Ich wandre durch die Welten,
bewusstseinsblind geboren,
kenn nicht den Weg.
Mit vielen Steinen ist er dicht belegt,
es freut und schmerzt zugleich,
ihn zu durchschreiten.
Niemand geht leichten Fußes,
ohne Leiden.
Nur eine Ahnung wacht;
in mir, ein Urvertrauen.
Das Blut in meinen Adern ist ein Fluss,
der altes Wissen in sich trägt
und einen Geist, der Wahrheit finden muss.
Durch alle Zeitenflüsse treibt sie ihn,
denn alle Lebensgeister sind aus ihm.
Ob Moses Volk einst auszog
aus dem Land der Pharaonen,
durch Sturmesfluten und durch
Wüstenschwere,
nun trägt auch mich
die gotterfüllte Lehre.
Gefahren trotzend geht mein Blick nach oben,
wo ich, von Sonnenhand erhoben,
bestaun den Bogen, bunt, wie ein Kristall.
Wann immer ich ihn sehe, ist er Kompass mir.
Mein Ziel erreichen, will ich, dort und hier.
Was Mensch aus Gott gemacht,
in Kirchen und Gedanken,
Es ist nur ein falsches Bild.
Es wird vergehen,
wie die Gewohnheit irdischer Belange,
ganz ohne Rasse, Nationalität,
im lichten Land befreit sein wird, verweht.
Wo sich die Seelen finden,
körperlos und fern der Zeitenflüsse,
wo Gut und Böse sich zur Harmonie verbinden,
da ist mein Ursprung, möcht' ihn wiederfinden!
Gleichgültig

„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“,
hieß es einst in Kinderjahren,
als zu uns, aus fernen Ländern,
fremde Menschen zu uns kamen.
Italiener, die uns halfen,
neuen Wohlstand zu erwerben,
den wir einst im Krieg verloren,
durch die eigenen braunen Schergen.
Viele folgten noch, auch andere,
die uns fremd und bös erschienen;
schwarze Haare, anderer Glaube.
Glaubten wir doch an Doktrinen,
eine Sammlung von Geschichten,
theologisch und abstrakt,
die einst abgehobene Priester
jahrelang uns beigebracht.
Einfach ist der Wahrheit Mitte
in den meisten Religionen,
als sie noch gelehrt von Kräften,
die noch geistig in uns wohnen.
Von der großen Kraft beseelt,
inspiriert in alten Tagen,
alle Menschen seien gleich,
dieses Band des Geistes tragen.
Etwas bringt uns zueinander,
denn was gleich in uns, vereint.
Sonne scheint auf alle Menschen,
einerlei ist’s, wem sie scheint.
Wäre ich eine Missionarin, würde ich meine Aufgabe immer in zwei Richtungen sehen. Die eine ist rein destruktiv und die andere konstruktiv. Erstens, all das Unkraut zu vernichten, das die menschliche Seele schon zu lange erstickt hat: das Unkraut der Falschheit, das von den Kirchen gefördert wird; all die unsinnigen, abstoßenden und manchmal blasphemischen Lehren, die im Namen der Religion angeboten werden. All das muss ausgerottet werden, denn es verhindert, dass das Leben gelebt wird, wie es sollte. Das ist der zerstörerische Teil. Der konstruktive Teil besteht darin, Wissen anzubieten und zu zeigen, wie vernünftig, wie einfach, wie schön und wie wahr es für alle ist, die bereit sind, es zu empfangen. Die beiden Aufgaben gehen Hand in Hand.
Es gibt viele Menschen, die jede Kritik an der Falschheit ablehnen und deren wahres Gesicht nicht erkennen. Was soll ich dazu sagen?! Was ist der Ostersegen eines Papstes gegen den Segen Gottes, der aus unserem Herzen kommt? Jeder muss selbst ‚erleuchtet‘ werden.
In unseren Adern fließt das gleiche Blut, in jedem von uns steckt der gleiche Geist. Der große Geist hat uns alle zu Mitgliedern einer einzigen Familie gemacht.
Kinder lassen sich von der Meinung Erwachsener manipulieren. Sie erkennen nicht die zugrunde liegende Einheit. Ich habe mich als Kind darüber gewundert, dass mir mein Vater den Umgang mit einem italienischen Mädchen verbat. Ich war fasziniert von ihren wunderbaren langen, schwarzen Haaren, die sie zu einem Zopf gebunden trug. Meine Eltern lehnten alle Ausländer ab.
Die müssen daran erinnert werden, dass es keinen wahren Fortschritt gibt, bis diese geistigen Realitäten ihren Platz in allen weltlichen Systemen einnehmen.
Fröhliche Ostern
von Kurt Tucholsky

Da seht aufs Neue dieses alte Wunder:
Der Osterhase gackert wie ein Huhn
und fabriziert dort unter dem Holunder
ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.
Und auch der Mensch reckt froh bewegt die Glieder -
er zählt die Kinderchen: eins, zwei und drei ...
Ja, was errötet denn die Gattin wieder?
Ei, ei, ei,
ei, ei,
ei!
Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware
ins Pappne Ei zum besseren Konsum:
Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare,
Die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.
Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben,
sucht die voll Sinn versteckte Leckerei.
Man ruft beglückt, wenn sie's gefunden haben:
Ei, ei, ei,
ei, ei,
ei!
Und Hans und Lene steckens in die Jacke,
das liebe Osterei – wen freut es nicht?
Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke,
und ohne jedes innere Gleichgewicht.
Die deutsche Politik … Was wollt ich sagen?
Bei uns zu Lande ist das einerlei -
und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen!
Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!

Golgatha

Stille trägt die Last des Tages
und des einstigen Geschehens;
Sein Ermatten und Gemahntes
wird durch die Geschichte gehn.
Hat den bitteren Kelch getrunken,
sah sie kommen, diese Nacht;
sah die Mutter, die gesunken,
vor dem Kreuz, das Leiden macht.
Tod, der Wartende am Hügel,
mit gesenktem Blick davor,
hielt geduldig seine Zügel,
doch dann trieb sein Ross empor.
Aus der blut’gen Dornenkrone
trieben plötzlich weiße Rosen;
und man nahm Ihn aus der Mitte
seinen Leib, den regungslosen.
Will im tiefsten Deingedenken
jedes Leid auf Erden sehen;
will den Blick zum Himmel lenken
und glaub‘ an Dein Auferstehen.
Ich mag

Ich mag in der Vergangenheit wühlen –
habe so manche Träne vergossen.
Die bunten Eier …, spür‘ alte Gefühle;
hab sie tief im Herzen verschlossen.
Ich tue so, als wären ALLE bei mir,
denn nur, weil SIE lebten, bin ich hier.
Ich mag Kamine mit rauchenden Schwaden,
wie auf dem Kinderbild, wo sie nicht schaden,
auf Dächern vertrauter Häuser, darin
Menschen und deren Eigensinn;
Gesichter, die verändert in Jahren,
Falten, wie Jahresringe tragen.
Ich mag rote Ziegel, die sich dunkler verfärben,
wenn der Regen sie nässt und mein Leben auf Erden.
Kaminfeuer, das in Haus und Gemüt
Behaglichkeit und Wärme versprüht.
Ich mag Vögel, wie sie fliegen, dort oben,
jeden Flügelschlag und ihr Singen und Toben;
wenn sie Platz für neue Nester finden,
und dort kunstvoll Zweig mit Zweig verbinden.
Ich mag, wie in der Kindheit, auf dem Dörpel sitzen,
mit dem Tretroller über die Straßen flitzen,
Lakritz-Wasser trinken, Glanzbilder betrachten,
die Zigarrendose, in der sie Jahre verbrachten,
die Unbeschwertheit weniger Tage genießen
und abends mit Grießbrei den Abend beschließen.
Ich mag Erinnerungen an unseren Garten,
wo bunte Eier auf Entdeckung warteten.
Wo Osterfeuer der Freude dienten und dem Brauch,
und das innere Kind, wenn es lacht, mag ich auch!

Gedanken in der Woche vor Ostern

Der Nazarener sah seine Jünger und die jubelnden Menschen, die er geheilt und gesegnet hatte. Er wusste, dass sie ihn in dieser materiellen Welt nicht verstanden hatten. Er sprach eine andere Sprache, eine, die das Ewige im Menschen anspricht. Jesus musste diese Welt verlassen. Er wusste: Nur wenn sein geistiges Erbe hierbleibt, hat alles einen Sinn.
Auch das leere Grab wird von der Welt nicht verstanden. Man sagt, dass der Auferstandene, nicht aussah wie Jesus in seinen letzten Tagen. Es sei ein anderer gewesen. Sie erkannten ihn nicht, weil er der Vollkommene war, mit einer noch größeren Ausstrahlung als früher. Man erfuhr ein Glücksgefühl in seiner Gegenwart, denn man konnte das Ewige erkennen.
Sehnt sich der Mensch deshalb nach der Ewigkeit, wo alle Momente, ob gute oder böse, gerichtet und repariert sind und der Geist vollkommen klar und rein?
Jesus sagte, ihn verstehen bedeutet, das Kreuz auf sich zu nehmen. Damit ist nicht die Last des Leidens gemeint, sondern dieses Leben mit all seinen Schwierigkeiten durchzustehen und gleichermaßen zu wissen: Ich gehe den Weg ins Ewige.
Deshalb heißt es: Wenn du das Leben hier suchst, verlierst du es. Je mehr du es wichtig nimmst, desto mehr verlierst du den Sinn für das Ewige. Freude kann nur sein, wenn der Mensch das Ewige in sein Leben integrieren wird. Was hilft es dem Menschen, wenn er allen Gewinn dieser Welt hat?! Seine Seele, das Ewige, der Heilige Geist Gottes in ihm leidet Schaden. Nach dem Tod wird alles zerplatzen wie eine Seifenblase. Sie schillert schön einen Moment lang, bis sie zerplatzt, und wird zu nichts.
Zitat Zürcher Bibel: Markus 8, 34–38
34 Und er rief das Volk samt seinen Jüngern herbei und sagte zu ihnen: Wenn einer mir auf meinem Weg folgen will, verleugne er sich und nehme sein Kreuz auf sich, und so folge er mir.
35 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, wird es retten.
36 Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und dabei Schaden zu nehmen an seinem Leben?
37 Was hätte ein Mensch denn zu geben als Gegenwert für sein Leben?
38 Wer sich meiner und meiner Worte schämt in diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird auch der Menschensohn sich schämen, wenn er kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.
Ewige Liebe

Nur Liebe möcht’ ich fühlen
in allen meinen Zellen,
möcht’ meinen Sinn, den kühlen,
in Herzenswärme stellen;
ganz in Gedanken sinken,
die sehnsuchtsvoll entbrennen,
ein freundschaftliches Winken
am Horizont erkennen.
Vertraute Hände fühlen,
auf meinen, liebevoll,
in der Erinnerung wühlen,
voll Glück und ohne Groll;
vertraulich schau’n in Augen,
die niemals Lügen sprechen,
im hellen Sonnenglänzen
der Grenzen Zäune brechen.
Möcht’ Seligkeit erleben,
die es auf Erden gibt,
mich ganz und gar ergeben,
dem, der mich ewig liebt.
Geborgenheit

Die Blütezeit nimmt ihren zarten Lauf,
und Gänseblümchen seh’ ich auf dem Wege blühn,
Insekten voller Leben, Löwenzahn zuhauf,
und Opa seh’ ich lächelnd vor dem Garten stehn,
wie er von Oma rationierte Stumpen raucht.
Ich seh’ den grauen Qualm, wie er verweht,
wie der Moment, der war und zeitverbraucht
in mir als Bild erneuernd aufersteht.
Spüre Geborgenheit, die Blicke treffen sich
und ein Gefühl von Wärme zeigt Gesicht.
Ich nehm’ es mit, soweit es trägt in sich,
den Hauch „Zuhause“ jetzt und ewiglich.

Hilfloses Altern

Die Tür fällt leis ins Schloss!
Du musst verlassen deines Wirkens Stätte.
So, wie ein langer Regen sich ergoss
und dann versickert tief im Erdenbette,
so flossen deine Tage voller Schaffen,
doch langsam wich die Kraft aus deinen Zellen,
vorbei der Ansporn, das Zusammenraffen,
der Zahn der Zeit, er nagt an allen Stellen.
Ein letzter Blick fällt auf das Altvertraute,
ein tiefer Seufzer der Erinnerungen.
Der mit Elan einst Zukunftsschlösser baute,
ist ohne Ziele, ganz vom Weh durchdrungen.
Die Wehmut lenkt die Schwere deiner Schritte,
nichts hält dich, niemand, der dein Dasein wandelt;
was du einst liebtest und dich hielt in deiner Mitte,
es ist längst fort, vorbei und abgehandelt.
Führst Zwiegespräche mit den Unsichtbaren,
die schon vor langer Zeit die Welt verließen.
Hilflosigkeit wächst mit den täglichen Gefahren
und tückisch scheint der Weg unter den Füßen.
So gehst du hin in eine Heimstatt, die man wählte,
und überschaubar werden deine letzten Jahre.
Am Ort, an dem Vergessenheitsgequälte
vergessen werden, steht bereits die Bahre.
Wenn Menschenhände dich längst losgelassen,
du mit Erinnerungen nur im Damals lebst,
bleibt dir nur Gott – er wird dich nicht verlassen,
wenn du auf deine letzte Reise gehst.
Seufzerbrücken
Der Frühling malt mit seinen zarten Farben
den Tag in süßester Manier;
in dem die Stunden uns, wie höchste Gaben,
verzaubern ganz in Poesie.
Wir stehen auf so vielen Lebensbrücken,
und unter uns ein wilder Fluss;
verbinden uns mit allen Daseinslücken,
die Menschheit überqueren muss.
Wer alles schon in Not hierauf gegangen,
durchläuft die Seufzerbrücke ganz zum Schluss,
der wird im Tod am Ziele angelangen,
an dem ein jedes Leben stehen muss.
Doch lasst ganz ohne Angst die Wasser fließen,
mitreißend wird es in die Zukunft gehen.
Kannst du die Tage deines Lebens segnen,
siehst du am letzten für dich Blumen stehen.