Eine Weile fortzureisen,
Urlaub nehmen von Daheim,
neue Wege, die da weisen,
die vom alten Trott befreien.
Wo sich tummeln die Besucher,
sind sie voll, die Liegestühle,
viele Menschen schauen den Ort,
und am Meer sucht man die Kühle.
Voll die Nacht mit Kichern, Grölen,
alkoholisierten Massen,
jeder will am Ort „Zuhause“
Ruhe haben auf den Straßen,
doch der Ort ist eingenommen
von Touristik und vom Geld;
Freiheit ist im Suff verkommen.
„Hey, was kostet uns die Welt?!“
Edward Henry Potthast (1857-1927)
Wie doch die Finanzen fließen, aus den übersatten Reihen! Alltagsmasken abgesetzt, wollen sie die Gier befreien.
Am Büfett und an den Tischen, abends an den Bars am Strand, lassen sie es ‚richtig krachen‘, losgelöst vom Anstandsband.
Nach dem Alkohol die Leere, und die Sünden letzter Nacht werden nach der Tagesschwere erst verdrängt, dann neu gemacht.
Schließlich fahren sie nach Hause und sie sehn sich als ‚die Coolen‘, feierten in fremden Betten, drängten sich an Swimmingpoolen.
Edward Henry Potthast (1857-1927)
Dem „Ich muss“ bestimmten Handeln,
folgte man im Gruppenzwang.
Sittlich stark, sich selbst zu dienen,
damit man anderen dienen kann,
ein „Ich will“ bestimmtes Leben
zeugt den freiheitlichen Geist,
der im ehrenhaften Streben
in die fernen Länder reist.
Sinnend in des Mondes Schimmer, als er ihm den Schlaf verwehrte, klang in ihm die treue Stimme, die gar plötzlich aufbegehrte.
War’s ein Traum? Die stille Stunde wandelt in ihm, was gewesen. Alle sind im Kampf gefallen, und nicht einer ist genesen.
Wüst und öde ist die Erde und der Boden voller Leichen, die in jedem Kriegsgetümmel schauderhafte Zahl erreichen.
Von den Kämpfern fielen viele, die ihr Leben ausgehaucht; Angst getränkt sind alle Felder, Böden sind in Blut getaucht.
Stärker war'n die Überstarken, doch es naht schon bald die Sühne; auch der Turm, gebaut zu Babel, wurde mahnende Ruine.
Sein Geschlecht ist sein Verderben! Wolf war er, als er zerfleischte voller Mordlust andere Leben; Rudel-Führers Gunst erheischte,
doch sein Sinnen war vergebens. Wer das Blut des Bruders schändet, sprach von Wolfszeit einst die Wala, (* + **) wird mit Wolfsgeheul verenden.
*Die Wolfszeit bezeichnet eine Epoche des moralischen Verfalls, des Chaos und des Krieges, die unmittelbar vor dem Weltuntergang (Ragnarök) eintritt.
**Eine Wala ist eine mächtige Seherin, Prophetin und Zauberin in der germanisch-nordischen Kultur. In alten Versen wird sie vom Obergott Odin beschworen, um ihm die Entstehung der Welt, die Geheimnisse der Götter und schließlich das bittere Ende der Welt vorherzusagen. Sie gilt als unparteiische Hüterin des uralten Wissens und blickt über die Zeit hinaus.
Das Weiß der Wolken, das zerpflückt am Himmel treibt, gar ständig zeigt’s ein anderes Gesicht.
Es ist uns Abbild, dass ein jedes geht, nichts bleibt, nur für den Augenblick, der Leere lässt und füllt.
Wie Zuckerwatte hängt es über dir, du zupfst heraus, was dir Genuss und süß; doch ist des Himmels Bläue nur Geheiß, dass bald Gewitter kommt im Paradies.
Genieß den Augenblick, denn er vergeht, lass die Gedanken frei zum Himmel gehn. Das Leben scheint so wie ein Wolkenstück, Helles und Dunkelheit, nichts bleibt bestehen.
Man soll sich nicht mit Weltlichem belasten, auch wenn's im Alltag manchmal anders ist. Es ist dann wie im Unsichtbaren tasten, obwohl die Schlange Kaa „Vertrau mir!“ spricht.
Wir haben vieles noch zu überwinden, was uns den Blick versperrt zum wahren Licht; will uns Bequemlichkeit ans Alte binden, trägt es die Abstiegsangst im Angesicht.
Reformen nennt man die, die keine sind. Wir mäkeln an den ‚unreifen Geschenken‘, die sauer schmecken, was Vertrauen nimmt, kontaminiert ist es mit altem Denken.
Denn das Moderne dieser Zeit, man lehnt es ab, weil was vorüber ist, viel besser schien; mit dem, was Heimat ist, ging's steil bergab, aufhalten muss man es, dem Sog entfliehen.
Es stört so manches, und es bleibt die Angst, die Heimat immer mehr vermischt zu sehen; die Nationalität, als amtliche Instanz, achtlos vergeben, wird sie untergehen.
Ein „Made in Germany“, – es gilt nichts mehr, zu viele Köche, die den Brei verderben. Die Ablehnung der Fremden von weither, kommt nicht den Nazis gleich und ihren Schergen.
Vertrauen schaffen und Heimat bewahren, zu wissen, wo man hingehört und nicht, dafür die eigene Nationalität bejahen, wenn sie im Widerspruch zur Herkunft spricht.
Die Reife des Sommers bringt Ernte ins Land, saß als Kind auf dem Heuwagen, oben. Fühlte den Weizen unter der Hand, sah die Halme im Sommerwind wogen.
Brachten die Schnitter mit Sense und Müh‘ das Getreide in Mühle und Scheuer, erwartete uns Kinder bereits in der Früh‘, ein willkommenes Abenteuer.
Hab versucht, auf den Plätzen von einst Szenen von damals zu finden, doch die Gassen sind fremd, die Höfe verwaist, muss den Strauß aus Erinnerung binden.
Der Schnitter macht vor Menschen nicht Halt – es sind schon so viele gegangen. Nach dem Ende des Sommers wird es bald kalt, das Gedächtnis mit Nebel verhangen.
Ein auf Kopfsteinpflaster endender Klang, Nachhall gemachter Schritte, gleicht Sisyphusarbeit ein Leben lang, verbleibt im Körper, als Schwere der Tritte.
Schönheit verging, erst heimlich, dann schnell. Der Frühling ist lang schon Geschichte, dessen Last trag’ ich heut noch, wie ein Rebell, zum Richtplatz … auf dem ich vergebe, nicht richte.
Musik, du Liebliche, bist Träger der Gedankenströme, die aus mir fließen in die noch vorhandene Zeit, und wie von weit erklingen unbekannte Töne, die tief im Seeleninnern mir zum Lied gereift.
Hör es im Schlafe, singend, traumbeladen; es teilt den Vorhang, öffnet, lässt mich sehen, lässt Bilder aus dem Jenseits meiner Seele tragen, die tief verschlossen ewig mit mir gehen.
Nur durch den Lichtstrahl eines edlen Fühlens, das mehr als nur der bloßen Form entspricht, die ohne Geistesinhalt, leer, die Normen trüben - teilt sich der Vorhang, der sonst schwer und dicht.
Im feinstofflichen Reich der Geistesschäume, zerfließen alle Formen wie in bunten Dünsten, sie flammen auf, erlöschen, werden Träume - als inneres Sehen lichter Nachtgespinste.
Adam und Eva im Paradies – Johann Wenzel Peter (1745-1829)
Es war einmal ein winzig Kleines, das überhaupt nicht wusste, wer es war, und was es sollte, blieb ihm ein Geheimnis, denn so weit dachte es nicht, offenbar.
Es wuselte durch Weltgeschichten, um ihn herum, die Pflanzen riesengroß. Es konnte niemandem davon berichten, denn da war nichts wie er, und er beschloss,
in sich die Hoffnung niemals zu verlieren, voll Demut, dennoch himmelschreiend; alleine würde er den Mut verlieren, und einsam sein, das würd‘ er, obendrein.
Als androgynes Etwas – der Gedanke; geboren war ein Adam dieser Welt, und als sein Wunsch zum Himmel rankte, der ihm die Adama zur Seite stellt,
da waren aus den Ursprüngen verbunden, die Kreationen, Mann und Frau vereint. Der Schöpfergeist hat sie für gut befunden, in Obhut durch die Engel, gut gemeint.
Doch, da war plötzlich dieses Für und Wider, ein Trieb, der nachzugeben zog und lenkte; im Geiste ging die Mahnung auf sie nieder, der Einsicht in den Tod des Lebens schenkte.
Es war einmal ein winzig Kleines, das seiner Geistesgröße nicht bewusst, als Androgynes, ewiglich Geheimes – aus Fleisch und Blut, Vergänglichkeit ein Muss.
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