Da seht aufs Neue dieses alte Wunder: Der Osterhase gackert wie ein Huhn und fabriziert dort unter dem Holunder ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.
Und auch der Mensch reckt froh bewegt die Glieder - er zählt die Kinderchen: eins, zwei und drei ... Ja, was errötet denn die Gattin wieder? Ei, ei, ei, ei, ei, ei!
Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware ins Pappne Ei zum besseren Konsum: Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare, Die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.
Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben, sucht die voll Sinn versteckte Leckerei. Man ruft beglückt, wenn sie's gefunden haben: Ei, ei, ei, ei, ei, ei!
Und Hans und Lene steckens in die Jacke, das liebe Osterei – wen freut es nicht? Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke, und ohne jedes innere Gleichgewicht.
Die deutsche Politik … Was wollt ich sagen? Bei uns zu Lande ist das einerlei - und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen! Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!
Liedkomponistin: Marie Nathusius, geborene Scheele (1817-1857)
Alle Vögel sind schon da, alle Vögel, alle. Welch ein Singen, Musiziern, Pfeifen, Zwitschern, Tiriliern! Frühling will nun einmarschiern, kommt mit Sang und Schalle.
Wie sie alle lustig sind, flink und froh sich regen! Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar wünschen dir ein frohes Jahr, lauter Heil und Segen.
Was sie uns verkünden nun, nehmen wir zu Herzen: Wir auch wollen lustig sein, lustig wie die Vögelein, hier und dort, feldaus, feldein, singen, springen, scherzen.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.
In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.
Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.
Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?
Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.
Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.
Wenn alle schlafen, sitz ich oft allein, und willig leihe ich mein Ohr der Nacht. Weisheiten rinnen da in mich hinein, die ich nicht hören kann, wenn alles wacht.
Es ist, als zeigten mir die Dinge so am grauen Tag nur ihre Oberfläche. Nachts, wenn nicht mehr die vielen Blicke roh auf ihnen ruhn, ihr Wesen zu mir spräche.
Wenn seltsam Lust und Schmerz in eins verklingt, dunkel das große Lied des Weltalls rauscht, mein Herz mit seiner wilden Gier versinkt, nur meine unbewegte Seele lauscht.
Ich höre die geheimen Räder gehen: Wie sie sich drehen, muss sich alles drehen.
Winter in den Niederlanden – Frederik Marinus Kruseman (1816-1882)
Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet, wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört dir unser Leben ganz.
Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Am 9. April 1945 wurde der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg bei Regensburg hingerichtet.
Ich war ein Kind und glaubte an Gespenster; der Winter war ein eisiger Patron, und er malte Blumen an mein Fenster, manchmal träum‘ ich noch heut‘ davon.
Mal sah’n sie aus wie eine Rosenhecke, mal wie Drachen aus dem Fabel-Land, und dann kroch ich unter meine Decke, und hielt den Teddy fest in meiner Hand.
Das ist ungezählte Winter, ungezählte Jahre her, und die Eisblumen am Fenster, die blühen heut‘ nicht mehr.
Ich bin viel zu sehr erwachsen und das Träumen fällt mir manchmal schwer, denn die Eisblumen am Fenster, die blühen heut‘ nicht mehr.
Und ein Schneemann stand in unser’m Garten, der konnte mit mir reden, ist doch klar. Half mir wie ein großer Freund beim Warten, bis es Zeit für die Bescherung war.
Das Feuerwehrauto hab‘ ich gleich gesehen; der Weihnachtsmann hat wirklich dran gedacht! Ich nahm es mit ins Bett beim Schlafengehen, und die Eisblumen haben uns bewacht.
Das ist ungezählte Winter, ungezählte Jahre her, und die Eisblumen am Fenster, die blühen heut‘ nicht mehr.
Doch manchmal, wenn ich Kinder spielen seh‘ im Winterschnee, dann hab‘ ich das Gefühl, die Eisblumen sind ganz in meiner Näh’ und ich kann sie sehen, wenn ich will!
Manchmal dauert’s viele Winter, doch dann wird ein Traum von früher wahr, und die Eisblumen am Fenster, die sind dann wieder da.
Und die Wunder aus der Kindheit, die sind auf einmal vorstellbar, denn die Eisblumen am Fenster, Die sind jetzt wieder da.
White are the far-off plains, and white The fading forests grow; The wind dies out along the height And denser still the snow, A gathering weight on roof and tree Falls down scarce audibly.
The road before me smooths and fills Apace, and all about The fences dwindle, and the hills Are blotted slowly out; The naked trees loom spectrally Into the dim white sky.
The meadows and far-sheeted streams Lie still without a sound; Like some soft minister of dreams The snow-fall hoods me round; In wood and water, earth and air, A silence everywhere.
Save when at lonely intervals Some farmer’s sleigh, urged on, With rustling runner and sharp bells, Swings by me and is gone; Or from the empty waste I hear A sound remote and clear;
The barking of a dog, or call To cattle, sharply pealed, Borne, echoing from some wayside stall Or barnyard far afield;
Then all is silent and the snow falls Settling soft and slow The evening deepens and the grey Folds closer earth and sky The world seems shrouded, far away.
Its noises sleep, and I as secret as Yon buried stream plod dumbly on and dream…
Schnee
Weiß sind die fernen Ebenen, und weiß wachsen die verblassenden Wälder; Der Wind verstummt in der Höhe, und immer dichter wird der Schnee, Eine zunehmende Last auf Dach und Baum fällt kaum hörbar herab.
Die Straße vor mir glättet sich und füllt sich schnell, und ringsum verschwinden die Zäune, und die Hügel werden langsam ausgelöscht; Die kahlen Bäume ragen gespenstisch in den trüben weißen Himmel.
Die Wiesen und weitläufigen Bäche liegen still und ohne einen Laut da; wie ein sanfter Diener der Träume hüllt mich der Schneefall ein; in Wald und Wasser, Erde und Luft herrscht überall Stille.
Außer wenn in einsamen Abständen der Schlitten eines Bauern, angetrieben von raschelnden Kufen und schrillen Glocken, an mir vorbeischwingt und verschwindet; oder wenn ich aus der leeren Einöde einen entfernten, klaren Laut höre.
Das Bellen eines Hundes oder der Ruf an das Vieh, scharf und laut, hallt wider von einem Stall am Wegesrand oder einem weit entfernten Hof;
Dann ist alles still und der Schnee fällt, weich und langsam. Der Abend wird tiefer und das Grau hüllt Erde und Himmel immer enger ein. Die Welt scheint verhüllt, weit entfernt.
Ihre Geräusche schlafen, und ich, heimlich, wie ein begrabener Bach, tappe stumm weiter und träume…
Nat „King“ Cole – Nathaniel Adams Coles (1919-1965)
Text:
The Christmas Song
Chestnuts roasting on an open fire Jack Frost nipping at your nose Yuletide carols being sung by a choir And folks dressed up like Eskimos
Everybody knows a turkey and some mistletoe Help to make the season bright Tiny tots with their eyes all aglow Will find it hard to sleep tonight
They know that Santa′s on his way He’s loaded lots of toys and goodies on his sleigh And every mother′s child is gonna spy To see if reindeer really know how to fly
And so I’m offering this simple phrase To kids from one to ninety-two Although it’s been said many times, many ways Merry Christmas to you
Übersetzung:
Kastanien rösten auf offenem Feuer; Jack Frost beißt dir in die Nase. Weihnachtslieder werden vom Chor gesungen, und die Leute sind wie Eskimos gekleidet.
Jeder weiß, dass ein Truthahn und etwas Mistelzweig dazu beitragen, die Weihnachtszeit zu verschönern. Kleine Kinder mit leuchtenden Augen werden heute Nacht kaum einschlafen können. Sie wissen, dass der Weihnachtsmann unterwegs ist. Er hat jede Menge Spielzeug und Leckereien auf seinem Schlitten.
Und jedes Kind wird heimlich beobachten, ob Rentiere wirklich fliegen können. Und so sage ich diesen einfachen Satz zu Kindern von eins bis zweiundneunzig, auch wenn er schon oft und auf viele Arten gesagt wurde: Frohe Weihnachten euch allen!
Dich wundert nicht des Sturmes Wucht, – du hast ihn wachsen sehn; – die Bäume flüchten. Ihre Flucht schafft schreitende Alleen. Da weißt du, der vor dem sie fliehn ist der, zu dem du gehst, und deine Sinne singen ihn, wenn du am Fenster stehst.
Des Sommers Wochen standen still, es stieg der Bäume Blut; jetzt fühlst du, dass es fallen will in Den, der Alles tut. Du glaubtest schon erkannt die Kraft, als du die Frucht erfasst, jetzt wird sie wieder rätselhaft, und du bist wieder Gast.
Der Sommer war so wie dein Haus, drin weißt du alles stehn – jetzt musst du in dein Herz hinaus wie in die Ebene gehn. Die große Einsamkeit beginnt, die Tage werden taub, aus deinen Sinnen nimmt der Wind die Welt wie welkes Laub.
Durch ihre leeren Zweige sieht der Himmel, den du hast; sei Erde jetzt und Abendlied und Land, darauf er passt. Demütig sei jetzt wie ein Ding, zu Wirklichkeit gereift, – dass Der, von dem die Kunde ging, dich fühlt, wenn Er dich greift.
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
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