Gedanken über Krieg und Frieden

Aufgrund der neuesten Ereignisse veröffentliche ich meinen Beitrag aus 2023 noch einmal. Neues Blutvergießen, Chaos und Zerstörung treiben mich dazu. Die Kriege gehen weiter, es ist ein Kampf um Machtwechsel und um Frieden. Es kann kein Nachlassen geben.
Wir haben das Privileg, Teil der gewaltigen Armee der spirituellen Befreiung zu sein, die ihren Krieg auf dem Schlachtfeld des Materialismus führt. Der Geist wird über die Materie triumphieren, denn der Geist ist Herr und die Materie ist Diener. Es ist töricht, dem Diener zu erlauben, den Meister zu beherrschen.

Man sehnt sich nach einer ganz anderen Art des Lebens. Hier wird man nie das Gefühl haben, die Vollkommenheit sei erreicht. Es wird klar, dass sie hier auf dieser Welt nie erreicht werden wird. Irgendwo gibt man auf, auch die Hoffnung. Man kann nicht zu Ende denken.

Was fehlt, ist für jeden Menschen unterschiedlich. Meist kann man seine hier gesetzten Ziele nicht erreichen. Wer hat Schuld daran? Einer wird sagen: Ich bin selbst schuld daran, und wird depressiv. Ein anderer gibt diese Schuld seinem Partner, einer Behörde, einer Regierung. Hat man dann Frieden?

Man sucht den Ausgang, kann aber die Sehnsucht nach Frieden nicht stillen. Wir alle wollen Frieden haben auf der Welt. Doch die Unruhe in uns, treibt uns oft aggressiv voran.

Auch in friedlichen Zeiten wird gestorben. Es gibt für Menschen glückliche Zeiten, in denen es sich schwerer stirbt, als in schweren. Dann ist man nicht bereit, loszulassen. Wir verdrängen den Gedanken an den Tod.

Doch ist man auf Dauer glücklich in einer hellen, friedvollen Welt? Gewiss gönnen wir jedem Volk Frieden und Freiheit, aber zur gleichen Zeit, wo wir es gönnen, wissen wir, dass dieser Frieden nicht ewig währt. Diese Überlegung mag der Mensch nicht.

Der Mensch sucht einerseits nach einem friedvollen, harmonischen Leben, scheut jedoch die Vollkommenheit, den Gleichmut und damit die Langeweile. Wozu lebt man, wenn man alles haben kann? Was ist der Sinn des Ganzen? Wer sind wir? Jede Religion hat wohl eine andere Antwort darauf.

Es wird klar, dass der Frieden ein anderer sein muss. Ist es alleine der Sinn des Werdens, der uns Frieden bringen kann? Diese Welt wird beherrscht vom Wachsen und Werden und ist weit von Vollkommenheit entfernt.

Ich frage mich, was ist den Menschen geschehen, die in der Vergangenheit für ihre Freiheit im sogenannten 3. Reich sterben mussten und im 30-jährigen Krieg, oder jetzt in der Ukraine oder anderswo auf der Welt? Man sucht Schuldige und Ursachen. Wer war/ist „das Böse“? War die Geschichte schuld, die Menschheit, die es in sich aufnahm? Der Militarismus? ‚Kranke‘ Wahrnehmungen? Manipulation? Schnell merkt man, dass zwischen allem ein Zusammenhang besteht, der nicht einzeln benennbar ist. Eins fügte sich ins andere. Jeder hat eine andere Friedenssehnsucht. Alle sind unzufrieden, irgendwie. Wir suchen nach Fehlern der Regierungen, Religionen etc. und wollen es bestimmen. Auch hier fehlt die Vollkommenheit, weil alles von Menschen gemacht wurde. Alle Systeme müssen unehrlich sein, denken wir.

Wir sprengen im Wissen ständig die Grenzen. Unsere Bewusstwerdung breitet sich immer weiter aus. Das Leben hat eine gewisse Unschärfe, es ändert sich konstant. Wir können gut und böse oft nicht unterscheiden, weil es zu verschwommen in der Wahrnehmung ist. Immer mehr Wissen scheint uns zu irritieren, weil es uns ständig auf diese Verschwommenheit aufmerksam macht. Was man nicht weiß, muss man glauben – ein vernachlässigtes Gebiet. Vieles kann man durch Wissen nicht erreichen. Wer sind wir? Wir sind da, wissen aber nicht, warum.

Wir wollen nicht, dass jemand vom Tod redet. Tod hat mit Wissen zu tun. Was danach ist, wissen wir nicht, glauben wir nur. Glauben kommt aus dem Bereich des Nichtbewussten. Manche möchten sich dem Wissen aus Angst entziehen, Angst vor dem Tod, vor dem Atomkrieg, vor Krankheit, der Einsamkeit etc. Innerlich ahnt man die Unwahrheiten und will davon nichts hören. Es ist etwas Verborgenes in uns, das wir nicht erklären können. Wir brauchen eine Wende auf der Welt, eine Wende, die zu Gott und zu uns selbst führen soll. Wissen führt immer nur zu weiteren Antworten, die in ihrer Gesamtheit zu verschwommenen Wahrheiten führen müssen.

Man möchte leben ohne ein Zerfließen der Zeit. Diese Sehnsucht nach Leben ist eigentlich die Sehnsucht nach Frieden. Der Mensch muss sich in seiner Einmaligkeit sehen. Auch der andere ist einmalig.

Den Nächsten lieben bedeutet, ihm etwas zu gönnen, das weitergeht, als ich ihn lieben könnte. Wenn ich meinen Feind liebe, bedeutet dies, dass er Beziehung zum Ewigen bekommt. Ich spüre, er muss erlöst werden. Ich gönne meinem Feind also, dass er den Weg zu Gott finden wird.

Der Mensch muss auf Erden „den gordischen Knoten lösen“ – die Überwindung eines schwierigen Problems meistern. Polarität ist als geteilter gordischer Knoten zu sehen.  Ein Gegensatzpaar, dem einem einzelnen Pol nie eine Wertung (etwa gut oder schlecht) zukommt. Die Pole sind die zwei gegenüberliegenden Enden derselben Sache, im Geiste untrennbar, zu einer Einheit verbunden und bedingen einander. Freund – Feind, Frieden – Krieg, hell – dunkel etc.  Nur Gott ist eins – unteilbar.


Ein anderer Zeitgeist

Zeichnung von Ludwig Richter (1803-1884)
Es gab eine Zeit, es ist noch nicht lange her,
da hatten die Leute 15 Kinder und mehr.
Ganz ohne Kindergeld – das gab’s noch nicht,
12 Stunden Arbeit waren Tagespflicht,
und Schulgeld zahlten sie für jedes Kind,
Lehrgeld für die, die in Ausbildung sind.

Die Straße gehörte den Kindern zum Spiel,
und wenn eines von ihnen in den Schotter fiel,
dann sorgten sich Eltern wenig um sie,
sondern nur ums Loch in der Hose am Knie.
Da piepte kein Handy, man maß Liebe, nicht Likes.
Es gab simple Fahrräder, keine Mountainbikes;
auch mal Langeweile und Stille daheim,
wenn es draußen dunkelte, musste man rein.

Man folgte den Eltern mit Respekt.
Die Alten wurden nicht ins Heim gesteckt,
und sollte man alleine sein, vom Leben müde gemacht,
dann hat die Caritas Hilfe, nur für Gotteslohn gebracht.
Den Dienst an Kranken leisteten die Frauen,
ein Arzt kam ins Haus, um nach Kranken zu schauen.
Niemand musste mit Fieber im Warteraum sitzen,
um stundenlang Blut und Wasser zu schwitzen.

Arbeiter konnten sich Autos nicht leisten,
ein Telefon bekamen längst nicht die meisten;
auch wenn die Arbeit fern war, fuhr man Rad.
Ein Moped war ein Traum, wie jede Fahrt.
Oft lief man Kilometer, stundenlang;
es fuhr nicht überall die elektrische Straßenbahn.
Die Welt war riesengroß und jeder Schritt
und jeder Gang ein Stück vom Lebensglück.

Man nutzte jeden Tag schon früh, daheim.
Arbeit war immer, Freizeit „schrieb man klein“.
Man nähte, kochte, strickte noch per Hand;
bevor man Waschmaschinenkraft erfand,
mühte man sich den lieben, langen Tag
mit Waschen, Trocknen und Bügeln ab.
Staubsauger waren noch unbekannt,
Teppiche wurden geklopft, bis man sie staubfrei fand.
Die Frauen verbrachten ihr Leben daheim,
mussten dem Ehemann untertan sein.
Geld und Auskommen hat er gebracht;
das Sagen behielt er und häusliche Macht.

Handwerker war jeder Mann im Haus;
man teerte Dächer, baute die Zimmer aus,
man legte angstfrei die Elektrik unter Putz,
geerdet war nichts, vor dem Schlag fehlte Schutz;
mit Kitt setzte man Fensterscheiben ein,
und kaufte Kohleöfen für ein warmes Heim.
In Aschetonnen, wöchentlich abgefahren,
gab es weder Papier noch Plastikwaren.
Man düngte den Garten mit Biomüll,
aus stinkenden Kuhlen, inmitten des Garten-Idylls.
Auch das Plumpsklo wurde jährlich geleert,
auf die Beete gekippt, als Dünger verwertet.

Kaninchen hockten in kargen Ställen,
ließen sich mästen, bis zum Schlachten quälen.
Nicht ein einziges Mal fühlten sie Boden und Licht,
nur den Schlag in den Nacken, der am Ende sie bricht.

Es gab Brote mit Butter, darauf Zucker gestreut,
nur selten Fleisch; sonntags war Bratenzeit.
Schmalhans war Küchenmeister im Revier,
nur sonntags kaufte man manchmal ein Bier.
Abends gab es das Fernsehen nicht,
nur eine Stimme, die aus dem Radio spricht.

Heut‘ ist alles anders, der Wandel Magie,
ein Zeitgeist, der flüstert: Nimm’s leicht, c’est la vie.

Am Brunnen vor dem Tore

(1822)
Text: Wilhelm Müller (1794–1827)
Melodie: Franz Schubert

Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum;
ich träumt’ in seinem Schatten so manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort;
es zog in Freud und Leide zu ihm mich immer fort,
zu ihm mich immer fort.

Ich musst’ auch heute wandern, vorbei in tiefer Nacht;
da hab’ ich noch im Dunkeln die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten, als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle! Hier find’st du deine Ruh!

Die kalten Winde bliesen mir grad’ ins Angesicht;
der Hut flog mir vom Kopfe, ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde entfernt von jenem Ort,
und immer hör’ ich’s rauschen: Du fändest Ruhe dort.

Vorfrühling

Quelle: Pinterest – KI modifiziert
Die zarten Tage kehren endlich wieder,
an denen die Natur erwacht aus Träumen
und über grauem Laub im Frühjahrsfieber,
die Glöckchen stehn, die viele Wege säumen.

Weiß, wie die Unschuld, sind sie aufgeblüht.
Das alte Grün erscheint in neuem Licht.
Der Morgen hat sich früher aus dem Bett bemüht,
bevor die Sonne durch die Wolken bricht.

Der Himmelsbogen ist noch stark verhangen,
von grauen Schwaden, die am Tag verwehen.
Der Winter scheint mit einem Mal vergangen;
der Frühling zeigt sich sanft und morgenschön.

Morgen- und Abendrot

Filmmusik von Ennio Morricone aus dem Film „Die Mission“

Foto: Gisela Seidel – Aussicht aus dem Küchenfenster meiner ehemaligen Wohnung

Die Morgenröte der Möglichkeiten
erwacht im Lichtstrahl der Erkenntnis;
der Dunkelheit entstiegen,
erweckt sein,
voll von Gottvertrauen,
Leben, fühlen und getragen sein von Vollkommenheit,
die begeistert,
einen unbekannten Weg zu gehen,
das Wofür, zu finden im tieferen Sinn,
ihn anzunehmen,
auf die Zukunft gerichtet durch höhere Macht,
von ersten zaghaften Schritten,
hin zur letzten Wegstrecke des Alters.
In der Stille der Dämmerung,
sich als Kind fühlen,
das geborgen ist im Gegenwärtigen,
deren Hände ruhen vor dem Dunkelwerden,
das im höchsten Glück vollendend geistig macht.

Welke Tage

Copyright: olegdudko
Tage, welche welk geworden,
fallen in den Schoß der Zeit,
sind wie Staub,
gehn geistverloren
in die Schicht der Fruchtbarkeit.

Alter Weg vergang’ner Fährten,
Schichten, die wie Jahresringe
alter Bäume Auskunft geben,
sind der Boden aller Dinge.

Schoß, aus dem die Leben kamen,
werden, wachsen und vergehen.
Wiederkehren ist ein „Amen“,
lässt das Ur-Bild auferstehen.

Hartes Landleben in Ostpreußen

Hans Andersen Brendekilde (1857-1942)

Wintermüde war die Landschaft
und die Lager leer gegessen. –
Karge Äcker! Stark und standhaft
waren die Alteingesess’nen.

Heimatlich ruht Dorf und Scholle.
Erde, die uns reich gemacht.
So auch ruhte manche Knolle,
in der Nebelfelder Pracht.

Sturmes Zeiten kamen wieder,
fegten durch den Wolkenpfad,
machten müd geword’ne Glieder
alter Bauersleute schwach.

Und des Frostes letztes Mühen
trieb mit tödlich kaltem Herz,
hinderte des Lenzes Blühen,
und das Volk schrie himmelwärts.

Doch aus gnadenlosen Himmeln
regnete es glücksverloren.
Sonne ließ die Hoffnung schimmern,
als ein neuer Tag geboren.

Und die vielen Hoffnungsfrohen
weinten unter ihren Bäumen.
Heimaterde, trink die Tränen,
lass die Frühlingssterne träumen.

Erwartungen

Quelle: Pinterest
Es gibt Menschen, die kommen nicht wieder,
auch, wenn man sie sehnlichst vermisst.
Sie sind wie ein Vogel entflogen,
der den Rückweg im Fluge vergisst.

Du kannst sie laut rufen und klagen,
in Liebe vergehen, verzeihen.
Es verlischt eines Tages die Hoffnung,
und du wirst die Erwartung bereuen.

Sind doch längst in anderen Gefilden,
wie losgelassen und frei.
Muss sich jeder den eigenen Weg bilden,
bis vollkommen und fruchtbar er sei.

Bleib immer sonnenbeschienen,
dränge alle Zweifel zurück.
Die Tränen, sie werden trocknen
durch anderes Lebensglück.

Frühlingsahnung

Quelle: Pinterest
Schon macht der Lenz die Flügel weit
und jagt davon in starkem Sturmwindreigen;
in kühler Luft vergeht die Winterzeit,
und erste Wärme lässt die Knospen treiben.

Noch sitzt die Sonne fern im Haus der Schatten
und Himmelsbläue ist im Grau verhangen;
bald wird im Festtagskleid sie die Natur begatten
und jedes Samens Geist ans Licht gelangen.

Die alten Bäume beugen sich im Winde,
wie im Spalier bereiten sie den Weg,
und die Natur, sie singt dem neuen Kinde
ein Lied, das nur der Ewige Geist versteht.

Der maskierte Mensch

Ausschnitt des Gemäldes von H. G. Leiendecker
Früh üben wir das Maskentragen,
an allerersten Kindertagen;
Menschen erkennen später nicht
der anderen wahres Angesicht,

denn die sympathische Fassade
täuscht nur mit lockendem Gehabe.
Die echte Miene bleibt verborgen,
man lächelt noch, trotz vieler Sorgen.

Denn Lügen stehn nicht im Gesicht;
nichts weist auf das, was unwahr ist.
Wir sind vom Aussehen angezogen
und glauben alles, was gelogen.

Es fasziniert das fremde Tun,
wir rätseln nicht daran herum.
Erst, wenn die schönen Masken fallen,
sehen wir der Wahrheit Licht in allen.

Die Larve wollt ihr Bild verdecken,
und erst auf ihren Sterbebetten,
wo sie durch Lebensnot geschwächt,
sind ihre Totenmasken echt.