Scheinbilder

Bild: Karin M.

Wenn Gott den Schleier hebt und wir erkennen,
sie stimmt, die lang schon festgehalt’ne Ahnung,
die Zu-fall, Ein-sicht oder Geistesblitz wir nennen,
dann wird das Hinschau‘n uns zur Offenbarung.

Sind wir nur Körper? Erdverlass’ne Kreationen?
Ist unser irdisch Reich nur Schein, nicht Wirklichkeit –
nur Spiegelbild, sich ändernd seit Äonen,
die leere Form von Leben, abgestreiftes Kleid?

Was wir für wesentlich und wichtig halten,
dient der Materie – freier Geist wird Knecht.
Er sitzt im Kerker der Naturgewalten,
gefang’nes Ego, wird sich selbst gerecht.

Die Erden-Geister sind zu Eis erstarrtes Wasser,
in tiefster Unbewusstheit schwingt das Leben.
Ein auf Erlösung festgelegtes Raster,
das danach harrt, zum Ursprung strebend.

Nur bei gefühltem Glück, da bricht die Hülle,
wenn das Bewusstsein durch die Mauern schaut
und Freiheit sieht, den reinen Geist der Fülle,
der fruchtbar wird, wie Eis, wenn Licht es taut.

Sein oder nicht Sein

Der Turm – Tarot von Bonifacio Bembo 15. Jahrh.

Was sich im Inneren eines Menschen abspielt, geschieht in seiner Welt, die er meist vor den Augen anderer verborgen hält. Die Bewusstseinsstufen in seiner inneren Welt muss er allein beschreiten. In der Außenwelt trägt er eine Maske, wo er selbst vor seinen engsten Freunden und Verwandten, sein wahres Ich verbergen kann. Doch wenn er bewusst lebt, wird er das irgendwann nicht mehr können und wollen.

In der Kabbala bedeutet die Zahl 4 Materie. Der Körper des Menschen ist sein materielles Wesen. Zwischen Brustbein und Bauchnabel befindet sich das „Sonnengeflecht“ des Menschen. Die Überlieferung sagt, dass er dort bei der Zeugung mit einem magischen Band an den Körper verbunden wurde, der sogenannten Silberschnur. Dort wird er nach dem Tod wieder aus dem Körper heraustreten.

So steht es in der Bibel Buch Kohelet, Kapitel 12, 1-7:

Denk an deinen Schöpfer in deinen frühen Jahren, / ehe die Tage der Krankheit kommen und die Jahre dich erreichen, / von denen du sagen wirst: Ich mag sie nicht!,
ehe Sonne und Licht und Mond und Sterne erlöschen / und auch nach dem Regen wieder Wolken aufziehen:
am Tag, da die Wächter des Hauses zittern, / die starken Männer sich krümmen, / die Müllerinnen ihre Arbeit einstellen, weil sie zu wenige sind, / es dunkel wird bei den Frauen, die aus den Fenstern blicken,
und das Tor zur Straße verschlossen wird; / wenn das Geräusch der Mühle verstummt, / steht man auf beim Zwitschern der Vögel, / doch die Töne des Lieds verklingen;
selbst vor der Anhöhe fürchtet man sich und vor den Schrecken am Weg; / der Mandelbaum blüht, / die Heuschrecke schleppt sich dahin, / die Frucht der Kaper platzt, / doch ein Mensch geht zu seinem ewigen Haus / und die Klagenden ziehen durch die Straßen –
ja, ehe die silberne Schnur zerreißt, / die goldene Schale bricht, / der Krug an der Quelle zerschmettert wird, / das Rad zerbrochen in die Grube fällt,
der Staub auf die Erde zurückfällt als das, was er war, / und der Atem zu Gott zurückkehrt, / der ihn gegeben hat.


Das „dritte Auge“, welches sich auf der Stirn befindet, ist ein Nervenzentrum, durch das der Mensch mit der geistigen Welt verbunden ist, dadurch erreicht er eine geistige Schau. Die Katholische Kirche hat durch das Kreuzzeichen auf der Stirn versucht, diese geistige Schau zu verhindern.

Irgendwann im Leben eines jeden Menschen geschieht etwas, was tief in sein äußeres Schicksal hineingreift und sein ganzes Leben auf den Kopf stellt. Es stellt alles in Frage. Bei jedem Menschen geschieht es auf verschiedene Weise, weil unterschiedliche Lebensräume existieren.

Es ist bedrohlich. Vielleicht verliert man nicht nur seine Existenz, sondern auch seine Familie. Alles scheint zusammenzustürzen, wie im Krieg. Oder man verliert seine Freunde und materiellen Güter. Man fühlt sich vernichtet und muss sein Leben allein und ganz neu aufbauen. Millionen Menschen haben das in den letzten Kriegen erlebt.

Die Menschen, die bis dahin völlig unbewusst lebten, sind seelisch gefangen in ihrer materiellen Welt und können sich nie mehr richtig erholen und weitergehen, auch wenn der Körper am Leben blieb.

Dann gibt es noch jene Menschen, die schon so weit sind, dass sie unbewusst keine körperlichen, triebgesteuerten Sklaven mehr sind. Sie sind sich ihres Geistes bewusst, der in ihrem „Selbst“ schlummert. Sie haben sich selbst erkannt und können ein ganz neues Leben beginnen. Diese haben nichts verloren, nur gewonnen.

Auf jedem Lebensweg wird irgendwann etwas passieren, das vernichtend zu sein scheint. Die bisherige innere Sicherheit ist bedroht, sein Glaube geht verloren. Dann muss er alle seine inneren Kräfte zusammenfassen, damit er nicht fällt.

Die Geschehnisse sind sehr verschieden: Jemand wird seinen Lieblingsmenschen verlieren, mit dem er lange verbunden war. Der bewusste Mensch weiß, dass es keinen Tod gibt, sondern nur ewiges Leben, und dass er nur Geduld haben muss, zu warten, bis seine Zeit auf der kosmischen Uhr abgelaufen ist und auch ihm die letzte Stunde schlägt, dem Geliebten nachgehen zu können. Bis dahin hat er seinen geliebten Menschen nicht verloren. Er bleibt mit ihm im Geiste immer verbunden. Durch sein Denken bleibt er aufrecht stehen und bricht nicht zusammen.

Bei jedem Menschen wird das Schicksal dessen persönliche Lage ausnutzen, um ihn am allerschwersten zu treffen und zu vernichten.
Der Mensch darf nie vergessen, dass man nur dem Körper und niemals dem Geist schaden kann. Einen solchen Menschen kann nichts vernichten. Niemand wird ihn ändern. Lieber lebt er allein. Er ist wie er ist!

Er weiß, dass Gott in ihm ist und auch diese Prüfungen hat Gott ihm gegeben. Warum?: Damit er etwas Wichtiges lernt und sein Bewusstsein erweitert.

Nach dieser Prüfung wir Gott ihm helfen, aus der Vernichtung heraus zu wachsen und von allem Schlechten loszukommen.

Das größte Übel unserer heutigen Zeit ist die Angst.
Ob es ein Virus ist oder eine Bedrohung aus den Nachbarländern. Da ist die Angst vor Verlusten, egal welcher Art… und es gibt viele, die Angst haben vor der Angst.

Doch gibt es noch einige wenige, die keine Angst haben, sondern Gottvertrauen. Sie tragen die Überzeugung im Bewusstsein, dass es eine höhere Macht gibt als die Macht der Menschen. Diese Macht wird uns immer Das geben, war für uns das beste ist. Wirkliche Werte lassen sich nicht vernichten! Das Leben überlebt alles!

Die materielle Welt bezieht das Leben nur aus bereits vorhandenem Leben. Das Leben, welches sich von der Materie befreit hat, wird in das große universelle ewige Leben, in Gott zurückkehren. „Göttliche Zerstörung“ führt immer zum Leben.

Paul Gustave Doré (1832-1883)

Strudel

Edler Schein,
silbriges Fließen.

Licht formt verhärteten Geist,
löst seine Gestalt,
elementar.

Stetig und kreisend
dreht sich der Lauf aller Dinge.
Niemals im Stillstand;
wechselt Formen und Farben.

Strudelt in haltlose Tiefen,
wird aufs Neue geboren,
veredelt zum Aufstieg.

Erlöste Glückseligkeit!

Neues Leben

Aquarell von Sulamith Wülfing 1901-1989

Auf einmal bist du da,
so fremd auf dieser Welt.
Gefangen – körpernah,
vom Daseinsschmerz gequält.

Dein Blick ins Weltenreich
trifft unbekanntes Land.
Die Heimat, unerreicht,
dein Geist in Gotteshand.

Ein Ruf erging an dich,
mit Schmerz bist du erwacht.
So unabänderlich
folgst du, bis es vollbracht.

Die Jahre gehn dahin,
du lernst und übst Verzicht.
Fühlst manchen leeren Blick,
den Schlag in dein Gesicht.

Das Böse in dir selbst,
lehrt andere verstehen.
So kannst du unbetrübt
in die Vergebung gehen.

Und jeder Augenblick
bringt dich an eine Wende,
verwandelt dein Geschick;
stets ist dein Weg zu Ende.

Erkenne und erwähle
der Gottheit reiches Geben.
Bild‘, wanderfrohe Seele,
das Kunstwerk deines Lebens.

Mensch

Bild: Karin M.

Einst reiner Geist,
im Reich der Glückseligkeit.
 
Frei war dein Wille,
ummantelt vom Willen des Schöpfers.
 
Du strebtest nach gänzlicher Freiheit
und Schöpfung im eigenen Reich.
 
Dein Hochmut
zahlt Tribut an den Tod,
denn dein Körper ist sterblich.
 
Ewig dein Sehnen
nach deiner geistigen Heimat.
 
Liebe ist Leitstrahl
zurück zum Hause des Vaters.
 
Steinig und leidvoll der Weg
durch die Dualität.

Leitet Verstand und Gefühl
zu göttlicher Harmonie.
 

Leben

Bild: Karin M. – http://www.mondlicht08.de/

Lichtimpulse
durch Ewigkeitsworte.

Endlose Energie,
Strom pulsierenden Lebens,
transformiert
vom
Schöpfungsgedanken
zum Universum.

Geist und Materie;
Pflanze und Tier,
Tier und Mensch.

Geheimer Bauplan Gottes.
Universelle Kraft.

Zeichen
endloser Liebe.

Schöpfung

Bild: Karin M. – www.mondlicht08.de


Aus Wasser und Geist geborene Form.
Vom Gedanken zum Wort;
vom Ur-Klang bewegte
Schwingung des Seins.

Aus dem Nichts geborene Vielfalt.
Od von Erde und Wasser.
Erschaffenes Leben,
beseeltes Wunder.

Frucht vom Baum der Erkenntnis.
Bewusstes Dasein und Wahl.
Mensch sein heißt
lernen der göttlichen Ordnung.

Vom geistigen Tod zum Leben;
aus der Bewusstlosigkeit zur Erleuchtung.
Erhöht zur Auferstehung
durch göttliche Gnade und Plan.

Homogene Mischung

Sir Samuel Luke Fildes 1844-1927

Wo sich Geist und Geist berühren,
rinnt das Öl ins Wasser.
Fremdheit weicht, die du verspürt‘,
Grenzen werden blasser.
Cremig, der Zusammenschluss,
fließendes Verbinden.
Suchend wendet sich das Muss
hin zum Wiederfinden.
 
Zeit an Zeit, gereift, gelebt –
Göttern gleich geborgen.
Sehnsucht hat ins Herz gewebt,
was du einst verloren.
Nun entdeckst du einen Drang,
den du schon vergessen,
und dein Herz wird still und bang:
Hattest längst vergessen!