Wertlos

Caspar David Friedrich 1774-1840

Wertlos sind heut manche Sachen,
die mir einmal wichtig waren.
Und nach vielen, langen Jahren
kann ich nun darüber lachen.

Menschen, Werte, Liebe, Leiden,
sie vergeh’n im Strom der Zeit.
Hat sie uns vom Trug befreit,
bringt sie lächelnd späte Freuden.

Gerade noch gestreichelt, später
ist’s die Andre. Wie verlogen
wird so manches Herz betrogen!
Der Geliebte wird zum Täter.

Was uns glänzend blendet, stumpft,
Liebe ist ein Wort – nicht mehr!
Hier auf Erden fehlt uns sehr,
was in höchsten Himmeln trumpft.

Es ist gut, dass manches endet!
Liebe trübt so oft die Sicht,
und bei hellem Tageslicht
wird der schöne Schein gewendet.

Wir verlieren unsre Träume,
deren Wahrheit wir erwarten,
denn im großen Liebesgarten
wachsen viel zu hohe Bäume.

Mein Weg

Vier Wände um dich,
Mauern, meterdick,
sie lassen mir kein Licht,
nichts dringt zu mir,
das Dunkel weicht
mir nicht ein kleines Stück,
verschlossen bleibt zum
Herzen deine Tür.
 
Wo sonst Gefühl,
klafft unverhüllt ein Nichts,
ein Schweigen, das sich
an den Mauern bricht.
Wo sonst die Leidenschaft
fast nie erlischt,
treibt nun ein kühler
Wind mir ins Gesicht.
 
Wie sehn ich mich
nach deinem lieben Wort,
nur sachlich schreibst
du mir aus deiner Welt,
als ob die Frau an deiner
Seite ahnt,
den fremden Ton,
der auf die Tasten fällt.
 
Versteckt, verborgen
in der Illusion, im Labyrinth
des ewigen Verzichts,
als ob die Liebe hier
der Schlüssel ist,
doch oft passt er zu deinem
Herzen nicht.
 
Verschließt du dich vor mir
geh ich zurück
in mein verlass’nes Tal der
Einsamkeit.
Begleitet hast du mich
ein kleines Stück,
auf meinem Weg
durch meine Dunkelheit.