Webe und erwache

Wie Goldfäden weben,
ist das Freudegeben,
des auf Erden ohnegleichen
beglückenden Wortes.
 
Wie ein Singen aus Sphären,
von himmlischen Chören,
in klanglosen Räumen,
aus Dornröschenträumen,
weckt die Stimme des Alls.
 
Wie die Schatten entfliehen,
flieht die Zeit. – Nur geliehen
sind der Menschheit Tage.
Wandle Leiden und Plage
auf den ewigen Stufen.
 
Reich dem Guten die Hände,
eil‘ entgegen der Wende.
Lass dich treiben vom Schönen
in Gedanken und Tönen,
bei dem Einen verbleibe.

Gleichklang

Die Sterne, die die fernen Himmel tragen,
sie neigen sich allabendlich der Welt.
Erdachte Gott den Sinn für unsre Fragen,
als er die Zeit erschuf, die steigt und fällt?

Was er erdacht, war Gleichklang, wie ein Reim,
der seine Ähnlichkeiten wie im Lied verbindet.
Zerstörend war des Lebens bitteres Sein,
weil niemand mehr nun Sinn und Wahrheit findet.

Ein Leben lang nach süßem Gleichklang sehnen,
wo doch zum Eigennutz vergeht die Welt.
Erst, wenn Er, Licht erfüllt, in trauten Tönen,
den Klang bereitwillig an deine Seite stellt,

dann schwingst du mit den tausend Harmonien,
fühlst ihren Sinn so schöpfungsnah verwoben.
Und Seine Größe ahnend, gehst du auf die Knie,
und weißt, es trägt ein Reim dich einst nach oben.

Stroh zu Gold

Rumpelstilzchen – W. Crane (1845-1915) britischer Maler und Illustrator
Grimms Märchen

Zaghafte Schritte setzen wir im Ungewissen,
das schicksalhaft sich auf den Wegen breitet.
Des Menschen Lebensweg ist längst umrissen,
wenn er den angedachten Weg beschreitet.

So, wie ein leeres Blatt, ganz unbeschrieben,
fügt unser Handeln Licht und Schatten ein.
Wir wählten unsren Weg, auch wenn hienieden
das Bild verlorenging im Erdensein.

Bevor wir durch das dunkle Tor geboren,
da rangen wir in Freiheit um dies Leben.
Den Sinn des Leidens haben wir verloren,
das schon auf Erden wird Verwandlung geben.

Mit off’nen Sinnen kommt das Rückerinnern;
wenn wir besonnen unser Schicksal ändern,
dann können wir auch ohne „Rumpelstilzchen“,
allein, den gold’nen Lebensfaden spinnen.