Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu jeder Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen.
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegensenden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde.

Autor: Gisela

Bitte auf meiner Seite "Über mich" nachlesen.

4 Gedanken zu „Stufen“

  1. Liebe Gisela,
    mit diesem Beitrag hast Du mir nun eine große Freude bereitet. Nicht nur, dass Du eines meiner Lieblingsgedichte von Hesse zitierst, sondern auch, weil Du ihm ein Porträt vom Dichter zur Seite stellst, das von meinem Urgroßonkel mütterlicherseits gemalt wurde. Hesse gab es einst bei ihm in Auftrag, es sollte ein Geschenk für seine damalige Frau zum Geburtstag im August 1905 sein. Heute gehört es zum Inventar des Hesse-Museums in Gaienhofen am Bodensee.

    Liebe Grüße zum Wochenende
    von Constanze

    1. Liebe Constanze,
      es freut mich besonders, wenn ich Dich positiv überraschen konnte. Ich habe beiden Künstlern nachträglich einen Link gesetzt. Mich hat das Portrait besonders angesprochen. Schön, nun die Entstehungsgeschichte zu lesen.

      Vielen Dank und ebenfalls liebe Wochenendgrüße von Gisela

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