Vergangenheit

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Caspar David Friedrich 1774-1840

Gewesen ist, was längst vorbei,
doch liegt Vergangnes in den Zellen,
schäumt die Erinnerung dabei
sich manchmal auf zu Sturmeswellen.
 
Hast du verdrängt die alten Lasten,
so stecken sie doch tief in dir;
du willst zu neuen Dingen hasten,
blockierst dir selbst die offne Tür.
 
Will die Erfahrung dunkel trüben
die wahre Sicht, die gar nicht schlecht,
lässt dich dein Zweifeln unterliegen –
wird der Vergangenheit gerecht.
 
Die Zeit hüllt den Vergessensschleier
um alle Dinge, die geschehn,
denk‘ an den Morgen, werde freier,
dann wirst du bald die Sonne sehn.

August

Hochsommertag – Paul Müller-Kaempff 1861-1941

Der Monat trieft aus Poren und Ritzen.
Verlangsamtes Leben durch Hitze und Schweiß.

Ich kann ihn nicht leiden, will nicht mehr schwitzen.
Wo ich die Kühle suche, ist‘s heiß.

Die Wiese verbrennt, besonnt und verdorrt,
wie durch ein Brennglas trifft es die Welt.

Die Winde sind warm, die Schatten fort.
Wer hat diese Jahreszeit bestellt?

Fast tröstlich, der Gedanke an Eis –
wie ein Tropfen auf den heißen Stein!

Ein Regentanz im heil’gen Kreis
könnte er vielleicht der Retter sein?

Egal, ich tanz nicht. Ich tu‘ lieber nichts.
Bewegen verboten! Ergeb‘ mich der Zeit.

Man dümpelt so hin…Opfer des Lichts.
Die elende Wärme – ich bin sie so leid!!!

Natur

Carl Spitzweg 1808-1885

Ein weites Land breitet sich aus,
küsst fern den Horizont,
das wie des Wandrers buntes Haus
unter den Himmeln wohnt.
 
Geleitet rastlos wie der Wind,
so sonnenwarm beschienen,
vertreibt die milde Luft so lind,
die Bitterkeit der Mienen.
 
Die Welt als grenzenloser Raum
lädt ein zur stillen Rast;
Natur sie winkt mit Strauch und Baum,
grüßt dich als lieben Gast.
 
Genieße still am lichten Tag
lauschend die Vogelrunde.
Vergiss der Mühen Leid und Plag
in schöpfernaher Stunde.
 

Herr der Lüfte

Unter den Wolken möchte ich gleiten,
so wie ein Adler, mit offenen Schwingen.
Möchte das Strahlen der Sonne durchschweifen,
als Luftherr die hohen Nebel durchdringen.
 
Möchte die Freiheit der Himmel erleben,
treiben, vorüber an Felsen und Wänden.
Will mich von unten nach oben erheben,
spähend, auf windigen Händen.
 
Schwebend und hoheitsvoll grüßt’ ich den Tag,
hätte Freyja und Pan als Gefährten.
Würde dankbar mit jedem Flügelschlag,
überfliegen Wiesen und Gärten.
 

Sonne

Sonne, du güldnes, großes Himmelsherz,
ich misse deine Strahlen.
Wann wirst du neuen, lichten Glanz
auf unsre Erde malen?
 
Ich friere ohne dein Gewand
aus goldnem, hellem Leuchten,
und weiter treibt das ganze Land
im Regen trüb, dem feuchten.
 
Streu deinen warmen Feuerschein
auf unsre dunkle Welt.
Hüll’ uns in goldne Wärme ein,
die unser Herz erhellt.
 
Komm doch, oh Wind, treib fort von hier,
der Wolken Regenfülle,
und bring zurück das Strahlen mir,
in reinster Sommerstille.

Sommerahnung

John William Waterhouse 1849-1917

Der Himmel malt ein lichtes Funkeln,
leuchtend und glänzend, wie ein Stern,
was vormals farblos und im Dunkeln,
strahlt nun mit buntem Seelenkern.
 
In Seidenglanz gehüllter Morgen,
ersetzt die schlafengeh’nde Nacht,
mit Sonnenschein, der große Sorgen
jetzt kleiner und erträglich macht.

Was lange Zeit im Erdeninnern,
zeigt nun die volle Blütenpracht;
Flora und Fauna, sie erinnern,
was uns erschuf die Schöpferkraft.
 
Genießen wir die warmen Stunden,
gestreute Vielfalt, buntes Land,
legen mit hellen Glückssekunden
das Leben uns in leichte Hand.
 
Vorbei das Frieren und das Warten
auf eine lang ersehnte Zeit,
das Leben ist ein großer Garten,
die Welt erscheint im Sonntagskleid.

Schmetterling

In milder Frühlingsmitte bist du sanft erwacht,
um nun den trocknen, altversponn’nen Haufen,
 
mit einer ungeheuren Wandlungskraft
metamorphosisch zu durchlaufen.
 
Zeigst uns die Augen der Natur
auf deiner Flügel-Rückenpracht,
 
fliegst über Blumenwiesen nur,
so leuchtend bunt und  flatterhaft.
 
In deiner Welt im Wiesengrund,
wird warm bestrahlt dein Leben,
 
zeigst du uns in so mancher Stund’
dein flüchtig Sonnenstreben.

Frühling

Wenn Räder, bunt, im Winde drehen,
wenn unsre Lebenslust erwacht,
wenn sanft die milden Lüfte gehen,
Natur sich streckt nach langer Nacht;
 
wenn sich die Erdenporen weiten,
erwartungsvoll im Morgenlicht,
und durch der tiefen Nebel Breiten,
die Sonne durch die Wolken bricht;
 
wenn aus den harten Erdenritzen,
die Pflanzenwelten aufwärts streben,
und bunte Frühlingsblumen-Spitzen
die Erde auseinander heben;
 
wenn Vögel wieder Nester bauen
und in der Morgenfrühe singen,
wenn tausend Augen Wunder schauen,
dann wird die Frühlingszeit beginnen.

Frühlingsgeister

Kühle Winde stoben,
bald ist es April,
und das Wetter droben,
weiß nicht was es will.
 
Treibt die Winterwesen
durch die grauen Gassen,
fegt mit feinem Besen
über Feld und Straßen.
 
Jung und alt erleben
Vogelsang und Wende.
Frühlingsgeister geben
sich die Sonnenhände.
 
Knistern, Brechen, Heben
unter dunklen Schollen,
und das bunte Leben
hebt sich aus den Knollen.
 
Segensreich erneuern
will die Frühlingszeit;
schmückt mit frischen Farben
tristes Erdenkleid.