Heiliger Seelenschrein

Behüteter Geist – Sulamith Wülfing (1901-1989)
Ich will euch künden, Kinder dieser Welt,
was euer ist,
was euer Seelenschrein verschlossen hält,
bis ihr es wisst,

bis ihr das Heiligtum in euch entdeckt,
bis ihr gleich mir
zum Künder werdet und die Andern weckt.
Sie leiden hier,

sie leiden euer Leid und wissen’s nicht,
denn traumbefangen
gehen sie dahin, und ihrer Seele Licht
ist leidverhangen.

Was sie erschaffen, wandelt sich zu Staub
in ihrer Hand.

Ihr nur dem Äußern zugewandtes Sein,
sie nennen’s Pflicht;
daß sie das Heiligtum entweihn,
sie wissen’s nicht.

Es führt sie kreuz und quer und
führt sie weit ihr Wissensdrang;
in sich zu gehn jedoch fehlt es an Zeit,
denn dieser Gang,

der nächste, kürzeste zum wahren Ich,
wird erst getan,
sieht man die Brücken brechen hinter sich
und seinem Wahn.

Die Antwort, die das Leben schuldig blieb,
hier hört man sie,
und Sehnsucht sänftigt sich und Leid und Lieb
zur Harmonie.

Und Gottes Odem löst,
in ihm erwacht,
leise und sacht,
was ihn gefesselt hielt in banger Nacht,
bis es vollbracht.

<Ephides>

Geheiligte Stunde

von Ephides
The Christmas Tree, Albert Chevallier (1862-1925)
Geheiligte Stunde, gesegnete Runde,
wie Schalen geöffnete Herzen und Hände
und göttliche Worte aus menschlichem Munde —
da öffnen sich Türen, da weichen die Wände.

Da strömen in Scharen die sehnenden Seelen,
als hätte ihr Herz unser Rufen vernommen,
und manche entringt sich mit Mühen und Quälen
dem klammernden Dunkel, um Licht zu bekommen.

Die Engel entschweben dem seligen Schweigen
und bringen den Herzen die Wasser des Lebens,
behutsam, wie Gärtner zu Blumen, sich neigen.
Geheiligte Stunde, o Stunde des Gebens.

Wie die Blätter einer Rose

von Ephides
Bild von Stefan Schweihofer auf Pixabay
Wie die Blätter einer Rose
fallen Tage, welk geworden,
in den Schoß, aus dem sie kamen.
Heißt das: Sterben und Vergehen?
Heißt das nicht: Das Wiederkehren
eines stets verjüngten Urbilds?

Auch der Bäume leises Frösteln,
wenn das grüne Kleid des Sommers,
sich verfärbend, niederrieselt,
teilt der Mensch. Er teilt Ermatten
und ihr großes Einsamwerden
und das frühe Schlafengehn. 

So auch teilt er ihr Geheimnis,
sich im Tode zu erneuern,
ew’gen Werdens Kleid zu weben.
Also steht es aufgeschrieben
auf den Blättern aller Bäume,
auf den grünen und den welken!

Wer Wahrheit schaut

von Ephides
Quelle: Pinterest
Wer mit himmlischen Augen schaut,
sieht verwandelt die Welt.
Fremdes scheint ihm so nah vertraut,
Wissen schenkt ihm ein Vogellaut,
und Geheimnis, das ferne blaut,
seinem Blick sich erhellt. 

Wahrheit schaut, wer verwandeln kann,
sagt auch die Welt, dass er irrt.
Einmal kommt seine Zeit heran –
dann erfüllt sich, was er ersann.
Er, der Helfer im Schöpfungsplan,
sieht die Welt, wie sie wird. 

<Ephides>

Heiler aller Herzen

Arthur Hacker (1858-1919)
Sieh, ich schreite dir zur Seite,
sieh, ich breite
meiner Lichterkenntnis Weite
dir zu Füßen,
denn ich kenne Schuld und Büßen,
Lust und Leiden,
und von beiden
trag' ich goldgewirkte Zeichen
im Gewand, dem wolkenweichen,
windhauchgleichen.

Seinem Rauschen
sah ich dich schon oftmals lauschen,
sah dich oftmals leis erschauern,
denn mein Auge schaut durch Mauern. -

Sag, was macht mein Nah'n dich zittern,
du, mein Bruder hinter Gittern,
hinter Gittern deiner Sinne?
Werde meiner Liebe inne!

Sieh, ich teile deine Tage,
sieh, ich trage deine Klage
zu dem Heiler aller Herzen,
dem Beschwichtiger der Schmerzen.

Heiltrank haltend in den Händen
kehr' ich wieder, zu verschwenden,
zu verströmen, was ich habe,
unsres ew'gen Gebers Gabe!

<Ephides>

Die Schlafwandlerin

Die Nachtwandlerin – Maximilian Pirner ( 1854-1924)
Der Traum ist dein Teil, nicht das Wachen,
durch Silbergewässer dein Nachen
trägt rosenbekränzt dich zurück.
Wenn morgens die Sterne verblassen,
dann gehst du durch irdische Gassen
und freust dich am irdischen Glück.
 
Wie wenige wissen vom Träumen,
wie viele verwundert dein Säumen
und dass du es dennoch erreichst,
dass Sonne wie Wolken dich segnen,
dass Wunder dir lächelnd begegnen.
Sie wissen nicht, wie du uns gleichst,
 
uns heiteren Traumlandgefährten,
die wir unsern Schutz dir gewährten,
dich sandten, mit Rosen bekränzt,
im Lande der Wachen zu sagen,
wie reich deine Traumgärten tragen,
bis Wachen und Traum sich ergänzt.

<Ephides>

Gottes Tempel

Ihr nehmt zum Bau des Tempels kalte Steine,
aus Splittern fügt Gedankenmosaik der eine,
Gigantenblöcke türmt der andre auf.

Doch Gottes Tempel ist das warme Leben,
sein Atem der Geschöpfe Jauchzen und Erbeben,
sein Wirken der lebendige Verlauf!

Er ist das Feuer in Myriaden Flammen,
die lodern müssen, weil sie seinem Licht entstammen,
bis sie der Sehnsucht goldne Glut verzehrt. – –

Wer Stein zu Stein fügt, wird IHN nie ergründen.
Die GOTT-Erkenntnis kommt als Blitz –
Und kommt zu zünden!
Gib dich der Flamme! und die bist verklärt.

<Ephides>

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende. Vielen Dank für Eure Besuche und Kommentare. 💕

Das Ziel ist alles und der Weg ist nichts!

Der Aufstieg – Ferdinand Hodler (1853-1918)
Das Ziel ist alles, und der Weg ist nichts!

Hast du den rechten Weg, und dir gebricht‘s

an rechter Sehnsucht nach dem rechten Ziel,

so bist du ferner ihm als der, der fiel

und sich erhob und in die Irre ging

und sich besann, und stieg und steigend hing

an steiler Felswand, ringend mit dem Stein,

den Abgrund unter sich, und über sich allein

der Gipfel Schweigen und des Himmels Glanz,

und seine Seele hingegeben ganz

der Zielgewissheit und dem heil‘gen Ruf –

er siegt, weil er sich selbst die Wege schuf

im Unwegsamen, treu dem Ruf des Lichts!

Das Ziel ist alles, und der Weg ist nichts!

<Ephides>

Zeitenwende

Die Dunkelheit in unseren Seelen
Surrealistisches Foto von Kavan Cardoza, das uns die Teile von uns selbst zeigt, die wir nicht sehen wollen. Quelle: Pinterest
Die Erde bebt in Fieberschauern
wie ihr!
Die Elemente warten, lauern,
Dämonen, die in dunklen Tiefen,
im Fels, im Sumpf, in Feuern schliefen,
gebannt seit undenklichen Zeiten,
und die zum Aufstieg sich bereiten
wie ihr.
 
Die neue Zeit hat angefangen
in euch!
An alle ist der Ruf ergangen -
vom Bösen scheiden sich die Guten.
Auch die in eurer Seele ruhten,
die Widersprüche, Härten, Gluten,
die Wunden brechen auf und bluten
in euch.
 
Der Zeitenwender eurer Welten
ist hier!
Die Sterne, die Sein Haupt erhellten,
kann Er in Seinen Händen halten.
Er löst, Er bindet die Gewalten,
Er sucht und findet die Erwählten,
und die zu Seinem Volke zählten
sind hier.

<Ephides>

Präexistenz

Freiseele in Gestalt des Ba-Vogels im Ägyp­tischen Totenbuch (E. A. Wallis Budge 1895)

Geweihte Stätten

Es gibt Stätten, welche hohe Kraft bewahren,
Stätten, die geweiht durch Leiden sind.
Sie erzählen von bestandenen Gefahren,
von den Menschen, die des Schicksals Meister waren.
Ihren Atem trägt zu euch der Wind!

Wisst ihr denn, ob nicht der Vorzeit Vollnaturen
in euch sind? Der Leib ist nur ein Kleid!
Kennt ihr euren Anteil an den Ur-Kulturen?
Wandelt, Kräfte schöpfend, ihr auf eignen Spuren,
weil ihr euer eigner Erbe seid!

<Ephides>

Anmerkung:

Sicher habe ich als „Gisela Seidel“ nur ein einziges Leben und werde als diese Person niemals wiederkommen. Aber Seelen existieren bereits vor der Geburt, bereit zu einer erneuten Verkörperung.
Ich, als Kirchenmitglied, habe erlebt, dass das Thema Reinkarnation vehement vom Klerus abgelehnt wird. Wer sich selbst erlöst, benötigt die Kirchen in der heutigen Form nicht mehr. Der christliche Geist dringt in uns, wenn wir uns ihm öffnen. Die Lehre von der Wiedergeburt war bereits zu Jesus Zeiten bekannt. Sie ist im Judentum verankert. Die Bibel lehrt uns die Präexistenz z. B. in Hiob 38, 19-21:

„Wo geht denn der Weg zur Wohnung des Lichts und die Finsternis, wo hat sie denn ihre Heimstätte, dass du sie in ihren Bereich hineinbringen konntest, und dass die Pfade zu ihrer Heimat dir bekannt wären? Du weißt es ja, denn damals warst du schon geboren, und die Zahl deiner Tage ist groß.“

Die sieben Spiegel

Stille spinnt uns ein, wir sind allein,
treten aus dem Tag, wie aus dem Spiegel,
uns entgegen, sehen Gottes Siegel
hell, auf unsrer Stirn wie Sternenschein.

Abermals gehen wir durchs Spiegelbild,
treten uns verklärten Blicks entgegen,
über unsrem Haupte Gottes Segen
leuchtet rein und weiß und mondenmild.

Eh‘ das Urbild sich mit uns vereint,
müssen sieben Spiegel wir durchschreiten,
siebenmal des Spiegels Rahmen weiten…
Unsre Krone wie die Sonne scheint.

<Ephides>