Tugendhaft

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„Freiheit“ heißt die schöne Stimmung,
ein Gefühl, das zeigt Vergnügen,
im Verzicht auf eignen Willen
fremdem Willen sich zu fügen.

Was ist Recht? Der bloße Wille,
der da wuchs in anderen Köpfen?
Recht, gebogen und gebeugt,
aufpoliert mit alten Zöpfen.

Wie die kampfbereiten Hähne
sich zerhacken, stehn Parteien;
geifern nach des anderen Schaden,
während sie selbst Bruch erleiden.

Sind gerupft, die Schadenfrohen,
arg zerzaust ist ihr Gefieder.
Federn fliegen immer noch,
liegen längst zu Boden nieder.

Einer ist des anderen Büttel,
als Vollstrecker eines Richters.
Tugendhaft in scharfer Handlung,
zeigt sich Arglist des Vernichters.

Überlastet ist die Güte,
nächstenliebend, gegenseitig.
Morgen machen sie, die Guten,
euch das Recht zu atmen streitig.

Tief gesunken ist die Sonne,
bläulichschwarz die Wolkenfetzen;
brennt noch immer ab, die Mauer,
die sich türmt im tiefen Westen.

Vaterland? Die dümmste Liebe
ist, ein Vaterland zu lieben;
wurden viele doch verzweifelt
aus dem ‚Vaterland‘ vertrieben.

Suchten Neues und sie zogen
dorthin, wo der Wohlstand lockte
und die Freiheit, das Versprechen,
wo sie nicht die Willkür schockte.

In den Hirnen liegt die Einfalt,
in den Herzen liegt das Grauen;
doch dem Leid der arg Gequälten,
darf man nicht ins Auge schauen.

Waren’s manche der Verwiesenen,
die sich gegen Gott empörten
und mit lauter Stimme mahnten,
unsre Freiheit zu zerstören.

Fiebertraum – was für ein Ringen!
Kommt denn niemals die Erlösung?
Sterben soll kein Mensch, nicht einer.
Sehn‘ mich nach der Welt Genesung.

Wo sind die, in Weitsicht richtend –
wie Sankt Michael erglühend,
hochgewaltig, kraftvoll, nah,
gottgerecht und freudesprühend?

Grenzenlos

von Christoph Martin Wieland

William Adolphe Bouguereau (1825-1905)
Allmählich wiegt die Wonnetrunkenheit
das volle Herz in zauberischen Schlummer.

Die Augen sinken zu, die Sinne werden stummer,
die Seele dünkt vom Leibe sich befreit.

In Ein Gefühl beschränkt, so fest von ihm umschlungen!
So inniglich von ihm durchatmet und durchdrungen!

Beschränkt in Eins, in diesem Einen bloß.
Sich fühlend. – Aber, o dies Eins, wie grenzenlos!

Christoph Martin Wieland (1733-1813)

Voll Kunst – kunstvoll

Der Erlöser der Welt – Leonardo da Vinci (1452-1519)
Teuerstes Gemälde der Welt (ca. 406 Millionen Euro)
Man nennt es Kunst,
doch, ich verstehe es nicht,
wenn Striche, Farben, Leinwand nichts erzählen,
wenn dem Betrachter Sinn und Einblick fehlen,
wie Wort an Wort gereihtes,
inhaltsloses Nichts.

Ja, ja, dann bin ich ein Banause!
Kunst kommt von Können.
Ist das denn egal?

Ein Bild muss mir die Tiefe gönnen,
in die ich eingetaucht
Gedanken mal‘.

Technik kann kunstvoll sein,
wenn ausdrucksstark der Künstler meisterlich,
vollendet dargestellt uns ‚Licht‘ verleiht,
das uns zu Herzen geht und dort verweilt
und niemand fragt:
„Ist’s schön nun, oder nicht?“

Ausstrahlung

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Ein klein bisschen größer werden -
Wachstum kann beginnen,
wie der neue Tag beginnt,
frei von falschen Sinnen.

Wie der Wein am Rebstock reift,
süß, in vollen Trauben,
muss der Mensch, bis er vergeht,
Reifezeit erlauben.

Unvollkommenheiten gehen,
danach muss er streben.
Klingt wie ein gesuchter Ton,
abgestimmt zum Leben.

Vor dem Morgen keine Angst,
positiv und heiter,
Disziplin und Weltverstehen
helfen täglich weiter.

Lächeln – wenn der Zug auch kommt,
auf der Strecke bleiben.
Wenn der Schatten näherkommt,
Licht des Geistes zeigen.

Wir sind Menschen, allesamt,
gottvoll gehn wir weiter;
nimmt das Dunkle überhand,
strahlt die Hoffnung heiter.

Stark – in vollem Gottvertrauen
niemals dunkler werden,
hart ist die Lektion alsdann,
strahlend sein auf Erden.

Verbotene Sehnsucht

So, wie die Schwalben ohne Rast,
zu segeln durch die Lüfte,

ganz sinnerfüllt, fern aller Last,
durch alle Daseinsklüfte.

Oh, wie du lockst, du weite Welt,
mit Schönheit und mit Leben!

Der ferne Stern am Himmelszelt,
will meine Sehnsucht regen.

Wie leide ich an meiner Ruh’
in abgeschiedenen Welten;

so hör mich rufen, laut: „Nur Du
kannst meiner Seele helfen!"

Wollt’ nahe sein, nur Dir, mein Herz,
zu opfern Dir mein Leben,

dass Einsamkeit mir wird zum Schmerz,
bitt’ ich Dich zu vergeben.

Nenn nicht als Sünde meinen Drang
des Daseins Sinn zu üben,

folg’ trotzdem Dir ein Leben lang,
gib meiner Seele Frieden.

Bunt sind schon die Wälder

Text von: Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834)

Interpreten: Zupfgeigenhansel
Musik von Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)

Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Gelände reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Dort im grünen Baume
hängt die blaue Pflaume
am gebognen Ast
gelbe Birnen winken
dass die Zweige sinken
unter ihrer Last

Welch ein Apfelregen
rauscht vom Baum! es legen
in ihr Körbchen sie
Mädchen, leicht geschürzet
und ihr Röckchen kürzet
sich bis an das Knie

Winzer, füllt die Fässer
Eimer, krumme Messer
Butten sind bereit
Lohn für Müh und Plage
sind die frohen Tage
in der Lesezeit

Unsre Mädchen singen
und die Träger springen
alles ist so froh
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und bei Mondenglanz
schöne Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz

Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834) – Quelle: Wikipedia

Radikaler Feminismus

Karte im Tarot – Quelle: Pinterest

Führung des Staates – reformiert und wandelt,
zum Guten oder Argen;
deine Gesetze füllen Blätter,
in einem Buch,
dessen Buchstaben zu Makulatur verkommen,
wenn Unordnung nicht Ordnung sein darf,
und Berge von Paragraphen die Sicht auf Wesentliches verhindern.

Manchmal ist die Justice
auf dem linken Auge blind.

Manipuliert durch Starrsinn der Einfachen,
die Gerechtigkeit wollen und Freiheit denken,
jedoch Gleichheit erzwingen und Eigentum schänden,
Ordnung verhindern,
um ihre Unordnung zu schützen.

Gleichgesinnte mit gendernden Sternchen,
*innen feministisch erhöht,
ziehen mit schrillen Stimmen und sozialen Parolen,
das Werk der Frauen,
die geschichtlich Großes vollbrachten,
in den Rinnstein der Vergangenheit.

Links oder rechts

Der vierte Staat – Giuseppe Pellizza da Volpedo (1868-1907)
Der Zeitgeist zieht die Welt herab,
hängt schwerlich in den Räumen.
Er klammert sich, hält dich auf Trab,
verfolgt dich in den Träumen.

Du kneifst die Augen zu, den Mund,
verschließt voll Kraft die Ohren,
doch dringt er ein, tut Neues kund,
hast dich in ihm verloren.

Ob links, ob rechts, die Tradition
geht doch schockierend weiter;
was leicht erscheint, ist Illusion,
nur Stufe auf der Leiter.

Kam des Proleten Arbeitskraft
der Bourgeoisie entgegen;
vermögenslos trug sie den Staat,
durch kinderreichen Segen.

Indoktriniert, durch Neid sozial,
wo Klassengeister drücken;
Wut schürt Gewalt und radikal
sucht man Gesetzeslücken.

Doch alles, wenn’s gerecht auch klingt,
„sozial“ hat’s schon verloren;
Der Sozialismus* dieser Welt versinkt
in zig Millionen Morden.

*NSDAP, SED, Lenin, Stalin, KPD

Die bösen Geister

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Kriege wird es immer geben,
jedes Land trägt seine Schuld,
Grund sind Willkür und das Streben
nach der Macht erkämpften Huld.

Durch die vielen, die gegangen,
ausgeblutet, liegt das Land;
noch im Wahn der Zeit gefangen,
schwebt der Toten Geisterwand.

Mächtig ist die Hand des Siegers,
ohne Mitleid und Gefühle;
Todesschatten jedes Kriegers,
im Gesicht die Leichenkühle.

Denkt das Volk im Angstgewimmel,
licht und dunkel, wie die Welle,
geht‘s hinauf bis in den Himmel
und hinab bis in die Hölle.

Liegt die Welt in düstrer Trauer,
bluten Seelen, Körper, Herzen;
tropft ein sachter Tränenschauer
durch die Trübsal aller Schmerzen.

Niemand kann den Teufel hindern,
thront er auf dem Goldberg oben,
war’s unmöglich, Leid zu lindern,
wo die bösen Geister toben.

Nur des Schicksals leises Walten,
spielt das Spiel von Tod und Leben.
Mensch wird Harmonien spalten,
Gut und Böse sich erheben.

Wiedergänger – seht sie gehen,
hört ihr leises Wehe-Klagen!
Doch die Welt kann's nicht verstehen.
Schwarze Nacht: – Wann wird es tagen?
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