Berg der letzten Sicht

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Die vielen Stufen, wie sie mich rufen!
Das Menschsein ertragend, den Aufstieg wagend,
muss ich sie gehen, um zu verstehen.

Die Höhen erklimmen, Erkenntnis erringen,
am Gipfelkreuz stehen, die Erde besehen:
verschleierte Wahrheit, vernebelte Klarheit.

Mensch, von Dämonen besessen, Natur vergessend,
vom Ego beschwert, lieblos abgekehrt von gnädiger Güte. 

Die göttliche Blüte der Liebe empfangen, Demut erlangen!

Kein Auge um Auge, nicht Zahn um Zahn –
verzeihen, vergeben in Rückschau und Leben,
nicht vom Hass zerfressen, sich selbst vergessen.

Der Körper vergeht, nur die Liebe besteht.
Im Wiederfinden die Einheit verbinden,
wenn aus dem Berg der letzten Sicht, das Edelweiß bricht. 

Erhabenheit des Glücks

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Erhabenheit des Glücks – ein kurzer Augenblick;
der Geist erkennt sich selbst und ist entflammt.

Nicht mehr gefangen in sich selbst, frei sein ein Stück,
nur ein Moment, dann ist die Dunkelheit verbannt.

Das Reich des Lichtes öffnet für Sekunden,
geblendet folgen wir der strahlend schönen Kraft,

bewusste Liebe hat das Herz gefunden,
sie schafft den Funken, der uns Feuer macht. 
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Dann stürzen ein, die alten, morschen Mauern,
die wir um unser Kerkerdasein türmten,

und die vertane Zeit lässt in uns trauern,
weil wir vergaßen, was uns einst berührte. 

Das Pentagramm an unsren Kerkertüren,
verwehrte uns den rechten Blick zu heben,

die Schwingung unsrer Daseinskälte spüren,
ist Mittelpunkt in unsrem kurzen Leben.

Befreiung ist alleine das Erkennen,
vom Licht beschienen, alle Wege gehen.

Erneuert und verwandelt Wahrheit nennen,
und nach dem Winter, Licht und Frühling sehen. 

Fremde Welt

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Die Welt, in der wir leben, ist wie ein fremdes Reich,
wir sind dem fernen nah, das nicht dem uns’ren gleicht.

Schau nicht die ‚Schattenpflanzen‘, sie nähren sich im Hass,
es strahlen Sonnenaugen, wenn sie die Sanftmut fasst.

Fremd, das Getragenwerden im warm getränkten Strom,
der auf den Sonnenwegen in reinen Herzen wohnt. 

Die sich wie Unkraut breiten, im Dunkeln, übers Land;
sie werden bald vergehen, zum kalten Tod verbannt. 

Dort, wo der Strom der Sonne, das Licht der Liebe speist,
vergehen alle Schatten und alle Kälte weicht.   

Es scheut das Licht der Liebe, wer tief im Dunkeln lebt,
weiß nichts von fernen Höhen, wohin die Seele strebt.

Bist Fremder dieser Welt, auch in der Heimat Land,
der Mensch ist heimatlos, der keine Liebe fand. 

Fernes Rufen

Teilansicht: Mariusz Lewandowski -(1960-)
In wechselnden Dingen erhebt sich mein Leben,
tief unten, noch atmend, die Ströme der Nacht;
begraben vom Alltag, vom endlosen Streben,
tief müde geschlafen, die Tage vollbracht. 

In unergründlichen Tiefen geschwommen,
verwurzelt gehört, den unendlichen Klang.
Von fernen Welten ein Rufen vernommen,
ein Erwachen des Geistes im Körper begann.  

Ich spürte die Liebe der Heimat mir sagen,
dass Leben ein Gipfel ist, den man besteigt,
ein endloser Weg, zwischen Hoffen und Wagen,
der von Gipfel zu Gipfel in Kreuzwege zweigt. 

Den geraden Weg mag ein jeder Mensch finden,
die Dornen zu räumen, ist Lebenspflicht;
zu gehn ohne Angst, zu höheren Gründen,
zu Welten aus Liebe, Gottvertrauen und Licht. 

Heilige Momente

Teilansicht – Grafik von Seb Mckinnon
Das Glück - vom Licht beseelte Liebe;
ein kurzer Augenblick,
der unvergessen bleibt.

Ein Wort, als wenn’s ein Engel schriebe,
es schwebt in Ewigkeit, 
durch alle Zeit.

Ein tiefer Atemzug in der Sekunde,
ein Wimpernschlag – 
vorüber ist der heilige Moment.

Er pocht in dir, wie Blut in Endlosrunde,
und manchmal spürst du,
wie er in dir brennt. 

Ausgekehrt

Ich, 4 Jahre alt
Macht diese Welt von Teufeln leer,
schwingt fleißig eure Besen,
dass sie bekehrt, vom Falschen her
gesäubert, wird genesen. 

Breitet den lichten Teppich aus,
lasst Augenblicke strahlen,
damit in diesem Erdenhaus
die Liebe wächst an Zahlen. 

Tanzt einen Reigen mit der Zeit -
sie macht schier große Schritte; 
der edle Geist der Einigkeit 
erleichtert hohe Tritte. 

Bereitet Mensch und Tier ein Haus,
in wohl willkomm’nem Rahmen,
hört im erhabenen Applaus, 
wie Himmel uns umarmen.

Herzschlag der Erde

Ships on a Stormy Sea – Raden Saleh Ben Jaggia (1811-1880)
Aus Felswänden pocht es, wie ein zaghaftes Schlagen -
ein Pulsen der Sehnsucht nach Freiheit der Quelle,
deren versickernde Wasser dem Stein unterlagen,
bis ein Sturmwind durchbrach ihre steinerne Zelle.

Der Herzschlag der Erde, pulst unter Grabmalen;
die Liebe erstarrt durch die Kälte der Welt.
Ist nur noch ein Wort, das als Hülse getragen,
ein Erinnern an den geistigen Ursprung enthält. 

In der Stille hörst du das Pochen der Quelle,
die den Weg ans Licht der Sonne sich bahnt.
Erst, als kleines Plätschern, dann in rauschender Schnelle,
wird sie zum Strom, der die Weltmeere ahnt. 

Seinen Weg erkennend, trägt er mächtige Schiffe,
mit kostbarer Fracht, zu münden in endloser See, 
treibt hin zum Glück, trotz der steinernen Riffe;
die Berufung, zu tragen, ist genommenes Weh.

Hört sie pochen, die Sehnsuchtsherzen, habt acht;
sind barmherzig auf göttlicher Quelle getragen,
bis die Liebe im wärmenden Atem erwacht,
in den Herzen der Menschheit an erlösenden Tagen.

König aller Könige

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Gott ist der Ursprung aller Existenz,
beseelt den Kosmos, lässt die Sterne tanzen;
göttliche Energie, die Ur-Frequenz,
ist Architekt unendlicher Distanzen.

Der König aller Könige ist Er,
ist nur gekrönt von Licht und Sternenglanz;
Er ist kein Mensch, doch sind die Menschen mehr
als Körper nur - der Mensch birgt Seine Geist-Substanz. 

Ein Hauch von Nichts – mehr als Verstand;
toter Materie gibt Er Lebensgeist.
Psyche ist nicht nur Seele, sie verband
Materie mit Geist, der sie mit Liebe speist. 

Flicht die Krone Ihm, aus lichtem Denken,
übersteig mental Standpunkt und Sicht,
reiß ein die Mauern, lass die Liebe lenken,
hin zum Ursprungsort der Zuversicht.

Abgeschrieben

1955

Ich war noch klein, ein unbeschrieb’nes Blatt,
das Leben bilanzierte Soll und Haben.
Was mir mein Dasein viel zu wenig gab,
liegt abgeschrieben unter Schmerz und Darben.

Ich wuchs heran in meinem Paradies -
geliebter Garten meiner Kinderzeit.
Im Haus, das mich einst einsam werden ließ -
die Eltern wussten nichts von meinem Leid.

Gehorchen musste ich der ‚schwarzen‘ Hetze, 
Erziehung wurde eingebläut und nicht erklärt,
Prügel gab es, wenn ich mich widersetzte;
Liebe in diesem Weltbild war verkehrt.
1961
Man schleppte mich zum Urologen -
war nur ein kleines Mädchen von fünf Jahren,
hab dort voll Scham gelegen, ausgezogen,
musste ertragen, wies Erwachsene haben.

Ich hatte mich entblößt, es ausgehalten,
weil ich als Bettnässer missraten war.
Wer kümmert sich um die Gestalten,
die Liebe brauchten? Es war niemand da!

Die Mutter hat das Holz zerbrochen,
als sie mich wieder mal verdrosch.
Ich hab mich vor der Welt verkrochen,
als das Vertrauenslicht erlosch.

Flügelschatten

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Als mich des Schicksals Flügel streiften,
nahm es mir einst die Liebe fort.
Verbindung, die vertraulich reifte,
wurde zum lügenvollen Ort.

Der Glanz des Glücks ist längst verschwunden,
mit ihm verschwand die Sehnsuchtspein.
Frei, in Erinnerung verbunden,
so sollen meine Jahre sein.

War nur Gefühl und Unvermögen,
zu halten, was nicht halten kann. 
Mein Wunsch, dass wir zu Höhen flögen,
war nicht der seine, nur mein Plan.

Noch über mir die Flügelschatten,
fand nicht den Weg zum Neubeginn,
sah mich in Einsamkeit ermatten,
erschöpft erkannte ich den Sinn.

Alles im Außen musste sterben,
verging, verblasste und erlosch,
damit ich unter ‚Leichenbergen‘,
die Tür zum Innersten erschloss. 

Es schenkte mir das Schicksal, was es nahm,
weil nun das Licht aus meinem Herzen kam.