Pfingsten

Christ geht über das Wasser – Julius Sergius von Klever (1850-1924)

Religion ist es, Gott* zu dienen, indem man seiner Schöpfung dient. Religion hat wenig mit den herkömmlichen Vorstellungen dieser Welt zu tun. Religion ist das, was Gott in den Menschen befähigt, sich in deren Leben zu offenbaren. Religion ist das, was die Verbindung zwischen Mensch und Gott und zwischen Mensch und Mitmenschen verstärkt. Religion ist das, was dich dazu bringt, in deine Welt hinauszugehen und zu dienen, wo immer du kannst. Religion ist Dienst, und Dienst ist Religion. Alles andere ist nicht wichtig.

Wenn der physische Körper abfällt, erweisen sich alle Glaubensrichtungen, für die Menschen lange gekämpft und gestrebt haben, als leer und vergeblich, sinnlos und zwecklos, denn sie haben nicht das Wachstum der Seele gesteigert. Wenn du dich verausgabst im Dienst an anderen, wächst deine Seele in Gestalt und Stärke.

*Ich nenne ihn so. Er hat viele Namen.

Die katholische Kirche hat in den ersten Jahrhunderten heidnische Feste umgewandelt und als christliche eingeführt. Darunter fällt auch das Pfingstfest. Das ursprüngliche, altägyptische „chamsin“, arabisch für ‚Fünfzig‘, nämlich die 50-tägige Dauer des heißen Wüstenwindes, dessen Anfang von den Juden als „pessach“ (Ostern) und dessen Ende als Wochenfest gefeiert wurde.

Die Opfer für dieses Fest waren von den Priestern vorgeschrieben: ein 7-jähriges Lamm, 2 Brote und 2 Schafe als Brandopfer. Außerdem wurden noch ein Bock für die Sünden des Volkes und 2 weitere für das Wohlergehen des Volkes geopfert.

Geld für die Priesterkasse, gestern und heute. Die Einfältigkeit des Volkes wurde stets ausgenutzt. Für jedes Orakel gab es Geld. Weissagungen Dritter wurden mit dem Tod bestraft. Um an der Macht zu bleiben, mussten die Priester dem Volk Angst machen.

Schon zu Moses Zeiten wurden Tausende aus dem eigenen Volk geopfert, durch Verbrennen, Niedermetzeln, Aufhängen oder Kreuzigen, lebendig begraben oder in den Abgrund gestoßen. Moses als Prophet benannte sein Opfer durch ein Orakel und vollzog dieses Todesurteil in der Überzeugung, dass es für das Gemeinwohl notwendig sei.

Die biblischen Gestalten konnten die Verhältnisse des Weltgeschehens nicht deuten. Immer war Glück und Unglück Wirkung unsichtbarer Wesen, deren Wille man sich erdienen musste.

Die Bibel bleibt für jeden denkenden Menschen ein wichtiges Dokument alter Zeit, auch wenn die mit Fälschungen behaftete Theologie, welche von Schriftgelehrten, Priestern, Päpsten und Kaisern beauftragt wurde, längst aufgedeckt ist.

Die Schriften sind ein vortreffliches Menschenwerk, den damaligen Bildungsstand widerspiegelnd, erhaben klingend, aber fehlerhaft. Auf keinen Fall sind sie Gottes Wort!

Menschliches Wohlergehen liegt nicht in der Täuschung, sondern in der Erkenntnis.

Markus 1,22: „Und die Menschen waren erstaunt über Jesus’ Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.“

Deren vorentworfene Reden sind tot in sich selbst und beleben keine Seele. Jesus hingegen hat das Feuer in den Zuhörern entfacht und ihren Geist (ihr Bewusstsein) geöffnet, damit sie seine Botschaften verstehen konnten. So ging ihnen ein Licht auf!

In Apostelgeschichte 2 folgt dann ein Zitat aus dem Propheten Joel 2,28:
„Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch.“

Ausgießung des Heiligen Geistes – Quelle: Wikipedia

Ur-ewige Liebe

von Ephides

Quelle: Wikipedia

Urew’ge Liebe, Anfang und Vollendung,
Ursprung und Ziel! An jeder Wegeswendung
rückschauend halt ich Rast, um mich zu laben,
und auf den Spuren, die mein Fuß gegraben,
geht das Erinnern meinen Weg zurück…

Und aus den Stapfen, die entgegenkommen,
steigt Bild um Bild. – Du hast sie mir genommen,
weil sich mein Herz, das allzu leicht verschenkte,
ans Bild verlor. Doch immer wieder drängte
mein hoffend‘ Herz zu nie erfülltem Glück. –

Wie ein Verbannter zog ich einst die Straßen,
als ein Verkannter litt ich ohne Maßen.
Nur Halbheit war mir, wo ich Ew’ges meinte,
bis sich mir Bild um Bild in Dir vereinte.
Von Deinem Glanz ist jedes nur ein Stück!

Urew’ge Liebe, Vater aller Wesen,
Dein Siegel steht auf jeder Stirn zu lesen,
Dein Glanz strahlt mir aus allen Augen wider,
Dein Segen strömt als Licht zur Erde nieder.

Eh ich Dich suchte, bist Du mir begegnet,
eh ich mich sehnte, hast Du mich gesegnet!


Kunst von gestern

Quelle: Pinterest


Die Welt von einst:
In dunklem Eichenholz gerahmtes Bild in Öl;
auf alter Leinwand, gelb vom Dunst,
doch unter leichtem Krakele spricht jeder Pinselstrich von Kunst,
die Ehrfurcht zollt dem Geist, der aus dem Rahmen fiel,
den der Betrachter in Erinnerung bewahrt,
und sich im Denken als ein Funken „Gestern“ offenbart.

Neu begrünt


Alt, der Sprache Worte, viele,
die durchdringen mit Bedacht,
was sich als Gedankenspiele
in den Sinnen breitgemacht.

Klingen anders heutzutage,
gänzlich fremd sind sie im Ohr;
flüstern „damals“, wo die Sage
sich in ferner Zeit verlor.

Neu begrünt, wie Tannenspitzen,
die an alten Zweigen stehen,
soll’n der Worte Lichter blitzen
und tief ins Gedächtnis gehen.

Dein Segen

Betende Hände – Albrecht Dürer (1471-1528)
Herr, es ist Dein hoher Wille,
Sturm und Stille, Licht und Regen
und die Kraft der Lebenstriebe
uns zu schenken, all den Segen.

Danken möchte ich für alles,
was Du für mich hast bereitet,
weil Du Dein erleuchtend’ Licht
über alle Fehler breitest.

Schirmst mich ab vor Trug zum Schutze,
wie sich Baumeskronen breiten,
über mir, ihr grün Geäst,
das die Vögelchen durchstreifen.

Wird der Tod vorüberschreiten,
werden sie im Geist Gefährten,
die mir lichte Wege zeigen
hin zum Ziel, dem traumverklärten.

Zeitgeist

Die Zeit vergeht,
so zäh wälzt sie sich oftmals,
wie ein Lavastrom
und so behäbig,
manchmal scheint’s,
sie ist nur Illusion.

Durch die Epochen
kommt sie gekrochen;
doch halten kann man sie nie,
und irgendwann wird sie vergehen,
mit ihr das Zeitgeschehen,
und eine neue Zeit
sie folgt der alten,
so wie ein endlos' Band
geknüpft an die Gewalten
der vergang’nen Zeiten,
steht sie in dunklem Kleid
und hast du sie erkannt,
wird sie dir sanft entgleiten.

Recht und Unrecht

Der Zauberlehrling – Johann Baptist Wilhelm Adolf Sonderland (1805-1878)
Wohlbehütet sind die Satten,
Ehrsamen und nie Versuchten,
die von jeher alles hatten,
tugendhaft den Wohlstand schufen.

Die an vollen Tischen tafelnd
in den warmen Stuben sitzen
und bei einem Gläschen Wein
über all die Armen witzeln.

Über die Verzweiflungstaten
mancher Frauen, die in Not,
sich für Geld mit Männern trafen,
für die Miete oder Brot.

Sie versteh’n nicht, wie es geht,
dass jemand, der fleißig ist,
plötzlich auf der Straße steht,
wo man ihn als Mensch vergisst.

Dem nichts bleibt auf dieser Welt,
als der Schmutz, in dem er liegt,
bis der Tod sich zugesellt,
durch die Tritte, die er kriegt.

Über Hungrige, die stehlen,
schimpfen Satte, sprechen Recht.
Wenn sich leere Mägen quälen,
ist ein Urteil dann nicht schlecht?

Auf die Not der Ausgestoßenen,
die in vollen Läden stehen;
auf die vielen Heimatlosen,
die nur unseren Luxus sehen,

schau’n auf Fremdgruppen verachtend
die Gesetzeshüter nieder,
die mit wohlgenährten Bäuchen,
gut behütet, satt und bieder,

sie doch einst ins Land gelassen,
um den Wohlstand aufzubauen,
für sie in Beschlüsse fasste,
deren Schutz sie noch vertrauen.

Nun ruft man den „Hexenmeister“
denn „der Besen steht nicht still“.
Will die Rückkehr fremder Geister,
die man hier nicht haben will.

Am Niederrhein

Foto: Pieter Delicaat – Wikipedia

An der Niers am frühen Morgen,
schwebt ein Nebel, sanft bewegt,
und der Mond hält das Gebilde
fest am Boden, bis er geht.

An den Ufern strecken Bäume,
das Geäst zum Himmelszelt,
spinnen veilchenblaue Träume;
Schlaf entweicht der Vogelwelt.

Der Jasmin beginnt zu blühen,
glänzt im feuchten Morgentau.
Duft’ges Weiß liegt auf dem Grünen,
kontrastiert zum Himmelblau.

Weiden mit bizarren Ästen
winken heimatlich gesinnt,
bieten farbenfrohen Gästen,
Lebensraum und Neubeginn.

Nimmermüde Dotterblumen,
träumen schwefelgelben Traum,
lauschen selig den Gesängen,
aus dem hohen Lindenbaum.

Foto: Gisela Seidel

Grün erneuert sich das Leben,
Farbenrausch am Niederrhein,
Butterblumen an den Wegen,
Jedermann will draußen sein.

Senfsaat hat in manche Ecke
gelbe Blüten ausgestreut,
überdeckt die Erdendecke.
Seht nur, wie ihr Anblick freut!

Dunkles Erdreich atmet Schwere,
Schollen sind zur Saat bereit,
damit im Frühjahr wiederkehre,
was im Herbst zur Ernte reift.

Traumbild

Quelle: Pinterest
Manchmal sind Träume wie ein Fluss,
voll von Gedanken, die wie Wasser fließen,
als würd‘ erstarrte Zeit ein Bild aufschließen,
weil manch‘ Verlebtes weiterströmen muss.

Dann pochen spürbar Herz und Seele
verbinden sich mit ihm, in jedem Schlag.
Man steht davor, an angezeigter Stelle,
und kennt genau noch Haus und Tag.

Das Bild berührte, weckte Emotionen.
Es steckt ein Trauma, unbewusst, darin.
Obwohl schon lange Fremde darin wohnen,
war’s nur verdrängt und unbewusst der Sinn.

Das Elternhaus erscheint mir oft im Traum;
mich trägt vor dessen Bild die Illusion.
Wahrhaftig seh‘ ich mich vor leerem Raum.
„Loslassen!“, klingt es in mir, wie ein Hohn.