zurückdrehen, in der die Kirchturmuhr noch halbstündlich läutete. Eine Oase finden, in der die Hektik der Zeit draußen bleibt.

Foto: Gisela Seidel

Glaubensbekenntnisse

Übersetzung:

Stell dir vor, es gäbe kein Himmelreich,
Es ist ganz einfach, wenn du es versuchst.
Keine Hölle unter uns,
über uns nur der Himmel.

Stell dir vor, alle Menschen
leben nur für das "Heute".

Stell dir vor, es gäbe keine Länder,
es ist nicht schwer, das zu tun.
Nichts, wofür es sich lohnt zu töten oder zu sterben
und auch keine Religion.

Stell dir vor, alle Menschen,
leben ihr Leben in Frieden.

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,
aber ich bin nicht der Einzige.
Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein,
und die ganze Welt wird eins sein.

Stell dir vor, es gäbe keinen Besitz mehr.
Ich frage mich, ob du das kannst.
Keinen Grund für Gier oder Hunger,
Eine Menschheit in Brüderlichkeit.

Stell dir vor, alle Menschen
teilen sich die ganze Welt.

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,
aber ich bin nicht der Einzige.
Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein,
und die ganze Welt wird eins sein.

Die Wahrheit über Religion ist, dass keine Religion die ganze Wahrheit besitzt.
Sie ist leider im Laufe der Jahrhunderte verzerrt und von den Glaubensbekennern verfälscht worden.

Kein Bewusstsein, kein Geist ist durch die Taten der Kirchen spirituell gewachsen.

Gespaltene Lager, geschaffene Barrieren, unnötige Unterschiede in Ländern und Familien wurden und werden verursacht.

Religion ist das, was den Großen Geist in uns befähigt, sich in unserem Leben zu offenbaren; es stärkt die Verbindung zwischen ihm und jedem Menschen.
Religion ist Dienst, Dienst ist Religion. Alles andere ist nicht wichtig.

Menschen sind dazu geschaffen, nicht in Isolation zu leben, sondern in williger Übereinstimmung mit allen anderen.

Diese Sichtweise muss sich in dieser Welt ausbreiten, die Erkenntnis, dass alle miteinander verbunden sind, dass keine Individuen, Klassen, Kasten oder Länder für sich allein aufsteigen und andere zurücklassen können.

Alle müssen gemeinsam aufsteigen und fallen, nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere, denn alles Leben ist eins, und die gegenseitige Abhängigkeit zieht sich durch das ganze unendliche System.

Bild KI generiert

Kirchen sollten Aufbewahrungsorte vitalisierender geistiger Kraft sein.
Sie sind zu dem geworden, was der Nazarener „getünchte Gräber“ nannte, wo sie unfruchtbare, sterile, antiquierte, dogmatische Lehren predigen, die keine Beziehung zum menschlichen Leben, seinen Problemen und seinen enormen Möglichkeiten haben. Die Autorität der Kirchen, der Bücher, der Glaubensbekenntnisse, all das schwindet. Sie werden allmählich über Bord geworfen, damit die Wahrheit sichtbar wird.

Die Macht des Geistes wird manifestiert, nicht durch Erzbischöfe, Bischöfe, Päpste, Priester, Imame und Rabbiner, sondern durch gewöhnliche Sterbliche, die mit der wunderbaren Aufgabe betraut sind, dem Großen Geist zu helfen, damit göttliche Liebe, Weisheit und Macht allen zur Verfügung stehen, die bereit sind, sie zu empfangen.

Den Kindern muss beigebracht werden, dass wahre Religion darin besteht, zu dienen, all die ausgefeilten Phrasen der Priesterkunst zu ignorieren und ein ehrliches, selbstloses Leben zu führen, in dem Wunsch, der Welt, in der es wohnt, zu helfen und so dem Großen Geist, von dem es ein integraler Teil ist, treu zu sein.

Hautfarbe, Klasse, Nationalität, Sprache – das sind nur physische Unterschiede. Geistig sind wir alle Glieder eines Kette, die ineinandergreifen. Wir bilden die große spirituelle Familie der Menschheit, weil das gemeinsame Band des Geistes uns alle mit seinem unzerstörbaren Band zusammenhält.