Foto: privat – Sonnenblumen von Karl-Heinz Stienen (1929-2002)
Rosenblüten sind schon recht bleich; viele vertrocknen im steigenden Jahr, der Rasen zerstört und sein grünes Reich gleicht Stroh, wie schütteres Haar.
Das immergrüne Efeu scheint müd, es steigt nicht mehr höher am Haus; regenarm dörrt aus, was heute noch blüht, es leiden der Mensch und die Maus.
Der Sommerweizen weht noch wie Gold, die Schnitter werden bald kommen. Die Sonnenblumen schauen gar hold, sie sind aus der Mode gekommen.
In den 50ern zierten sie Bilder zuhauf, in Öl gemalt und im Rahmen. Das gefiel aller Welt und erschwinglich der Kauf; heute will sie niemand mehr haben.
Wie die Sonne, deren Sommerwelt schon längst obsolet geworden, hofft man, dass endlich Regen fällt und auf Luft zum Atmen von Norden.
Die Reife des Sommers bringt Ernte ins Land, saß als Kind auf dem Heuwagen, oben. Fühlte den Weizen unter der Hand, sah die Halme im Sommerwind wogen.
Brachten die Schnitter mit Sense und Müh‘ das Getreide in Mühle und Scheuer, erwartete uns Kinder bereits in der Früh‘, ein willkommenes Abenteuer.
Hab versucht, auf den Plätzen von einst Szenen von damals zu finden, doch die Gassen sind fremd, die Höfe verwaist, muss den Strauß aus Erinnerung binden.
Der Schnitter macht vor Menschen nicht Halt – es sind schon so viele gegangen. Nach dem Ende des Sommers wird es bald kalt, das Gedächtnis mit Nebel verhangen.
Ein auf Kopfsteinpflaster endender Klang, Nachhall gemachter Schritte, gleicht Sisyphusarbeit ein Leben lang, verbleibt im Körper, als Schwere der Tritte.
Schönheit verging, erst heimlich, dann schnell. Der Frühling ist lang schon Geschichte, dessen Last trag’ ich heut noch, wie ein Rebell, zum Richtplatz … auf dem ich vergebe, nicht richte.
Der Monat trieft aus Poren und Ritzen.
Verlangsamtes Leben durch Hitze und Schweiß.
Ich kann ihn nicht leiden, will nicht mehr schwitzen.
Wo ich die Kühle suche, ist‘s heiß.
Die Wiese verbrennt, besonnt und verdorrt,
wie durch ein Brennglas trifft es die Welt.
Die Winde sind warm, die Schatten fort.
Wer hat diese Jahreszeit bestellt?
Fast tröstlich, der Gedanke an Eis –
wie ein Tropfen auf den heißen Stein!
Ein Regentanz im heil’gen Kreis -
könnte vielleicht der Retter sein.
Egal, ich tanz nicht. Ich tu‘ lieber nichts.
Bewegen verboten! Ergeb‘ mich der Zeit.
Man dümpelt so hin, als Opfer des Lichts.
Die elende Wärme – ich bin sie so leid!
Die Luft ist feucht –
aus den Kalendertagen fließt der Schweiß,
und durch die Hitze trocknet das Gemüt,
wie manches Blatt,
das sich dem Ast entreißt
und still zu Boden geht;
braun,
wie die Haut der Sonnentrunkenen,
liegt es dort,
verbrennt,
ein kleines Teil,
das sich von grün nach grau gefärbt,
„vergangen“ nennt.
Ein Zeichen dieser Zeit,
die schneller scheint als sonst,
eilig, ihr Schritt;
die mit sich reißt, was brüchig ist.
Nichts bleibt!
Auch das Erinnern an sie geht.
Wir gehen mit.
Es liegt die Glut des Sommers auf der Welt.
Die Wärme ist zum Greifen, Tag und Nacht.
Sie treibt die Dürrezeit schon früh durch Stadt und Feld.
Die Winde ruh’n und sammeln ihre Kraft.
Schon jetzt sah ich manch müdes, braune Blatt,
wie es mit letzter Kraft am Sommerzweige klebt
und schließlich herbstverloren, kraftlos, matt,
den Weg ‚Vergänglichkeit‘ zu gehen pflegt.
Die Nachtigall singt Abschiedsmelodien,
vertagt sind Frühjahrsträume bis ins nächste Jahr.
Wenn Vogelschwärme in den Süden ziehn,
dann ist der trübe Herbst zum Greifen nah.
Die Regensehnsucht schaut den Himmel an.
Kein Wölkchen hängt am tiefen Himmelblau,
und rinnt das Lebenswasser irgendwann,
entleert sich sanft das feuchte Wolkengrau.
Dann trinkt die Welt das langersehnte Nass,
füllt dürftig auf, was längst schon Staub geworden,
es grünt erneut das längst verdorrte Gras
und erste Winde kühlen unsren Morgen.
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