Weltkinder

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Sind so verletzlich, tief in ihren Seelen,
schauen vertrauensvoll in diese Welt hinein,
gehn auf die Erde in ein neues Leben,
wollen geschenkte Gottesliebe sein.

Wachsen mit den Alltäglichkeiten,
sehen uns oft mit feuchten Augen, fragend an:
Wie kann es sein, dass noch in unsren Zeiten,
ein weißes Lächeln mehr zählt, als das schwarze nebenan?

Der Himmel segnet alle Menschenkinder,
gleich welcher Farbe, welcher Tradition.
Die Kinder sind die neuen Weltengründer,
Gott lebt in jeder alten Religion.

Lindenblüten

Postkartenmotiv

Sieh, die Linden in der Sommernacht,
deren grüne Kronen über Wege reichen,
wie im Lüftespiel die Blätter gleichen,
wenn sie rauschen, wild und sacht.

Lauscht dem Vogel in der Stille, träume,
heb dich fort im Fluge deines Denkens,
such den Schutz im Schatten grüner Bäume,
ihre Art des milden Kühle Spendens.

Blühe, wie die Blüten einer Linde,
webe einen Blütenteppich in Gedanken.
Kränze deines Lebensbaumes binde,
lasse Blütensterne um dich ranken.

Gebe jenen, die vorübergehen, einen Strauß,
schenke, was dich selber glücklich macht.
Breite deinen Blütenteppich aus,
sei wie Linden in der Sommernacht.

Der Aufstieg

Der Aufstieg (2) Ferdinand Hodler (1853-1918)

Erahnen nur könnt ihr, was ihr einst wissen werdet.
Aber wenn zu Wissen geworden ist, was ihr jetzt erahnt,
dann steht eine neue Ahnung auf von Höherem, Herrlicherem und
lockt euch weiter.

So ist die nächste Stufe immer verhüllt und offenbart sich euch erst,
wenn ihr sie errungen habt. Hebt euch empor, und wenn ihr oben steht,
dann reicht die Hände denen, die noch unten sind.

<Ephides>

Gütige Hände

Historische Künstlergrafik
nach dem Ölgemälde von Bertalan Székely (1835-1910)

Du bist so hilfsbereit und voller Güte,
weil du die Andren nicht vergisst,
obwohl du einst in deiner Blüte,
die Liebe selber hast vermisst.

Dort stehst du, öffnest beide Hände,
nimmst voller Mitgefühl den Schmerz;
wer immer sich auch zu dir wende,
es leuchtet ihm dein edles Herz.

Du wirst das Christuslicht verspüren,
das tiefen Frieden um dich hüllt,
es soll dich in die Zukunft führen,
mit Freude, die dein Herz erfüllt.

Wirst immer dein Zuhause finden,
wo einst dein Heimatstern auch steht,
kannst du dich ohne Angst verbinden,
mit Gott, der ewig mit dir geht.

Gründonnerstag

Das letzte Abendmahl

Die Zwölfzahl der Apostel muss sich heute verzehntausendfachen!
Das ist der Wille des Herrn – ausgesprochen durch die hunderttausendfache Not der Zeit!
(Henriette Brey – 1926)

Am Gründonnerstag gedenken wir dem letzten Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern einnahm, aber auch seiner angstvollen Gebete im Garten Gethsemane und des darauf folgenden Verrats durch Judas.

Von den Kirchen wird es so dargestellt, als hätte es keinen anderen Weg geben können. Wie schon so oft wird Gott dargestellt, als würde er seinen Sohn opfern, damit eine alte Prophezeiung wahr werden kann. Dadurch opfert er sich eigentlich selbst. In der Bibel steht: Jesus Opfertod sei „Lösegeld für viele“ Mk 10,45. Er musste demnach sterben, damit die sündigen Menschen leben können…auch nach dem Tod…oder bei deren leiblichen Auferstehung. (???)

Ich gebe zu: So stelle ich mir den liebenden Gott nicht vor. Die Bibel berichtet davon, dass Jesus durchaus weiß, was ihm bevorsteht. Er kennt die Menschen, und er weiß, dass er selbst in seiner größten Not alleine sein wird. Aber er wird den Menschen ein Bild hinterlassen, das niemals verblassen wird und die Nächstenliebe in allen Herzen verankern.

Er hat uns in der Bergpredigt und in seinen Seligpreisungen seinen „Geist“ hier auf dieser Welt gelassen, damit wir daran wachsen können. Er gab ihn besonders den „geistig Armen“ und denen, „die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit“. Seine eindrucksvollen Lehren werden Generationen überdauern.

Es ist schwer, in manchen Zeiten mutig zu sein…ein täglicher Kampf zwischen Körper und Geist. Jesus öffnete uns die Türe und zeigt uns den Weg zur geistigen Erlösung.


Erlösung kommt von innen, nicht von außen,
und wird erworben nur und nicht geschenkt.

Sie ist die Kraft des Inneren, die von draußen
rückstrahlend deines Schicksals Ströme lenkt.

Was fürchtest Du? Es kann dir nur begegnen,
was dir gemäß und was dir dienlich ist.

Ich weiß den Tag, da du dein Leid wirst segnen,
das dich gelehrt zu werden, was du bist!

<Ephides>

Rose im Schnee

Quelle: www.botanikus.de

Durch jedes Lieben geht ein Lichtlein an,
vermehrt entzündet an geweihten Tagen.
Die Nächstenliebe schreitet dem voran,
verstreut voll Güte ihre Liebesgaben.

Gemeinsamkeit im Mühn des Schenkens,
der Zeiten Dunkel tröstlich aufzuhellen.
Sei denen dankbar, die sich selbst verschenken,
die ihre Lichtlein denen zugesellen,

die sterbend um ihr kleines Leben bangen,
die einsam und voll Leid in Hospitälern,
nach Atem ringend, Trost und Zeit verlangen.
Lasst Licht entzünden in den Jammertälern!

Die Menschheit friert so lange schon,
weil jeder nehmen will und keiner geben.
Den Andern wärmen, nur für Gottes-Lohn,
sein eigen Licht entzünden und zum Zeichen heben.

Schau auf des Wunders lichten Schein;
seht, dort die Rose tief im Schnee!
An diesen Tagen musst du leise sein,
auch sie erleidet in der Kälte Winters Weh.

Weihnachtsabend

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s; durch alle Gassen scholl
Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
Drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
„Kauft, lieber Herr!“ Ein magres Händchen hielt
Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
Sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
Wes Alters und Geschlechts es mochte sein,
Erkannt ich im Vorübertreiben nicht.

Quelle: Andersen Märchen – Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
Noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:
„Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn Unterlaß;
Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? – War’s Ungeschick, war es die Scham,
Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh meine Hand zu meiner Börse kam,
Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Quelle: Andersen Märchen

Doch als ich endlich war mit mir allein,
Erfaßte mich die Angst im Herzen so,
Als säß mein eigen Kind auf jenem Stein
Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm (1817-1888)

Offene Türen

Bild: Hans Georg Leiendecker

Der Erdball groß und wunderbar,
ein Spielplatz für die Engel gar;
die Himmel liegen weit.
 
Vom All hinab, der Cherub Tanz.
Die Welt hüllt sich in Lichterglanz,
und stille steht die Zeit.
 
In jedem Herzen brennt ein Licht,
doch unsre Augen sehn es nicht.
Die Liebe leuchtet hell.
 
Öffne dem Nächsten deine Tür,
dann spürst du: Jesus öffnet dir
die seine, weit und schnell.
 

Dunkle Jahre

Edmund Blair Leighton 1853-1922 – The Unknown Land

Der Tränen hab’ ich viel vergossen,
in stetem Leid ertrank mein Herz
und war’n die Augen fest geschlossen,
empfand ich tiefen Seelenschmerz.
 
Ich irrte lange durch die Zeiten,
fand keinen Menschen, der mich trug,
ließ mich von Traurigkeit begleiten,
nur Ablehnung fand ich genug.
 
So gingen hin die alten Tage,
mir folgte nur die Einsamkeit,
nichts änderte die Lebenslage,
die Liebe blieb so fern, so weit.
 
Mein Herz, das suchte stets den Wandel,
doch Menschen brachten nicht das Glück
und durch das oftmals falsche Handeln,
blieb nur die Bitterkeit zurück.
 
Nach langen dunkeltrüben Jahren
sind’s neue Wege die ich gehe,
ich darf mit Dankbarkeit erfahren,
die liebevolle Gottesnähe.

Versteinerte Herzen

Faithful unto death
Herbert Gustave Schmalz 1856-1935

So hart wie Stein wird mancher Menschen Herz,
kennt weder Mitgefühl noch Gnade,
gönnt anderen nur Spott und Seelenschmerz,
lockt erst die Gier nach Macht,
wie süßes Apfelfleisch die Made.
 
Das Leiden anderer – zur Schau gestelltes Quälen,
war früher Freude der Cäsaren Tribunal,
als Schauplatz wird man heute andre Orte wählen,
wenn schreiend erst das Volk die Daumen senkt,
dann rollen Köpfe, so wie damals, ohne Zahl.
 

Das letzte Gebet – Jean-Léon Gérôme  – 1824–1904)