Wandel der Zeit

Quelle: Pinterest
Ob in Lüften, ob im Wasser,
und in allen irdenen Zonen,
überall im Weltenwandel,
sollen gute Kräfte wohnen.

Wo die Reden nicht nur rauschen,
in des Windes Luftgesang;
Offenbarung soll verstehen,
jeder Mensch in jedem Klang.

Sprache aus dem Mund des Kindes,
gab der Schöpfergeist von oben.
Welche Deutung gab uns Gott,
welcher Segen kommt von droben?

Menschen kommen, Menschen gehen;
andre Zeiten, andre Götter!
Einer nur wird ewig bleiben,
unberührt vom Zeitenwetter.

Denn Neuzeit erstürmt die alte –
losgelöst erscheint die Kette,
deren Glieder längst gerissen;
wie ein Fluss, der treibt vom Bette.

Torheit wär’s, den Sturm zu schelten,
als er Bäume spielend knickte:
grolle nicht den Weltgewalt’ gen,
die uns Tod und Kummer schickten.

Großer Frevel ist auf Erden
Unglück, das nur Einer richtet.
Sind des Herrschers Taten ‚groß‘,
wenn er Mensch und Land vernichtet?

Über abgrundtiefen Rätseln
huscht der Mensch mit leichtem Sinn.
Reicht dem Einen eure Hände,
dem, der übers Wasser ging.

Ein grauer, trüber Morgen

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 und Friederike Brion

Ein grauer, trüber Morgen
Bedeckt mein liebes Feld,
Im Nebel tief verborgen
Liegt um mich her die Welt.

O liebliche Friederike,
Dürft ich nach dir zurück!
In einem deiner Blicke
Liegt Sonnenschein und Glück.

Der Baum, in dessen Rinde
Mein Nam bei deinem steht,
Wird bleich vom rauhen Winde,
Der jede Lust verweht.
Der Wiesen grüner Schimmer
Wird trüb wie mein Gesicht,
Sie sehen die Sonne nimmer,
Und ich Friedricken nicht.

Bald geh ich in die Reben
Und herbste Trauben ein;
Umher ist alles Leben,
Es strudelt neuer Wein.
Doch in der öden Laube,
Ach, denk ich, wär sie hier!
Ich brächt ihr diese Traube,
Und sie – was gäb sie mir?

Suche nach Glück

Die Nacht kommt und die Stimmen flüstern. 
Hört niemand, wie die Seelen schreien?
Die Gegenwart verklärt den Blick im Düstern,
lässt Kopfsteinpflaster wie magnetisch sein.

Verbunden sind die Leiber der Verstreuten,
die nächtens angezogen auf die Suche gehen.
Verhallter Klang der Schritte – sie bereuten,
die falschen Zeichen noch am Tag zu sehen.

Sie suchen Hoffnung mit und in den Allen;
die wälzt sich schlaflos in vertaner Zeit.
Die immer noch der Illusion verfallen,
ziehen mit der Sehnsucht in die Dunkelheit.

Im Schein der Lichter glänzt das alte Pflaster,
das unter vielen Füßen schon begangen;
es trägt des Lebens Freud- und Leid-Desaster,
der Nächte ungestilltes Glücksverlangen.

Gottvertrauen

William Adolph Bouguereau 1825-1905

Wie lieb spinnst Du so leise
von meines Lebens Glück,
so klug versprichst Du weise
mir glückliches Geschick.
 
Soll’n scheiden sich die Geister
aus der Vergangenheit,
stehst Du als Lebensmeister
mir zukünftig bereit.
 
Wirst meinen Weg begleiten,
trägst mich mit starker Hand;
Du wirst mich schützend leiten,
ins unbekannte Land.
 
Ich werde staunend schauen,
Dir danken im Gebet,
wenn altes Gottvertrauen
durch meine Seele geht.
 

Einsamkeit

Caspar David Friedrich 1774-1840 – Frau am Fenster

Keine Stimme, die ruft,
kein Herz, dem ich fehle,
nur Einsamkeit, Stille,
durch die ich mich quäle –
aus der Ferne, der Klang der Motoren
und manchmal will sich die Ruhe
in meine Seele bohren.
 
Suche Beschäftigung,
die diesen Bann durchbricht,
doch wirklich finde ich sie nicht.
Kann mich nicht fügen,
nicht konzentrieren,
möcht‘ manchmal den Verstand verlieren.
 
Ich schau’ die Wände an –
es sind dieselben, die ich vor einer Stunde sah;
verwandeln möchte ich die gelben
in bunte, mit Punkten,
die ich dann zählen könnte,
um mich abzulenken,
vom Denken.

Wachstum

„Gewogen und zu leicht befunden.“ – KI generiert durch Gemini
Bald kommt der Mai,
in dem die Bäume früher Knospen trieben
und blütenreich gen Himmel zeigten.
Sie sind fast abgeblüht;
mit viel zu früh verwelktem Blütenkleid,
verweht der Wind es lange vor der Zeit.

Fruchtlos vergangen,
ohne bestäubt zu sein durch Bienen und Getier,
durch eine Unnatur der Wärme hier,
hat Mensch Verrat an der Natur begangen.

Man wollte Wirtschaft stärken,
ohne Rücksicht auf Verluste, Geld und Macht vermehren,
und sportlich größer, besser als die anderen sein,
so, ohne Rücksicht Gottes Plan verwehren.

Insekten starben
für das immer mehr und größer als zuvor,
durch Gift auf Ackerbreiten und Gehölz,
wo man für „dreißig Silberlinge“
jeden Sinn der Ausgeglichenheit verlor.

Die große Wirtschaft welkt,
und eine Krise wird Bedrängnis in den Köpfen,
die bauernschlau mit weiteren Gesetzen,
nicht nur aus Menschenmelken Wachstum schöpfen,
sondern sich aller Ordnung Gottes widersetzen.

Paradox

KI modifiziert, Quelle: Pinterest
Es wiegt so schwer,
so unheilig und schlimm,
dass es zwar untergeht im Sog der Zeit,
doch wie ein Steinwurf,
der an Wasserflächen reibt,
noch Kreise zieht,
wenn er zum Abgrund treibt.

Selbst längst versunken
auf den tiefen Grund,
zittert die Schwingung immer noch im Raum;
um kreisend die Bewegung aufzubauen,
die nach Beschränkung ihres bösen Sinns,
mit starker Kraft dem Übel Einlass bot.
Ein tiefes Paradoxon steht im Raum.
Verwerflich scheint zunächst sein Gastgeschenk:
Böses treibt Mensch, bis er zum Guten lenkt.

Anlehnung an den Satz „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Er stammt aus Goethes Faust und wird von Mephisto gesprochen.

Mephisto, der Teufel, will zwar das Böse bewirken, doch seine Handlungen führen oft unbeabsichtigt zum Guten. Das bedeutet, dass negative oder destruktive Kräfte im Leben manchmal positive Veränderungen bewirken können. In diesem Kontext wird gezeigt, dass selbst das, was als böse oder schädlich gedacht ist, am Ende zum Guten beitragen kann – etwa durch das Auslösen von Bewegung, Entwicklung oder Erkenntnis.

Am Wege

Peder Mørk Mønsted (1859-1941)
Die alte Weide treibt in ihren Ruten
die neuen Blätter, himmelwärts, zum Licht.
Sie spiegelt sich verzerrt in ruhigen Fluten
des Baches Lauf und fließend Angesicht.

Die hellen Birken nässen ihre Zweige
im Morgentau und wiegen sanft im Wind;
bald stehn sie da, in neuem Frühlingskleide,
die Krone tragend, weil sie Königinnen sind.

Die Bäume öffnen sehnsuchtsvoll die Lüster -
ein rechter Ort zum nächsten Nesterbau.
Ein Rascheln – heimlich geht ein Flüstern
durch alle Welt von Baum und Wiesentau.

Der erste Löwenzahn ist gelb erblühet,
mit weißen Gänseblümchen ringsumher,
die Vögel sind in aller Herrgottsfrühe
dem blauen Himmel nah, im Sonnenmeer.

Im Frühlicht möcht‘ ich stehen bei den Bäumen,
und Deinen heiligen Atem spüren.
Fühl‘ Dich in jedem Lächeln, jedem Träumen;
auf allen Wegen wirst Du mich berühren.

Ursprung

Ich wandre durch die Welten,
bewusstseinsblind geboren,
kenn nicht den Weg.
Mit vielen Steinen ist er dicht belegt,
es freut und schmerzt zugleich,
ihn zu durchschreiten.
Niemand geht leichten Fußes,
ohne Leiden.

Nur eine Ahnung wacht;
in mir, ein Urvertrauen.

Das Blut in meinen Adern ist ein Fluss,
der altes Wissen in sich trägt
und einen Geist, der Wahrheit finden muss.
Durch alle Zeitenflüsse treibt sie ihn,
denn alle Lebensgeister sind aus ihm.

Ob Moses Volk einst auszog
aus dem Land der Pharaonen,
durch Sturmesfluten und durch
Wüstenschwere,
nun trägt auch mich
die gotterfüllte Lehre.

Gefahren trotzend geht mein Blick nach oben,
wo ich, von Sonnenhand erhoben,
bestaun den Bogen, bunt, wie ein Kristall.
Wann immer ich ihn sehe, ist er Kompass mir.
Mein Ziel erreichen, will ich, dort und hier.

Was Mensch aus Gott gemacht,
in Kirchen und Gedanken,
Es ist nur ein falsches Bild.
Es wird vergehen,
wie die Gewohnheit irdischer Belange,
ganz ohne Rasse, Nationalität,
im lichten Land befreit sein wird, verweht.

Wo sich die Seelen finden,
körperlos und fern der Zeitenflüsse,
wo Gut und Böse sich zur Harmonie verbinden,
da ist mein Ursprung, möcht' ihn wiederfinden!