Alter und neuer Mensch

Baum der Erkenntnis – Quelle: Pinterest

Epheser 4,22–24: „Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.“

Das Ziel der Menschheit ist es, ihre Unwissenheit, ihren Irrtum und ihren Aberglauben zu vertreiben und sie in das strahlende Licht der göttlichen Wahrheit und des göttlichen Wissens zu bringen, damit sie beginnen kann, so zu leben und sich zu verwirklichen, wie es dem Zweck ihrer irdischen Inkarnation gemäß sein sollte.

Irgendwann kam der Verfall, die Verfälschung des geoffenbarten Wissens zu politischen, theologischen und manchmal auch staatlichen Zwecken.

Der Mensch glaubt weiterhin an Legenden. Die Geschichte von Adam und Eva ist eine solche. Gott ist die große, geistige Kraft der Schöpfung von allem.

Ich stelle ernsthaft die Frage: Lässt dieser große Geist in seiner Allmacht, seinen Sohn am Kreuz sterben, um die Erbsünde des ersten Menschenpaares zu tilgen, wie Gott es angeblich versprochen hatte? Laut Kirche hat der Nazarener durch seinen Tod den Menschen die Türe zur Wiederauferstehung geöffnet, die bis zu jenem Zeitpunkt verschlossen war. Sie gaukelt den Menschen heute noch vor, die Verstorbenen würden in ihrer alten Gestalt am jüngsten Tag wiedererscheinen.

Durch Jesus’ Lehren hat er wahrlich das Bewusstsein gestärkt und dafür gesorgt, dass die Menschen den richtigen Weg zur Erleuchtung finden.

In der Bibel gibt es eine weitere Geschichte von Abraham, der seinen Sohn töten/opfern sollte, angeblich auf Befehl Gottes. Sollte das der Beweis für Abrahams Gottesfürchtigkeit und Gehorsam sein? Noch einmal die Frage: Was ist das für ein Gott, der so etwas fordert? Auch Ibrahim wollte seinen Sohn opfern. Ja, Söhne waren damals das Wertvollste. Töchter zählten nichts.

Meiner Meinung nach hat die katholische Kirche die jüdische Überlieferung vom sündigen Paar Adam und Eva für sich selbst benutzt, um die gläubige Bevölkerung zu manipulieren und ihr ein schlechtes Gewissen zu machen.

Paulus schrieb den Ephesern: „Ihr dürft nicht mehr so leben wie die Heiden.“ Das bedeutet, man kann nicht Christ sein und weiter vortäuschen, als sei alles beim Alten. Es verlangt nach einer radikalen Umkehr und Änderung des Lebensstils.

Wie der historische Mensch lebte, erfahren wir aus der Bibel:

Adam und Eva gehorchten Gott nicht und aßen von der verbotenen Frucht. Kain erschlug seinen Bruder aus Eifersucht. All diese Ereignisse überschatteten die Menschheit und endeten mit der Sintflut. Danach geht es sündig weiter: Die Menschen wollten gottgleich sein und bauten einen Turm, um Gott zu erreichen.

Heute sind die Menschen nicht schlechter oder besser als früher, nur die Methoden sind anders.  Die Mächtigen halten die Schwachen nieder, Frauen werden erniedrigt oder vergewaltigt, es gibt Kriege mit Millionen Toten, Korruption, Diebstahl, Lügen und Betrug. Das ist der Mensch, der alte Mensch, der in der Sünde lebt. Doch das Schlimmste ist, dass die Menschen sich von Gott entfremdet haben.

Paulus schreibt in den Versen davor: „Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung hingegeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier.“ – Ja, es gab unreine Dinge in Form von sexuellen Ausschweifungen, Satanskulten oder unterschiedlichen Süchten. Das war in Ephesus so und das ist heute weltweit nicht anders, nur die Begierden sind andere geworden.

Jesus’ Lehre ist der Weg zu Gott. Das wusste auch Paulus. Das Christentum ist nicht einfach eine damals neue moralische und sittliche Weltanschauung, die sich bis in ferne Zukunft fortsetzen wird. Ein wenig anständiger zu werden, reicht nicht. Es geht darum, ein neuer Mensch in einem neuen Leben zu werden. Jesus ging es darum, den Menschen innerlich neu zu machen, und das geschieht nicht nur in einem einzigen Leben. Die Seele und ihre Anteile werden sich in mehreren Leben ‚erhellen‘ müssen. Aber das bestimmen geistige Kräfte, nicht der Mensch.

Nur, was hat den Menschen so schlecht gemacht, in all seiner Eigenwilligkeit mit seinem angeblichen Ungehorsam? Eva war es angeblich (natürlich eine Frau!), die Adam den Apfel reichte, was von Gott verboten war. In der jüdischen Überlieferung war es eine Frucht vom Baum der Erkenntnis (Gen 2,17); danach konnten sie Gut und Böse erkennen. Diese Wahrnehmung, nach dem Beweisbaren zu urteilen, ließ sie die unsichtbare Welt des Himmels vergessen. Genauso ist es auch heute.

Gott hat den Menschen nach seiner Idee erschaffen, nach seinem Bilde, wie es heißt. Auch heute noch wird es von den Kirchen missinterpretiert. Man erklärt, Gott sehe aus, wie wir, mit ebensolchen Eigenschaften. Einziger Unterschied sei die Sterblichkeit des Menschen mit maximal 120 Jahren.

Gen 1,31: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.“ – Und danach folgt die 2. Schöpfungsgeschichte in Gen 2.

Warum soll der Mensch sein Kleid wechseln, wenn der/das erst Erschaffene sehr gut war? Der erste Mensch muss sich stark und frei gefühlt haben, bis ihm bewusst wurde, dass er sterblich ist.

Kainsmal – ewiges Stigma

Kain auf der Flucht vor Jahwes Fluch – Fernand-Anne Piestre Cormon (1845-1924)
Wie Kain den Abel tödlich schlug,
und niemals Ruhe fand, Vergebung in der Zeit,
der seine Sünde durch die Welten trug,
die Eifersucht, den falschen Hass, den Neid,

so töten heute noch die Ahnen.
Die Menschheit wird sich stets bekriegen,
von Alters her Gezeichnete, sie mahnen,
man soll sich nie in falscher Hoffnung wiegen.

Die Offiziere, Generäle und Soldaten,
die zwischen Kugelhagel und Raketen,
Paroli bietend töten und auf Siege warten:
Wie sinnlos sie zu falschen Göttern beten!

Salz der Wahrheit

Carlos Schwabe (1866-1926)
Alle Frühlingswetter sind schon bald vergangen,
längst verweht, die grüne Woge des Erwachens,
gediehen in der Wärme, nimmt sie Abschied vom Anfang,
verwandelt die Tage, die hitzig zur Ernte hin fiebern
und Schatten malen auf dem Ginster,
der leuchtend blüht in den Weiten.

Bald glühen die Rosen, frohlocken,
betören durch Duft und Gebilde,
wie in farbigen Sträußen gebunden,
befreiend durch Dornen im Strauch -
gebrochen, mit blutigen Händen.

Stolzer Wald, du bist durch sie entwurzelt;
schwach liegt manches Holz am Boden nieder,
und die Dämmerung wob graue Fäden
in den Frühschimmer erster Strahlen.

Wald um Wald verschwanden,
Erd‘ und Himmel sind verdunkelt
und der Schimmer ist verblasst,
als Schlot-Asche niederhauchte,
die sich giftig in die Böden wuschen, Wachstum lähmend,
und die Mühlen mahlten unter Hämmern.

Wo ein Wispern in den Zweigen
traumhaft schien an Sommertagen,
Schattenkühle herrschte in der Waldesstille,
wo aus duft’gem Moos und grünen Farnen,
alles war so hold und eigen im Erleben.

Heute drehen dort die Räder, und die Täler
sind von Stein und Staub gefüllt in all den Jahren.
Düstre Zweifel wohnen in den Mauern,
denn die Feigheit buhlte mit des Teufels stolzer Tochter.

Alles Göttliche verdämmerte im Argwohn,
Angst diktierte manche Schrift und Mächte,
die von Gott sich eingesetzt ernannten,
schürten diesen Wahn mit Höllenfeuer.

Geld und Macht sind höchste Götter hier auf Erden,
und die Zeit ist schwer belastet von Gesetzen,
die der Natur zuwider, eigenmächtig in der Habgier handeln.

Führt die Braut des Wahns zu Opferbänken,
damit Gott in uns den Weg zur Heimat zeigt;
lass uns in der Waldkapelle horchen nach
verlorenen Klängen.

Was der Welt an Würze mangelt,
ist das Salz der Wahrheit, die zu streuen
Weisheit bringt und Wohlergehen.
Wachsen, hin zum Licht gewandt durch Jahreszeiten -
neu erwacht erblühen in der Welt von Morgen.

Gedanken

Foto: Gisela Seidel

Den nahen Sommer freudevoll erwarten,
wo jede Seele ist des Denkens Garten,
man zwingt sie nicht, sie muss von selbst erblühn –
ein stetes Kommen, Werden und Vergeh’n.

Gedankenfreiheit grenzenlos!
Du darfst die Blumen deiner Seele pflanzen,
setz‘ sie nach göttlichen Gesetzen, erdentief,
und pflück, dem Guten dienend, sie im Ganzen.

Friedensreich

Am Abgrund – KI modifiziert – Quelle: Pinterest
Kraft des Geistes – Dich zu bannen, 
wird auf Erden nicht gelingen.
Aus des Himmels Lichterzauber
schwebst Du still mit breiten Schwingen.

Sende Funken den Gedanken
in das Reich der dunklen Klagen,
wo die Blindgewordenen sanken
und längst andere Götter haben.

Andere Zeiten – Welt im Wandel,
seht sie nur, die Gottesfernen:
Materialismus, Geld und Handel,
Sinnestaumel, Griff nach Sternen.

Leben wollen, Frieden finden –
hat nicht jeder Mensch auf Erden,
Sehnsucht nach den höheren Dingen?!
Einmal wird es Wahrheit werden!

Christlich ist das Reich des Friedens,
das in dieser Zeit nicht endet;
Friedensreich des ew’gen Sieges,
darin Gott uns Gnade spendet.

Musikunterricht

Georgios Iakovidis (1853-1932)
Jungs aus meiner Klasse
haben ihn nicht ernst genommen – Mädchen schon;
trafen doch die meisten Flegel
absichtlich den falschen Ton,

und der gute, alte Lehrer
schien entgeistert von dem Sang;
nur wir Mädchen sangen leidlich,
mit Klavier-Blockflötenklang.

Und ich pfiff in allen Tönen,
selbst erlernt, mit Klammergriff.
Eltern mussten sich gewöhnen,
manchmal 'pfiff' mein Vater mit.
Simon Glücklich (1863-1943)
Festlich war die Weihnachtsfeier, 
laut war unser Flötenchor,
und der gute, alte Lehrer
stand mit Taktstock stolz davor.

An mein graues Liederbuch
denke ich so manche Stunde,
seh‘, wie die Kultur vergeht,
mit ihr auch die alte Kunde.

Wenn die vielen Worte sterben,
die einst unser Volk geprägt,
dann verblasst der Ahnen Erbe,
das sie uns ans Herz gelegt,

denn die Verse dieser Lieder
spiegeln einfühlsam die Zeit,
öffnen das Erinnern wieder,
was in Herz und Köpfen bleibt.

Mein Gärtchen

Foto privat 1955

Solch ein Gärtchen möcht' ich haben,
eins mit vielen Bäumen drin.
Dort könnt’ ich wie früher warten,
bis die Sonne unterging.

Auf dem Bänkchen würd‘ ich sitzen,
Kirsch, beringt am Ohr, im Mund;
sinnend meine Augen schließen,
froh sein, lächeln, ohne Grund.

Kurz noch wären meine Beine,
baumeln würden sie und schweben,
wenn ich dort im Sonnenscheine,
allen danke für mein Leben.

Nachts, da würd‘ ich drüber schweben,
über alle Beete, Hecken,
und mich über die erheben,
die mich stets mit Wut bedecken.

Und die Bäume würden rauschen,
wenn die Blätter zu mir singen,
ja, dann würde ich nur lauschen
und mit meinen Tränen ringen.

Gefühl von Sommer

Bild von pasja1000 auf Pixabay
Der Himmel breitet seine Bläue
an Sonnentagen über Stock und Stein.
Die Welt liegt hell, dass sich ein Jeder freue,
und jedes Korn wiegt sich zur Reife ein.

Geöffnet sind die weiten Sommertore,
und alles, was sich regt nach Licht,
erblüht im rosa Schein, wie Blütenflore,
dass sie verblühn, erschreckt sie nicht.

Willst du die Gräser wachsen hören? –
Es treibt hinauf, das immer gleiche Lied!
Als wollten sie beschwingt den Tag beschwören,
der Schatten nimmt und pure Liebe gibt.

Sonnenfeuer

Sir John Everett Millais (1829-1896)

Die Frühlingsluft tanzt durch die Gärten,
vermählt sich fröhlich mit dem Wind,

umhüllt mit einem weichen Wehen,
den Weltschmerz, wie ein kleines Kind.

Die Sonne zaubert hehres Leuchten
voll Freude in des Tages Zeiten,

und Himmelsfrieden lässt den Lärm
des Alltags in die Dünste gleiten.

Ihr Heerschar himmlischer Gewalten,
die ihr dem Schöpfer dienend schafft,

entzündet in den Menschenherzen,
des Abends eure Sonnenkraft!

Und jedes Herz, vom Glanz erhellt,
getröstet, wird sein Leid verstehen,

drum muss es abends stille sein,
dann kann der Schmerz der Welt vergehen.

Glorienglanz

Quelle: Pinterest
Alt verklärt sind all die Bücher,
wie mit einem Glorienglanze,
die, wie viele Andachts-Kerzen
flammend auf Altären tanzen.

Durch die hart bestuhlten Reihen
wallen Nebel, die sich lichten,
Weihrauch in den Kerzenflammen
sich in den Gemütern dichten.

Frische Sträuße, deren Blumen
auf den Opfertischen blühen,
und den Zauber des Vergehens
über die Gemüter sprühen.

Heiliger und reiner Schimmer,
der durch bleiverglaste Fenster,
Ros’ und Lilien in den Bildern,
frommen letzte Taggespenster.

Sanft gebückt kniet auf den Stufen,
ganz versenkt in tiefes Sinnen,
am Altar, wie Gott befohlen,
im Gewand aus weißem Linnen,

Gott geweiht durch Geist und Weihe,
jung, ein Mann. Er lauscht dem Singen,
aus den Kehlen eines Chores
die ihm sanft, wie Engel klingen.

Auf dem Antlitz war ein Feuer,
zart das Rot auf Stirn und Wangen,
so, als wäre die Erleuchtung
ihm im Herzen aufgegangen.

Und ein Strahl der Frühlingssonne
glitt hinein in das Geschehen,
ließ ums Haupt des jungen Priesters
einen Glorienglanz entstehen.