Der Engel

Fraktale: Karin M.

Im Glitzerkleid sah ich den Engel fliegen,
wie tausend Glühwürmchen im Abendfrieden.

Ich sah ihn im Prunkgewand alter Romanzen,
wie Meteoriten, glühend, um Monde tanzen.

Es entstanden im Klang, wie von Tamburinen,
gold-strahlende Himmel mit Baldachinen.

Ein kraftvolles Wesen, wie ein Atom,
verbunden mit des Schöpfers ewigem Strom.

Der Cherub schwebt schweigend am Himmelsort,
wie mit glühendem Schweif – dann ist er fort.

Doch ließ er der Welt goldne Träume hier,
Sternschnuppen Wünsche erfüllen sich ihr.

Verbindung

Eine spirituelle Verbundenheit mit der geistigen Heimat, über die jeder Mensch verfügt. Intuitiv empfangen 2003, als ich zu schreiben begann.

Théodore Chassériau (1819 –1856) – Der Engel

Beseelt von neuem Glück will ich dir schreiben,
in manchen Reim versteckter Weisheit Sinn,

vieles wird wie die Sphinx zwar groß und schön,
doch umso rätselhafter bleiben,

das Wort wird lenken deinen Weg zu Anbeginn;
und während ich gedanklich mich im Vers verbinde,

verrinnen die Sekunden visionär;
ersehnend fühl’ ich lang vergangene Erdengründe

– die Zeit, sie flog dahin, als ob‘s ein Lidschlag wär‘.
Bist Führer meiner Seele fehlend’ Hand,

bin nur im Geiste das verborg‘ne Glied,
hinter des Schleiers Anderwelten, unerkannt,

bin ich Vermittler, spinne dir mein Lied.
Ich bleibe stumm, habe nur diese Zeilen,

um dir zu sagen: Sinnend wart’ ich hier!
So sehr ein Wort verletzt, so sehr kann es auch heilen;

bin nur gedankenweit entfernt von dir.
Du wirst es spüren: Wenn ich bei dir weile,

vergessen wir gemeinsam Zeit und Raum,
wenn ich vom Licht des Universums schreibe,

verschmelzen Endlichkeit und Ewigkeit im Traum.
So, wie ein Wolkenband den Himmel ziert,
so sollen die geschrieb‘nen Worte sein,

Gedanken, wie von Engeln inspiriert,
sie gehen tief ins menschlich‘ Herz hinein.

Engelsflügel

Caspar David Friedrich (1774 – 1840) – Engel in Anbetung

Wenn eine Sehnsucht weint,
ein Haus im Schatten steht,
geht dort mit mildem Licht,
ein Geist, der Sorgen trägt.

Und jedes müde Herz,
von diesem Geist erhellt,
versteht mit einem Mal
die Spaltung dieser Welt .

Geduldig schweigt er,
trägt sein Leid auf Erden
bis in den Abend,
ohne Aufbegehren.

Der Himmelsfrieden
fließt herab von fern,
versinkt in Träumen,
wie ein Hoffnungsstern.

Sein zarter Glanz,
ein Hauch nur, nur ein Schein,
will leiderfüllten Menschen
Liebe sein
und Hoffnung
über alle Trübnis breiten.

Geister der Nacht
mit Engelsflügeln gleiten.

Aus unsichtbarer Welt

Sir Edward Burne-Jones (1833-1898), Phyllis and Demophoön

Ich möcht‘ aus deiner Seele lesen,
erfühl’n die Göttlichkeit in ihr,

möchte als unerkanntes Wesen,
die Rose sein, vor deiner Tür.

Möchte dich in Gedanken halten,
zum Tanze nah dich wiegend schwingen

und dir die Blume für dein Haar
aus dem verbot’nen Garten bringen;

möchte im Mondschein dich bezaubern,
mit Sternen, die am Himmel tanzen,

dir nur die schönsten aller Rosen
in deine Herzenslaube pflanzen;

möchte dein Narr sein und dein Held,
der treu und schützend dich umgibt,

der dich aus unsichtbarer Welt
bereits seit Ewigkeiten liebt.

Will sanft dich sicher halten,
wenn du zu fallen drohst,

möcht‘ deinen Weg begleiten,
ewig und grenzenlos.

Schicksal

John Everett Millais (1829-1896)

Fühle mich innerlich wie neu,
geboren aus Schmerz und Hoffen.

Das kleine Glück, es blieb mir treu:
Gott ließ mir ein Stück Zukunft offen.

Der Tod grub schon an meiner Grube.
Darf mich nun auf den Frühling freuen.

Da wird der Sonnenstrahl zum Schube
und lässt den Lebensmut erneuern.

Die kleinen Dinge meines Lebens
war’n immer wichtiger, als große.

Kein Tag des Daseins war vergebens;
oft fiel ich aus dem weichen Schoße

der Engel, die mich sanft belehrten,
ertrugen meine Menschlichkeit.

Sie, die sich opfernd nie beschwerten,
sie hoben mich durch manches Leid.

Nun taste ich mich durch die Tage.
Manches, das aussteht wird verwunden.

Und wird auch manche Zeit zur Plage,
ich freue mich auf jede Stunde.

Lied der Engel

In Tönen, die nur Seraphinen singen,
durchströmt ein glockenheller Klang die Welt,
durch überirdisches Vibrato ferner Stimmen,
wird unsre Dunkelheit zum lichten Tag erhellt.

Wo Gottes milde Segensströme fließen,
ergießt sich jetzt der Engel heil’ger Lobgesang,
endlose Liebe wird sich über uns ergießen
und unsre wunden Herzen füllen, lebenslang.

Offene Türen

Bild: Hans Georg Leiendecker

Der Erdball groß und wunderbar,
ein Spielplatz für die Engel gar;
die Himmel liegen weit.
 
Vom All hinab, der Cherub Tanz.
Die Welt hüllt sich in Lichterglanz,
und stille steht die Zeit.
 
In jedem Herzen brennt ein Licht,
doch unsre Augen sehn es nicht.
Die Liebe leuchtet hell.
 
Öffne dem Nächsten deine Tür,
dann spürst du: Jesus öffnet dir
die seine, weit und schnell.
 

Geister der Nacht

The Nightmare – Johann Heinrich Füssli 1741-1825

Licht ohne Schatten –
nimmt Einsamkeit,
bringt Gesellschaft der Engel,
vertreibt die Angst vor der Dunkelheit,
macht quälende Gedanken erträglicher.
Die Geister,
die im Verborgenen lauerten,
sie schweigen,
erwachen in der Finsternis zu neuem Leben.
 
Ängste
werden wieder Schatten werfen,
zerren an der Bettdecke,
vertreiben den Schlaf
durch Gedankengespinste,
des Lebens böse Erinnerungen.
Alpträume sind die Geschenke der Geister,
bringen die alten Schwingungen,
greifen nach dir –
vielleicht schon in der nächsten Nacht!?

Heil der Welt

Alexandre Cabanel 1823-1889 – Der Abendengel

Ich möchte die Welt umarmen,
um sie mit meinem Seelenlicht,
dem warmen,
zu durchströmen –
sie friert so lange schon.

Ich möchte ihr Mantel sein und Schutz
und ohne zu lärmen,
das Eis zerstoßen,
um es mit goldener Flamme,
der großen,
für ewig zu schmelzen.

Ich möchte mit dieser Flamme
die Funken in den kalten Herzen entzünden
und nach beendeter Eiszeit verkünden:
Sie haben sich gewärmt am Heil der Welt.
Sie leben im Licht!
 

Schutzengel

Sulamith Wülfing 1901-1989

So fremd sind uns historische Epochen,
so grausam das Geschehen mancher Zeit.
Ein Lidschlag war’s und 100 Jahre krochen,
so wie ein Windhauch durch die Ewigkeit.
 
So manche Seele hat die Zeit verschlungen,
doch auch so viele neu der Welt geboren,
und immer hat der Mensch danach gerungen,
den Gott zu finden, den er glaubt verloren.
 
So viele Hilfeschreie in der Not durchdrangen
den Schleier dieser andren Dimension,
wo Gottes Helfer menschlich wehes Bangen
in Freude wandeln, nur für Glaubenslohn.
 
So geht der Engel, der dich freundlich leitet,
von Ewigkeit zu Ewigkeit mit dir;
schützt deine alte Seele Flügel breitend,
und bist du einsam, steht er vor der Tür.
 
So trägt er für dich manche Daseins-Bürde,
und oft trägt er auch dich auf seinem Rücken;
als wenn die Liebe niemals enden würde,
baut er dir ständig neue Himmelsbrücken.