Ur-Energie

Fraktale Karin M.
Sprudelnde Quelle des Lebens,
kraftspendend und rein.

Du verdichtest den Staub der Erde
zu lebendigen Seelen,

pulsierst blutstromheiß
in den Herzen der Menschheit,
 
nährst Körper und Seele
wie Wasser in einer Oase,

treibst Blut durch die Adern,
als purpurnes Herrschaftszeichen.

Durchfließe die trocknen Leiber,
 
bring der verdurstenden Welt
den Strom deiner Liebe.
Bubbling source of life,
energizing and pure.

You condense the dust of the earth
into living souls,

pulsating bloodstream-hot
in the hearts of mankind,
 
nourishing body and soul
like water in an oasis,

driving blood through the veins,
as a crimson sign of dominion.

Flow through the dry bodies,
 
bring to the thirsty world
the stream of your love.

Die alten Wege

Albert Anker (1831-1910)
Ich kenn die Stadt, in der die Mauern flüstern;
hier wuchs ich auf, die Straßen ungeteert.
Koksrauch ließ manche Häuserfront verdüstern, 
wie ein zerschlissenes Kleid, von Ärmlichkeit beschwert.

Und jede Pfütze glitzerte im Regen -
wir Kinder stapften fröhlich durch die Lachen,
auf bordsteinlosen, dunklen Wegen,
wo Regenwürmer durch die Erde brachen. 

Die alten Straßen trugen meine Schritte,
aus jedem Haus sprach die Vergangenheit;
verhallt ist jeder meiner Kindheits-Tritte,
mir eilt voran der Gang der Lebenszeit. 

Das Alte ist längst fort und abgehandelt;
das Schicksal schlägt im Buch die Seite um.
Was hat der Mensch belassen, was gewandelt?
Die Münder meiner Ahnen bleiben stumm! 

Als ihre Herzen pochten und die Quellen flossen, 
aus denen sich der Sehnsucht Klarheit nährt,
wie zuversichtlich wirkten sie entschlossen
auf falschen Wegen, die das Glück verwehrt.

Das Leben ist des Lichtes reiner Segen,
bewahre ihn, der selbst dich ‚reif‘ gemacht.
Des Vaters Glanz liegt wie ein Blüh’n auf Wegen,
senk demutsvoll davor dein Haupt herab.

Lebenslicht

Noch kämpft das Sein um trübe Stunden.
Des Lebenslichtes blasser Schein, er blieb.
Die ferne Zukunft ist im Nichts verschwunden,
so wie der Drang, der mich einst vorwärts trieb.

Es brannte, wie die Fackeln, heiß und groß,
so lebensdurstig war es angefacht.
Die Flamme brannte gierig, pausenlos,
erhellte meine Wege Tag und Nacht.

So, wie ein Kerzen-Heer auf einem Feld,
in Groß und Klein, mal neu, mal abgebrannt,
seh ich die Lebenslichter aufgestellt,
bis sie verlöschen, kalt und unbekannt.

In letzter Glut, zur wohl bestimmten Zeit,
verbleibt der Geist des Lebens in der Welt.
Entzündet neue Flammen, reine Helligkeit,
macht aus der Finsternis ein lichtes Feld.

Mein kleines Licht, kein Zufallshandeln,
es ist entfachter Sinn in mir.
Heilig der Geist, der Leben wandelt
in Sein und Nichtsein, dort und hier.