Traumbilder

Folter und Hexenverbrennung im Mittelalter

Ein Engel streifte nachts mein Haar,
streute mir Traumgesichte in den Sinn.
Betört und friedvoll lag ich anfangs da
und folgte meines Traumes Anbeginn:

Ich sah entlang des Stadttors dunkle Mauern
und an dem schwarzen Turme Fackelfeuer.
Mich trieb die tiefe Welle des Bedauerns,
als ich vernahm, das klagende Gemäuer.

Es schien, als drängten Tränen durch die Ritzen,
sie liefen auf den dunklen Grund hernieder
und bildeten in salzig, kleinen Pfützen
die Münder, weinend, mir als Bilder wieder.

War all der vielen Unsichtbaren Trauer,
die man gequält, entmenschlicht, umgebracht.
Die hinter heren, alten Kirchenmauern
erlagen Folterungen dunkler Macht.

Ich hörte Schreie von den längst Verbrannten,
sah Höllenfeuer unter ihren Füßen.
Be-Geisterung bei ihren Art-Verwandten,
die Gaffer, die noch Lebenszeit verbüßten.

Brutale Folter und Tötung von Frauen durch den Klerus bis ins 18. Jahrhundert

Vernahm das dumme Volk in dichten Schleiern,
ein schwarzer Vorhang deckte ihr Gesicht.
Sah sie im Hier und Jetzt und damals feiern –
Vergangenheit entband im neuen Licht.

Noch immer gibt es üble ‚Weltenlenker‘,
die Staatsgewalt als gottgegeben präsentieren.
Die sich durch Religion bigotter Denker
zu teuflischen Armeen formieren.

Der Engel ist längst fortgegangen.
Mit ihm verging mein Traum; ich bin erwacht.
Die Welt ist alt und neu das menschliche Verlangen,
doch hat es Unbewusstes klar gemacht?

Ist Böses nicht schon immer bös gewesen?
„Du sollst nicht töten“, unsere größte Pflicht?
Die Welt wird nicht am Leid genesen,
egal ob Priester oder Führer spricht!

Von oben herab

Sulamith Wülfing (1901-1989)

Die fernen Himmel singen ein Lied von uns’rer Welt
und alle Zauber schwingen herab vom Himmelszelt.

Trägt Harmonie und Segen, kosmisch und ohne Zeit,
macht Irdisches durch Klänge für Künftiges bereit.

Die Töne rieseln leise und fliegen mit dem Wind,
wo jeder voller Anmut uns Linderungen bringt.

Trägt Liebe, Kraft und Freude in unser müdes Herz,
lässt kalte Herzen fühlen, ein Lauschen, himmelwärts.

Wenn Menschenwerk vernichtet auf Nimmerwiederbringen,
ist unentdeckter Klang ein ständiges Besinnen,

ist stetiges Erinnern an Fehler, falsches Handeln;
will sich vom Unbewussten bald zum Bewussten wandeln.

Die Harmonie der Stimmen im Moll- und Dur-Gesang,
ein überirdisch‘ Klingen, ein wahrer Himmelsklang.

Bringt Ursprung meiner Quelle, erinnernd, greifend nah,
ein ständig Neubeginnen, ewig erneuernd, immer da.

Wiedergeburt

Bild: Karin M.

Hin zu den klaren Quellen,
mit Weisheit gesegnet.

Alte Seelen,
nichts wissend,
nur ahnend,
unter tausend Schichten verborgen,

zur geistigen Erhöhung
dem Leben verpflichtet.

Gesichter der Erde im Spiegel,
Geist des Himmels im Herzen.

Voran, weiter, höher!
Es gibt kein Zurück.

Schatten der Vergangenheit

Johann Heinrich Füssli (1741-1825)

Ich fühle, wie Gestalten
im Dämmerschatten stehen,
sind unsichtbar verknüpft
mit meinem Zeitgeschehen,
zeigen hilflose Momente,
warnend und wohlbekannt,
von denen ich mich trennte –
vernarbtes Lebensband.

Möcht’ ich mich auch entziehen,
in wilder, langer Flucht,
so kann ich nicht entfliehen,
aus dieser Lebensschlucht.
Schau mutig ich hinüber,
mit ungetrübtem Blick,
bringt dieses Schau’n doch wieder
Erinnerung zurück.

Sind’s dunkle Lebensflecken,
die dort im Nebel stehen,
die mir aus finster’n Ecken
tief ins Bewusstsein gehen.
Die vielen off’nen Wunden –
sie heilen wird die Zeit –
sind noch nicht überwunden,
obwohl Vergangenheit.

Scheinbilder

Bild: Karin M.

Wenn Gott den Schleier hebt und wir erkennen,
sie stimmt, die lang schon festgehalt’ne Ahnung,
die Zu-fall, Ein-sicht oder Geistesblitz wir nennen,
dann wird das Hinschau‘n uns zur Offenbarung.

Sind wir nur Körper? Erdverlass’ne Kreationen?
Ist unser irdisch Reich nur Schein, nicht Wirklichkeit –
nur Spiegelbild, sich ändernd seit Äonen,
die leere Form von Leben, abgestreiftes Kleid?

Was wir für wesentlich und wichtig halten,
dient der Materie – freier Geist wird Knecht.
Er sitzt im Kerker der Naturgewalten,
gefang’nes Ego, wird sich selbst gerecht.

Die Erden-Geister sind zu Eis erstarrtes Wasser,
in tiefster Unbewusstheit schwingt das Leben.
Ein auf Erlösung festgelegtes Raster,
das danach harrt, zum Ursprung strebend.

Nur bei gefühltem Glück, da bricht die Hülle,
wenn das Bewusstsein durch die Mauern schaut
und Freiheit sieht, den reinen Geist der Fülle,
der fruchtbar wird, wie Eis, wenn Licht es taut.

Seele im Garten Eden

Durch Zweifel kommen wir zur Wahrheit
Tarotkarte „Der Eremit“

Das Ego ist der Herrscher deiner Seele,
der Glaube an das Ich, dein Selbstvertrauen,
Bewusstsein, deines Lebens Öllaterne,
Erleuchtung zündend am Erkenntnisbaum.

Aus hoher, hehrer Sphäre der Gedanken,
füllst du die Früchte deiner Wahl ins Füllhorn ein,
dort wächst beseelter Same an den Ranken
und lässt das Fühlen dir erquickend sein.

Du bildest deinen eignen Garten Eden,
hervorgebrachte Pracht und Harmonie,
dort, so von Gott erfüllt, auf allen Wegen,
beherrscht die Demut dich und Fantasie.

Sehnsucht und Einsicht

Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun (1755-1842)

Lang lag ich wach in abendlicher Stunde,
mein Körper müd, jedoch gedankenhell.
Wird es bald Nacht? Ersehnte Traumsekunde!
Wie ging mein Tagesablauf gar so schnell?

Der frühe Morgen, dem ich einst entstiegen,
ist schon durchlebt. Bin nicht bereit zu scheiden!
Seh‘ die Vergangenheit Revue passieren
auf bunten Wiesen, meiner Kindheit Weiden.

Da lockte neue Sehnsucht mit Erfüllung,
der Geist ließ meine Seele tanzend heben;
des Lebens Suche nach stets neuer Stillung
ließ manches Abenteuer mich erleben.

Ich sah mich selbst, die Hände streckend
nach manchem Glanz, der keiner war.
Zerstörend, seh‘ ich müd mich recken,
das greifend, was sich mir versagte.

Bedenkenlos war’n viele meiner Stunden,
die ich an manchem Tag durchlebte.
So ist Vergangenes mit ihm verschwunden,
was bleibt: das von mir selbst Gesäte.

Inspiration

Wiese mit Schmetterlingen – Olga Wisinger-Florian (1844-1926)

„Was nützt es dir, wenn du alle Schätze der Welt gewinnst und dabei Schaden nähmest an deiner Seele?!“ sagte uns Christus.

Das bedeutet, dass wir trotz eines äußeren Verlustes ALLES haben. Selbst bei Verlust unseres Lebens würden wir es nicht verlieren. Den Körper kann man töten, aber nicht die Seele.

Menschen behüten ihre Habseligkeiten im Außen, müssen aber vielmehr Hüter ihrer Seele sein. Dieses ‚Ich bin‘ in jedem Menschen ist für andere unsichtbar und bleibt stets im Verborgenen. Nur, wenn wir einen anderen Menschen lieben, öffnen wir unsere empfindliche Seele und lassen den anderen hineinschauen, damit er in Resonanz gehen kann. Dadurch werden wir verletzlich. Ein jeder muss das Schicksal über sich ergehen lassen, mit der inneren Sicherheit, dass sein Peiniger niemals sein HÖHERES SELBST schädigen kann.

So hat Gott den Menschen erschaffen: Ein lebendiger Geist in seinem wahren höheren Selbst.
Irgendwann wird er alle äußeren Hüllen und Masken ablegen und es wird nur ER SELBST übrig bleiben. Er wird nichts mehr besitzen, denn was er hatte war nur eine Leihgabe. Er hat es nur gebraucht. Die vielen Schätze seiner Lebenswanderung wird ein bewusster Mensch an seine Mitmenschen weitergeben, damit sie daran wachsen können: Zärtlichkeit und Trost, Verständnis und Liebe aber auch Mut und Kraft.

Ein bewusster Mensch hat die Blume seiner Seele geöffnet. Er ist kein Unbewusster mehr. Er hat sich selbst gefunden. In seiner ‚geöffneten Blüte‘ werden die höheren Wesen zu ihm kommen und sich in seiner Seele niederlassen, wie die Schmetterlinge auf offenen Blumen… wie die Engel zu Jakob beim Brunnen in der Wüste herniederstiegen, als Verbindung zu höheren Welten.

Ein solcher Mensch fühlt sich nie allein, denn Gott ist immer bei ihm.

Anderen Menschen ein Wegweiser sein, erfüllt ihn, denn er sieht sie oft in völliger Finsternis umherirren. Zum „Salz der Erde“ werden, wie Christus es zu seinen Jüngern sagte und das Licht, das wir von Gott erhalten, weitergeben, obwohl wir nur winzige Moleküle des Großen und Ganzen sind.


DU bist es, der nach ewig langer Nacht
erweckte meinen Geist und meine Sinne,
der aus Gedanken schöne Worte macht,
der da ist, wenn ich zu Papier sie bringe.

DU bist es, der im Hintergrunde steht,
und wenn ich schreibe, doch ganz nahe ist,
der mit mir unerschöpflich bunte Reime webt,
weil DU Impuls für viele meiner Worte bist.

DU bist es, den ich nie vergessen werde,
wohin mein ferner Weg auch gehen mag,
und wenn ich einst verlasse diese Erde,
begrüßt DU mich zu einem neuen Tag.

Sein oder nicht Sein

Der Turm – Tarot von Bonifacio Bembo 15. Jahrh.

Was sich im Inneren eines Menschen abspielt, geschieht in seiner Welt, die er meist vor den Augen anderer verborgen hält. Die Bewusstseinsstufen in seiner inneren Welt muss er allein beschreiten. In der Außenwelt trägt er eine Maske, wo er selbst vor seinen engsten Freunden und Verwandten, sein wahres Ich verbergen kann. Doch wenn er bewusst lebt, wird er das irgendwann nicht mehr können und wollen.

In der Kabbala bedeutet die Zahl 4 Materie. Der Körper des Menschen ist sein materielles Wesen. Zwischen Brustbein und Bauchnabel befindet sich das „Sonnengeflecht“ des Menschen. Die Überlieferung sagt, dass er dort bei der Zeugung mit einem magischen Band an den Körper verbunden wurde, der sogenannten Silberschnur. Dort wird er nach dem Tod wieder aus dem Körper heraustreten.

So steht es in der Bibel Buch Kohelet, Kapitel 12, 1-7:

Denk an deinen Schöpfer in deinen frühen Jahren, / ehe die Tage der Krankheit kommen und die Jahre dich erreichen, / von denen du sagen wirst: Ich mag sie nicht!,
ehe Sonne und Licht und Mond und Sterne erlöschen / und auch nach dem Regen wieder Wolken aufziehen:
am Tag, da die Wächter des Hauses zittern, / die starken Männer sich krümmen, / die Müllerinnen ihre Arbeit einstellen, weil sie zu wenige sind, / es dunkel wird bei den Frauen, die aus den Fenstern blicken,
und das Tor zur Straße verschlossen wird; / wenn das Geräusch der Mühle verstummt, / steht man auf beim Zwitschern der Vögel, / doch die Töne des Lieds verklingen;
selbst vor der Anhöhe fürchtet man sich und vor den Schrecken am Weg; / der Mandelbaum blüht, / die Heuschrecke schleppt sich dahin, / die Frucht der Kaper platzt, / doch ein Mensch geht zu seinem ewigen Haus / und die Klagenden ziehen durch die Straßen –
ja, ehe die silberne Schnur zerreißt, / die goldene Schale bricht, / der Krug an der Quelle zerschmettert wird, / das Rad zerbrochen in die Grube fällt,
der Staub auf die Erde zurückfällt als das, was er war, / und der Atem zu Gott zurückkehrt, / der ihn gegeben hat.


Das „dritte Auge“, welches sich auf der Stirn befindet, ist ein Nervenzentrum, durch das der Mensch mit der geistigen Welt verbunden ist, dadurch erreicht er eine geistige Schau. Die Katholische Kirche hat durch das Kreuzzeichen auf der Stirn versucht, diese geistige Schau zu verhindern.

Irgendwann im Leben eines jeden Menschen geschieht etwas, was tief in sein äußeres Schicksal hineingreift und sein ganzes Leben auf den Kopf stellt. Es stellt alles in Frage. Bei jedem Menschen geschieht es auf verschiedene Weise, weil unterschiedliche Lebensräume existieren.

Es ist bedrohlich. Vielleicht verliert man nicht nur seine Existenz, sondern auch seine Familie. Alles scheint zusammenzustürzen, wie im Krieg. Oder man verliert seine Freunde und materiellen Güter. Man fühlt sich vernichtet und muss sein Leben allein und ganz neu aufbauen. Millionen Menschen haben das in den letzten Kriegen erlebt.

Die Menschen, die bis dahin völlig unbewusst lebten, sind seelisch gefangen in ihrer materiellen Welt und können sich nie mehr richtig erholen und weitergehen, auch wenn der Körper am Leben blieb.

Dann gibt es noch jene Menschen, die schon so weit sind, dass sie unbewusst keine körperlichen, triebgesteuerten Sklaven mehr sind. Sie sind sich ihres Geistes bewusst, der in ihrem „Selbst“ schlummert. Sie haben sich selbst erkannt und können ein ganz neues Leben beginnen. Diese haben nichts verloren, nur gewonnen.

Auf jedem Lebensweg wird irgendwann etwas passieren, das vernichtend zu sein scheint. Die bisherige innere Sicherheit ist bedroht, sein Glaube geht verloren. Dann muss er alle seine inneren Kräfte zusammenfassen, damit er nicht fällt.

Die Geschehnisse sind sehr verschieden: Jemand wird seinen Lieblingsmenschen verlieren, mit dem er lange verbunden war. Der bewusste Mensch weiß, dass es keinen Tod gibt, sondern nur ewiges Leben, und dass er nur Geduld haben muss, zu warten, bis seine Zeit auf der kosmischen Uhr abgelaufen ist und auch ihm die letzte Stunde schlägt, dem Geliebten nachgehen zu können. Bis dahin hat er seinen geliebten Menschen nicht verloren. Er bleibt mit ihm im Geiste immer verbunden. Durch sein Denken bleibt er aufrecht stehen und bricht nicht zusammen.

Bei jedem Menschen wird das Schicksal dessen persönliche Lage ausnutzen, um ihn am allerschwersten zu treffen und zu vernichten.
Der Mensch darf nie vergessen, dass man nur dem Körper und niemals dem Geist schaden kann. Einen solchen Menschen kann nichts vernichten. Niemand wird ihn ändern. Lieber lebt er allein. Er ist wie er ist!

Er weiß, dass Gott in ihm ist und auch diese Prüfungen hat Gott ihm gegeben. Warum?: Damit er etwas Wichtiges lernt und sein Bewusstsein erweitert.

Nach dieser Prüfung wir Gott ihm helfen, aus der Vernichtung heraus zu wachsen und von allem Schlechten loszukommen.

Das größte Übel unserer heutigen Zeit ist die Angst.
Ob es ein Virus ist oder eine Bedrohung aus den Nachbarländern. Da ist die Angst vor Verlusten, egal welcher Art… und es gibt viele, die Angst haben vor der Angst.

Doch gibt es noch einige wenige, die keine Angst haben, sondern Gottvertrauen. Sie tragen die Überzeugung im Bewusstsein, dass es eine höhere Macht gibt als die Macht der Menschen. Diese Macht wird uns immer Das geben, war für uns das beste ist. Wirkliche Werte lassen sich nicht vernichten! Das Leben überlebt alles!

Die materielle Welt bezieht das Leben nur aus bereits vorhandenem Leben. Das Leben, welches sich von der Materie befreit hat, wird in das große universelle ewige Leben, in Gott zurückkehren. „Göttliche Zerstörung“ führt immer zum Leben.

Paul Gustave Doré (1832-1883)

Heiliger Seelenschrein

Das Mädchen – Sulamith Wülfing (1901-1989)

Ich will euch künden, Kinder dieser Welt,
was euer ist,
was euer Seelenschrein verschlossen hält,
bis ihr es wisst,

bis ihr das Heiligtum in euch entdeckt,
bis ihr gleich mir
zum Künder werdet und die Andern weckt.
Sie leiden hier,

sie leiden euer Leid und wissen’s nicht,
denn traumbefangen
gehen sie dahin, und ihrer Seele Licht
ist leidverhangen.

Was sie erschaffen, wandelt sich zu Staub
in ihrer Hand.

Ihr nur dem Äußern zugewandtes Sein,
sie nennen’s Pflicht;
daß sie das Heiligtum entweihn,
sie wissen’s nicht.

Es führt sie kreuz und quer und
führt sie weit ihr Wissensdrang;
in sich zu gehn jedoch fehlt es an Zeit,
denn dieser Gang,

der nächste, kürzeste zum wahren Ich,
wird erst getan,
sieht man die Brücken brechen hinter sich
und seinem Wahn.

Die Antwort, die das Leben schuldig blieb,
hier hört man sie,
und Sehnsucht sänftigt sich und Leid und Lieb
zur Harmonie.

Und Gottes Odem löst,
in ihm erwacht,
leise und sacht,
was ihn gefesselt hielt in banger Nacht,
bis es vollbracht.

<Ephides>