Gefühl von Sommer

Bild von pasja1000 auf Pixabay
Der Himmel breitet seine Bläue
an Sonnentagen über Stock und Stein.
Die Welt liegt hell, dass sich ein Jeder freue,
und jedes Korn wiegt sich zur Reife ein.

Geöffnet sind die weiten Sommertore,
und alles, was sich regt nach Licht,
erblüht im rosa Schein, wie Blütenflore,
dass sie verblühn, erschreckt sie nicht.

Willst du die Gräser wachsen hören? –
Es treibt hinauf, das immer gleiche Lied!
Als wollten sie beschwingt den Tag beschwören,
der Schatten nimmt und pure Liebe gibt.

In der Mondnacht

von Paul Heyse

Théodore Chassériau (1819-1856)- An Angel Praying in the Garden of Olives
In der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht
gehen Engel um auf leisen Sohlen;
blonde Engel, innig und verstohlen
küssen Sie die schönsten Menschenblumen.

Tausendschönchen, allerliebste Blume,
weiß es wohl, woher der Schimmer stammet,
der dir heut das Antlitz überflammet:
bist noch in den Traum der Nacht verloren.

Denkst der Engel, die durchs kleine Fenster
sich auf Mondesstrahlen zu dir schwangen,
leise dir zu küssen Mund und Wangen
in der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht.
Paul Heyse (1830-1914)

Unser Weg

Jahre nach unserem Spaziergang

In Träumen blicke ich ins Weite,
geh still den Weg, der unser war;
Nachdenklichkeit geht mir zur Seite,
macht mir Vergangenes offenbar.

Zeugt jeder Stein und Baum des Weges
von deiner Gegenwart allhier,
so wird mein Gang – ein Traumerlebnis,
ein Weg, der tiefen Seufzer mir.

Nur Trauer fühl’ ich, übermächtig,
in mir da toben Gram und Pein.
Mein Gang ist schwer, mein Schritt bedächtig,
denn heut geh‘ ich den Weg allein.

Der Wind, er haucht mir deinen Namen:
„Mein Liebes“ schwebt mir sanft durchs Licht.
Doch, ach, der Spott kennt kein Erbarmen,
wenn er mit deiner Stimme spricht.

Treibt voller Hohn mit diesen Worten
nun Wehmut in den Herzensgrund;
fühl’ ich an den vertrauten Orten,
noch deinen Kuss auf meinem Mund.

Dort steht verwaist die Bank. Und wieder
füllt sich mit Traurigkeit mein Herz,
und meine tränenschweren Lider,
verschließen sich in wehem Schmerz.

Wo bist du, dem ich so vertraut,
der mich so sanft und zart umfing?
Nichts blieb mir! Wie der Morgen graut,
so graut in mir mein Lebenssinn.

Warst meines Daseins reichste Fülle,
in Liebe hülltest du mich ein.
Trag deren inhaltslose Hülle,
in eine leere Zeit hinein.

Sonniger Nachmittag

Erinnerung an einen Spaziergang 2008

Rheinhausen-Friemersheim Rheinaue
Foto: Gisela Seidel
Die Luft um uns hängt voller Geigen,
der leise Wind ist ganz erfüllt
von Glücksgefühl. Ein Strahlenreigen
umspielt dein liebes, trautes Bild.

Der Zweige sanftes Auf und Nieder
klingt rhythmisch, wie ein Flügelschlag,
es schwingt in unsren Herzen wieder,
der golddurchwirkte, heitre Tag.

Wie Flüstern hebt das Blätterrauschen
von Baum zu Baum sich, wie ein Chor.
Es singt und klingt – wir stehn und lauschen
und Seligkeit durchströmt das Ohr.

Wir fühlen Harmonie und Frieden,
der unsre Seelen sanft erfasst,
vereint mit der Natur, getrieben
von Liebe, fern von aller Last.

Ur-ewige Liebe

von Ephides

Quelle: Wikipedia

Urew’ge Liebe, Anfang und Vollendung,
Ursprung und Ziel! An jeder Wegeswendung
rückschauend halt ich Rast, um mich zu laben,
und auf den Spuren, die mein Fuß gegraben,
geht das Erinnern meinen Weg zurück…

Und aus den Stapfen, die entgegenkommen,
steigt Bild um Bild. – Du hast sie mir genommen,
weil sich mein Herz, das allzu leicht verschenkte,
ans Bild verlor. Doch immer wieder drängte
mein hoffend‘ Herz zu nie erfülltem Glück. –

Wie ein Verbannter zog ich einst die Straßen,
als ein Verkannter litt ich ohne Maßen.
Nur Halbheit war mir, wo ich Ew’ges meinte,
bis sich mir Bild um Bild in Dir vereinte.
Von Deinem Glanz ist jedes nur ein Stück!

Urew’ge Liebe, Vater aller Wesen,
Dein Siegel steht auf jeder Stirn zu lesen,
Dein Glanz strahlt mir aus allen Augen wider,
Dein Segen strömt als Licht zur Erde nieder.

Eh ich Dich suchte, bist Du mir begegnet,
eh ich mich sehnte, hast Du mich gesegnet!


Ein grauer, trüber Morgen

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 und Friederike Brion

Ein grauer, trüber Morgen
Bedeckt mein liebes Feld,
Im Nebel tief verborgen
Liegt um mich her die Welt.

O liebliche Friederike,
Dürft ich nach dir zurück!
In einem deiner Blicke
Liegt Sonnenschein und Glück.

Der Baum, in dessen Rinde
Mein Nam bei deinem steht,
Wird bleich vom rauhen Winde,
Der jede Lust verweht.
Der Wiesen grüner Schimmer
Wird trüb wie mein Gesicht,
Sie sehen die Sonne nimmer,
Und ich Friedricken nicht.

Bald geh ich in die Reben
Und herbste Trauben ein;
Umher ist alles Leben,
Es strudelt neuer Wein.
Doch in der öden Laube,
Ach, denk ich, wär sie hier!
Ich brächt ihr diese Traube,
Und sie – was gäb sie mir?

Ewige Liebe

Tristan und Isolde – John William Waterhouse 1849-1917
Nur Liebe möcht’ ich fühlen
in allen meinen Zellen,

möcht’ meinen Sinn, den kühlen,
in Herzenswärme stellen;

ganz in Gedanken sinken,
die sehnsuchtsvoll entbrennen,

ein freundschaftliches Winken
am Horizont erkennen.

Vertraute Hände fühlen,
auf meinen, liebevoll,

in der Erinnerung wühlen,
voll Glück und ohne Groll;

vertraulich schau’n in Augen,
die niemals Lügen sprechen,

im hellen Sonnenglänzen
der Grenzen Zäune brechen.

Möcht’ Seligkeit erleben,
die es auf Erden gibt,

mich ganz und gar ergeben,
dem, der mich ewig liebt.

Erwartungen

Quelle: Pinterest
Es gibt Menschen, die kommen nicht wieder,
auch, wenn man sie sehnlichst vermisst.
Sie sind wie ein Vogel entflogen,
der den Rückweg im Fluge vergisst.

Du kannst sie laut rufen und klagen,
in Liebe vergehen, verzeihen.
Es verlischt eines Tages die Hoffnung,
und du wirst die Erwartung bereuen.

Sind doch längst in anderen Gefilden,
wie losgelassen und frei.
Muss sich jeder den eigenen Weg bilden,
bis vollkommen und fruchtbar er sei.

Bleib immer sonnenbeschienen,
dränge alle Zweifel zurück.
Die Tränen, sie werden trocknen
durch anderes Lebensglück.

Schwingungen

Hörst du es schwingen,
wie ein Fließen,
sich unaufhörlich
in den Raum ergießen?
Vernimmst du auch
der Schwingung sanftes Hallen,
Töne in Dur mit kurzen Intervallen?
Ein glockenklarer Klang
breitet sich aus
und Seelenfrieden
fließt durchs ganze Haus.
Vermagst du auch das heil’ge Singen hören,
so, wie von wunderbaren Engelchören?
Dann schließe deine Augen fein
und atme tief die Liebe in dich ein.
Fühlst mit dem Himmel dich verbunden,
in gottesnahen Kuschelstunden.