Caspar David Friedrich 1774-1840 – Frau am Fenster
Keine Stimme, die ruft, kein Herz, dem ich fehle, nur Einsamkeit, Stille, durch die ich mich quäle – aus der Ferne, der Klang der Motoren und manchmal will sich die Ruhe in meine Seele bohren.
Suche Beschäftigung, die diesen Bann durchbricht, doch wirklich finde ich sie nicht. Kann mich nicht fügen, nicht konzentrieren, möcht‘ manchmal den Verstand verlieren.
Ich schau’ die Wände an – es sind dieselben, die ich vor einer Stunde sah; verwandeln möchte ich die gelben in bunte, mit Punkten, die ich dann zählen könnte, um mich abzulenken, vom Denken.
Die Tür fällt leis ins Schloss! Du musst verlassen deines Wirkens Stätte. So, wie ein langer Regen sich ergoss und dann versickert tief im Erdenbette, so flossen deine Tage voller Schaffen, doch langsam wich die Kraft aus deinen Zellen, vorbei der Ansporn, das Zusammenraffen, der Zahn der Zeit, er nagt an allen Stellen.
Ein letzter Blick fällt auf das Altvertraute, ein tiefer Seufzer der Erinnerungen. Der mit Elan einst Zukunftsschlösser baute, ist ohne Ziele, ganz vom Weh durchdrungen.
Die Wehmut lenkt die Schwere deiner Schritte, nichts hält dich, niemand, der dein Dasein wandelt; was du einst liebtest und dich hielt in deiner Mitte, es ist längst fort, vorbei und abgehandelt.
Führst Zwiegespräche mit den Unsichtbaren, die schon vor langer Zeit die Welt verließen. Hilflosigkeit wächst mit den täglichen Gefahren und tückisch scheint der Weg unter den Füßen.
So gehst du hin in eine Heimstatt, die man wählte, und überschaubar werden deine letzten Jahre. Am Ort, an dem Vergessenheitsgequälte vergessen werden, steht bereits die Bahre.
Wenn Menschenhände dich längst losgelassen, du mit Erinnerungen nur im Damals lebst, bleibt dir nur Gott – er wird dich nicht verlassen, wenn du auf deine letzte Reise gehst.
Der Wind reißt Löcher in die Wolkendecke und lässt das Blau des Himmels erahnen; friedlich und still ruht die Welt, zärtlich streichelt sie die Nacht, umschließt sie sanft mit einer Aura kosmischer Liebe.
Erde und Himmel im göttlichen Licht; kühl ist der Morgen.
Schwingungen des Geistes schenken wärmende Gedanken, damit unsere Seelen nicht frieren.
Wie elend ist ein Mensch mit sich allein, der geistig tot ist, ohne Ideale; nicht mal ein kleines Licht gab seinen Schein, sehnsuchtsbefreit sein Leben, das Finale.
Wie arm ist dieser Mensch in seinem Tun, ein Totengräber ist er seiner selbst. Er schaufelt anderen Gräber, ohne Ruhen, freut sich darüber, wenn man fällt.
Opferbereitschaft, Mitleid kennt er nicht, ist frei von Selbsterkenntnis und nicht klug; von niederem Instinkt zeugt sein Gesicht, zeigt keinen menschlich guten Zug.
Erblickte er nicht auch des Schöpfers Land, als Glück der Mutter und des Vaters Stolz? Hielt ihn nicht auch des Engels lichte Hand und wiegte ihn im Bett aus Fichtenholz?
Verirrter Mensch, auch du bist Gottes Kind. Was trieb dich nur auf diese falsche Bahn? Mein Bruder Mensch, was machte dich so blind, trägt auch dein Umfeld eine Schuld daran?
Lichtleerer Raum, du schreist nach hellen Zeiten, wo in der Frühlingsluft der Tageslärm versinkt, und sich in dunklen Ackerbreiten das Leben regt, das neue Nahrung bringt.
Gott ist nicht fern, nur zugedeckt mit Dingen, wie Sinnestaumel oder Wissenschaft; Diesseitskultur ist nur ein flüchtig’ Ringen, mit Kälte, die erstarrt, nichts Schönes schafft.
Die Sehnsucht danach wird uns Wege weisen, zur Harmonie, zum göttlich milden Tun. Es wird die Welt aus Not und Abgrund reißen. Wer neue Kräfte sammelt, kennt kein Ruhen.
Hörst du es schwingen, wie ein Fließen, sich unaufhörlich in den Raum ergießen? Vernimmst du auch der Schwingung sanftes Hallen, Töne in Dur mit kurzen Intervallen? Ein glockenklarer Klang breitet sich aus und Seelenfrieden fließt durchs ganze Haus. Vermagst du auch das heil’ge Singen hören, so, wie von wunderbaren Engelchören? Dann schließe deine Augen fein und atme tief die Liebe in dich ein. Fühlst mit dem Himmel dich verbunden, in gottesnahen Kuschelstunden.
Vampire erwachen Nacht für Nacht. Nur Schatten zu sehn an der Mauer! Sie schleichen vorüber, dass niemand erwacht, sind ständig voll Gier auf der Lauer.
Ist es Vergnügungsraserei? Sie werden vom Bösen getrieben! In ihnen, ein nagender Hungerschrei; da ist nur ihr Selbst, das sie lieben.
Ausbluten muss jeder, den sie erwählt; sie saugen sein köstliches Blut. Die letzte Phase des Niedergangs zählt, denn die Blutleere formt neue Brut.
So viele Völker sind bleich und leer, ausgesaugt und in Ketten wie Knechte. Die schnitten ins Fleisch; ohne Gegenwehr, ohnmächtig das Land, ihre Rechte.
Blutsauger gieren mit Reichtum nach Macht, sind hungrig nach Geld und Vergnügen; Vampire von heute, am Tage hellwach, nichts will ihrer Habgier genügen.
Die friedlichsten Völker können nicht ruhen; es gibt kein Besinnen auf Werte, kein Zügeln, keine Rückkehr zum ehrbaren Tun, nur Schritte auf dunkelster Fährte.
Ein Fieberzucken geht durch die Welt, sie wälzt sich in höllischen Qualen. Entgottete Zeit. Wenn dein Vorhang fällt, werden die Mächte des Abgrunds bezahlen.
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