Dein Segen

Betende Hände – Albrecht Dürer (1471-1528)
Herr, es ist Dein hoher Wille,
Sturm und Stille, Licht und Regen
und die Kraft der Lebenstriebe
uns zu schenken, all den Segen.

Danken möchte ich für alles,
was Du für mich hast bereitet,
weil Du Dein erleuchtend’ Licht
über alle Fehler breitest.

Schirmst mich ab vor Trug zum Schutze,
wie sich Baumeskronen breiten,
über mir, ihr grün Geäst,
das die Vögelchen durchstreifen.

Wird der Tod vorüberschreiten,
werden sie im Geist Gefährten,
die mir lichte Wege zeigen
hin zum Ziel, dem traumverklärten.

Zeitgeist

Die Zeit vergeht,
so zäh wälzt sie sich oftmals,
wie ein Lavastrom
und so behäbig,
manchmal scheint’s,
sie ist nur Illusion.

Durch die Epochen
kommt sie gekrochen;
doch halten kann man sie nie,
und irgendwann wird sie vergehen,
mit ihr das Zeitgeschehen,
und eine neue Zeit
sie folgt der alten,
so wie ein endlos' Band
geknüpft an die Gewalten
der vergang’nen Zeiten,
steht sie in dunklem Kleid
und hast du sie erkannt,
wird sie dir sanft entgleiten.

Recht und Unrecht

Der Zauberlehrling – Johann Baptist Wilhelm Adolf Sonderland (1805-1878)
Wohlbehütet sind die Satten,
Ehrsamen und nie Versuchten,
die von jeher alles hatten,
tugendhaft den Wohlstand schufen.

Die an vollen Tischen tafelnd
in den warmen Stuben sitzen
und bei einem Gläschen Wein
über all die Armen witzeln.

Über die Verzweiflungstaten
mancher Frauen, die in Not,
sich für Geld mit Männern trafen,
für die Miete oder Brot.

Sie versteh’n nicht, wie es geht,
dass jemand, der fleißig ist,
plötzlich auf der Straße steht,
wo man ihn als Mensch vergisst.

Dem nichts bleibt auf dieser Welt,
als der Schmutz, in dem er liegt,
bis der Tod sich zugesellt,
durch die Tritte, die er kriegt.

Über Hungrige, die stehlen,
schimpfen Satte, sprechen Recht.
Wenn sich leere Mägen quälen,
ist ein Urteil dann nicht schlecht?

Auf die Not der Ausgestoßenen,
die in vollen Läden stehen;
auf die vielen Heimatlosen,
die nur unseren Luxus sehen,

schau’n auf Fremdgruppen verachtend
die Gesetzeshüter nieder,
die mit wohlgenährten Bäuchen,
gut behütet, satt und bieder,

sie doch einst ins Land gelassen,
um den Wohlstand aufzubauen,
für sie in Beschlüsse fasste,
deren Schutz sie noch vertrauen.

Nun ruft man den „Hexenmeister“
denn „der Besen steht nicht still“.
Will die Rückkehr fremder Geister,
die man hier nicht haben will.

Am Niederrhein

Foto: Pieter Delicaat – Wikipedia

An der Niers am frühen Morgen,
schwebt ein Nebel, sanft bewegt,
und der Mond hält das Gebilde
fest am Boden, bis er geht.

An den Ufern strecken Bäume,
das Geäst zum Himmelszelt,
spinnen veilchenblaue Träume;
Schlaf entweicht der Vogelwelt.

Der Jasmin beginnt zu blühen,
glänzt im feuchten Morgentau.
Duft’ges Weiß liegt auf dem Grünen,
kontrastiert zum Himmelblau.

Weiden mit bizarren Ästen
winken heimatlich gesinnt,
bieten farbenfrohen Gästen,
Lebensraum und Neubeginn.

Nimmermüde Dotterblumen,
träumen schwefelgelben Traum,
lauschen selig den Gesängen,
aus dem hohen Lindenbaum.

Foto: Gisela Seidel

Grün erneuert sich das Leben,
Farbenrausch am Niederrhein,
Butterblumen an den Wegen,
Jedermann will draußen sein.

Senfsaat hat in manche Ecke
gelbe Blüten ausgestreut,
überdeckt die Erdendecke.
Seht nur, wie ihr Anblick freut!

Dunkles Erdreich atmet Schwere,
Schollen sind zur Saat bereit,
damit im Frühjahr wiederkehre,
was im Herbst zur Ernte reift.

Traumbild

Quelle: Pinterest
Manchmal sind Träume wie ein Fluss,
voll von Gedanken, die wie Wasser fließen,
als würd‘ erstarrte Zeit ein Bild aufschließen,
weil manch‘ Verlebtes weiterströmen muss.

Dann pochen spürbar Herz und Seele
verbinden sich mit ihm, in jedem Schlag.
Man steht davor, an angezeigter Stelle,
und kennt genau noch Haus und Tag.

Das Bild berührte, weckte Emotionen.
Es steckt ein Trauma, unbewusst, darin.
Obwohl schon lange Fremde darin wohnen,
war’s nur verdrängt und unbewusst der Sinn.

Das Elternhaus erscheint mir oft im Traum;
mich trägt vor dessen Bild die Illusion.
Wahrhaftig seh‘ ich mich vor leerem Raum.
„Loslassen!“, klingt es in mir, wie ein Hohn.

Der Wellengang

Der Wellengang - 
ein sanftes Sinken, Heben in Bild und Sein.
Das Meer von innen her, ein grollend tiefes Beben,
im gänzlich übervollen Wimmeln, nie allein.

Oh, fremde Welt, wo Wog‘ an Woge schlägt,
die Tiefe unergründlich ist
und lichtlos trotzdem Leben in sich trägt,
das feurig glühend, dicht an dicht,
den Ursprung zeigt, der uns geprägt
und der das Licht in Schatten bricht.

Die Dimension des Wassers voller Leben
mit winzigen Gebinden der Natur
und riesenhaften Körpern – alle schweben.

So, wie ein Himmel schwergewicht’ger Dinge,
an dem allein die Last des Lebens hängt,
hin zu fast wasserlosem Sand-Gemenge,
aus dem fast aus dem Nichts das Leben drängt.

Die Zeit zeigt nur des Menschen enge Sicht,
die Unergründlichkeit des Geistes zeigt sie nicht.

Tanz in den Mai

KI generiert von Gemini
Alles schwingt und schwebt und fügt sich,
wie ein Wort aus liebem Mund;
federleicht im Zauber hebt sich,
was entzweit war, zum Verbund.

Gleicht der Vögel Morgensingen,
nimmt die Falten aus der Welt,
glättet sie mit hellem Klingen,
als wär’ sie wie neu erstellt.

In den Mai tanzt wie die Lüfte,
wie die kleine Fee am Bach,
fluoreszierend ihre Düfte,
zieht sie magisch mit sich nach.

Welt, erkenne all den Zauber,
der das Land im Rausch erhellt;
rings ein Sonnenglanz, der sauber
lichtet und zum Tanz erwählt.

Wandel der Zeit

Quelle: Pinterest
Ob in Lüften, ob im Wasser,
und in allen irdenen Zonen,
überall im Weltenwandel,
sollen gute Kräfte wohnen.

Wo die Reden nicht nur rauschen,
in des Windes Luftgesang;
Offenbarung soll verstehen,
jeder Mensch in jedem Klang.

Sprache aus dem Mund des Kindes,
gab der Schöpfergeist von oben.
Welche Deutung gab uns Gott,
welcher Segen kommt von droben?

Menschen kommen, Menschen gehen;
andre Zeiten, andre Götter!
Einer nur wird ewig bleiben,
unberührt vom Zeitenwetter.

Denn Neuzeit erstürmt die alte –
losgelöst erscheint die Kette,
deren Glieder längst gerissen;
wie ein Fluss, der treibt vom Bette.

Torheit wär’s, den Sturm zu schelten,
als er Bäume spielend knickte:
grolle nicht den Weltgewalt’ gen,
die uns Tod und Kummer schickten.

Großer Frevel ist auf Erden
Unglück, das nur Einer richtet.
Sind des Herrschers Taten ‚groß‘,
wenn er Mensch und Land vernichtet?

Über abgrundtiefen Rätseln
huscht der Mensch mit leichtem Sinn.
Reicht dem Einen eure Hände,
dem, der übers Wasser ging.

Suche nach Glück

Die Nacht kommt und die Stimmen flüstern. 
Hört niemand, wie die Seelen schreien?
Die Gegenwart verklärt den Blick im Düstern,
lässt Kopfsteinpflaster wie magnetisch sein.

Verbunden sind die Leiber der Verstreuten,
die nächtens angezogen auf die Suche gehen.
Verhallter Klang der Schritte – sie bereuten,
die falschen Zeichen noch am Tag zu sehen.

Sie suchen Hoffnung mit und in den Allen;
die wälzt sich schlaflos in vertaner Zeit.
Die immer noch der Illusion verfallen,
ziehen mit der Sehnsucht in die Dunkelheit.

Im Schein der Lichter glänzt das alte Pflaster,
das unter vielen Füßen schon begangen;
es trägt des Lebens Freud- und Leid-Desaster,
der Nächte ungestilltes Glücksverlangen.

Gottvertrauen

William Adolph Bouguereau 1825-1905

Wie lieb spinnst Du so leise
von meines Lebens Glück,
so klug versprichst Du weise
mir glückliches Geschick.
 
Soll’n scheiden sich die Geister
aus der Vergangenheit,
stehst Du als Lebensmeister
mir zukünftig bereit.
 
Wirst meinen Weg begleiten,
trägst mich mit starker Hand;
Du wirst mich schützend leiten,
ins unbekannte Land.
 
Ich werde staunend schauen,
Dir danken im Gebet,
wenn altes Gottvertrauen
durch meine Seele geht.