Dunkle Jahre

Edmund Blair Leighton 1853-1922 – The Unknown Land

Der Tränen hab’ ich viel vergossen,
in stetem Leid ertrank mein Herz
und war’n die Augen fest geschlossen,
empfand ich tiefen Seelenschmerz.
 
Ich irrte lange durch die Zeiten,
fand keinen Menschen, der mich trug,
ließ mich von Traurigkeit begleiten,
nur Ablehnung fand ich genug.
 
So gingen hin die alten Tage,
mir folgte nur die Einsamkeit,
nichts änderte die Lebenslage,
die Liebe blieb so fern, so weit.
 
Mein Herz, das suchte stets den Wandel,
doch Menschen brachten nicht das Glück
und durch das oftmals falsche Handeln,
blieb nur die Bitterkeit zurück.
 
Nach langen dunkeltrüben Jahren
sind’s neue Wege die ich gehe,
ich darf mit Dankbarkeit erfahren,
die liebevolle Gottesnähe.

Hölle auf Erden

Gustave Doré 1832-1883 – Dante, Hölle

Mit großen Lebensfehlern,
die wir einst gemacht,
pflastern wir uns die eigne Erdenhölle,
 
die uns umgibt,
wie rabenschwarze Nacht,
wo dunkle Mächte fordern ihre hohen Zölle.
 
So, wie ein Strudel,
der uns aus der Mitte reißt,
und dann erbarmungslos in seine Tiefen zieht,
 
wie uns ein Sturz den Aufprall wohl verheißt,
wenn man mit großen Augen in den Abgrund sieht,
 
so quält allgegenwärtig unser Missgeschick,
versperrt den Blick zu neuen, guten Dingen,
 
und standen wir schon auf dem ob’ren Leiterstück,
muss dann ein neuer Aufstieg erst gelingen.
 
So werden wir die Meister unsres Lebens,
gelernt sein muss ein jeder unsrer Schritte,
 
und mühen wir uns manchmal auch vergebens,
die Umkehr führt uns heim in unsre Mitte.

Wie ein Blatt im Wind

Will wie ein Blatt zu Boden fliegen,
der Herbstwind, er soll sanft mich wiegen,
 
lass‘ hinter mir die warmen Zeiten;
muss langsam mich nun vorbereiten,
 
auf Stürme stark und kalte Nächte.
Wenn doch der Winter wieder brächte
 
den neuen Lenz mir, voller Sehnen,
mit allen lebensfrohen Tönen.
 
So weiß ich doch, was folgen wird;
geh‘ meine Wege unbeirrt,
 
bis ich das Ziel dann vor mir sehe.
Ist es erreicht, ruf ich: Ich gehe!
 
Nehme mein Leben, der es lenkte,
der es mir einst mit Liebe schenkte.
 
So wandelt sich das Erdenleben
zum geistig Licht erfüllten Streben.
 
Gott wird begleiten meine Zeit
bis zum Beginn der Ewigkeit.

Lieblosigkeiten

Dante und Vergil im 9. Kreis der Hölle – Gustave Doré 1832-1883

Lieblosigkeiten –
sie kleben an dir,
wie unerlöste Seelenteile;
trunken von Trübsinn,
in Tränen getränkte
Schleier deiner
Erinnerungen.

Sie tragen an der Schwere
deiner Vergangenheit.
Sie schlichen in dein Ich
und machten es krank,
dein Dasein trüb,
und die Stellen in deinem
Körper schmerzen,
denn sie sind wie Stein
gewordene Verhärtungen
deiner Seele.

Erlöse die Erinnerungen;
vergib den Menschen,
deren Lasten du immer noch trägst,
obwohl sie längst dahin sind.
Niemals wirst du vergessen!
Schaue deinen Rückblick in Verklärung,
denn du bist niemals in den
Schuhen der anderen gegangen.

Wandel

Michael Ancher 1849-1927 – Am Krankenbett

Das, was noch vor dir liegt, sind schwere Schritte,
wohin sie führen, das ist dir bewusst;
sind’s doch oft mühevolle Lebenstritte,
die man zum Wandel erst durchlaufen muss.
 
Ich wünsche dir ein weises Handeln,
mutig und stark wirst du dein Ziel erreichen;
die Dunkelheit wird sich zum Lichte wandeln
und neue Wege, hell, vor dir erleuchten.

Verhängnisvolle Worte

William Adolphe Bouguereau 1825-1905 – Frühlingsmelodie

Ersonnen sind der Worte viele,
besinnliche Gedankenspiele,
 
die ganze Blätter-Wälder füllen,
erdacht, geschrieben, ganz im Stillen;
 
Anziehungskraft des fremden Flairs,
Unendlichkeit des Schriftenmeeres,
 
lässt uns in ferne Welten tauchen,
kann Märchen Wirklichkeit einhauchen;
 
das, was sonst niemand anders schafft,
vollbringt des Wortes Zauberkraft.
 
Schenkt uns ein Wort der Liebe Glück,
so nimmt ein andres dies zurück;
 
mit ein paar hingesagten Sätzen,
kann man die Seele tief verletzen
 
und oft noch leidet man alsdann
darunter gar ein Leben lang.
 
Wählt eure Worte mit Bedacht
und sprecht nicht aus, was Leiden schafft,
 
kann man in wunden Augen lesen,
dass Schweigen besser wär’ gewesen.

Einsamkeit

Caspar David Friedrich 1774-1840 – Frau am Fenster

Keine Stimme, die ruft,
kein Herz, dem ich fehle,
nur Einsamkeit, Stille,
durch die ich mich quäle –
aus der Ferne, der Klang der Motoren
und manchmal will sich die Ruhe
in meine Seele bohren.
 
Suche Beschäftigung,
die diesen Bann durchbricht,
doch wirklich finde ich sie nicht.
Kann mich nicht fügen,
nicht konzentrieren,
möcht‘ manchmal den Verstand verlieren.
 
Ich schau die Wände an –
es sind dieselben, die ich vor einer Stunde sah;
verwandeln möchte ich die gelben
in bunte, mit Punkten,
die ich dann zählen könnte,
um mich abzulenken,
vom Denken.

Full Circle

Loreena McKennitt

Stars were falling deep in the darkness
as prayers rose softly, petals at dawn
And as I listened, your voice seemed so clear
so calmly you were calling your god

Somewhere the sun rose, o’er dunes in the desert
such as the stillness, I ne’er felt before
Was this the question, pulling, pulling, pulling you
in your heart, in your soul, did you find rest there?

Elsewhere a snowfall, the first in the winter
covered the ground as the bells filled the air
You in your robes sang, calling, calling, calling him
in your heart, in your soul, did you find peace there?

Songwriter: ALEXIS ESTEVEZ, ELIO LUIS, GEORGE (DP) BIZET, KILIAN FORSTER, TIM HAHN, TOBIAS FORSTER

© Sony/ATV Music Publishing LLC, BMG Rights Management

Übersetzung:

Sterne fielen tief in die Dunkelheit.
Als die Gebete leise aufstiegen, blühten die Blütenblätter im Morgengrauen. Und, als ich zuhörte, schien deine Stimme so klar zu sein,
so ruhig hast du deinen Gott gerufen.

Irgendwo ging die Sonne über den Dünen in der Wüste auf.
So war die Stille, die ich noch nie zuvor gefühlt hatte.
War das die Frage: „Ziehen, ziehen, ziehen?“
Hast du in deinem Herzen, in deiner Seele dort Ruhe gefunden?

An anderer Stelle ein Schneefall,
der erste im Winter bedeckte den Boden, als die Glocken die Luft füllten.
Sie in Ihren Roben sangen, riefen, riefen, riefen IHN.
Hast du in deinem Herzen, in deiner Seele dort Frieden gefunden?

Lebensfeuer

Caspar David Friedrich 1774-1840- Die Lebensstufen

Es löscht der Lebenswind
die Feuer unsrer Herzen;
 
so wie die Flamme,
die ein kühler Hauch erfasst,
schmilzt unsre Erdenzeit
wie heißes Wachs der Kerzen,
 
bis auch der letzte Funke
ihrer Glut verblasst.
 
Wir werden einst
von dieser Welt geschieden;
 
so wie die Türe,
die zuletzt ins Schlosse fällt,
sind wir alsdann getrennt
von unsren Lieben,
 
doch öffnet sich die Weite
einer andren Welt.

So nah und doch so weit

Besonnte Dorfstraße mit Kirche – Barend Cornelis Koekoek 1803-1862

Ach, würd‘ die Welt doch singen,
bis in den lichten Tag,
in Harmonien klingen,
wie’s Herz und Seele mag.

Ach, würd‘ die Welt genesen,
mit vogelreichem Sang
und Wahrheit uns erlösen,
ein ganzes Leben lang.

Ach, wär doch endlich Stille
und Ruh auf dieser Welt.
Nur Gutes tun, der Wille,
ein Dasein ohne Geld.

Ach, wäre doch schon Frieden,
Gesundheit ohne Leid.
Die Lager voller Blumen
und Kinder voller Freud.

Ach, schmerzte nicht das Sehnen
nach der Vergangenheit…
mit allen Lebensplänen –
so nah und doch so weit.