Wintermorgen

Foto: Gisela Seidel

Wo es sonst dunkel ist, wird Licht.

Es hat zum ersten Mal geschneit.
Die Flocken rieseln dicht an dicht.

Wie es mein Auge freut!

Die Katzen sind recht aufgeregt.
Beobachten das Treiben.

Sie fangen in der Luft das Licht,
die Flocken an den Scheiben.

Für sie liegen die Nerven blank,
für mich ist‘s kurzes Schauen.

Belagern meine Fensterbank.
Es wird nicht lange dauern.

Fußstapfen tau’n die weiße Welt;
zerronnen bald die Freude.

Ein kalter Gruß vom Himmelszelt,
trägt Engelglanz im Kleide.

Schicksal

John Everett Millais (1829-1896)

Fühle mich innerlich wie neu,
geboren aus Schmerz und Hoffen.

Das kleine Glück, es blieb mir treu:
Gott ließ mir ein Stück Zukunft offen.

Der Tod grub schon an meiner Grube.
Darf mich nun auf den Frühling freuen.

Da wird der Sonnenstrahl zum Schube
und lässt den Lebensmut erneuern.

Die kleinen Dinge meines Lebens
war’n immer wichtiger, als große.

Kein Tag des Daseins war vergebens;
oft fiel ich aus dem weichen Schoße

der Engel, die mich sanft belehrten,
ertrugen meine Menschlichkeit.

Sie, die sich opfernd nie beschwerten,
sie hoben mich durch manches Leid.

Nun taste ich mich durch die Tage.
Manches, das aussteht wird verwunden.

Und wird auch manche Zeit zur Plage,
ich freue mich auf jede Stunde.

Irgendwann

Irgendwann, da werde ich dich fragen.
Fern noch liegt der Tag in grauer Zeit.
Irgendwann in jenen Frühlingstagen,
wählst du für uns zwischen Glück und Leid.
 
Wirst du bleiben oder trennt für immer
deine Wahl uns, ohne ein Zurück?
Bringt mein stärkstes Hoffen nimmer
wieder mir das größte Lebensglück?
 
Wirst du gehen, niemals wiederkehren,
wenn dein Mund die letzte Wahrheit bringt?
Nur mein banges Herz wird aufbegehren,
wenn meine Seele mit dem Teufel ringt.
 
Löscht du die Sonne mir in dieser Welt,
bleib ich alleine, hier, in meiner Einsamkeit.
Wenn hinter dir der schwere Vorhang fällt,
wird sich das Sterben zeigen, vor der Zeit.
 
Denn mit dir geht all meine Kraft, mein Heil, 
du trägst in deinem Herzen meinen Geist,
wie einen Schatten – deiner Seele Teil,
der mit ihr durch die Ewigkeiten reist.

Neues Jahr – Lebenszeichen

Gestern wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Schwere Blutvergiftung, ausgelöst durch einen Nierenstein. Ich bin zwar noch schlapp, habe aber Hoffnung auf Besserung, denn der Stein wurde beseitigt. Mit ihm weitere 12 kg. Seit Anfang Dezember hatte ich mit Schüttelfrost und Fieber herumgelegen. Erst dachte ich, es sei Corona. Es war ein Wink des Himmels, dass eine mir unbekannte Ärztin nicht nur den Test machte, sondern mir einen Urinbecher mitgab. Dann hieß es Noteinweisung. Eine falsche Bewegung und ich hätte tot umfallen können.
Hiermit melde ich mich zurück, in der Hoffnung, dass es allen gut geht. Bei mir wird es noch eine Weile dauern, aber dann ist hoffentlich Frühling in Sicht.

Im Geheimen – Sulamith Wülfing

Das reine, nicht gelebte,
das, wie ein Buch,
mit leeren Seiten,
vom Leben selbst geschrieben,
mit Wahrheit, Hoffnung,
Krieg und Frieden,
mit Gutem und mit Bösem,
auf hellen oder dunklen Seiten,
zur Lebensfreude
oder gar zum Leid,
hält jeden neuen Tag
dir als Geschenk entgegen.
Wie du die Stunden füllen wirst,
mit Leben oder Tod,
mit Liebe, Abschied,
liegt in deiner Hand…
ist Gottes Plan.
Das alte Jahr verging;
Schicksale, die es trug,
sie knüpfen an und werfen Schatten
auf das unbefleckte, neue.
Im Buch des Lebens
schlägt Gott die nächste Seite um.
Fülle mit deinem Licht die Tage
deiner Jahre. Beleuchte alles Dunkle,
löse auf die Schatten, zu neuer Hoffnung,
in ewigem Kreislauf!

Dezember

Für dieses Jahr möchte ich mich verabschieden.

Ich wünsche allen ein besinnliches, frohes Weihnachtsfest
und vor allen Dingen Gottes Segen und Gesundheit !

Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“

Erich Kästner (1899-1974)


Die hohen Tannen atmen heiser

Bild von nitli auf Pixabay

Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.

Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
Im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern, –
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Liebe auf Erden

In der Stille flackern alle Kerzen,
bringen schimmernd Sonne in die Zeit.
Tragen Liebe in die müden Herzen,
Öffnen Geist und die Begrenztheit weit.

Die verschlossne Türe jenseits unsrer Sinne,
öffnet sich und lässt den Himmel spüren.
Alle Engel stehn seit dem Beginne,
heben Liebe durch die Himmelstüren.

So erhoben von der kalten Erde
wandelt sich die Kraft des Denkens.
Wo einst Steine waren, Leben werde!
So ist Gott der Geber und Beschenkte.

Winterwelt

Natur, berauscht von Licht und Leben,
liegt ruhend in den Winterbetten.

Der kalte Wind, ein frostig Beben,
trägt Flocken auf die kargen Stätten.

Frisch trägt die Luft die kühlen Träume
bis in die fernsten Weltenecken.

Macht aus den Kanten Rüschensäume,
legt grünes Land in weiße Decken.

Die Bäume strecken kahl die Äste,
vom Schnee bedeckt, ein schweres Tragen,

begrüßen flatterhafte Gäste;
die träumen müd‘ von Frühlingstagen.

Die Winterzeit geht in die Stille,
hält mit der Welt den Atem an.

Wo die Natur, mit neuer Fülle,
das nächste Jahr beleben kann.

Stroh zu Gold

Rumpelstilzchen – W. Crane (1845-1915) britischer Maler und Illustrator
Grimms Märchen

Zaghafte Schritte setzen wir im Ungewissen,
das schicksalhaft sich auf den Wegen breitet.
Des Menschen Lebensweg ist längst umrissen,
wenn er den angedachten Weg beschreitet.

So, wie ein leeres Blatt, ganz unbeschrieben,
fügt unser Handeln Licht und Schatten ein.
Wir wählten unsren Weg, auch wenn hienieden
das Bild verlorenging im Erdensein.

Bevor wir durch das dunkle Tor geboren,
da rangen wir in Freiheit um dies Leben.
Den Sinn des Leidens haben wir verloren,
das schon auf Erden wird Verwandlung geben.

Mit off’nen Sinnen kommt das Rückerinnern;
wenn wir besonnen unser Schicksal ändern,
dann können wir auch ohne „Rumpelstilzchen“,
allein, den gold’nen Lebensfaden spinnen.

Weihnachtsstern

Planeten Konstellation am 21. Dezember 2020
Jupiter und Saturn, fast wie zu Zeiten von Christi Geburt.
Besuch der Sterndeuter aus dem Morgenland.

Weiter Blick zum sternenklaren Himmel;
Mondfinsternis,
Planetenbegegnung lädt ein zur Feierstunde auf Erden.
Sternstunde der Menschheit;
Konstellation der Superlative,
flutet den Schatten irdischer Dualität mit Licht,
beleuchtet den Vorhang zwischen den Welten.
Suche nach der Wahrheit seit Äonen von Jahren,
Countdown zur Beendigung der Eiszeit;
Weihnachtsstern als Symbol für Frieden und Liebe,
bringt uns ein Stück himmlisches Zuhause in die Gegenwart.
Erinnerung an unsere Herkunft.
Vereinigung von Himmel und Erde im göttlichen Zeitplan.
Verankerung des Christus-Bewusstseins in unseren Herzen,
für eine paradiesische Zukunft auf Erden.