Herbst

Tropfen prasseln gegen die Scheiben;
ich freue mich, der Herbst wird nun bleiben,
mit heftigen Winden und feuchter Milde,
im bunt gefärbten Blättergebilde.

Auf „Pause“ im Wachstum eingestellt,
zeigt das Jahr die Reste der blühenden Welt.
Schon raschelt es unter den Füßen;
der Herbst lässt im Jägerwams grüßen.

Mit Halali reitet er durchs Feld,
verzaubert farblich die Heimatwelt,
Alles bunt Bemalte fliegt mit dem Wind,
vergangen, wie auch die Zeit verrinnt.

Fuchs und Hase huschen geschwind in den Bau,
wie Gewehre klingt’s im Gewitter Radau,
man hört nicht das Sterben der Tage,
und der Mensch, er stirbt mit, all die Jahre.

Brandmauer

Aus „Wallensteins Tod“ von Friedrich von Schiller:

Nicht was lebendig, kraftvoll sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare.

Das ganz Gemeine ist’s, das ewig Gestrige, was immer war und immer wiederkehrt, und morgen gilt, weil’s heute hat gegolten! Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, und die Gewohnheit nennt er seine Amme.

Nur zwischen Glauben und Vertrauen ist Friede!

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Mauern sind längst neu errichtet,
um zu trennen, die, die glaubten,
Milch und Honig würden fließen
und sich an den Staat verkauften.

Grenzen öffneten die Tore.
Freude war von kurzer Dauer;
jubelnd wurd‘ der Dank gerufen,
als man oben auf der Mauer.

Doch ein hartes Schicksal folgte,
federlassend war‘s Gemenge;
Staat nahm Planwirtschaft und Arbeit,
planlos im West-/Ost-Gedränge.

Viele Jahre sind im Außen
die Fassaden neu gestrichen,
doch aus ihren Herzensgruben
ist die Sehnsucht nie gewichen.

Nur des Jägers schwaches Denken
zerrt den Adler aus dem Neste,
um ihn dann daheim im Käfig
einzusperren, ihm zum Besten.

Gitterstäbe sollen weichen,
denn der Aar sehnt nach dem Horste.
Fliegen will er, aufwärts schwingen,
überschauen seine Forste.

Wer war’n die gemeinen Brenner,
die die Mauer hochgezogen?
Einst versprach man Land in Blüte,
doch man hatte sie belogen.

Wogt der Stein in Rauch und Feuer,
stürzen ein die Gitterwände.
Weh dem Leben nach der Lohe!
Unschuld wusch Pilatus’ Hände?

Wilder Herbst

In meiner Jugendzeit, die längst vergangen,
durchschritt ich viele Straßen ohne Ziele,
und die Motoren, die noch anders klangen,
waren nur wenig laut und nicht so viele.

Wir waren wild, wie wilder Herbstbeginn.
Ich trieb im schwingenden Warum-denn-nicht.
Was mir die Alten sagten, war mir kein Gewinn;
ich sammelte Erfahrung und nicht Pflicht.

Versäumte alles, was mir nicht gefiel:
Die Schule war mir gar ein bitteres „Ach!“,
die alten Schreibmaschinen dort ein Spiel,
Stenografie – ich gähnte mich durchs Fach.

Die Qual des Alltags lag auf mir wie Fluch;
ich sperrte mich vor dem, was kommen muss.
Versäumte absichtlich den Schulbesuch,
doch einmal war mit allem Schluss.

Der Zeitvertreib, er führte mich in ein Bistro,
das in der Nähe meiner Schule Treffpunkt war.
Ich saß allein. Drei Pärchen tanzten, doch wieso,
bin ich mit diesen Fremden mitgefahren?

Es war des Lebens missliches Geschick,
als mich drei Männer in den Wald gebracht;
dass ich noch lebe, ist ein großes Glück.
All das Geschehene hat mich reif gemacht.

So wenig haben Menschen mir gegeben,
und was sie gaben, nahmen sie zurück.
Ich legte Pflichten auf mein ‚lockeres‘ Leben
und sah: Ein Lächeln Gottes ist das Glück.

Schicksal im Wandel

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Die Gegenwart scheint traut im Glück,
wie Sonne unter Bäumen;
man wähnt ein paradiesisch‘ Stück
in seinen Lebensträumen.

Das Unglück schleicht von Haus zu Haus,
durchs Schlüsselloch, so klein,
während man treibt, beglückt im Rausch,
zieht unbemerkt es ein.

Es ist nicht schwarz, kein dunkler Hauch,
nur unsichtbare Schwingung;
Beglücktes geht, der Wohlstand auch,
folgt neuer Zeit Bedingung.

Die Zeit trägt uns durchs Schattenreich,
auf Sonne folgt der Regen;
das Schicksal trifft uns alle gleich,
gestärkt durch Gottes Segen.

Wandel

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Es vollzieht sich bald ein Wandel,
und der Mensch mit leichtem Sinn,
legt den Schmuck des Sommers ab;
Farben dämpft der Herbstbeginn.

Nächtens suchen Mensch und Tier,
neue Kühle zu bedecken,
Federbett und Nachtbekleidung,
die sie wärmend von sich streckten.

Nach viel Sonnenschein und Stöhnen,
huscht der Mensch in festes Kleid.
Erntezeit will Zukunft werden,
scheint vorbei, die Sommerzeit.

Neuer Tag

Bild von Quang Nguyen vinh auf Pixabay


Zog aus, das Kleid aus Traumgespinst,
Vergangenheit lag zugedeckt mit Nacht.
Es wich die Dunkelheit, ein Tag beginnt,
der neue, lichte Horizonte schafft.

Der Sonnenglanz entstieg dem Horizont,
zerriss das wolkenschwere Firmament,
so hat der Geist, der in den Himmeln wohnt,
die Schatten dunkler Stunden abgetrennt.

Ein Schein des Glücks fällt durch das Fenster,
erhebt die Brust zu neuem Aufwärtsstreben,
vertreibt Vergangenheitsgespenster,
erweckt in Geist und Körper neues Leben.

Der Regen trübt die Helligkeit der Stunden,
sanft gleiten Tropfen auf die dürre Erde,
die Sommerzeit scheint bald verschwunden,
der Herbst empfing schon ihr: „Es werde!“

Immergrün

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Der Regen kam - 
Erlösung, nach so langem Warten.
Verdorrt die Wiesen, Blätter, wie Papier.

Es raschelt.
Laub ist müde und im Garten
und auf dem Gehsteig zeigt der Herbst Revier.

Gedämpftes Licht,
bedeckt die Sommerfarben,
die dunklen Astern säumen schon den Weg.

Das Wasser ging,
und nach den heißen Tagen,
liegt manches Schiff auf Grund am Ufer Steg.

Der Wind,
er blättert durch die Baumeskronen.
Die Zeit verstürmt die alte, wenn sie stirbt.

Wir hoffen,
immerzu im Paradies zu wohnen,
doch siegt der welke Zeitgeist, unbeirrt.

Sonnenmüde

Foto: privat – Sonnenblumen von Karl-Heinz Stienen (1929-2002)
Rosenblüten sind schon recht bleich;
viele vertrocknen im steigenden Jahr,
der Rasen zerstört und sein grünes Reich
gleicht Stroh, wie schütteres Haar.

Das immergrüne Efeu scheint müd,
es steigt nicht mehr höher am Haus;
regenarm dörrt aus, was heute noch blüht,
es leiden der Mensch und die Maus.

Der Sommerweizen weht noch wie Gold,
die Schnitter werden bald kommen.
Die Sonnenblumen schauen gar hold,
sie sind aus der Mode gekommen.

In den 50ern zierten sie Bilder zuhauf,
in Öl gemalt und im Rahmen.
Das gefiel aller Welt und erschwinglich der Kauf;
heute will sie niemand mehr haben.

Wie die Sonne, deren Sommerwelt
schon längst obsolet geworden,
hofft man, dass endlich Regen fällt
und auf Luft zum Atmen von Norden.

Wanderschaft

Quelle: Pinterest
In stiller Stunde zog er aus,
der Wind war sein Begleiter.
Die Sonne wechselte ihr Haus,
der Abend dämmert heiter.

Er wanderte durch Wald und Feld,
ein Liedchen auf den Lippen
und stand mit festem Wanderstab
an steilen Meeresklippen.

In fahl beglänzter Mondesnacht,
gar trunken von Entzücken,
bestaunte er der Sterne Pracht,
die unseren Kosmos schmücken.

Kaum Geld, nur frohen Mut und Sinn
beglückten die Gedanken,
im Schritt und Tritt, wie zu Beginn,
begann die Nacht zu schwanken.

Im Bett aus Moos, in freier Luft,
vom Tannengrün gesegnet;
umgeben von des Waldes Duft,
war ihm das Glück begegnet.

Ein heller Streifen Horizont
der strahlte ihm entgegen;
müd schlief er ein, nur Gotteslohn
fand er auf allen Wegen.

Was fände heut‘ ein Wandersmann,
der Ruhe sucht und Frieden?
Stünde er Menschenmengen an,
dem Urlaubswahn zu dienen?

Was ist bloß los auf dieser Welt,
dient sie nur Spaß und Spielen?
Kein tiefer Sinn, der Vielen fehlt,
die nur dem Ego dienen.

Wer wandert heut noch durch den Wald,
ein Volkslied auf den Lippen?
„Das kennt doch niemand mehr, zu alt!“
Wo sind Kultur und Sitten?


Urlaub

Edward Henry Potthast (1857-1927)
Eine Weile fortzureisen,
Urlaub nehmen von Daheim,
neue Wege, die da weisen,
die vom alten Trott befreien.

Wo sich tummeln die Besucher,
sind sie voll, die Liegestühle,
viele Menschen schauen den Ort,
und am Meer sucht man die Kühle.

Voll die Nacht mit Kichern, Grölen,
alkoholisierten Massen,
jeder will am Ort „Zuhause“
Ruhe haben auf den Straßen,

doch der Ort ist eingenommen
von Touristik und vom Geld;
Freiheit ist im Suff verkommen.
„Hey, was kostet uns die Welt?!“
Edward Henry Potthast (1857-1927)
Wie doch die Finanzen fließen,
aus den übersatten Reihen!
Alltagsmasken abgesetzt,
wollen sie die Gier befreien.

Am Büfett und an den Tischen,
abends an den Bars am Strand,
lassen sie es ‚richtig krachen‘,
losgelöst vom Anstandsband.

Nach dem Alkohol die Leere,
und die Sünden letzter Nacht
werden nach der Tagesschwere
erst verdrängt, dann neu gemacht.

Schließlich fahren sie nach Hause
und sie sehn sich als ‚die Coolen‘,
feierten in fremden Betten,
drängten sich an Swimmingpoolen.
Edward Henry Potthast (1857-1927)
Dem „Ich muss“ bestimmten Handeln,
folgte man im Gruppenzwang.
Sittlich stark, sich selbst zu dienen, 
damit man anderen dienen kann,

ein „Ich will“ bestimmtes Leben
zeugt den freiheitlichen Geist,
der im ehrenhaften Streben
in die fernen Länder reist.