Théodore Chassériau (1819-1856)- An Angel Praying in the Garden of Olives
In der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht gehen Engel um auf leisen Sohlen; blonde Engel, innig und verstohlen küssen Sie die schönsten Menschenblumen.
Tausendschönchen, allerliebste Blume, weiß es wohl, woher der Schimmer stammet, der dir heut das Antlitz überflammet: bist noch in den Traum der Nacht verloren.
Denkst der Engel, die durchs kleine Fenster sich auf Mondesstrahlen zu dir schwangen, leise dir zu küssen Mund und Wangen in der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht.
Wie schön blüht uns der Maien, der Sommer fährt dahin. Mir ist ein schön Jungfräulein gefallen in meinen Sinn. Bei ihr da wär mir wohl, wenn ich nur an sie denke; mein Herz ist freudenvoll.
Bei ihr, da wär ich gerne, bei ihr, da wär mir‘s wohl. Sie ist mein Augensterne, strahlt mir ins Herz so voll. Sie hat ein roten Mund, sollt ich sie darauf küssen, mein Herz würd mir gesund.
Wollt Gott, ich fänd im Garten, drei Rosen auf einem Zweig, ich wollte auf sie warten, ein Zeichen wär mir´s gleich. Das Morgenrot ist weit, es streut schon seine Rosen. Ade, mein schöne Maid!
Liebeslied aus dem 16./17. Jahrhundert. Text nach einem Gedicht von Georg Forster (1510-1568). Neu vertont von der deutschen Gruppe „Zupfgeigenhansel“ in den 1980er Jahren.
Ein grauer, trüber Morgen Bedeckt mein liebes Feld, Im Nebel tief verborgen Liegt um mich her die Welt.
O liebliche Friederike, Dürft ich nach dir zurück! In einem deiner Blicke Liegt Sonnenschein und Glück.
Der Baum, in dessen Rinde Mein Nam bei deinem steht, Wird bleich vom rauhen Winde, Der jede Lust verweht. Der Wiesen grüner Schimmer Wird trüb wie mein Gesicht, Sie sehen die Sonne nimmer, Und ich Friedricken nicht.
Bald geh ich in die Reben Und herbste Trauben ein; Umher ist alles Leben, Es strudelt neuer Wein. Doch in der öden Laube, Ach, denk ich, wär sie hier! Ich brächt ihr diese Traube, Und sie – was gäb sie mir?
Da seht aufs Neue dieses alte Wunder: Der Osterhase gackert wie ein Huhn und fabriziert dort unter dem Holunder ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.
Und auch der Mensch reckt froh bewegt die Glieder - er zählt die Kinderchen: eins, zwei und drei ... Ja, was errötet denn die Gattin wieder? Ei, ei, ei, ei, ei, ei!
Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware ins Pappne Ei zum besseren Konsum: Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare, Die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.
Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben, sucht die voll Sinn versteckte Leckerei. Man ruft beglückt, wenn sie's gefunden haben: Ei, ei, ei, ei, ei, ei!
Und Hans und Lene steckens in die Jacke, das liebe Osterei – wen freut es nicht? Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke, und ohne jedes innere Gleichgewicht.
Die deutsche Politik … Was wollt ich sagen? Bei uns zu Lande ist das einerlei - und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen! Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!
Liedkomponistin: Marie Nathusius, geborene Scheele (1817-1857)
Alle Vögel sind schon da, alle Vögel, alle. Welch ein Singen, Musiziern, Pfeifen, Zwitschern, Tiriliern! Frühling will nun einmarschiern, kommt mit Sang und Schalle.
Wie sie alle lustig sind, flink und froh sich regen! Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar wünschen dir ein frohes Jahr, lauter Heil und Segen.
Was sie uns verkünden nun, nehmen wir zu Herzen: Wir auch wollen lustig sein, lustig wie die Vögelein, hier und dort, feldaus, feldein, singen, springen, scherzen.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.
In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.
Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.
Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?
Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.
Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.
Wenn alle schlafen, sitz ich oft allein, und willig leihe ich mein Ohr der Nacht. Weisheiten rinnen da in mich hinein, die ich nicht hören kann, wenn alles wacht.
Es ist, als zeigten mir die Dinge so am grauen Tag nur ihre Oberfläche. Nachts, wenn nicht mehr die vielen Blicke roh auf ihnen ruhn, ihr Wesen zu mir spräche.
Wenn seltsam Lust und Schmerz in eins verklingt, dunkel das große Lied des Weltalls rauscht, mein Herz mit seiner wilden Gier versinkt, nur meine unbewegte Seele lauscht.
Ich höre die geheimen Räder gehen: Wie sie sich drehen, muss sich alles drehen.
Winter in den Niederlanden – Frederik Marinus Kruseman (1816-1882)
Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet, wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört dir unser Leben ganz.
Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Am 9. April 1945 wurde der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg bei Regensburg hingerichtet.
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