Taktlos

Arche Noah – Quelle: Pinterest
Es färbt ein dunkler Hauch die Frühlingswende,
verstört, verirrt im neuen Weltgeschehen;
sucht, dass er seine Buntheit wiederfände,
wo helle Friedensfahnen fröhlich wehen.

Wo Farbenspiele spannend unter Bläue,
sich zeigen in des Regenbogens Pracht,
des Schöpfers Segen alle Saat erneuere,
die Welt verschone vor der Bombenmacht.

Den Menschen schlägt ein neuer Takt entgegen,
wie damals auch, im Dreißigjährigen Krieg.
Die Grenzen scheinen fremd und fern gelegen,
von denen allen Ländern böses blüht.

Ein scharfer Besen fegt die Ahnungslosen
mit Perversion – Welt ohne Mitgefühl.
Ein Pulverhauch schwebt schwer im Bodenlosen:
„Stock, der du gewesen, steh doch wieder still!“*

*Zitat aus „Der Zauberlehrling“ von J. W. von Goethe

Morgenlicht

Bild von Arifur Rahman Tushar auf Pixabay

Es dämmert schon –
gleich wird der Tag erwachen!

Das Licht kämpft gegen die Dunkelheit.

Der Wind reißt Löcher in die Wolkendecke
und lässt das Blau des Himmels erahnen;
friedlich und still ruht die Welt,
zärtlich streichelt sie die Nacht,
umschließt sie sanft mit einer Aura kosmischer Liebe.

Erde und Himmel im göttlichen Licht;
kühl ist der Morgen.

Schwingungen des Geistes
schenken wärmende Gedanken,
damit unsere Seelen nicht frieren.

Sonnenhungrig

Aus den Wolken fällt der Regen,
welterwachend, frühlingsmild,
sanft, wie zarter Hauch und Segen,
tränkt er Wiesen, Wald und Feld.

Tröpfchen hängen an den Zweigen,
jede Knospe fein erwacht;
gelb malt an Forsythien-Zweigen
Farbe „Frohsinn“ über Nacht.

Wolken, die vorüberschweben,
sind in regengrau getaucht,
und das frühlingsnahe Leben
wird von Ungeduld behaucht.

Kühl sind noch die Temperaturen,
doch die Wärme stellt sich ein,
wenn die alten Sonnenuhren
wachgeküsst vom Sonnenschein.

Frühlingsgeister

Kühle Winde stoben,
bald ist es April,
und das Wetter droben,
weiß nicht, was es will.
 
Treibt die Winterwesen
durch die grauen Gassen,
fegt mit feinem Besen
über Feld und Straßen.
 
Jung und Alt erleben
Vogelsang und Wende.
Frühlingsgeister geben
sich die Sonnenhände.
 
Knistern, Brechen, Heben
unter dunklen Schollen,
und das bunte Leben
hebt sich aus den Knollen.
 
Segensreich erneuern
wird die Frühlingszeit,
schmückt mit frischen Farben
tristes Erdenkleid.

Sang und Klang

Song of the heart – Joel Kirk Richards (1976*)
Singen möcht’ ich, helle, reine Töne,
in die missklangreiche Welt hinein.
Möcht‘ ihr bringen, was den Geist verschöne,
Dur und Moll im Lied vereinen.

Wie die Vogelstimmen, die am Morgen
Tag und Sonne freundlich singend grüßen,
möcht‘ mein Lied, die allergrößten Sorgen
wandeln, dass sie schnell vergehen müssen.

Auf dem Blütenteppich bunter Träume,
unter Bäumen, deren Kronen rauschen,
soll die grenzenvolle Welt der Zäune
meinen hellen Liedern lauschen.

Die Akkorde möchten aufwärts schwingen,
wie die Wolken, die um Berge kreisen.
Augenschließend werden sie erklingen,
wie ein Schiff durch Wolkenmeere reisen.

Um ein notenreiches Werk zu singen,
hebt die Menschheit sich vereint zum Chor.
Bleibt es nur ein Traum? – Ein hehres Ringen
bringt das allerschönste Lied hervor.

Sternenreise

Im Weltall ist es stille,
kein Ton dringt durch die Zeit,
in der Materienfülle,
Unendlichkeiten weit.

Gedankenweit getragen,
bis an den fernsten Punkt,
vorbei an Götterwagen,
wo Weltliches verstummt.

Lichtjahre weitertreiben,
von Stern zu Stern sich schwingen,
in fremden Sphären weilen
und mit den Winden singen.

So ganz und gar verloren
im stillen Sog des Gleitens;
im Strudel neu geboren,
in allen Ewigkeiten.

Frühlingsklänge

Der Reigen – Jacob Abraham Camille Pissarro (1830-1903)
Hell und lustig, wie ein Singen;
jedes Lied klingt wie ein Bogen,
der die Geigensaiten streifte,
dass die Seelen höher flogen.

Augenblicklich singt man Lieder;
trübe Augen werden heller,
wo man sanfte Töne fiedelt,
pulst das Blut zum Herzen schneller.

Winterfrei macht man die Tische,
so, als würde auf den Bänken,
frisch geputzt der Frühling sitzen,
Wärme gebend, Sonne schenkend.

Volle Krüge, essen, tanzen,
dass die Mädchenzöpfe fliegen,
wie auf altgemalten Bildern,
die im Reigen sich vergnügen.

Ausgelassen, froh und munter
sitzt das Volk bei Brot und Schinken;
rote Wangen, wache Blicke,
zeigen unbeschwert ihr Trinken.

Die in Frühlingswonne träumten,
wolkenfrei vom Blütenschimmer,
fanden ihre alte Welt
plötzlich hoffnungslos in Trümmern.

Wären nicht die Religionen,
Menschen könnten glücklich werden!
Wäre nicht der Hass der Menschen,
O, es wäre schön auf Erden!

Ein anderer Zeitgeist

Zeichnung von Ludwig Richter (1803-1884)
Es gab eine Zeit, es ist noch nicht lange her,
da hatten die Leute 15 Kinder und mehr.
Ganz ohne Kindergeld – das gab’s noch nicht,
12 Stunden Arbeit waren Tagespflicht,
und Schulgeld zahlten sie für jedes Kind,
Lehrgeld für die, die in Ausbildung sind.

Die Straße gehörte den Kindern zum Spiel,
und wenn eines von ihnen in den Schotter fiel,
dann sorgten sich Eltern wenig um sie,
sondern nur ums Loch in der Hose am Knie.
Da piepte kein Handy, man maß Liebe, nicht Likes.
Es gab simple Fahrräder, keine Mountainbikes;
auch mal Langeweile und Stille daheim,
wenn es draußen dunkelte, musste man rein.

Man folgte den Eltern mit Respekt.
Die Alten wurden nicht ins Heim gesteckt,
und sollte man alleine sein, vom Leben müde gemacht,
dann hat die Caritas Hilfe, nur für Gotteslohn gebracht.
Den Dienst an Kranken leisteten die Frauen,
ein Arzt kam ins Haus, um nach Kranken zu schauen.
Niemand musste mit Fieber im Warteraum sitzen,
um stundenlang Blut und Wasser zu schwitzen.

Arbeiter konnten sich Autos nicht leisten,
ein Telefon bekamen längst nicht die meisten;
auch wenn die Arbeit fern war, fuhr man Rad.
Ein Moped war ein Traum, wie jede Fahrt.
Oft lief man Kilometer, stundenlang;
es fuhr nicht überall die elektrische Straßenbahn.
Die Welt war riesengroß und jeder Schritt
und jeder Gang ein Stück vom Lebensglück.

Man nutzte jeden Tag schon früh, daheim.
Arbeit war immer, Freizeit „schrieb man klein“.
Man nähte, kochte, strickte noch per Hand;
bevor man Waschmaschinenkraft erfand,
mühte man sich den lieben, langen Tag
mit Waschen, Trocknen und Bügeln ab.
Staubsauger waren noch unbekannt,
Teppiche wurden geklopft, bis man sie staubfrei fand.
Die Frauen verbrachten ihr Leben daheim,
mussten dem Ehemann untertan sein.
Geld und Auskommen hat er gebracht;
das Sagen behielt er und häusliche Macht.

Handwerker war jeder Mann im Haus;
man teerte Dächer, baute die Zimmer aus,
man legte angstfrei die Elektrik unter Putz,
geerdet war nichts, vor dem Schlag fehlte Schutz;
mit Kitt setzte man Fensterscheiben ein,
und kaufte Kohleöfen für ein warmes Heim.
In Aschetonnen, wöchentlich abgefahren,
gab es weder Papier noch Plastikwaren.
Man düngte den Garten mit Biomüll,
aus stinkenden Kuhlen, inmitten des Garten-Idylls.
Auch das Plumpsklo wurde jährlich geleert,
auf die Beete gekippt, als Dünger verwertet.

Kaninchen hockten in kargen Ställen,
ließen sich mästen, bis zum Schlachten quälen.
Nicht ein einziges Mal fühlten sie Boden und Licht,
nur den Schlag in den Nacken, der am Ende sie bricht.

Es gab Brote mit Butter, darauf Zucker gestreut,
nur selten Fleisch; sonntags war Bratenzeit.
Schmalhans war Küchenmeister im Revier,
nur sonntags kaufte man manchmal ein Bier.
Abends gab es das Fernsehen nicht,
nur eine Stimme, die aus dem Radio spricht.

Heut‘ ist alles anders, der Wandel Magie,
ein Zeitgeist, der flüstert: Nimm’s leicht, c’est la vie.

Vorfrühling

Quelle: Pinterest – KI modifiziert
Die zarten Tage kehren endlich wieder,
an denen die Natur erwacht aus Träumen
und über grauem Laub im Frühjahrsfieber,
die Glöckchen stehn, die viele Wege säumen.

Weiß, wie die Unschuld, sind sie aufgeblüht.
Das alte Grün erscheint in neuem Licht.
Der Morgen hat sich früher aus dem Bett bemüht,
bevor die Sonne durch die Wolken bricht.

Der Himmelsbogen ist noch stark verhangen,
von grauen Schwaden, die am Tag verwehen.
Der Winter scheint mit einem Mal vergangen;
der Frühling zeigt sich sanft und morgenschön.

Morgen- und Abendrot

Filmmusik von Ennio Morricone aus dem Film „Die Mission“

Foto: Gisela Seidel – Aussicht aus dem Küchenfenster meiner ehemaligen Wohnung

Die Morgenröte der Möglichkeiten
erwacht im Lichtstrahl der Erkenntnis;
der Dunkelheit entstiegen,
erweckt sein,
voll von Gottvertrauen,
Leben, fühlen und getragen sein von Vollkommenheit,
die begeistert,
einen unbekannten Weg zu gehen,
das Wofür, zu finden im tieferen Sinn,
ihn anzunehmen,
auf die Zukunft gerichtet durch höhere Macht,
von ersten zaghaften Schritten,
hin zur letzten Wegstrecke des Alters.
In der Stille der Dämmerung,
sich als Kind fühlen,
das geborgen ist im Gegenwärtigen,
deren Hände ruhen vor dem Dunkelwerden,
das im höchsten Glück vollendend geistig macht.