Mein Gärtchen

Foto privat 1955

Solch ein Gärtchen möcht' ich haben,
eins mit vielen Bäumen drin.
Dort könnt’ ich wie früher warten,
bis die Sonne unterging.

Auf dem Bänkchen würd‘ ich sitzen,
Kirsch, beringt am Ohr, im Mund;
sinnend meine Augen schließen,
froh sein, lächeln, ohne Grund.

Kurz noch wären meine Beine,
baumeln würden sie und schweben,
wenn ich dort im Sonnenscheine,
allen danke für mein Leben.

Nachts, da würd‘ ich drüber schweben,
über alle Beete, Hecken,
und mich über die erheben,
die mich stets mit Wut bedecken.

Und die Bäume würden rauschen,
wenn die Blätter zu mir singen,
ja, dann würde ich nur lauschen
und mit meinen Tränen ringen.

Gefühl von Sommer

Bild von pasja1000 auf Pixabay
Der Himmel breitet seine Bläue
an Sonnentagen über Stock und Stein.
Die Welt liegt hell, dass sich ein Jeder freue,
und jedes Korn wiegt sich zur Reife ein.

Geöffnet sind die weiten Sommertore,
und alles, was sich regt nach Licht,
erblüht im rosa Schein, wie Blütenflore,
dass sie verblühn, erschreckt sie nicht.

Willst du die Gräser wachsen hören? –
Es treibt hinauf, das immer gleiche Lied!
Als wollten sie beschwingt den Tag beschwören,
der Schatten nimmt und pure Liebe gibt.

Sonnenfeuer

Sir John Everett Millais (1829-1896)

Die Frühlingsluft tanzt durch die Gärten,
vermählt sich fröhlich mit dem Wind,

umhüllt mit einem weichen Wehen,
den Weltschmerz, wie ein kleines Kind.

Die Sonne zaubert hehres Leuchten
voll Freude in des Tages Zeiten,

und Himmelsfrieden lässt den Lärm
des Alltags in die Dünste gleiten.

Ihr Heerschar himmlischer Gewalten,
die ihr dem Schöpfer dienend schafft,

entzündet in den Menschenherzen,
des Abends eure Sonnenkraft!

Und jedes Herz, vom Glanz erhellt,
getröstet, wird sein Leid verstehen,

drum muss es abends stille sein,
dann kann der Schmerz der Welt vergehen.

Glorienglanz

Quelle: Pinterest
Alt verklärt sind all die Bücher,
wie mit einem Glorienglanze,
die, wie viele Andachts-Kerzen
flammend auf Altären tanzen.

Durch die hart bestuhlten Reihen
wallen Nebel, die sich lichten,
Weihrauch in den Kerzenflammen
sich in den Gemütern dichten.

Frische Sträuße, deren Blumen
auf den Opfertischen blühen,
und den Zauber des Vergehens
über die Gemüter sprühen.

Heiliger und reiner Schimmer,
der durch bleiverglaste Fenster,
Ros’ und Lilien in den Bildern,
frommen letzte Taggespenster.

Sanft gebückt kniet auf den Stufen,
ganz versenkt in tiefes Sinnen,
am Altar, wie Gott befohlen,
im Gewand aus weißem Linnen,

Gott geweiht durch Geist und Weihe,
jung, ein Mann. Er lauscht dem Singen,
aus den Kehlen eines Chores
die ihm sanft, wie Engel klingen.

Auf dem Antlitz war ein Feuer,
zart das Rot auf Stirn und Wangen,
so, als wäre die Erleuchtung
ihm im Herzen aufgegangen.

Und ein Strahl der Frühlingssonne
glitt hinein in das Geschehen,
ließ ums Haupt des jungen Priesters
einen Glorienglanz entstehen.


Urkraft

Vladimir Kush (1965…)

Alle menschlichen Ideen,
wie Tau entströmt, aus fernen Himmeln,
Talente – hohe Bäume auf Alleen,
Gott ließ sie das Unmögliche gelingen.

Die Urkraft, die ihr Werk der Erde schickt,
Wunschbilder, die ins Seelenlicht getaucht,
ein Denken bilden, das uns hilft und glückt,
Gedanken, die der Mensch zum Leben braucht.

Es sind die hohen Kräfte, die uns dienen,
sie streuen Gottvertrauen auf die Erde,
und was zuerst im Seelenlicht erschienen,
das baut der Mensch, es ist dann sein
„Es werde!“

In der Mondnacht

von Paul Heyse

Théodore Chassériau (1819-1856)- An Angel Praying in the Garden of Olives
In der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht
gehen Engel um auf leisen Sohlen;
blonde Engel, innig und verstohlen
küssen Sie die schönsten Menschenblumen.

Tausendschönchen, allerliebste Blume,
weiß es wohl, woher der Schimmer stammet,
der dir heut das Antlitz überflammet:
bist noch in den Traum der Nacht verloren.

Denkst der Engel, die durchs kleine Fenster
sich auf Mondesstrahlen zu dir schwangen,
leise dir zu küssen Mund und Wangen
in der Mondnacht, in der Frühlingsmondnacht.
Paul Heyse (1830-1914)

Unser Weg

Jahre nach unserem Spaziergang

In Träumen blicke ich ins Weite,
geh still den Weg, der unser war;
Nachdenklichkeit geht mir zur Seite,
macht mir Vergangenes offenbar.

Zeugt jeder Stein und Baum des Weges
von deiner Gegenwart allhier,
so wird mein Gang – ein Traumerlebnis,
ein Weg, der tiefen Seufzer mir.

Nur Trauer fühl’ ich, übermächtig,
in mir da toben Gram und Pein.
Mein Gang ist schwer, mein Schritt bedächtig,
denn heut geh‘ ich den Weg allein.

Der Wind, er haucht mir deinen Namen:
„Mein Liebes“ schwebt mir sanft durchs Licht.
Doch, ach, der Spott kennt kein Erbarmen,
wenn er mit deiner Stimme spricht.

Treibt voller Hohn mit diesen Worten
nun Wehmut in den Herzensgrund;
fühl’ ich an den vertrauten Orten,
noch deinen Kuss auf meinem Mund.

Dort steht verwaist die Bank. Und wieder
füllt sich mit Traurigkeit mein Herz,
und meine tränenschweren Lider,
verschließen sich in wehem Schmerz.

Wo bist du, dem ich so vertraut,
der mich so sanft und zart umfing?
Nichts blieb mir! Wie der Morgen graut,
so graut in mir mein Lebenssinn.

Warst meines Daseins reichste Fülle,
in Liebe hülltest du mich ein.
Trag deren inhaltslose Hülle,
in eine leere Zeit hinein.

Pfingsten

von Marie Paschke-Diergarten

John William Waterhouse (1849-1917)


Nun schmückt sich zu dem Fest der Pfingsten
mit frischen Blumen jedes Haus,
selbst in den Hütten der Geringsten
sieht’s heute feiertäglich aus.

Die allerärmsten Siebensachen
verklärt ein Hauch von Poesie,
auf frischen Lippen liegt ein Lachen
und eine heitre Melodie.

Da draußen blumenreiche Auen
und Lust und Leben weit und breit
und rings, wohin die Blicke schauen,
nur Glück und Daseinsfreudigkeit.

Und unter all dem Jauchzen, Klingen,
inmitten froher Festtagslust,
da will’s auch mich zum Liede zwingen,
als Dankgebet aus voller Brust.

Marie Paschke-Diergarten
(1870-Sterbedatum nicht bekannt)

Kunst von gestern

Quelle: Pinterest


Die Welt von einst:
In dunklem Eichenholz gerahmtes Bild in Öl;
auf alter Leinwand, gelb vom Dunst,
doch unter leichtem Krakele spricht jeder Pinselstrich von Kunst,
die Ehrfurcht zollt dem Geist, der aus dem Rahmen fiel,
den der Betrachter in Erinnerung bewahrt,
und sich im Denken als ein Funken „Gestern“ offenbart.

Neu begrünt


Alt, der Sprache Worte, viele,
die durchdringen mit Bedacht,
was sich als Gedankenspiele
in den Sinnen breitgemacht.

Klingen anders heutzutage,
gänzlich fremd sind sie im Ohr;
flüstern „damals“, wo die Sage
sich in ferner Zeit verlor.

Neu begrünt, wie Tannenspitzen,
die an alten Zweigen stehen,
soll’n der Worte Lichter blitzen
und tief ins Gedächtnis gehen.