Gedanken

Foto: Gisela Seidel

Den nahen Sommer freudevoll erwarten,
wo jede Seele ist des Denkens Garten,
man zwingt sie nicht, sie muss von selbst erblühn –
ein stetes Kommen, Werden und Vergeh’n.

Gedankenfreiheit grenzenlos!
Du darfst die Blumen deiner Seele pflanzen,
setz‘ sie nach göttlichen Gesetzen, erdentief,
und pflück, dem Guten dienend, sie im Ganzen.

Mein Gärtchen

Foto privat 1955

Solch ein Gärtchen möcht' ich haben,
eins mit vielen Bäumen drin.
Dort könnt’ ich wie früher warten,
bis die Sonne unterging.

Auf dem Bänkchen würd‘ ich sitzen,
Kirsch, beringt am Ohr, im Mund;
sinnend meine Augen schließen,
froh sein, lächeln, ohne Grund.

Kurz noch wären meine Beine,
baumeln würden sie und schweben,
wenn ich dort im Sonnenscheine,
allen danke für mein Leben.

Nachts, da würd‘ ich drüber schweben,
über alle Beete, Hecken,
und mich über die erheben,
die mich stets mit Wut bedecken.

Und die Bäume würden rauschen,
wenn die Blätter zu mir singen,
ja, dann würde ich nur lauschen
und mit meinen Tränen ringen.

Die russische Seele ist eine Nachtigall

Diashow „Dorflandschaft“ oder „Das verschwindende Russland“ nach Gemälden großer russischer Maler.
Musik: Balalaika-Solo – Alexei Archipowski (Cinderella).

Jeden Menschen von innen her verstehen,
in dessen eigener Muttersprache und Kultur.
Ihn nicht nur als Besatzungsmacht zu sehen,
die lieblos ist und dort zum Töten nur.

Dient der, der tötet, nicht dem höheren Geheiß?
Dient er der Macht und mordet auf Diktat,
weil er ums Leben kämpft? Was ist der Preis?
Er leidet für Regierung und Verrat!

Als man ihn lehrte, dass der Feind zu töten sei,
weil die Armee, in der er diente, ‚Gute‘ sind,
da wählte er die eigene Tauglichkeit, um frei
die Waffen abzufeuern, hörig, wie ein Kind.

Wer einmal in den Krieg zog, der bleibt dort,
denn niemals kehrt er ganz nach Haus' zurück.
Er käme fremd an seinen Heimatort,
und fände dort nie mehr sein Lebensglück.

Aus unerfüllter Liebe und aus Schmerz
in innerer Zerrissenheit und Leid,
zerfließt, kaum aufgeblüht das wehe Herz –
singt wie die Nachtigall in dunkler Zeit.

Die weite Landschaft russischer Kultur,
die melancholisch und gefühlvoll träumt,
steht für die Sehnsucht selbst, zeigt ihre Spur
von Größe, die die Steppe säumt.

Kunst von gestern

Quelle: Pinterest


Die Welt von einst:
In dunklem Eichenholz gerahmtes Bild in Öl;
auf alter Leinwand, gelb vom Dunst,
doch unter leichtem Krakele spricht jeder Pinselstrich von Kunst,
die Ehrfurcht zollt dem Geist, der aus dem Rahmen fiel,
den der Betrachter in Erinnerung bewahrt,
und sich im Denken als ein Funken „Gestern“ offenbart.

Recht und Unrecht

Der Zauberlehrling – Johann Baptist Wilhelm Adolf Sonderland (1805-1878)
Wohlbehütet sind die Satten,
Ehrsamen und nie Versuchten,
die von jeher alles hatten,
tugendhaft den Wohlstand schufen.

Die an vollen Tischen tafelnd
in den warmen Stuben sitzen
und bei einem Gläschen Wein
über all die Armen witzeln.

Über die Verzweiflungstaten
mancher Frauen, die in Not,
sich für Geld mit Männern trafen,
für die Miete oder Brot.

Sie versteh’n nicht, wie es geht,
dass jemand, der fleißig ist,
plötzlich auf der Straße steht,
wo man ihn als Mensch vergisst.

Dem nichts bleibt auf dieser Welt,
als der Schmutz, in dem er liegt,
bis der Tod sich zugesellt,
durch die Tritte, die er kriegt.

Über Hungrige, die stehlen,
schimpfen Satte, sprechen Recht.
Wenn sich leere Mägen quälen,
ist ein Urteil dann nicht schlecht?

Auf die Not der Ausgestoßenen,
die in vollen Läden stehen;
auf die vielen Heimatlosen,
die nur unseren Luxus sehen,

schau’n auf Fremdgruppen verachtend
die Gesetzeshüter nieder,
die mit wohlgenährten Bäuchen,
gut behütet, satt und bieder,

sie doch einst ins Land gelassen,
um den Wohlstand aufzubauen,
für sie in Beschlüsse fasste,
deren Schutz sie noch vertrauen.

Nun ruft man den „Hexenmeister“
denn „der Besen steht nicht still“.
Will die Rückkehr fremder Geister,
die man hier nicht haben will.

Der Wellengang

Der Wellengang - 
ein sanftes Sinken, Heben in Bild und Sein.
Das Meer von innen her, ein grollend tiefes Beben,
im gänzlich übervollen Wimmeln, nie allein.

Oh, fremde Welt, wo Wog‘ an Woge schlägt,
die Tiefe unergründlich ist
und lichtlos trotzdem Leben in sich trägt,
das feurig glühend, dicht an dicht,
den Ursprung zeigt, der uns geprägt
und der das Licht in Schatten bricht.

Die Dimension des Wassers voller Leben
mit winzigen Gebinden der Natur
und riesenhaften Körpern – alle schweben.

So, wie ein Himmel schwergewicht’ger Dinge,
an dem allein die Last des Lebens hängt,
hin zu fast wasserlosem Sand-Gemenge,
aus dem fast aus dem Nichts das Leben drängt.

Die Zeit zeigt nur des Menschen enge Sicht,
die Unergründlichkeit des Geistes zeigt sie nicht.

Tanz in den Mai

KI generiert von Gemini
Alles schwingt und schwebt und fügt sich,
wie ein Wort aus liebem Mund;
federleicht im Zauber hebt sich,
was entzweit war, zum Verbund.

Gleicht der Vögel Morgensingen,
nimmt die Falten aus der Welt,
glättet sie mit hellem Klingen,
als wär’ sie wie neu erstellt.

In den Mai tanzt wie die Lüfte,
wie die kleine Fee am Bach,
fluoreszierend ihre Düfte,
zieht sie magisch mit sich nach.

Welt, erkenne all den Zauber,
der das Land im Rausch erhellt;
rings ein Sonnenglanz, der sauber
lichtet und zum Tanz erwählt.

Kleine Pause

Louis-Émile Adan (1839-1937)
Ich habe mich dazu entschlossen, eine kleine Pause zu machen.  

Vielen herzlichen Dank an alle, die meinem Blog folgen und mitlesen, liken und kommentieren. Danke auch für alle Eure großartigen Beiträge, die ich mit viel Freude verfolge. Genießt die sonnigen Tage in vollen Zügen.

Ich werde mir auf jeden Fall Eure veröffentlichten Beiträge anschauen.

„Gottes-Bilderbuch“ ist immer für Euch geöffnet.

Ich mag

Schneewittchen und die sieben Zwerge – gemalt von mir im Kindergarten 1957
Ich mag in der Vergangenheit wühlen –
habe so manche Träne vergossen.
Die bunten Eier …, spür‘ alte Gefühle;
hab sie tief im Herzen verschlossen.
Ich tue so, als wären ALLE bei mir,
denn nur, weil SIE lebten, bin ich hier.

Ich mag Kamine mit rauchenden Schwaden,
wie auf dem Kinderbild, wo sie nicht schaden,
auf Dächern vertrauter Häuser, darin
Menschen und deren Eigensinn;
Gesichter, die verändert in Jahren,
Falten, wie Jahresringe tragen.

Ich mag rote Ziegel, die sich dunkler verfärben,
wenn der Regen sie nässt und mein Leben auf Erden.
Kaminfeuer, das in Haus und Gemüt
Behaglichkeit und Wärme versprüht.

Ich mag Vögel, wie sie fliegen, dort oben,
jeden Flügelschlag und ihr Singen und Toben;
wenn sie Platz für neue Nester finden,
und dort kunstvoll Zweig mit Zweig verbinden.

Ich mag, wie in der Kindheit, auf dem Dörpel sitzen,
mit dem Tretroller über die Straßen flitzen,
Lakritz-Wasser trinken, Glanzbilder betrachten,
die Zigarrendose, in der sie Jahre verbrachten,
die Unbeschwertheit weniger Tage genießen
und abends mit Grießbrei den Abend beschließen.

Ich mag Erinnerungen an unseren Garten,
wo bunte Eier auf Entdeckung warteten.
Wo Osterfeuer der Freude dienten und dem Brauch,
und das innere Kind, wenn es lacht, mag ich auch!

Geborgenheit

Foto privat, mein Opa und ich.
Die Blütezeit nimmt ihren zarten Lauf,
und Gänseblümchen seh’ ich auf dem Wege blühn,
Insekten voller Leben, Löwenzahn zuhauf,
und Opa seh’ ich lächelnd vor dem Garten stehn,

wie er von Oma rationierte Stumpen raucht.
Ich seh’ den grauen Qualm, wie er verweht,
wie der Moment, der war und zeitverbraucht
in mir als Bild erneuernd aufersteht.

Spüre Geborgenheit, die Blicke treffen sich
und ein Gefühl von Wärme zeigt Gesicht.
Ich nehm’ es mit, soweit es trägt in sich,
den Hauch „Zuhause“ jetzt und ewiglich.
Foto privat: Oma und Opa in ihrem Garten 1956