Trüber Herbsttag

John Atkinson Grimshaw (1836-1893)

Die Zeit scheint inhaltslos und schwer,
ein Vakuum, dem Energie entzogen;
von Regenstunden vollgesogen,
sind Häuser sichtlich nebelleer.

Vereinzelt gehen schnelle Schritte
vorüber an beschlag’nen Scheiben,
verlaufen sich im Klang der Tritte,
um sich dem Grauton einzureihen.

Ein dumpfes Dämmern fließt durch Adern,
Melancholie zieht an den Schwachen.
Vom Fluss des Herzens rinnt ein Hadern,
dem Schlafen näher als dem Wachen.

Voll Schweigen geht des Jahres Gang,
nach kleinen Schritten bleibt es stehen.
Von ferne lässt geweihter Sang
vom erdentrückten Land sich wehen.

So altvertraut klingt diese Melodie,
die sich vor Zeiten an die Welt verlor.
Ich war noch niemals dort, doch lieb ich sie.
Die Welt ist hier und mein Zuhause dort!

Herbstgefühle

John Atkinson Grimshaw (1836-1893)

Man kann nur schlafen oder müde schauen,
den großen Wolkenschäfchen folgen,
vor des Himmels Grauen,
die schnell zerpflückt in Wirbel ziehen,
abends zum roten Horizont entfliehen.

Nur kühle Luft streift durch die
asphaltgrauen Straßen,
die nebeltrüb, vom Dunst beladen,
das Leben in die Häuser treibt,
wo Tropfen hängen an Fassaden
und die Natur erstarrt und schweigt.

Lichtgestalt

Fraktale: Karin M.

Aus dem Dunkel geboren.

Funkelst in leuchtenden Farben.
Trügerische Illusion.
Benutzt das Abbild des Lichts,
dir zum Glanze.

Prahlst mit äußerem Strahlen
und Glühen,
doch dein Innen ist leer.

Wie ein Wunder erscheinst du den Menschen,
Verführung ist dein Vorsatz,
dein Wille Chaos und Trug,

Begeisterung dein Mittel
zum Zweck der Gewöhnung,
Manipulation deine Stärke.

Verblendung
treibst du in die suchenden Seelen.

Beschattest die Wege der Liebe
zurück zur Wahrheit.

Dunkle Stunden

Caspar David Friedrich (1774-1840) – Strand mit Fischernetzen

Die Tage kurz, die Nächte lang.
Man könnte immer schlafen.

Die trägen Stunden ziehn sich dann,
wie’s Fischernetz im Hafen.

Geflickt und löchrig hängt es dort,
das graue Netzgewebe.

Manches hängt drin, oft ist es fort,
wie die Gedanken eben.

So quält man sich im Stundensinn
ganz langsam durch das Dunkel

und hofft bei Tages Anbeginn,
die Sonne wird bald funkeln.

Gedankennetze werf‘ ich aus,
mal dies, mal das zu fangen.

Doch leer ist‘s meistens. Ach, oh Graus,
im Kopfe bleibt nichts hangen!

Vergangenheit hat allen Drang
zu schreiben stets besessen.

Was wollt‘ ich nun, was treibt mich an?
Ich habe es vergessen.

Herbstregen

Iwan Iwanowitsch Schischkin (1832 – 1898) – Regen im Eichenwald

Der Herbst zog ein, stürmisch und nass.
Die Zeit der Raben ist erwacht!
Die Sonne zeigt sich kühl und blass;
die Dunkelheit bringt frühe Nacht.

Die Kälte hat sich breit gemacht
auf allen Wegen, die ich gehe.
Die Wolken ziehn mit nasser Fracht
und Tropfen bilden kleine Seen.

Ein ständig Regenprasseln zieht
den Schmutz der Straße mit sich fort.
Ach, könnt ich mit den Vögeln fliehn,
wünsch mich an einen lichten Ort.

Die Krähen sammeln sich zuhauf;
mit Krächzen fliegen sie so weit.
Die Jahreszeit nimmt ihren Lauf.
Der Mensch sinnt still nach bessrer Zeit.