Der Himmel breitet seine Bläue an Sonnentagen über Stock und Stein. Die Welt liegt hell, dass sich ein Jeder freue, und jedes Korn wiegt sich zur Reife ein.
Geöffnet sind die weiten Sommertore, und alles, was sich regt nach Licht, erblüht im rosa Schein, wie Blütenflore, dass sie verblühn, erschreckt sie nicht.
Willst du die Gräser wachsen hören? – Es treibt hinauf, das immer gleiche Lied! Als wollten sie beschwingt den Tag beschwören, der Schatten nimmt und pure Liebe gibt.
Der Festzug der Natur wiederholt sich in jeder menschlichen Seele.
Zuerst gibt es den Frühling mit dem erwachenden Bewusstsein, den Sommer, wenn die Kräfte des Menschen zu ihrem Höhepunkt aufsteigen, den Herbst, wenn das Leben zu schwinden beginnt, und den Winter, wenn der Schlaf in die müde, erschöpfte Seele kommt.
Aber selbst nach dem Winter des physischen Lebens kommt der Frühling für den Geist, wenn er in einer anderen Welt erwacht, um den ewigen Zyklus fortzusetzen.
Die Frühlingswetter sind vorbeigezogen, nun glüht die Sonne über Feld und Stille und legt ein braunes Kleid über die Wogen des Korns, in durstig trockener Ackerfülle.
Das Blühen ist vorbei an allen Bäumen, die Blüten längst verweht und fortgeflogen. Was haften blieb, ruht unter Blättersäumen; bald spricht die Herbstnatur in Epilogen.
Der Wald gibt Raum im Blättermeer der Bäume, denen die Schatten suchen, sich zu kühlen, und Vögel nässen freudig ihr Gefieder zwischen Sonnenschirm und Gartenstühlen.
Das Heimchen ‚grillte‘ lange noch im Grase, dort, wo der Bach durch Schilf und Steine trieb, vorbei an bunter Wiese Traumoase, nahm er das Treibgut mit sich wie ein Dieb.
Die Rosen blühen wieder in den Gärten, das Gold des Ginsters ziert die Ackerraine, durstig ist die Natur, sucht Wasserfährten zwischen Himmel und Erde - findet keine (?).
Sieh, die Linden in der Sommernacht, deren grüne Kronen über Wege reichen, wie im Lüftespiel die Blätter gleichen, wenn sie rauschen, wild und sacht.
Lauscht dem Vogel in der Stille, träume, heb dich fort im Fluge deines Denkens, such den Schutz im Schatten grüner Bäume, ihre Art des milden Kühle Spendens.
Blühe, wie die Blüten einer Linde, webe einen Blütenteppich in Gedanken. Kränze deines Lebensbaumes binde, lasse Blütensterne um dich ranken.
Gebe jenen, die vorübergehen, einen Strauß, schenke, was dich selber glücklich macht. Breite deinen Blütenteppich aus, sei wie Linden in der Sommernacht.
Ein Sommertag erwacht aus Träumen, vertreibt die kühlen, dunklen Stunden, und durch die dicht belaubten Bäume, ersehnt man sich ein goldenes Funkeln.
Dem Wind im Lied der Blätter lauschen, im Auf und Ab, Wiegen und Schwingen, flatterndes Kleid mit Flüstern und Rauschen, bringen dem Tag ein melodisches Singen.
Der Sonnenschein zeigt gemilderten Glanz, dunkle Wolken durchstreifen den Himmel, manchmal funkelt ihr Strahl mit gewisser Distanz, ihre Strahlkraft wird sie nicht bringen.
Bis zum Abend entladen sich Tropfen zuhauf, prasseln gegen die Fensterscheiben. Der Himmel macht seine Schleusen auf, wird des Sommers Wärme vertreiben.
Ich friere -
zum ersten Mal in diesem Sommer;
im Raum ist’s kühl,
und ich verliere mich im Anbeginn des Tages.
Die Nacht war kurz,
bedeckte das Gefühl von Gleichmut unter Träumen,
mit Menschen, fremd, von unbekannter Zahl,
von Häusern, die sich an den Straßen säumen.
Ich schließ das Fenster, schaue zu,
wie Regentropfen an der Scheibe gleiten;
in meiner kleinen Welt,
da hat ein Herbst begonnen -
noch bricht ein großes Grün durch feuchte Zeiten.
Es wuchert ungestüm, wird mehr,
verdeckt den Schmutz der Mauerwand
und auf dem Boden blüht ein gelbes Meer,
das sich mit Frühlingslöwenzahn und Klee verband.
Und aus dem großen Wolkennass,
entleeren sich die Tränen, die der Himmel weint,
zeigen die Welt im dunklen Sonnenglas,
wie Buntpapier, durch das gedämpftes Licht durchscheint.
Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.
Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.
Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die zukünftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.
Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.
Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und sinken die Lerchen.
Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht, durch den Schluß des Gedichts,
wie in alten Zeiten gen Süden.
Bald schon ist der Mai gegangen,
nahm die Lüfte rein und mild,
zog mit ihnen in den Sommer,
der schon schmückt das traute Bild.
Frohnaturen jubeln, singen
ihm entgegen wie ein Zug.
Leise wandelnd, wandelt alles
sich zur Reife, hin zum Pflug.
Dunst und Dampf gewob’ne Tropfen -
wo seid ihr im Nichts dort oben?
Regen, falle auf die Erde,
wenn im Schweiß ihr Kleid verwoben.
Sollen Morgenwinde wehen,
wie im Mai in erster Stunde.
Zeig in Sonnenschein und Regen
unseres Schöpfers Tat und Kunde.
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