Weltkinder

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Sind so verletzlich, tief in ihren Seelen,
schauen vertrauensvoll in diese Welt hinein,
gehn auf die Erde in ein neues Leben,
wollen geschenkte Gottesliebe sein.

Wachsen mit den Alltäglichkeiten,
sehen uns oft mit feuchten Augen, fragend an:
Wie kann es sein, dass noch in unsren Zeiten,
ein weißes Lächeln mehr zählt, als das schwarze nebenan?

Der Himmel segnet alle Menschenkinder,
gleich welcher Farbe, welcher Tradition.
Die Kinder sind die neuen Weltengründer,
Gott lebt in jeder alten Religion.

Vertraute Töne

Claude Monet (1840-1926)

Es tönt in uns, wie ein vergessenes Lied,
die Stimme Gottes klingt vertraut
und unser Herz erblüht.
Es ist, als schreiten wir durchs milde Abendlicht,
vorbei an fremden Gärten, fremden Türen,
und plötzlich lauschen wir gespannt und spüren
die Stimme eines Engels, her geweht,
aus fernen Himmeln, wie der Mutter Singen,
so süß und weich wie einst.
Wir stehen still und lauschen.
Will sie uns bringen
Erinnerung aus unsrem Kinderreich?
Ist es ein wohl vertrauter Klang aus Vaters Haus?
Das Lied der Freude löscht die Fremdheit aus,
und wie durch Zauberhand
blüh’n Heimatblumen uns in fremden Gärten,
und fremde Sterne leuchten traulich, Licht an Licht,
wenn Deine Stimme, Gott, aus einem Menschen spricht.

Die maskierte Menschheit

Ausschnitt des Gemäldes von H. G. Leiendecker

Früh üben wir das Maskentragen,
bereits schon in den Kindertagen;
auch als Erwachs‘ne sehn wir nicht
das Wesentliche im Gesicht,

denn hinter wechselnder Fassade
sehn wir nur Maske, nicht die wahre.
Die echte Miene bleibt verborgen,
zeigt uns ein Lächeln ohne Sorgen.

Die Echtheit stempelt kein Gesicht,
nichts weist auf den, der unwahr spricht.
Von Andern in den Bann gezogen,
hat man für viele sich verbogen,

ist fasziniert vom fremden Tun,
dem gut zu sein, lässt uns nicht ruh‘n.
Erst bröckeln ihre Maskeraden,
wenn Böses wir durch sie erfahren.

Als Knechte eines falschen Herrn,
hatten wir ihre Masken gern.
Ist erst ihr Lächeln eingefroren,
geht was wir lieben schnell verloren.

Die Larve wird ihr Bild verdecken
und auch auf ihren Sterbebetten,
wo sie durch Lebensnot geschwächt,
sind erst die Totenmasken echt.

Arm und Reich

Jean-Léon Gérôme 1824-1904
CONDE, LOUIS III. DE BOURBON + LUDWIG XIV. VON FRANKREICH 1674

Den Glanz von einst, voll Sinneslust und prächtig,
trägt die Erinnerung mit Weh und tiefem Groll.
Wie gestern, sind auch heut’ die Reichen mächtig,
und blutend zahlt das Volk den bitt’ren Zoll.

Die Armut klafft aus offnen Weltenwunden,
die Qual des Hungers gräbt sich ein, voll Schmerz.
Auch heute liegt in trauertiefen Stunden,
manch’ sterbend Kind am stillen Mutterherz.

Man tanzt mit viel Glamour in Taft und Seide,
Champagner fließt und Kaviar wird serviert.
Da draußen, gar nicht weit im tristen Kleide,
wird eine trockne Scheibe Brot zum Mund geführt.

Verschwendung hier und anderswo das Darben,
wo Fülle doch für alle birgt die Welt.
Die Zeit legt auf die Wunden Wohlstandsnarben,
der Teufel dient alleine Macht und Geld.

Und was satanisch grinst aus den Gazetten,
ist, was Profitgier und die Politik serviert.
Die Armut wälzt sich angstvoll in den Betten
und Reichtum glänzt daneben, ungeniert.

Bettelnde Frau mit Tochter im 19. Jahrhundert

Rosenfrieden

Sir Lawrence Alma-Tadema (1836-1912)

Wenn es Rosen regnen würde,
würde ein Blütenteppich das Heilige Land bedecken,
und mit ihrem Duft die Friedenssehnsucht
in den zerstrittenen Lagern wecken.

Geöffnete Himmel senden Friedensengel,
die Trauer umwandeln in Freudentränen
und freundschaftlich verbinden all’ diejenigen,
die sich trotz Niederlagen
immer noch als Sieger wähnen.

Würde Frieden die Zeit überdauern
und irgendwann alte Wunden bedecken,
wären Grenzen und das Machtgehabe vergessen
und Gott ließe stattdessen
Rosen erblühn an den Mauern.

Oh, Jerusalem

Bildausschnitt von Greg Olsen (1958- )

Du alte Stadt,
geschichtlich warst du auserkoren,
wie schuldbeladen schwingen deine Stätten.

Der Klagen ist genug,
sie dröhnen laut in meinen Ohren!

Füllt ihr mit Frieden nicht die Mauern,
was kann euch noch retten?

Der Schrei nach den Gerechten ist verhallt
und längst verklungen.

Habt Ihr vergessen, was euch selbst bedrückte?

Es ist so, wie die Alten einst gesungen.

Liebet den Nächsten, der zusammenrückte
und seine Heimat mit den Euren teilt.

Taut euren Hass in Liebe auf – es eilt!

Ofra Haza (1957-2000)

Jerusalem aus Gold

Die Luft der Berge ist klar wie Wein,
Und der Duft der Pinien
schwebt auf dem Abendhauch.
und mit ihm, der Klang der Glocken.

Und im Schlummer von Baum und Stein,
gefangen in ihrem Traum;
liegt die vereinsamte Stadt
und in ihrem Herzen eine Mauer.

Jerusalem aus Gold
und aus Kupfer und aus Licht,
lass mich doch, für all deine Lieder, die Geige sein.

Wie vertrocknet die Brunnen sind,
wie leer der Marktplatz.
Keiner, der den Tempelberg besucht, in der alten Stadt.

Und in den Höhlen der Felsen,
heulen die Winde.
Und es gibt keinen, der hinabstiege zum Toten Meer,
auf der Strasse nach Jericho.

Jerusalem aus Gold
und aus Kupfer und aus Licht,
lass mich doch, für all deine Lieder, die Geige sein.

Aber als ich heute kam, um für Dich zu singen,
und Dir Kronen zu binden,
da bin ich doch das geringste all Deiner Kinder,
der letzte dem es zustünde, Dich zu besingen.

Brennt doch Dein Name auf den Lippen,
wie ein Kuss der Serafim:
Wenn ich Dein vergäße – Jeruschalajim,
Du ganz und gar Goldene.

Jerusalem aus Gold
und aus Kupfer und aus Licht,
lass mich doch, für all deine Lieder, die Geige sein.

Ja, wir sind zurückgekehrt,
zu den Brunnen, zum Markt und Deinen Plätzen.
Der Klang des Schofars hallt über dem Berg,
dort in der Altstadt.

Und in den Höhlen am Felsen
scheinen Tausende von Sonnen.
Lass uns wieder hinabsteigen zum Toten Meer,
über die Straße nach Jericho.

Jerusalem aus Gold
und aus Kupfer und aus Licht,
lass mich doch, für all deine Lieder, die Geige sein.

Quelle:
http://www.hagalil.com/iwrith/jerusalem.htm
https://lyricstranslate.com

Recht

Jean-Léon Gérôme 1824-1904 – The last judgement
Daniel 5,27 »Tekel« bedeutet: Du bist mit einer Waage gewogen und zu leicht empfunden worden!

Es sühnen die Gerichte schlechte Taten,
doch ist gerecht noch lang kein Richterspruch,
ihr seid mit Sinn nach Rache schlecht beraten,
wenn ihr für Schuld gerechte Strafen sucht.
 
Wer andre in den Tod schickt ist nicht besser,
als jener, der zuvor den Mord verübt,
wäscht man Justitias Hand mit klaren Wässern,
ist nach dem Reinigen das Wasser unschulds-trüb.
 
Wir fordern Ethik und Moral mit Geistesgröße,
doch nur zu leicht zerfließen hier die Grenzen,
wir machen aus „nicht gut“, „ein bisschen böse“,
verdrehtes Recht schafft eigne Konsequenzen.
 

Jom haScho’a

Eingangstor des KZ Auschwitz – Quelle: Wikipedia

Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (International Holocaust Remembrance Day) am 27. Januar wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den Holocaust und den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt.

Gedenktag 09.04.2021 in Israel zu Ehren der 6 Millionen Juden, die dem Holocaust zwischen 1933 und 1945 zum Opfer fielen.  https://photos.yadvashem.org/

Sie waren deutsch, wie wir, mit ganzer Seele.
Die Väter dienten noch im ersten Krieg.
Sie jubelten dem Kaiser und Befehle
befolgten sie für Vaterland und Sieg.

Sie hießen Sarah, Esther, Moses, Lot.
In deutschen Landen waren sie daheim.
Ob Währungskrise, Arbeitslosigkeit und Not,
sie trugen es wie alle, groß und klein.

Als Hindenburg die Tore weit geöffnet,
und „braune“ Schergen fluteten das Land,
da ging die erste Angst durch weise Köpfe,
denn er gab nun den Tod in Satans Hand.

Die Sonnenzeichen brannten Judenbücher.
„Nun danket alle Gott“, dreifach „Sieg Heil“!
So standen sie mit roten Fahnentüchern,
doch Bücher waren nur der erste Teil.

Bald brannten Deutschland und die Nachbarstaaten.
Perfide plante Satan seinen Krieg,
und zwischen Flagfeuern und Handgranaten,
da brannten Synagogen für den Sieg.

Ein Pesthauch wehte schließlich über alles,
was einst für deutschen Schöngeist stand.
Warschauer Getto! Durch die Straßen hallt es.
Der Schrei nach Freiheit schallte ungehört durchs Land.

Die Todesangst, sie starrt aus leeren Augen.
„Arbeit macht frei“ – welch unmenschlicher Hohn.
Ob Kranke, Alte, Kinder, Männer, Frauen,
sie alle deportiert zur Arbeit, Tod, ihr Lohn.

Für Lagerkinder, die kein Lachen kannten,
war Angst und Tod mehr als ihr täglich’ Brot.
Allein, nur Fremde, keine Anverwandten.
Das Böse färbt mit Zyklon-B den Himmel rot.

Millionen Seelen hat der Wahn genommen.
Was treibt den Menschen an, um gut zu sein?
Wenn Gutes siegt, wird niemals wiederkommen
ein großer Führer hier aus unsren Reih’n.

Sonnenzeichen

William-Adolphe Bouguereau  1825-1905

 Als blutrote Fahnen
wie Leichentücher die Länder bedeckten,
als der Wahnsinn regierte
und sich die dunkelsten Mächte hinter dem
Zeichen der Sonne versteckten,
da ertönten die Parolen der scheinbaren Sieger.
 
Noch gegenwärtig
ist die alte Schwingung
der ewig Gestrigen auf dieser Welt,
nur änderten sich die Vorzeichen,
wie in einer mathematischen Bedingung.
 
Noch immer
 tönt die Arroganz der Herrscherrassen,
die glauben, mit Waffen und Geld
ganze Völker in Ohnmacht und Diktat zu belassen.
 
Noch immer
 ist die Menschheit fern von den wahren Zielen
und lässt ihre Seelen als Einsatz
auf den Spielfeldern
der mächtigen Herrscher
verspielen.
 
Noch immer
versuchen Machthaber, die im Dunkeln agieren,
einen Teil der Menschheit
dorthin zu führen.
 
Wann seid ihr endlich bereit,
den wahren
Licht-Zeichen
zu folgen?

Biografien

Alexandre Cabanel  1823 – 1889

Blasses Erinnern
an verfälschte Farben.
Vergangene Zeiten starben,
mit ihnen die Spuren
historischer Figuren;
farblos, verblasst durch die Zeit,
nur noch schwarz-weiß,
dünn und zaghaft die Striche;
 
so leis’ ist müde sie geschlichen,
hat alles mitgenommen
und ganz verschwommen
sind manche Biografien
einem Schattenriss gewichen;
 
die einst so großen Weltfiguren,
abgebildet mit zerflossenen Konturen,
wässrig und durchscheinend,
in trüber Transparenz,
erscheinen wie ein falsches Gold,
das niemals hat geglänzt.