Traumgestalten

Bild KI generiert mit Gemini
Der Mond wird voll sein in den nächsten Tagen,
die Träume ziehen durch mich, wie gesiebt;
die Seele löchrig, grau, voll Unbehagen,
sieht Menschen, Häuser, Wege, ungeliebt.

Bin der Pierrot im Traum, der niemals lachte,
der weißgeschminkt die Augen niederschlägt,
naiv und melancholisch Mitleid brachte,
der wortlos diente, bis das Licht ausgeht.

Gedankengänge, die sich nicht vollenden,
wie Fetzen, ausgerissen und verweht;
unheilbar hier, wie Risse in den Wänden,
im Haus, das bald schon nicht mehr steht.

Versunken in der Traumwelt dieses Lebens,
von Mond zu Mond mit vollem Angesicht.
Zeig mir dein Rund. War all mein Tun vergebens?
Bin ich ein Harlekin* bei Tageslicht?
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*Der Harlekin als eine Figur von doppelter Natur: Gauner und Heiler, Priester und Teufel, Schamane und Spaßvogel.

Zusammenfassung

Das vorliegende Gedicht reflektiert in eindringlichen Bildern die Unvollkommenheit und Vergänglichkeit menschlicher Existenz. Es thematisiert unerfüllte Gedanken, brüchige Lebensräume und den Zwiespalt der eigenen Rolle, dargestellt durch die Figur des Harlekins, der zwischen Gegensätzen wie Heilung und Täuschung, Ernst und Spiel pendelt. Die Atmosphäre ist von Melancholie, Selbstzweifel und der Suche nach Sinn geprägt.

Und manchmal…

Tranquillo Cremona (1837 – 1878)

Und manchmal ist er noch da.
Dann füllt sich die Traumwelt mit Licht.
Obwohl schon so fern… doch so nah.
Und manchmal seh’ ich sein Gesicht.
 
Ich seh’ seine Lippen, so stumm,
und Hände, die greifen nach mir –
fühl’ seine Gedanken. Nur dumpf
dringt’s durch die verschlossene Tür.
 
Wie ein Reim, der harmonisch sich schließt…
War verbunden im Gleichklang mit ihm.
Wenn Moll Melodien durchfließt,
halte ich still sein Requiem.
 
Kein Gefühl dieser Welt füllt mein Herz,
kein Vers reimt sich wieder auf ihn.
Aus Harmonie wurde Trauer und Schmerz,
Erinnerung bleibt! – Wo der Sinn?

Traumwelt

Frederic Leighton 1830-1896, Flaming June

Das Licht der Kerzen ist verloschen,
das Haus ruht still im Abendlicht.
In deiner Hand das Buch, geschlossen,
der Schlaf verzaubert dein Gesicht.
 
Es wirkt so sanft im Schein des Mondes,
mit einem Lächeln, ganz entrückt,
und tief in den Gedanken wohnt es,
was dich so wundersam beglückt.
 
Entführt dich jede Nacht aufs Neue,
reicht dir die Hand zum Traumestanz,
trägt deinen müden Leib mit Freude
durch allerfernsten Sternenglanz.
 
So fliehst du weit in fremde Sphären,
machst eine Reise durch die Zeit.
Wenn Träume Wirklichkeiten wären,
dann schliefest du in Ewigkeit.