Herbstgedanken

Flüchtig waren des Sommers Düfte,
wie des Lebens angenehme Jahre,
zeichnen Farben zwischen dunklem Grün von gestern,
gelb und golden sind die Blätter, rötliche und müde,
Teppiche auf Wegen liegend und verwehend,
treiben durch die Welt in ferne Winkel,
wo es Menschen gibt, die lieben, lachen, leiden.

Weich, die Wege. Raschelnd klingt das Sterben
unter den Füßen schneller Schritte.
Natur – gedämpftes Leben!
Nur der Wind bewegt die Wolken,
weht den Staub der Straße,
und die letzten Rosen pflückt er,
streut die Blüten auf die feuchte Erde.
Die Natur, sie liegt zerbrechlich zwischen Herbst und Winter,
malt den Menschen goldne Sommerträume.

Nah ist das Ende, wo bereits der Anfang wartet,
umfangen vom Himmel, genährt von der Erde,
berufen von Gottes Wort, das alles Leben erschafft und erhält.
Am Ende des Jahres tragen wir die Jahreszeiten in uns,
mit ihren Erinnerungen und der Nostalgie ferner Zeiten.
Der Herbst entkleidet die Natur,
gönnt ihr im Winter eine Pause der Erneuerung,
um sie in neuem Kleid dem Frühling darzubieten.

Die Welt verändert sich, tauscht Dur in Moll,
nimmt einen tiefen Atemzug am Fenster in der Frühe,
wo die Menschen müd noch in den Betten schlummern.
Das Alter trägt Talente, Fähigkeiten und Weisheit
in die Zeit des Neuen, die Erfahrung sammelt, bis sie mit ihr vergeht.
Abschied von Zeitabschnitten, vom Leben, Herbst und Winter.
Neu zu erwachen, wie die Natur, ein neues Kleid bekommen,
das Leben neu entdecken, es zu lieben und Gott dafür zu danken,
für jedes Jahr, jeden Tag und jede Stunde.

Guido Reni (1575- 1642)

Bunt sind schon die Wälder

Text von: Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834)

Interpreten: Zupfgeigenhansel
Musik von Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)

Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Gelände reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

Dort im grünen Baume
hängt die blaue Pflaume
am gebognen Ast
gelbe Birnen winken
dass die Zweige sinken
unter ihrer Last

Welch ein Apfelregen
rauscht vom Baum! es legen
in ihr Körbchen sie
Mädchen, leicht geschürzet
und ihr Röckchen kürzet
sich bis an das Knie

Winzer, füllt die Fässer
Eimer, krumme Messer
Butten sind bereit
Lohn für Müh und Plage
sind die frohen Tage
in der Lesezeit

Unsre Mädchen singen
und die Träger springen
alles ist so froh
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh

Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und bei Mondenglanz
schöne Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz

Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834) – Quelle: Wikipedia

Herbst

Tropfen prasseln gegen die Scheiben;
ich freue mich, der Herbst wird nun bleiben,
mit heftigen Winden und feuchter Milde,
im bunt gefärbten Blättergebilde.

Auf „Pause“ im Wachstum eingestellt,
zeigt das Jahr die Reste der blühenden Welt.
Schon raschelt es unter den Füßen;
der Herbst lässt im Jägerwams grüßen.

Mit Halali reitet er durchs Feld,
verzaubert farblich die Heimatwelt,
Alles bunt Bemalte fliegt mit dem Wind,
vergangen, wie auch die Zeit verrinnt.

Fuchs und Hase huschen geschwind in den Bau,
wie Gewehre klingt’s im Gewitter Radau,
man hört nicht das Sterben der Tage,
und der Mensch, er stirbt mit, all die Jahre.

Wandel

Quelle: Pinterest
Es vollzieht sich bald ein Wandel,
und der Mensch mit leichtem Sinn,
legt den Schmuck des Sommers ab;
Farben dämpft der Herbstbeginn.

Nächtens suchen Mensch und Tier,
neue Kühle zu bedecken,
Federbett und Nachtbekleidung,
die sie wärmend von sich streckten.

Nach viel Sonnenschein und Stöhnen,
huscht der Mensch in festes Kleid.
Erntezeit will Zukunft werden,
scheint vorbei, die Sommerzeit.

Unsichtbarer Wanderer


Steht die höchste Sonnenscheibe
über jedem Menschenbilde,
das da harrt nach kühler Bleibe.
Hitze, werd‘ doch wieder milde!

Schau den Feldstein dort am Wege,
wie er lastet auf der Erde,
doch darunter ist es rege,
Wurzeln sinnen ein „Ich werde!“.

Wachse in verborgenen Gründen,
in des Reifens Einsamkeit.
Nur ein Seher wird dich finden,
dich, in deinem lila Kleid.

Veilchen, du wirst einst erblühen,
wenn es schauernd regnet nieder,
und die Hoffnung wird sich mühen,
findet Halm und Blüte wieder.

Wind, du unsichtbares Wesen,
eilst im Flüchtigen dahin,
an dir wird die Welt genesen.
Sei der kühlen Zeit Beginn!

Zyklus von Leben und Tod

Der Festzug der Natur wiederholt sich in jeder menschlichen Seele.

Zuerst gibt es den Frühling mit dem erwachenden Bewusstsein,
den Sommer, wenn die Kräfte des Menschen zu ihrem Höhepunkt aufsteigen, den Herbst, wenn das Leben zu schwinden beginnt, und den Winter, wenn der Schlaf in die müde, erschöpfte Seele kommt.

Aber selbst nach dem Winter des physischen Lebens kommt der Frühling für den Geist, wenn er in einer anderen Welt erwacht,
um den ewigen Zyklus fortzusetzen.

Lerne von der Natur diese Botschaft.

Nebelträume

Image by Zsolt Hegyi from Pixabay

Die Welt ist grau, trägt Schleier in den Bäumen,
es wabern Nebel durch den Straßenzug.

Der Übergang von Nacht zu Tagesträumen
gleitet im zeitlos unbemerkten Flug.

Die Vögel sind verstummt, kein Liebessingen;
die bunten sind dem Grau der Stadt entflogen.

Die Melodie aus hellen Vogelstimmen
ist nun ein Moll betontes Krähen droben.

Das Jahr geht hin, ihm folgen viele Pläne,
die bluterfüllt wie offene Wunden sind;

lebensberaubt wie ausgetrocknete Kanäle,
machen für Zuversicht die Augen blind.

Nebel verbirgt die Menschenferne,
wie sie tagtäglich fremd auf Straßen wandelt.

Nicht eine Seele für mich! Nur zu gerne
hat die Tristesse mich unsichtbar verschandelt.

Mein Herz sehnt sich nach alten Stätten,
dem Elternhaus, wo längst ein Fremder wohnt.

Erinnerungen zieren Schicksalsketten,
verklärt mit Nebel, der in Hirnen thront.

Halloween

Quelle: Stardock.com
Die ersten Kerzen sind entzündet,
so mancher Kürbis kriegt Gesicht,
an Halloween wird heut verkündet,
das, was man schenken soll, ist Pflicht.

Vor Türen stehn die frechen Gören,
mit Handylichtern und Geschrei.
Sie drohen denen, die nicht hören,
mit Rache, die gar sauer sei.

So einfach kann man bössein lernen -
die alte Zeit, wo ist sie hin?
Da gingen Kinder mit Laternen
von Haus zu Haus mit gutem Sinn.

Da freute man sich auf die Gaben,
auf Nüsse, Schokolade, Kuchen;
die Leckereien, sie zu haben,
war ein Geschenk für arme Stuben.

Aus Kindermündern wurd‘ gesungen,
heut singt man nicht mehr, nein, man droht;
Amerika ist durchgedrungen,
der neue Mensch im Spaß verroht.

Der Herbst

von Gustav Sack

KI generiert
So komm, du wilder West,
und sing geheimnisvoll und runenkundig
in meinen Kiefern und Wacholderbüschen
das uralt düstere Jahreslied des Todes!
Und reiß aus meinem Herz des Sommers Freuden,
reiß sie gleich müd gewordenen Blättern ab,
auf daß mein Fuß sie raschelnd von sich stoße.
So wie von jenem Ahorn taumelnd dort
die schwarzgefleckten Blätter landwärts wirbeln,
laß all des Sommers gaukelnde Gestalten
zu krausen Scharen windgewiegt
ins graue Land Vergessenheit hinflattern!
Und dann, oh West, oh wilder West,
saug aus des Weltmeers weitgeebbten Brüsten
dir Sturmeskräfte hoch und schleudere mich
hohnlachend jenen Spukgestalten nach
und brause, laut aus vollen Lungen tobend,
über das Sommerglück, das du zerstört!
Gustav Sack (1885-1916)

Blätterfall

von Heinrich Leuthold

Bild von Rebekka D auf Pixabay

Leise, windverwehte Lieder,
mögt ihr fallen in den Sand!
Blätter seid ihr eines Baumes,
welcher nie in Blüte stand.

Welke, windverwehte Blätter,
Boten, naher Winterruh,
fallet sacht! Ihr deckt die Gräber
mancher toten Hoffnung zu.

Heinrich Leuthold (1827-1879)