Vor seinem Löwengarten, Das Kampfspiel zu erwarten, Saß König Franz, Und um ihn die Großen der Krone, Und rings auf hohem Balkone Die Damen in schönem Kranz.
Und wie er winkt mit dem Finger, Auftut sich der weite Zwinger, Und hinein mit bedächtigem Schritt Ein Löwe tritt, Und sieht sich stumm Rings um, Mit langem Gähnen, Und schüttelt die Mähnen, Und streckt die Glieder, Und legt sich nieder.
Und der König winkt wieder, Da öffnet sich behend Ein zweites Thor, Daraus rennt Mit wildem Sprunge Ein Tiger hervor, Wie der den Löwen erschaut Brüllt er laut, Schlägt mit dem Schweif Einen furchtbaren Reif, Und recket die Zunge, Und im Kreise scheu Umgeht er den Leu Grimmig schnurrend, Drauf streckt er sich murrend Zur Seite nieder.
Und der König winkt wieder, Da speit das doppelt geöffnete Haus Zwey Leoparden auf einmal aus, Die stürzen mit mutiger Kampfbegier Auf das Tigertier, Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen, Und der Leu mit Gebrüll Richtet sich auf, da wirds still, Und herum im Kreis, Von Mordsucht heiß, Lagern sich die greulichen Katzen.
Da fällt von des Altans Rand Ein Handschuh von schöner Hand Zwischen den Tiger und den Leu’n Mitten hinein.
Und zu Ritter Delorges spottender Weis’ Wendet sich Fräulein Kunigund: „Herr Ritter ist eure Lieb so heiß Wie ihr mirs schwört zu jeder Stund, Ey so hebt mir den Handschuh auf“.
Und der Ritter in schnellem Lauf Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger Mit festem Schritte, Und aus der Ungeheuer Mitte Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.
Und mit Erstaunen und mit Grauen Sehens die Ritter und Edelfrauen, Und gelassen bringt er den Handschuh zurück, Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde, Aber mit zärtlichem Liebesblick – Er verheißt ihm sein nahes Glück – Empfängt ihn Fräulein Kunigunde. Und der Ritter sich tief verbeugend, spricht: Den Dank, Dame, begehr ich nicht, Und verläßt sie zur selben Stunde.
Nun hebt das Jahr die Sense hoch und mäht die Sommertage wie ein Bauer. Wer sät, muss mähen. Und wer mäht, muss säen. Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.
Stockrosen stehen hinterm Zaun in ihren alten, brüchigseidnen Trachten. Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun, mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n, die eine Reise in die Hauptstadt machten.
Wann reisten sie? Bei Tage kaum. Stets leuchteten sie golden am Stakete. Wann reisten sie? Vielleicht im Traum? Nachts, als der Duft vom Lindenbaum an ihnen abschiedssüß vorüberwehte?
In Büchern liest man groß und breit, selbst das Unendliche sei nicht unendlich. Man dreht und wendet Raum und Zeit. Man ist gescheiter als gescheit, – das Unverständliche bleibt unverständlich.
Ein Erntewagen schwankt durchs Feld. Im Garten riecht’s nach Minze und Kamille. Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille. Wie klein ist heut die ganze Welt! Wie groß und grenzenlos ist die Idylle …
Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht. Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht, ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer. Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht! Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.
Théodore Chassériau (1819-1856)- An Angel Praying in the Garden of Olives
In der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht gehen Engel um auf leisen Sohlen; blonde Engel, innig und verstohlen küssen Sie die schönsten Menschenblumen.
Tausendschönchen, allerliebste Blume, weiß es wohl, woher der Schimmer stammet, der dir heut das Antlitz überflammet: bist noch in den Traum der Nacht verloren.
Denkst der Engel, die durchs kleine Fenster sich auf Mondesstrahlen zu dir schwangen, leise dir zu küssen Mund und Wangen in der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht.
Wie schön blüht uns der Maien, der Sommer fährt dahin. Mir ist ein schön Jungfräulein gefallen in meinen Sinn. Bei ihr da wär mir wohl, wenn ich nur an sie denke; mein Herz ist freudenvoll.
Bei ihr, da wär ich gerne, bei ihr, da wär mir‘s wohl. Sie ist mein Augensterne, strahlt mir ins Herz so voll. Sie hat ein roten Mund, sollt ich sie darauf küssen, mein Herz würd mir gesund.
Wollt Gott, ich fänd im Garten, drei Rosen auf einem Zweig, ich wollte auf sie warten, ein Zeichen wär mir´s gleich. Das Morgenrot ist weit, es streut schon seine Rosen. Ade, mein schöne Maid!
Liebeslied aus dem 16./17. Jahrhundert. Text nach einem Gedicht von Georg Forster (1510-1568). Neu vertont von der deutschen Gruppe „Zupfgeigenhansel“ in den 1980er Jahren.
Ein grauer, trüber Morgen Bedeckt mein liebes Feld, Im Nebel tief verborgen Liegt um mich her die Welt.
O liebliche Friederike, Dürft ich nach dir zurück! In einem deiner Blicke Liegt Sonnenschein und Glück.
Der Baum, in dessen Rinde Mein Nam bei deinem steht, Wird bleich vom rauhen Winde, Der jede Lust verweht. Der Wiesen grüner Schimmer Wird trüb wie mein Gesicht, Sie sehen die Sonne nimmer, Und ich Friedricken nicht.
Bald geh ich in die Reben Und herbste Trauben ein; Umher ist alles Leben, Es strudelt neuer Wein. Doch in der öden Laube, Ach, denk ich, wär sie hier! Ich brächt ihr diese Traube, Und sie – was gäb sie mir?
Da seht aufs Neue dieses alte Wunder: Der Osterhase gackert wie ein Huhn und fabriziert dort unter dem Holunder ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.
Und auch der Mensch reckt froh bewegt die Glieder - er zählt die Kinderchen: eins, zwei und drei ... Ja, was errötet denn die Gattin wieder? Ei, ei, ei, ei, ei, ei!
Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware ins Pappne Ei zum besseren Konsum: Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare, Die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.
Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben, sucht die voll Sinn versteckte Leckerei. Man ruft beglückt, wenn sie's gefunden haben: Ei, ei, ei, ei, ei, ei!
Und Hans und Lene steckens in die Jacke, das liebe Osterei – wen freut es nicht? Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke, und ohne jedes innere Gleichgewicht.
Die deutsche Politik … Was wollt ich sagen? Bei uns zu Lande ist das einerlei - und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen! Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!
Kurt Tucholsky (1890 – 1935)
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