Geborgenheit

Foto privat, mein Opa und ich.
Die Blütezeit nimmt ihren zarten Lauf,
und Gänseblümchen seh’ ich auf dem Wege blühn,
Insekten voller Leben, Löwenzahn zuhauf,
und Opa seh’ ich lächelnd vor dem Garten stehn,

wie er von Oma rationierte Stumpen raucht.
Ich seh’ den grauen Qualm, wie er verweht,
wie der Moment, der war und zeitverbraucht
in mir als Bild erneuernd aufersteht.

Spüre Geborgenheit, die Blicke treffen sich
und ein Gefühl von Wärme zeigt Gesicht.
Ich nehm’ es mit, soweit es trägt in sich,
den Hauch „Zuhause“ jetzt und ewiglich.
Foto privat: Oma und Opa in ihrem Garten 1956

Nestwärme

Quelle: Pinterest
Eingekuschelt in Gedanken,
schläft meist sanft das Menschenkind,
wenn des Schlafes zarte Ranken
winden sich im Traumgespinst.

Friedlich liegt es, lichtumfangen,
weich, wie schwebend ist sein Ruhen.
Keine Härte, kein Verlangen,
niemand mahnt es für sein Tun.

Und die Zeit geht auf die Reise,
friedlich klingt der Schlussakkord,
nur die Weltenuhr tickt leise,
tief noch in der Traumwelt fort.

Heil der Welt

Alexandre Cabanel 1823-1889 – Der Abendengel
Ich möchte die Welt umarmen,
um sie mit meinem Seelenlicht,
dem warmen,
zu durchströmen –
sie friert so lange schon.

Ich möchte ihr Mantel sein und Schutz
und ohne zu lärmen,
das Eis zerstoßen,
um es mit goldener Flamme,
der großen,
für ewig zu schmelzen.

Ich möchte mit dieser Flamme
die Funken in den kalten Herzen entzünden
und nach beendeter Eiszeit verkünden:
Sie haben sich gewärmt am Heil der Welt.
Sie leben im Licht!

Zur Nacht

Bis dass der Tag beginnt,
vom Sonnenlicht erweckt,
geborgen wie ein Kind,
mit Träumen zugedeckt,

an Mutters festen Hand,
durch grüne Wiesen gehn,
im bunten Niemandsland,
bei sanften Engeln stehn.

Im Flügelschlag der Zeit,
zum Geist der Himmelsruh.
Schlaf gut und sei bereit!
Mach deine Augen zu.

Von Welt und Angst befreit,
fühl dich ins Licht gehoben.
Spür frei von Raum und Zeit
Glückseligkeiten oben.