Es gab eine Zeit, es ist noch nicht lange her, da hatten die Leute 15 Kinder und mehr. Ganz ohne Kindergeld – das gab’s noch nicht, 12 Stunden Arbeit waren Tagespflicht, und Schulgeld zahlten sie für jedes Kind, Lehrgeld für die, die in Ausbildung sind.
Die Straße gehörte den Kindern zum Spiel, und wenn eines von ihnen in den Schotter fiel, dann sorgten sich Eltern wenig um sie, sondern nur ums Loch in der Hose am Knie. Da piepte kein Handy, man maß Liebe, nicht Likes. Es gab simple Fahrräder, keine Mountainbikes; auch mal Langeweile und Stille daheim, wenn es draußen dunkelte, musste man rein.
Man folgte den Eltern mit Respekt. Die Alten wurden nicht ins Heim gesteckt, und sollte man alleine sein, vom Leben müde gemacht, dann hat die Caritas Hilfe, nur für Gotteslohn gebracht. Den Dienst an Kranken leisteten die Frauen, ein Arzt kam ins Haus, um nach Kranken zu schauen. Niemand musste mit Fieber im Warteraum sitzen, um stundenlang Blut und Wasser zu schwitzen.
Arbeiter konnten sich Autos nicht leisten, ein Telefon bekamen längst nicht die meisten; auch wenn die Arbeit fern war, fuhr man Rad. Ein Moped war ein Traum, wie jede Fahrt. Oft lief man Kilometer, stundenlang; es fuhr nicht überall die elektrische Straßenbahn. Die Welt war riesengroß und jeder Schritt und jeder Gang ein Stück vom Lebensglück.
Man nutzte jeden Tag schon früh, daheim. Arbeit war immer, Freizeit „schrieb man klein“. Man nähte, kochte, strickte noch per Hand; bevor man Waschmaschinenkraft erfand, mühte man sich den lieben, langen Tag mit Waschen, Trocknen und Bügeln ab. Staubsauger waren noch unbekannt, Teppiche wurden geklopft, bis man sie staubfrei fand. Die Frauen verbrachten ihr Leben daheim, mussten dem Ehemann untertan sein. Geld und Auskommen hat er gebracht; das Sagen behielt er und häusliche Macht.
Handwerker war jeder Mann im Haus; man teerte Dächer, baute die Zimmer aus, man legte angstfrei die Elektrik unter Putz, geerdet war nichts, vor dem Schlag fehlte Schutz; mit Kitt setzte man Fensterscheiben ein, und kaufte Kohleöfen für ein warmes Heim. In Aschetonnen, wöchentlich abgefahren, gab es weder Papier noch Plastikwaren. Man düngte den Garten mit Biomüll, aus stinkenden Kuhlen, inmitten des Garten-Idylls. Auch das Plumpsklo wurde jährlich geleert, auf die Beete gekippt, als Dünger verwertet.
Kaninchen hockten in kargen Ställen, ließen sich mästen, bis zum Schlachten quälen. Nicht ein einziges Mal fühlten sie Boden und Licht, nur den Schlag in den Nacken, der am Ende sie bricht.
Es gab Brote mit Butter, darauf Zucker gestreut, nur selten Fleisch; sonntags war Bratenzeit. Schmalhans war Küchenmeister im Revier, nur sonntags kaufte man manchmal ein Bier. Abends gab es das Fernsehen nicht, nur eine Stimme, die aus dem Radio spricht.
Heut‘ ist alles anders, der Wandel Magie, ein Zeitgeist, der flüstert: Nimm’s leicht, c’est la vie.
Die zarten Tage kehren endlich wieder, an denen die Natur erwacht aus Träumen und über grauem Laub im Frühjahrsfieber, die Glöckchen stehn, die viele Wege säumen.
Weiß, wie die Unschuld, sind sie aufgeblüht. Das alte Grün erscheint in neuem Licht. Der Morgen hat sich früher aus dem Bett bemüht, bevor die Sonne durch die Wolken bricht.
Der Himmelsbogen ist noch stark verhangen, von grauen Schwaden, die am Tag verwehen. Der Winter scheint mit einem Mal vergangen; der Frühling zeigt sich sanft und morgenschön.
Filmmusik von Ennio Morricone aus dem Film „Die Mission“
Foto: Gisela Seidel – Aussicht aus dem Küchenfenster meiner ehemaligen Wohnung
Die Morgenröte der Möglichkeiten erwacht im Lichtstrahl der Erkenntnis; der Dunkelheit entstiegen, erweckt sein, voll von Gottvertrauen, Leben, fühlen und getragen sein von Vollkommenheit, die begeistert, einen unbekannten Weg zu gehen, das Wofür, zu finden im tieferen Sinn, ihn anzunehmen, auf die Zukunft gerichtet durch höhere Macht, von ersten zaghaften Schritten, hin zur letzten Wegstrecke des Alters. In der Stille der Dämmerung, sich als Kind fühlen, das geborgen ist im Gegenwärtigen, deren Hände ruhen vor dem Dunkelwerden, das im höchsten Glück vollendend geistig macht.
Es gibt Menschen, die kommen nicht wieder, auch, wenn man sie sehnlichst vermisst. Sie sind wie ein Vogel entflogen, der den Rückweg im Fluge vergisst.
Du kannst sie laut rufen und klagen, in Liebe vergehen, verzeihen. Es verlischt eines Tages die Hoffnung, und du wirst die Erwartung bereuen.
Sind doch längst in anderen Gefilden, wie losgelassen und frei. Muss sich jeder den eigenen Weg bilden, bis vollkommen und fruchtbar er sei.
Bleib immer sonnenbeschienen, dränge alle Zweifel zurück. Die Tränen, sie werden trocknen durch anderes Lebensglück.
Schon macht der Lenz die Flügel weit und jagt davon in starkem Sturmwindreigen; in kühler Luft vergeht die Winterzeit, und erste Wärme lässt die Knospen treiben.
Noch sitzt die Sonne fern im Haus der Schatten und Himmelsbläue ist im Grau verhangen; bald wird im Festtagskleid sie die Natur begatten und jedes Samens Geist ans Licht gelangen.
Die alten Bäume beugen sich im Winde, wie im Spalier bereiten sie den Weg, und die Natur, sie singt dem neuen Kinde ein Lied, das nur der Ewige Geist versteht.
Wie elend ist ein Mensch mit sich allein, der geistig tot ist, ohne Ideale; nicht mal ein kleines Licht gab seinen Schein, sehnsuchtsbefreit sein Leben, das Finale.
Wie arm ist dieser Mensch in seinem Tun, ein Totengräber ist er seiner selbst. Er schaufelt anderen Gräber, ohne Ruhen, freut sich darüber, wenn man fällt.
Opferbereitschaft, Mitleid kennt er nicht, ist frei von Selbsterkenntnis und nicht klug; von niederem Instinkt zeugt sein Gesicht, zeigt keinen menschlich guten Zug.
Erblickte er nicht auch des Schöpfers Land, als Glück der Mutter und des Vaters Stolz? Hielt ihn nicht auch des Engels lichte Hand und wiegte ihn im Bett aus Fichtenholz?
Verirrter Mensch, auch du bist Gottes Kind. Was trieb dich nur auf diese falsche Bahn? Mein Bruder Mensch, was machte dich so blind, trägt auch dein Umfeld eine Schuld daran?
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