So schwer fällt jeder Schritt auf weichem Grund, versunken in den Schnee, der nächtens fiel, der funkelnd in der frühen Morgenstund‘ auf schon verharschten Gründen fand sein Ziel.
Der Flocken Tanz im Nachtschein der Laternen, die federleicht in Stille niedergehen, scheint wie kristallner Glanz von fernen Sternen, die sanft, vom Wind getragen und verwehen.
In der Dienstuniform des 1. Garderegiments zu Fuß mit Interimsfeldmarschallstab, machte er bei seiner Ankunft eine vorzügliche Figur. Wo immer der gerne reisende Kaiser Wilhelm II. erschien, erntete er Jubel, und die Bevölkerung empfing ihn mit Begeisterungsstürmen. An der euphorischen Menschenmenge vorbeischreitend, schien er den Beifall der Nationalen sichtlich zu genießen, die anschließend formulierten: „Jeder Zoll ein Kaiser!“ Die Männerwelt folgte ihrem Idol und machte gezwirbelte Schnurrbärte mit geschwungenen Spitzen zum damaligen Modeideal.
Der Plan, ein Denkmal Wilhelms des Großen auf dem Kleinen Markt in Geldern errichten zu lassen, welches im Rahmen einer Festveranstaltung feierlich enthüllt werden sollte, wurde im Laufe der Feierlichkeiten ausgeführt.
Nachdem Graf Hoensbroech ein Kaiserhoch ausgesprochen hatte, welches mit tausendfachem Echo von den Umstehenden erwidert wurde, spielte die Regimentskapelle die Nationalhymne. Unter Glockengeläut hoben sich nahezu 2000 Brieftauben in den blauen Niederrheinhimmel, um die Botschaft der Denkmalsenthüllung an alle umliegenden Orte zu tragen.
Sechs Meter hoch ragte „der Heldenkaiser“ nun über dem Platz. Bereits ein Jahr später sollte die heimische Garnison an ihm vorbei in den Krieg ziehen.
Der Bürgermeister verabschiedete damals die abrückenden Soldaten feierlich, mit einer markigen, von Pathos strotzenden Ansprache. Die Pickelhauben glänzten und funkelten in der Augustsonne, als die Tausendschaft, begleitet von brausendem Jubel, zum Bahnhof marschierte.
Schon bald verblutete in den Jahren 1914 bis 1918 die ganze Welt auf dem Feld der Ehre!
Der Kaiser war davon überzeugt, dass der Krieg von den Regierungen Russlands, Englands und Frankreichs geplant worden war, um Deutschlands Vormachtstellung zu vernichten. Als am 28. Juni 1914 der Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin in Sarajevo einem Attentat zum Opfer fielen, formierten sich alle militärischen Kräfte im In- und Ausland.
Auf des Krieges vermeintlichen Segen, kraftvolle Begeisterung, Mut, Opferbereitschaft und Heldentum zu schaffen, folgten Tod, Elend, Leid und Hunger. Ein unsichtbarer Feind hatte sich in die Lager und Städte geschlichen: die Cholera. Not und Jammer schritten im Gefolge.
Tausendfache Opfer brachte der Krieg. Das Leben war ein Bangen um diejenigen, die in den ersten Reihen kämpften. Deutschland weinte um seine Söhne, um die in fremder Erde Begrabenen, um die vergeblich Zurückersehnten, die nie mehr heimkehren sollten. Würden die Wunden, die der Krieg geschlagen hatte, jemals wieder verheilen? Als die Kriegsgewitter die deutschen Gaue durchbrausten, die Männer zu ihren Waffen eilten, und die Zurückgebliebenen täglich um ihren Schutz beteten, gingen angstvoll sorgende, aber auch glücklich stolze Gedanken durch die Köpfe der wartenden Angehörigen.
Manch einer im Dorfe ging mit rot geweinten Augen umher, der sein Liebstes hatte im Feld lassen müssen. Der Himmel verlangte am Altar des Vaterlandes allzu oft das schwerste Opfer. Wenn man den einzigen Sohn hatte hergeben müssen, war das Herz voller Jammer. Die Leidtragenden schritten mit blassem Stolz, in schwarzen Gewändern umher und hoben sich die Tränen des Schmerzes für das Dunkel der Nacht auf. Man zeigte keine Tränen und ertrug sein Leid still und ergeben.
Doch sehr viel leichter fiel es auch nicht, den verkrüppelten Sohn in die Arme zu schließen, der sein Bein oder seinen Arm für das Vaterland verloren hatte. Wem sollte der Bauer nun sein Erbe geben?
Alle saßen im gleichen Boot, denn fast jeder hatte einen seiner Lieben draußen im Feld. Wenn die Post einmal länger dauerte oder gar ausblieb, vermutete man sogleich das Schlimmste. Es ging ein Hoffen und Sorgen durch die Reihen, welches nicht nur alle Wartenden standesgleich machte, sondern sie einander menschlich nahebrachte. Jeder, ob Herr oder Knecht, arm oder reich, bangte um den Liebsten im Schützengraben.
Die Not der Zeit und die Liebe zum Vaterland brannten allen auf der Seele. Es galt als etwas Großartiges, gegen den Feind kämpfen zu können, und es war etwas Herrliches, die Heimat verteidigen zu dürfen. Man starb im Frieden mit Gott und opferte freudig sein Leben für die Heimaterde. Gestorben als Held und als Christ mit dem fest umklammerten Eisernen Kreuz in den blutigen Händen.
Die Traumwelt schloss sich und die Nachtgespenster verteilten sich im Dunst des Morgengrauens; sie klebten als Erinnerungsschwaden vor dem Fenster, verloren sich am Fuß des Träumebaumes.
Durch trübe Scheiben ließ man mich erkennen, was heute farblos und verwaschen scheint, gegeißelt hab‘ ich meines Körpers Brennen, mich ausgeschaltet, wenn die Seele weint.
Heut‘ denk‘ ich an des Vaters starke Arme, wie sie mich manchmal schlugen, ohne Grund, herzlos schien er, voll Wut, ohne Erbarmen, als er mich fast erschlug zu jener Stund‘.
Erinnere mich an Mutters kalte Blicke, ihr Schweigen, um dem Vater beizupflichten. Zum Ausgleich all der blutigen Geschicke vergab ich ihnen, duldend und nicht richtend.
Dann kam die Zeit, die nur dem Körper diente, niemals der Seele, mitnichten dem Verstand. Auswege, die ich mir selbst verminte; der Schrei nach Liebe, die mich niemals fand.
Die vielen ‚Werkstattmänner‘, wie Maschinen, die an mir schraubten, werkelten und gingen, wie ich das Los zog, all die zu bedienen, die mich benutzten, um mich zu verdingen.
Als Einverständnis haben’s alle aufgefasst, weil ich geschwiegen habe, wie das Mädchen, das sich gehorsam fügte, denn die alte Last hing elternhörig am verbundenen Fädchen.
Längst sind sie fort, der Tod hat sie genommen. Gedanken kreisen. War’s das, was ich wählte? Bin ich auf diesem Lernpfad angekommen, zu unterscheiden, was mich ständig quälte?
Zusammenfassung: Dieses Gedicht ist ein Zeugnis davon, wie Gewalt und Vernachlässigung eine Seele brechen und wie das antrainierte Schweigen ein Leben lang nachhallt. Es ist ein tief dunkler Text, aber das Niederschreiben dieser Dunkelheit ist an sich schon ein Akt der Selbstermächtigung und des Lichts.
Du schwebst im Dunkel, bald wirst du erstrahlen. Oh, Weihnachtsstern, so flüchtig fern dein Bild, zeig deinen Glanz, so wie vor vielen Jahren, wo Mensch erinnerungsträchtig die Erneuerung fühlt.
Ein Kindlein einst als Unschuldsfrucht erblühte, ein unbeschriebenes Blatt im Weltgeschehen, um das sich Magier ferner Länder mühten, ihm Zeichen schenkten, seine Zukunft sehen.
Gold schenkten sie, sodass der Hass versiegt und Böses dieser Welt nur Gutes bringt; Weihrauch, dass einst sein Geist den Tod besiegt, der, auferstanden ins Bewusstsein dringt.
Die Bitterkeit des Leidens und des Todes, als Zeichen wurde Myrrhe ihm geschenkt; entkam dem Plan des mordenden Herodes, den Weg zunächst nach Bethlehem gelenkt.
Geboren unter'm Weihnachtsstern in Liebe, Du, Herr des Lichts, im Geist auch dieses Jahr, der Ziel und Ursprung ist im Weltgetriebe, Dein inneres Leuchten wird uns offenbar.
Geweihtes Licht, das nur dem Einen gilt, entzündet an der Liebe vieler Herzen, die einst vor langer Zeit das Christusbild mit Glauben füllten unter Schmerzen.
Die heimgegangenen Ahnen sah’n das Licht, den güldenen Schweif, kometenhaft und groß, wie’s durch des Himmels Schwärze bricht und aus den Blicken in die Seelen floss.
Dort gärte es, wie Sauerteig für Brot, nährte die Gläubigen mit Hoffnungsgaben; Legenden von den Wohltätern der Not, die einst gefoltert und gefangen starben.
Aus Myra stammt der heilige Nikolaus, um den sich die Geschichten ranken, als ihm, verfolgt, als Christ, der Kerker graust, verteilte er sein Geld an Arme, Kranke.
Zu Brauchtum wurde der Geschenkebringer, der alle kleinen Kinder glücklich macht. Der Wirtschaft dient der alte Künder, der plötzlich gottlos wurde über Nacht.
Als Santa Claus, Amerika entsprungen, kam er als Werbung, Cola preisend, einst zu uns; dem Weihnachtsmann wird heut gesungen, der kaufmännisch die Welt festhält in seiner Gunst.
Das Leben war genügsam im Gefilde, so wintermüde lag das alte Land. Sehnsucht nach Wärme, Frühlingsmilde - Väterchen Frost vertrieb’s mit kalter Hand.
Hilfeschreiend blieb fortan das Leben, Leiber starr und frosterfüllt im Leid. Es sollte keinen neuen Frühling geben, nur Stürme wiederkehren vor der Zeit!
Im Land schreit tausendfaches Sterben, da liegen Frau und Kind und Mann an Mann. Statt Frühling kommen schwarze Schergen und setzen alles gnadenlos in Brand.
Über den Städten wogen dunkle Dämpfe aus Häusern, tausendfältig preisgegeben; gar tausendarmig scheinen Tod, und Kämpfe verachten jedes Dasein, jedes Leben.
Wie Donnerschläge grollen die Kanonen, die Bäume schwarz, verbrannt im Rauch. Wo sonst die Vögel in den Zweigen wohnen, bizarre, kahle Äste, ohne Laub.
Des Frostes Fesseln mögen Mächte sprengen, Werkzeuge sind sie, freiheitlich der Sinn. Da hilft kein Zögern, kein Verdrängen - dann tauen Tränen, folgt ein Neubeginn.
Und unsre Erde trinkt die vielen Tränen, die vielen Leiber nimmt sie tröstend auf, verwandelt Welten, Frühlingssehnen, und neue Hoffnung schaut zum Himmel auf.
Friedhofseingang – Caspar David Friedrichs (1774-1840)
Die Tage haben kalte Finger, der Monat zieht die Socken an. November ist der Überbringer von trüber Dunkelheit alsdann.
Das ‚blaue Band‘ ist ausgetauscht, grau ist die Farbe dieser Zeit, die Stille herrscht, kein Blattwerk rauscht, der Baum entleert bizarr sein Kleid.
Bald sind die letzten Blätter unten und Frost gesellt sich zu der Nacht. An Gräbern wird das Treiben bunter, den Toten wird ein Licht gebracht.
Die Hoffnung hinter den Gesichtern nach leichtem Sinn und Sonnenstrahlen wird tot geglaubte Seelenlichter zur Ruhe auf den Friedhof tragen.
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