Damals

Adam und Eva im Paradies – Johann Wenzel Peter (1745-1829)

Es war einmal ein winzig Kleines,
das überhaupt nicht wusste, wer es war,
und was es sollte, blieb ihm ein Geheimnis,
denn so weit dachte es nicht, offenbar.

Es wuselte durch Weltgeschichten,
um ihn herum, die Pflanzen riesengroß.
Es konnte niemandem davon berichten,
denn da war nichts wie er, und er beschloss,

in sich die Hoffnung niemals zu verlieren,
voll Demut, dennoch himmelschreiend;
alleine würde er den Mut verlieren,
und einsam sein, das würd‘ er, obendrein.

Als androgynes Etwas – der Gedanke;
geboren war ein Adam dieser Welt,
und als sein Wunsch zum Himmel rankte,
der ihm die Adama zur Seite stellt,

da waren aus den Ursprüngen verbunden,
die Kreationen, Mann und Frau vereint.
Der Schöpfergeist hat sie für gut befunden,
in Obhut durch die Engel, gut gemeint.

Doch, da war plötzlich dieses Für und Wider,
ein Trieb, der nachzugeben zog und lenkte;
im Geiste ging die Mahnung auf sie nieder,
der Einsicht in den Tod des Lebens schenkte.

Es war einmal ein winzig Kleines,
das seiner Geistesgröße nicht bewusst,
als Androgynes, ewiglich Geheimes –
aus Fleisch und Blut, Vergänglichkeit ein Muss.

Von Gott verliehen

Quelle: Pinterest

Wie in einem tiefen Brunnen,
gefüllt mit geistigen Gaben,
bietet sich eine Quelle,
die niemals versiegt.

Immer wieder füllt sie sich neu,
wird auch ein Teil daraus entnommen.
Den Menschen wird sie dienen,
die sich daran selbst verwirklichen.

Denen die Gaben des Geistes verliehen wurden,
müssen auf Schwierigkeiten stoßen,
die es ihnen ermöglichen,
zu erkennen,
dass die Quelle allen Seins
auch ihres eigenen,
nicht in etwas Physischem liegt,
sondern in dem,
was geistig ist.

Sie werden erst dann mit diesen erhabenen Wahrheiten konfrontiert,
wenn sie die tiefsten Tiefen der Verzweiflung erreicht haben und glauben,
dass in der Welt der Materie kein Ausweg mehr zu finden ist.

Das ist der Zweck ihrer irdischen Existenz.
Sie werden in der Lage sein,
höhere Bewusstseinszustände zu erreichen,
die es wiederum ermöglichen,
dass größere geistige Kräfte durch sie wirken.

So getan, wird sich alles andere fügen.

Heiße Sommertage

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
Die Hitze flirrt im Sommerlicht,
der Mensch flieht in den Schatten.
Die Sonne strahlt, die Sonne sticht –
lässt jedes Blatt ermatten.

Die Luft zieht bald in jeden Spalt,
treibt Kühle aus den Räumen;
dringt ein, mit himmlischer Gewalt,
lässt Welt vom Regen träumen.

Bald kommt die kühle Zeit herbei,
wird Brand und Glut entfernen.
Der großen Dinge Wesen sei,
sie zu verstehen lernen.

Es steht im Buche der Natur,
es wird die Sonne reifen,
und wer der Wahrheit auf der Spur,
wird sie gereift, begreifen.


Eis mit Zitrone

Bild von blende12 auf Pixabay
Atmen fällt schwer, die Glieder so müde,
ein langer Schlaf und trotzdem so schwach.
Tatkraft ist nur eine Attitüde,
was fehlt, ist die innere Leidenschaft.

Konzentration will nicht recht gelingen;
schwerfällig setze ich jeden Schritt.
Möchte die Wärme zum Weichen bringen,
Ventilator verteilt die Hitze ein Stück.

Draußen der Lärm, hier hüllt sich das Schweigen
wie eine schwere Decke um mich.
Hitzefrei will ich im ‚Kämmerchen‘ bleiben,
einzig mit meinem schwitzenden Ich.

Träume vom kühlenden Eis mit Zitrone,
senken von innen die Temperatur.
Menschen treibt es auf die Balkone,
schweißtreibend hält mich der Sommer auf Spur.

Sonnenaufgang

Bild von Pexels auf Pixabay
Die Sonne geht auf, als wär’s der erste Tag;
die Erde öffnet sich dem Licht.

Das Meer schwingt ruhig im Wellenschlag,
benässt den Strand, an dem es bricht.

Brandet am Ufer – ein Kommen und Gehen,
als würd’ Gott es zum Meeresgrund tragen,

wo Blinde leben, mit Lichtern versehen,
die Sonne im Wesenskern haben.

Flüchtiges Lauschen

Edward Robert Hughes (1851-1914)
Ich folg’ des Wanderers Blicken,
mit Tannengrün am Hute,
der tastend seine Schritte
führt längs der Wanderroute.

Das Bächlein, wie es flüstert,
es plätschert vor sich hin;
sein mondbeglänzter Schimmer
geht mir nicht aus dem Sinn.

Als würden die Gedanken
wie Glitzersteine prahlen,
und mir statt grauer Steine
ein Bild aus Märchen malen.

Erweckt in meiner Seele
sind fast vergessene Lieder.
Hätt’ ich der Amsel Kehle,
kläng’ der Gesang hernieder.

Die Nebel, wie sie steigen,
aus moosbegrünten Wegen,
und wenn der Morgen graut,
sich auf die Wiesen legen.
Zeichnung Ludwig Richter
Der Menschheit dunkle Tage – 
hör wispernd ferne Stimmen,
sind durch den Wald geschritten,
seh' ihre Feuer glimmen.

Hör‘ ihre Füße stampfen,
wenn die Legion marschierte,
wie sie die Bäume brachen,
und jeden Weg markierten.

„Sie lebten und sie litten“,
flüstert das Blätterrauschen;
der Lindenbaum erzählt es,
der Eiche konnt’ ich lauschen.

Noch mit den alten Göttern,
sind sie hindurchgegangen,
brandschatzten und zerstörten -
das war ihr Unterfangen.

Es grünt des Waldes Garten;
im stillen Heiligtume,
versteckt und unerkannt,
da träumt die blaue Blume.

Hör' Nachtigallen singen,
wie jubeln sie und klagen,
bis kein Lenz mehr auf Erden
wird blühen und Herzen schlagen.

Der Vergessene

 Die Einsamkeit bei Tagesanbruch – Johann Heinrich Füssli (1741–1825)
Nur Sterne waren dort, der Mond so weit;
der Himmel über ihm, ist grau verhangen.
Er fühlt die Leere um sich, weit und breit
ist niemand da; sind alle fortgegangen.

Doch neben ihm, da liegt ein Treuer,
erwacht wie er im zarten Morgenrot.
Das Hündchen trieb die Ungeheuer
der Nacht hinfort und alle Not.

Er greift nach ihm und fühlt sein Herz,
wie still es pocht, ganz im Vertrauen, gut.
Sieht er die Augen funkeln, geht der Schmerz
und seine Seele weiß, wie gut es tut.

Er ist ein Wanderer in dieser Welt,
an seiner Seite gingen viele Seelen,
die durch Erfahrungen sein Herz gestählt,
nur sein getreuer Hund, er würde fehlen.

Nun sind sie alt geworden hier auf Erden.
Klingt wie das herbste Wort von allen herben.
Der stille Tod ist das Vergessenwerden,
was noch viel bitterer ist als Sterben.

Heiliger Geist Leben

Das hebräische Wort für Geist ist Ruach, was übersetzt „Wind“, „Hauch“ oder „Lebenskraft“ bedeutet.

Quelle: Pinterest

Die ganze Welt existiert aufgrund des Geistes.
Ohne Geist gibt es kein Leben, denn Leben ist Geist und Geist ist Leben.
Der Geist des Menschen muss seinen vollen Ausdruck finden.

Wirklichkeit, vom Dunkel befreite Wahrheit,
du bist nicht in der Materie zu finden,
nicht in den Körpern bist du zu entdecken.

Menschen sind geistige Wesen;
Spiritualität wächst vom Moment der Empfängnis.
Es gibt nichts, was von dieser Realität trennen kann.

Der Mensch existiert aufgrund des ewigen Geistes,
um im Sonnenlicht der Freiheit zu leben.

Wissen muss in dieser Welt regieren und die Unwissenheit vertreiben;
Wissen muss sich verbreiten,
damit nicht die Angst aktivierendes Motiv des Geistes ist.

Der Geist des Menschen muss regenerieren und sich erneuern.

Ein Wandel im Herzen und die Anwendung geistiger Werte,
sind die einzigen Mittel,
welche Frieden in unsere unruhige Welt bringen werden.

Schlafes Bruder

Nachtmahr – Johann Heinrich Füssli (1741–1825)
Der Geist ist wach, auch wenn du schläfst,
der Körper wälzt sich in Erfahrungen der Jahre,
die Vielfalt ist so groß, die Spanne weit,
dass sich im Traum Durchlebtes offenbare.

Des Schlafes Grund ist ähnlich wie der Tod,
weil die Maschine „Körper“ ruhen muss.
Die größten Ingenieure dieser Welt,
kreierten nie der Weisheit letzten Schluss.

Der Körper ist ein wundersames Werk,
so wundervoll, wie es kein zweites gibt;
doch ist die Leistungsfähigkeit nur kurz
und manchmal wird man abermals belebt.

Wahrhaftig, man stirbt jede Nacht!
Nur durch die Silberschnur sind wir verbunden;
der Geist ist frei, ganz körperlos und wach,
treibt er durch viele Sphären, in geträumten Stunden.

Das menschliche Gehirn ist klein; nur bruchstückhaft
erinnern wir uns an die Sinnesdimensionen,
die wir durchziehen, wenn wir schlafen in der Nacht;
die Lücken schließen sich, wenn wir erst drüben wohnen.

Daumen hoch, Daumen runter

Pollice Verso „Daumen runter“ von Jean-Léon Gérôme 1872
Sport und Spiele sind eröffnet.
Sieger freuen sich, lachen, jubeln,
wenn vom eigenen Tun enttäuscht,
der Verlierer weint im Trubel.

Kleiner Krieg in Fangemeinden,
Pyrotechnik und Randale;
Böse werfen Böller, Becher,
fiebern hin bis zum Finale.

Heben Sieger auf den Sockel,
von dort stürzen ihn die Massen,
wenn er nicht ‚geliefert‘ runter.
Grölend treibt’s den Mob durch Straßen.

Der Kommerz reibt sich die Hände,
denn es blühen volle Kassen.
Die Athleten dieser Erde,
sie be-geistern Menschenmassen.

„Ich bin besser, größer, schneller!“,
stehts im Mienenspiel geschrieben;
Alkohol fließt durch die Reihen,
Mengen sind vom Wahn getrieben.

Ordnungshüter staatsbedienstet,
sind bezahlt vom Geld der Schwachen,
die sich wehrlos ausgeliefert
nichts aus Sport und Spielen machen.

Sex und Spiel und Alkohol
messen sich an falschen Göttern,
was im Rausch man finden wird,
sind des guten Geistes Spötter.