Rosenduft

Rosen Wannseegarten – Philipp Franck (1860 – 1944)

Die alte Rosenlaube dort am Buchenhain,
ihr gilt mein täglich Sinnen, ach, so oft.

Sie ließ mich sinken in die tiefsten Träumereien,
mit meinem Oden sog ich auf den Duft.

Vergangen ist die Zeit, als ich noch Worte fand,
so wie der Sand rinnt
durch das schmale Glas der Uhren,

und als entzweite sich des Lebens lichte Band,
verwischten auch die letzten meiner Spuren.

So grau blickt eine Welt der Lichtgestalt entgegen,
die ich geworden, alt und ewiglich.

Die Uhren bitt’ ich, mögen rückwärts sich bewegen.
So dufte Rose einmal noch für mich!

1338 von Ambrogio Lorenzetti erschaffenen Fresko „Allegorie der Guten Regierung“ im Palazzo Pubblico (Siena)

Fülle

Time Stops (2005). Zelkats. Digitale Kunst. 2008-2012

Wie eine leere Zeit,
die nicht gefüllt mit Dingen,
in der kein Tun und Ringen –
nicht Liebe und nicht Leid;
wo nur Gedanken wachen,
kein Weinen und kein Lachen,
von Gegenwart befreit;
wie eine laute Stille,
in der die Geistesfülle
sich schweigend Raum verleiht.

Sport und Spiele

Fußballspiel – Tisa von der Schulenburg (1903-2001)
Be-geistert werden Menschen jubeln,
auf dieser unvollkommenen Erde,
bald geben sie im Freudetrubel
dem Sport und Spiel der Welt die Ehre.

Gejubelt wird von den Tribünen -
die Sorgen sind ganz klein geworden,
wenn in sonst alltagstrüben Mienen
die Siege für Triumphe sorgen.

Der Mensch, er kämpft, verliert, gewinnt,
mühselig, wie sein Lebensplan,
und wenn der Traum vom Sieg zerrinnt,
erwacht er aus dem Rausch alsdann.

Die ausgestreckten Hände vieler -,
im Chaos dieser Welt versponnen,
gehören zu den wahren Spielern,
für die das Lebensspiel gewonnen.

Geisteslicht

Bild von Leopictures auf Pixabay
Ein Wunschkonzert ist dieses Leben nicht,
oft scheint der Schatten uns, als die Substanz,
und wenn die harte Schale einer Nuss zerbricht,
beißen wir sie, den Kern verschmähn wir ganz.

Wir scheuen manche Wirklichkeit im Licht,
sehn die Materie als krankheitsbringend an.
Die Wahrheit steht vor uns – wir sehn sie nicht,
ein Zufall ist für uns des Lebens Plan.

Glücklich ist der, der weitergeht und glaubt,
das alles besser wird im Geisteslicht,
das unterstützt, wenn uns das Leben raubt,
was stark macht, wenn der Mut zerbricht.

Niemals verlassen sein, trotz Schwäche oder Not,
an Hilfe glauben, selbst im tödlichen Moment,
sie ist die Wahrheit – ein gerechtes Lot,
im Dasein uns ein festes Fundament.

Der Menschheit Reigen

Hans Thoma (1839-1924) – Kinderreigen

Manchmal muss man schweigen,
wenn der Menschheit Reigen
sich im Trubel dreht.

Man muss manchmal lachen,
über dumme Sachen,
die man nicht versteht.

Mit den Wölfen heulen,
muss man nicht und meiden,
den Dämonensieg.

Unsagbares sagen,
wenn die ‚Großen‘ tragen,
uns zum nächsten Krieg.

Manchmal soll man singen,
und die Geigen klingen,
tränenreich im Lied.

Klangvoll wird die Stille,
manchmal scheint die Fülle,
Harmonie besiegt.

Immer aufs Neue

Franz Skarbina (1849-1910)

Müde geschlafen,
der Tag ist noch lang.
Augen auf!
Schleppend mein Gang.

Tagesablauf:
kein Drang, keine Eile.
Essen –
wohl noch eine lange Weile.

Katzen verwöhnen,
dann Wolken schauen
und die Bäume…,
dann essen, verdauen.

Dösen und sinnen –
Gedankenfluss.
Katzen streicheln,
ein willkommenes Muss.

Blätter, sie schaukeln
an den Zweigen,
die mir fremde
Lebendigkeit zeigen.

Zusammengefallen,
innerlich leer.
Noch wenige Stunden,
dann mag ich nicht mehr.

Die Fernsehgestalten
sind fern und zeigen
fremde Gewalten…
ein Hören und Schweigen.

Ich lösche das Licht,
ruf nach Einschlafgefährten.
Meine ‚Schlaf‘-Katze streckt
ihren Bauch, den genährten.

In den Schlaf gestreichelt, –
so weich und schnell.
Die Nacht verging,
es wird schon wieder hell.

Immer aufs Neue…
Müd bin ich und bang.
„Augen auf!“, ruft die Stimme.
Wohin führt mein Gang?

Einsicht

Die Sehnsucht ging und das Vertrauen - 
schon viele Jahre ist es her, seitdem du gingst…
glich ich doch einer, die vom Luftschloss bauen
müd geworden, noch an Seifenblasen hing.

Ich hab gehofft – bist einfach nur verschwunden,
so, wie ein kleiner Punkt am Horizont,
und hinter vielen Tränen hab ich überwunden,
was in mir brannte: Liebe, die nicht lohnt.

Dein Blick war leer beim Beieinanderstehen,
war wehrlos, du das Salz in meiner Wunde;
ich war bemüht an dir vorbeizusehen,
obwohl es mich zerriss in der Sekunde.

Wortlos der Abschied – grausam war dein Gehen,
ich fühl‘ es noch, wie die Verbindung reißt.
Einsam der Weg – ein Nimmerwiedersehen.
Jetzt weiß ich, was auf Erden „Liebe“ heißt!

Engelgleiche Wesen

William Adolphe Bouguereau (1825-1905)
Wissen, Weisheit, Lebenswahrheit -
Essenz des Daseins ist gewonnen;
zeigt den Grund, dass all die Klarheit
aus des Geistes Welt genommen.

Die Erkenntnis ist das Erbe,
die nur weise Seelen schauen,
die durch Strahlen Seines Lichtes
an der Erde ‚Himmel‘ bauen.

Die des Geistes Grund verbreiten,
sind in diese Welt gekommen,
von der Ewigkeit uns zeigen,
um die Herzen zu besonnen.

Längst erleuchtet, erdgenesen,
die durch Menschenwerk uns dienen;
denn durch engelgleiche Wesen
wirkt der Große Geist in ihnen.
Auszug: William Adolphe Bouguereau (1825-1905)

Tagesanbruch

Bild von tarek darwish auf Pixabay
Dicht umhüllt von Nebelschwaden
hängt am Berg ein Hauch der Nacht,
auf des Waldes Ruhepfaden
ist der Klang des Tags erwacht.

Blumen öffnen Blütenaugen,
blinzeln in das Sonnenlicht,
und der hehre Glanz lässt glauben,
dass nur Gutes ist in Sicht.

Alle Wege still beschienen
von des Himmels rosig Kleid,
Kleinstes will dem Größten dienen,
Frieden überwindet Leid.

Tau bedeckt die alten Schollen,
liegen in Versunkenheit;
alles klingt im Andachtsvollen,
wie ein Lied aus Kinderzeit.

Ballspiel

Bildauszug „Ballspielende Kinder“ -Albert Burkart (1898-1982)
Die Hauswand bebte,
als ich mit Kinderhänden,
ballwerfend,
das Spiel erlebte.

Aufprall und Takt,
mit kindlichen Gemüt erdacht,
bis Ballspiel schallend an den Wänden
Geräusche macht.

Ein altes Spiel -
geworfen, aufgefangen,
die Bälle, die die Hauswand trafen.
Niemals den Grund berühren,
bloß nicht daneben langen!

Zehnmal das Werfen zu Beginn,
zehnmal das Fangen;
neunmal in nächster Runde,
erhöhten Grad erlangen.

Mit einmal Händeklatschen oder zwei,
mal hinten und mal vorne,
im Stehen und im Bücken,
unter den Beinen durch,
zuletzt noch hinterm Rücken.

Schwierigkeitsgrad erhöht,
bei immer kürzeren Runden,
so scheint die Lebenszeit –
verkürzt mit Jahr und Stunden.

Mir war es verboten, im Haus zu spielen. Um drin zu bleiben, musste es draußen regnen und stürmen. Also ging ich auf den Hof, meist alleine, und spielte stundenlang mit zwei Bällen gegen die Hauswand. Meine Mutter muss wohl starke Nerven gehabt haben.

Das Ballspiel ist alt und den Kindern heutzutage unbekannt. Ich hatte viel Spaß daran und kenne heute noch die Regeln. Das Spiel besteht aus zehn Schwierigkeitsgraden. Die Runden reduzieren sich, nachdem man das Ziel erreicht hat.

Ein Ball oder mehrere werden zehnmal hintereinander an die Wand geworfen und wieder aufgefangen. Dabei dürfen sie nicht zu Boden fallen. Hat das geklappt, geht es in die nächste Runde.

Vor dem Fangen muss einmal in die Hände geklatscht werden. Weiter geht es achtmal hintereinander mit einem doppelten Klatschen. Siebenmal muss man einmal vor und einmal hinter dem Körper klatschen und sechsmal muss der Ball unterm rechten Bein hindurch an die Wand geworfen und wieder aufgefangen werden und danach fünfmal unterm linken Bein hindurch. Viermal wird der Ball wieder mit den Fäusten, den Knien oder auch dem Kopf zurück an die Wand geprellt, bevor er gefangen wird. Dreimal wird der Ball von hinten gefasst und über die Seite an die Wand geworfen und in der vorletzten Runde muss man sich drehen, bevor man den Ball auffängt. Zu guter Letzt wird der Ball vom Rücken aus über den Kopf an die Wand geworfen und wieder aufgefangen.

Bei diesem Spiel werden Kindheitserinnerungen wach.