Im Abendrot

von Ephides

Quelle: Pinterest

Dass wie im Abendrot das Dunkel dieser Erde,
dem Himmelslicht vermählt,
zu einem Leuchten werde,
ist reiner Geister Streben und Bemühn.

Doch streu’n wir Samen nur.
Es ist an euch,
zu blühn und Frucht zu tragen an allen Tagen,
damit im Abendrot die goldnen Äpfel fallen vom Lebensbaum,
Erkenntnis schenkend allen.

Gute Gedanken

Franz von Assisi -Frank Cadogan Cowper (1877-1958)

Impulse aus guten Gedanken –
weich fließende, göttliche Kraft.
Gesegnet mit Liebe; sie sanken
hernieder, so friedvoll gedacht.

Dringt tief, wie ein sonniges Weben,
erwärmend und mild in dein Herz.
Bringt Freude und Glanz in dein Leben,
streckt Seele und Blick himmelwärts.

Lässt menschliche Fehler vergessen,
bringt Frieden und Licht in die Zeit.
Tilgt manches Leid, das gewesen,
verwandelt’s in Glückseligkeit.

Höre, wie Engel dir singen
im himmlischen Notenkleid.
Wie liebevoll ist das Klingen
im Jetzt und in Ewigkeit.

Vampire der Neuzeit

Quelle: Pinterest
Vampire erwachen Nacht für Nacht.
Nur Schatten zu sehn an der Mauer!
Sie schleichen vorüber, dass niemand erwacht,
sind ständig voll Gier auf der Lauer.

Ist es Vergnügungsraserei?
Sie werden vom Bösen getrieben!
In ihnen, ein nagender Hungerschrei;
da ist nur ihr Selbst, das sie lieben.

Ausbluten muss jeder, den sie erwählt;
sie saugen sein köstliches Blut.
Die letzte Phase des Niedergangs zählt,
denn die Blutleere formt neue Brut.

So viele Völker sind bleich und leer,
ausgesaugt und in Ketten wie Knechte.
Die schnitten ins Fleisch; ohne Gegenwehr,
ohnmächtig das Land, ihre Rechte.

Blutsauger gieren mit Reichtum nach Macht,
sind hungrig nach Geld und Vergnügen;
Vampire von heute, am Tage hellwach,
nichts will ihrer Habgier genügen.

Die friedlichsten Völker können nicht ruhen;
es gibt kein Besinnen auf Werte,
kein Zügeln, keine Rückkehr zum ehrbaren Tun,
nur Schritte auf dunkelster Fährte.

Ein Fieberzucken geht durch die Welt,
sie wälzt sich in höllischen Qualen.
Entgottete Zeit. Wenn dein Vorhang fällt,
werden die Mächte des Abgrunds bezahlen.

Dichteraugen

KI generiert – Quelle: Pinterest
Sehen goldener die Sonne strahlen,
dass heller sie durch Scheiben bricht,
sehn nicht nur Strahlen, wie sie fallen,
fühlen die Liebe, dort im Licht.

Wenn erste Knospen neu entspringen
sehn leuchtender sie Blumen stehen;
fühlen des Schöpfers Tat gelingen,
die Göttlichkeit in dem Geschehen.

Doch auch die Hässlichkeit des Lebens
entgeht nicht der sensiblen Sicht.
Abscheulichkeit steht an den Wegen,
die tief ins Seeleninnere bricht.

Das Grau ist grauer, trostlos schneidend
die Abgestumpftheit, die verletzt;
wer hochsensibel ist, der meidet
was Harmonie in Schrille setzt.

Sie leiden schwerer an dem Leben
und an sich selbst, stets forschend klar;
fühlen die innere Seele beben
und sind mit Weitsicht allem nah.

Von guten Mächten

von Dietrich Bonhoeffer

Winter in den Niederlanden – Frederik Marinus Kruseman (1816-1882)
Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet, wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das Alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Am 9. April 1945 wurde der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg bei Regensburg hingerichtet.

Schlitterbahn

Rev. Robert Walker beim Schlittschuhlaufen
Henry Raeburn oder Henri-Pierre Danloux zugeschrieben, 1790er Jahre
Verbotene Linien überschreiten
und sich auf dünnem Eis bewegen,
voll Zuversicht die Arme weiten,
als Schirm, der schützt, darüberlegen.

Einbruch bei jedem Schritt erwarten,
beim Knistern jenes Untergrunds;
porös ist er, der Lebensgarten,
man fühlt sich sicher, doch man plumpst.

Man taucht hinab in die Kontraste,
fühlt sich ertappt im Gegensatz,
nur lieben wollte man und hasste
das, was der Seele gar nicht passt.

Oft sieht man Gutes, doch den Mangel
an Gutem sieht man oft zu spät;
Geschicklichkeit ist Teil des Angelns,
dem Fischer, der am Wasser steht.

Er fischt in Vielfalt von Erfahrung,
denn das ist wahrer Lebenszweck.
Man übt durch manche Offenbarung
Sünde, Gewalt und andern Dreck.

Man geht daraus gestärkt hervor,
aus diesem Unvollkommensein.
Doch kommt schon bald ein andrer Tor,
bricht wieder in die Eisbahn ein.

Kalte Gedanken

Julius Sergius von Klever (1850-1924)
Es wird bald Nacht sein, Gott,
gib für die letzte Fahrt mir Licht.
Kalt bläst der Wind von Nord
und rötet mein Gesicht.

Es wird noch lang nicht tauen -
der Reif hängt an den Zweigen
und aus dem flachen Land
seh’ ich die Nebel steigen.

Zeig mir den Weg nach Haus,
halt an die Weltenuhren,
deck zu mit Sternenglanz
und Mondlicht meine Spuren.

Lass Kirchenglocken schlagen,
hör’ sie durch Eis und Schnee;
so Gott will, werd‘ ich’s tragen,
das Schwere, wenn ich geh.

Wird sein kein Steingebilde,
geschmücktes Grab und Trauer,
wer Wahrheit führt im Schilde,
der ist allein – auf Dauer.

So blind bin ich, vertraue,
tappe durch Finsternisse;
wie die Lebendigen glauben -
und nur die Toten wissen.

Aus deinen hohen Stämmen
wob Nacht nun graue Fäden,
der Schneeluft gilt kein Dämmen,
wenn lichte Flocken weben.

Gespenst der Nacht, jetzt weiche!
Unholde Wesen kriechen
um Schnee verwehte Eiche,
aus Wald und Mauernischen.

Muss dunkle Pfade gehen -
tritt mir auch Angst entgegen,
werd‘ starken Mutes sehen:
auch dort liegt Gottes Segen.

Geistesfreiheit

Vladimir Kush
Die Welt verwandelt sich durch Taten,
durch die Gedanken, die du in dir trägst.
Säe die Liebe im Bewusstseinsgarten,
damit du Hass und Zweifel untergräbst.

Wo Liebe blüht, da schreibt das Herz Geschichte.
Ein neuer Himmel wird sich dir erschließen;
dann kann ein Strahl von Seinem Lichte
auf die noch dunklen Völker fließen.

Fülle mit Farben die Tristesse der Zeit,
damit sie aufgehellt im Licht erstrahlt;
unter den Körpern blitzt ein geistig’ Kleid,
das unvergänglich dir die Freiheit malt.

Als Kind des Himmels ist sie dir gewiss!
Geknechtet trägt die Welt die Dornenkrone,
doch anders, als die Menschheit es umriss:
Bewusstsein wird im Leiden erst zum Lohne.

Schicksalsschleier

Caspar David Friedrich 1774-1840
Wirst du erwartungsvoll nach einer Antwort suchen
und fragend deinen Blick zum Himmel lenken,
in Träumen einen unbekannten Namen rufen,
und auch am Tage oft an dies' Geheimnis denken?

Versperrt ist noch der freie Zukunftsblick,
wart’ nur, das Schicksal wird dir Zeichen senden,
und eines Tages mit noch unbekanntem Glück,
dein Leben und dein Los zum Guten wenden.

Das Namenlose, das du suchst, du wirst es finden,
das Unbekannte, es bekommt Gesicht.
Kannst du es lieben? Du wirst selbst ergründen,
ob du Erfüllung wähltest oder nicht.

Suche den rechten Weg, folg deinem Herzen;
lass alles, was dich traurig macht, zurück.
Die Engel leuchten dir mit Wunderkerzen,
Gott leitet dich auf deinem Weg ins Glück.

Fühlst du, der Himmel stellt des Lebens Weichen
für viele neue Wege, die wir gehen.
Eine Vision wird plötzlich dir die Hände reichen,
wo du es nicht erwartest, werden Engel stehen.

Sie dienen dir in Menschen und dein Sehen
entfaltet sich bewusst in neuem Licht.
Was bisher um dich unbemerkt geschehen,
gibt dir nun hoffnungsvolle Zuversicht.

Neue Erde

In der sternenklaren Stille
tummeln sich die ew’gen Geister;
unsichtbar und nach dem Willen
ihres Schöpfers, Herrn und Meister.

Aus dem früh erwachten Hauche,
jung und frisch aus Wasserfluten,
eine neue Erde tauche!
Alte Götzen stehn in Gluten.

Untergang den Falschen drohe –
Gott aus Holz, in Gold und Stein,
sind in ungeheurer Lohe
fortgenommen aus den Reihen.

Sanftmut lebt, der still gestaltet,
bleibt für immer hier auf Erden,
und von Weisheit, fromm verwaltet,
wird die Liebe wiederkehren.

Kommt der große Tag der Sühne?
Zeit und Stunde kennt nur Einer!
Doch der „Jüngste Tag“ wird kommen;
wenn ich heute geh’, ist’s meiner.