Eingetaucht – der Mensch

Quelle: Pinterest
Hinabgestiegen und verloren,
was an Bewegungsfreiheit ihm gewahr.
Reinkarniert und leibbezogen,
schwer ist der Leib, Belastung gar. 

Die Fähigkeiten, die ihn schmückten,
die seinen Wesensteil im Licht verband,
sind ungenützt und wenig stützten
ihn Elemente, die er fand. 

Die Leichtigkeit ist ihm genommen,
schwerfällig wächst sein Wahrheitsdrang.
Fühlt, wie ein Taucher, tief ins Meer geschwommen,
dass ihm die Kräfte schwinden, irgendwann. 

Latent geblieben, schlummert zur Entfaltung
so manche ungenutzte Kraft in ihm,
so eingeschränkt wird er den Platz verwalten,
der ihm zur Lebenstätigkeit geliehen.

Verstand gesteuert weiß er nicht:
„Man sieht nur mit dem Herzen gut.“
Das Unsichtbare bringt zurück ans Licht,
was hier zum Wiederaufstieg in ihm ruht. 

Erlösungsworte sind zu finden,
erwecken die, die noch versteinert schlafen.
Nur Liebe wird als Zauberwort ergründen,
was hinter Wut und Härte sie verbargen.

Zerbrochen werden sein, die harten Schalen,
selbst Körper, die als Stern am Himmel stehen,
entzaubert werden sie im Licht erstrahlen,
erlöst vom Missklang, frei die Liebe sehen.

Schöpfungsklänge

Bild von Okan Caliskan auf Pixabay
So viel Lieb‘ in allen Liedern,
so viel Freude und Gesang,
klingen wie am Anfang wieder,
bringen lang vergess’nen Klang.

Schallen aus Dornröschen-Träumen
sanfte Sehnsucht dir ins Herz,
dämpfen durch der Töne Schäume,
überwund‘nen Seelenschmerz.

Jedes Klangbild Herz-Frequenz,
Hoffnungsbalsam für das Leben,
und das Om der Transzendenz
lässt in Sehnsucht vorwärtsstreben,

und der Laut huscht durch die Stille,
lässt die Bäume rauschend singen,
die der schöpfungsnahe Wille 
mit Vibrato bringt zum Schwingen. 

Gott der Dichter

Frederick Leighton (1830-1896) – Musik
Die Poesie ist wie die Liebe,
sie kommt und geht nach einer Zeit.
Den tiefen Wunsch, dass sie doch bliebe,
hat sich das Schicksal einverleibt. 

Die Verse sprühen und die Worte;
im Zauber fügt sich Reim an Reim,
erreichen des Vergessens Pforte
und gehn in die Geschichte ein. 

Ein frommer Spruch auf Dichters Füßen,
ein edles Wort aus Herzens Grund,
lässt die Gedankenkraft genießen,
färbt ein das Grau so mancher Stund‘. 

Verdichtet sind wohl tausend Worte,
mein Gott, das Dankgebet sei Dir!
Gedichte blüh‘n an lichten Orten,
den Gleichklang suchend, neben mir. 

Wie ein Gedicht schuf Gott die Welt,
band ein, den Reimen gleich, den Klang,
der so verdichtet steigt und fällt,
einträchtig in des Rhythmus Gang. 

Die Menschen suchen ziellos leidend,
wie Worte, die im Reim sich binden.
Ein Jeder will zu den gehören, 
die sich im Einklang wiederfinden.

Seelenbaum

Aus dem Film „Avatar“ – Der Baum der Seelen (Na’vi: Vitraya Ramunong) ist ein Baum auf Pandora und der heiligste Ort der Na’vi.
Einsam steht er, 
wie ein ‚Baum der Seelen‘
leuchten seine weiten Zweige.

Drehen sich zur Erde,
fortgesetzt und tanzen,
schimmernd ist ihr sanftes Strahlen.

Heilig ist sein Ort
wo Ewigkeiten überdauern,
und die Seelen der vergangenen Zeiten

wiegen sich im Schutze seiner Krone;
hoch gewachsen stößt er an den Himmel,
sammelt Kräfte, niemals endend. 

Erkenntnis-Lichter zünden an ihr Leuchten,
immer wieder die Verwandelten empfangend,
die körperlos und schwerelos geworden. 

Lass von der Liebe dich krönen,
schau auf die Zeichen der Sterne und ihre Gesetze.
In der Welt diene IHM; 

nimm dein Leben und lerne
schwerelos sein schon auf Erden,
um verwandelt in Himmeln zu tanzen. 

Seele – Film: Avatar

Frühlingsregen

Aufs Neue breitet sich der Tag,
gefächert sind die Stunden.
Wie er uns auch erscheinen mag,
er füllt manch Glückssekunden,
auch die des Leids gereicht er uns,
um höheren Sinn zu spüren,
er zeigt uns manche Lebenskunst
und schließt uns auf die Türen. 

Vereint in Gottes großem Licht
durchschreiten wir die Zeiten.
Sein Segen aus dem Dunkel bricht,
um unsren Weg zu leiten -
so ‚richtet‘ er; kennt Not und Pein,
den Grund für unser Flehen,
legt seinen Geist um unser Sein,
wie milder Frühlingsregen. 

Sonniger Nachmittag

Rheinhausen-Friemersheim Rheinaue
Foto: Gisela Seidel
Die Luft um uns hängt voller Geigen,
der leise Wind ist ganz erfüllt
von Glücksgefühl. Ein Strahlenreigen
umspielt dein liebes, trautes Bild.

Der Zweige sanftes Auf und Nieder
klingt rhythmisch, wie ein Flügelschlag,
es schwingt in unsren Herzen wieder,
der golddurchwirkte, heitre Tag.

Wie Flüstern hebt das Blätterrauschen
von Baum zu Baum sich, wie ein Chor.
Es singt und klingt – wir stehn und lauschen
und Seligkeit durchströmt das Ohr.

Wir fühlen Harmonie und Frieden,
der unsre Seelen sanft erfasst,
vereint mit der Natur, getrieben
von Liebe, fern von aller Last.

Gnadengabe

Pierre Auguste Cot (1837-1883)
Dein Gesicht, wie es strahlt!
Einzig das Anschauen malt bunte Bilder
in mein graues Denken.
Wie deine Sonne von innen dich malt!
Sie weiß dir göttlichen Schimmer
zu schenken.
 
Wie dein Herz mich erhellt!
Deine Blicke halten mich fest, sie zügeln
den unruhigen Geist.
Es scheint nicht von dieser Welt,
wenn das Gefühl des Schwebens
mich dem Hier und Jetzt entreißt.
 
Wie sehr du mich erfüllst!
Worte, sie führen zusammen, verbinden
Geist und Körper im Fluss.
Charismatisch ist das Empfinden!
Die Anziehung, wie ein
nicht endendes Muss.

Gottes Schweigen

Quelle: Pinterest
Gott gibt der Welt sein Glühen,
dem wild bewachsenen Feld,
mit Erde, die zum Blühen 
nur Fruchtbarkeit enthält. 

Er lässt die Sonne steigen,
tauscht sie mit Sternenglanz.
Ein Leuchten wird uns zeigen
des Himmels stillen Tanz.

Wir stehn in Gottes Schweigen
und fremd scheint unser Tun.
Wir warten auf sein Zeichen,
statt Antwort folgt sein Ruh‘n.

Vorüber rauscht das Leben,
inmitten stehen wir.
Muss ER uns Antwort geben?
ER öffnet uns die Tür! 

Wir tauchen in sein Schweigen,
und geben ganz uns hin,
sehn auf dem Grunde treiben,
des Gebens Kraft und Sinn.   

Heil der Welt

Alexandre Cabanel 1823-1889 – Der Abendengel
Ich möchte die Welt umarmen,
um sie mit meinem Seelenlicht,
dem warmen,
zu durchströmen –
sie friert so lange schon.

Ich möchte ihr Mantel sein und Schutz
und ohne zu lärmen,
das Eis zerstoßen,
um es mit goldener Flamme,
der großen,
für ewig zu schmelzen.

Ich möchte mit dieser Flamme
die Funken in den kalten Herzen entzünden
und nach beendeter Eiszeit verkünden:
Sie haben sich gewärmt am Heil der Welt.
Sie leben im Licht!

Spreu vom Weizen

Bild von Kira Hoffmann auf Pixabay
Der Atem Gottes weht durch diese Welt.
In jedem Leben fließt sein hehrer Geist.
So, wie die Ähren, Halm an Halm gestellt,
der Sturm des Lebens alle niederreißt;

doch Kräfte machen reif so manchen Trieb.
Wenn andre hilflos beieinander liegen,
hebt ER mit Liebe was am Boden blieb,
lässt zarte Keime lichtgesegnet siegen.

Die Ähren voll mit Körnern und mit Grannen,
wie Menschen, die auf Frucht geword’nem Feld 
die Spreu des Weizens bilden und verstanden:
Zum Wachstum braucht es beide auf der Welt.