Ade zur guten Nacht

Der Abschied – Carl Spitzweg 1808-1885

Ade, zur guten Nacht!
Jetzt wird der Schluß gemacht,
daß ich muß scheiden;.
Im Sommer da wächst der Klee,
Im Winter, da schneit´s den Schnee,
da komm ich wieder.

Es trauern Berg und Tal,
wo ich viel tausendmal
bin drüber gegangen;
das hat deine Schönheit gemacht,
die hat mich zum Lieben gebracht
mit großem Verlangen.

Das Brünnlein rinnt und rauscht
wohl dort am Holderstrauch,
wo wir gesessen.
Wie manchen Glockenschlag,
da Herz bei Herzen lag,
das hast du vergessen!

Die Mädchen in der Welt
sind falscher als das Geld
mit ihrem Lieben.
Ade, zur guten Nacht,
jetzt wird der Schluß gemacht,
daß ich muß scheiden.

Text unbekannter Herkunft

Verlorene Träume

Butterfly – www.mondlicht08.de

Fahl wirft der Vollmond Schatten in die Zimmer.
Groß steht er, Stern umringt, in stiller Wacht.
Hat mich geweckt durch seinen Zauberschimmer.
Nun lieg’ ich lang schon, lausche in die Nacht.
 
Die Grillen geigen monotone Partituren.
Das Blattgewand, es rauscht im nahen Baumgeäst.
Ein Schlag fährt durch die müden Weltenuhren;
die Mitternacht hält magisch alle Zeiger fest.
 
Mein Engel singt mir Nachtwindmelodien.
Gott streut ein lichtes Ahnen in die Zeit.
Die Wesen aus den Schattenreichen fliehen
vorbei wie trüber Nebelhauch…so weit.   
 
Der Schlaf, der gnädige, ist mitgegangen.
Gedanken treiben wie das Wasser an den Strand.
Sie kommen und sie gehen; Traum verhangen
zieh ich mit ihnen ins verklärte Niemandsland.
 
Dort liegt mein Tränensee und auf dem Grunde
verlorne Träume, dicht an dicht, wie Stein an Stein.
Ich treib hinab, versink in sonnenferner Stunde;
spinn’ neue Träume, losgelöst vom Sein.