Die Zeit steht still

Foto: Gisela Seidel

Die Uhr blieb stehn, nach mehr als 100 Jahren.
Ein silbern Zifferblatt, vom Glas bedecktes Kleid,
trotzte so manchen Kriegsgefahren,
doch schließlich siegt der Zahn der Zeit.

Die Zeiger ruhn, sie zogen ihre Runden,
als ich von Krieg und Frieden keine Ahnung hatte.
Im Zeichen bittrer oder süßer Stunden
drehten die Räder unter’m Zifferblatt.

Dem Ticken folgte eine ‚laute‘ Stille,
war wie ein Zeitensterben dann.
Die Uhr, nur schwarz und hölzern ihre Hülle,
auf die ich nichts mehr lesen kann.

Ihr Schlagwerk musste lange schweigen,
doch weiß ich noch den Klang zur vollen Runde,
mit dem er prägte meinen Lebensreigen
und manch durchlebte Kinderstunde.

Als Kind sah ich oft mahnend Omas Hand,
wenn zaghaft sie den großen Schlüssel nahm
und jedes Dreh’n die Feder wand,
damit das Pendel in Bewegung kam.

Voll Übermut hät‘ ich gern aufgezogen,
was meiner Oma lieb und teuer war.
Doch ich war klein, Impuls bewogen,
den Schlüssel wollt ich nehmen, unsichtbar,

und auf ein Bänkchen steigen, ungestört
den Schlüssel drehen…bis die Feder sprang,
den Dialekt in Omas Schimpfen hören…
verklärt mein Blick zurück ins Irgendwann.

Die Zeiger stehen still, die Zeit blieb stehn.
Für mich ein Zeichen von Vergänglichkeit.
Als Kind hab ich die Raben fliegen sehn,
als sie entkamen aus dem Uhrenkleid.

Aschermittwoch

Aschermittwoch – Carl Spitzweg (1808-1885)

Die Maske fiel. Alles vorbei!
Entblößt das wahre ICH im Spiegelbild.
Das Ende einer bloßen Gaukelei.
Es zeigt ein trauriges Gesicht,
ganz unverhüllt.

Du spielst die Rolle deines Lebens,
mit oder ohne Kreuz auf deiner Stirn.
Nur ein paar Tage suchtest du vergebens
in einem andern ICH dich zu verlier’n.

Doch du erwachst, nach Alkoholgenuss
erkennst zu spät das Übel deines Tuns.
Gefangener im Kerker deines Frusts,
wünscht du dir Asche auf dein Haupt
und kannst nicht ruhn.

Dankbar sein

Stephen J. Darbishire geb. 1940

Nachdem der Eingriff gut und relativ schmerzfrei an mir vollzogen worden ist, bin ich gestern erleichtert nach Hause gefahren. Alles ist gut! Ich bin dankbar für jede Unterstützung die ich hatte. Nun bin ich zu Hause, muss noch eine Weile Antibiotika schlucken, dann kommt hoffentlich ein schönes Jahr, mit positiven Eindrücken.

Bis bald!

Eine kurze Unterbrechung

Leider bin ich momentan mit meinen Gedanken woanders, nämlich bei dem nächsten ärztlichen Eingriff, der mir am Mittwoch bevorsteht.
Es wird hoffentlich alles schnell und gut vorbeigehen. Nach meiner Blutvergiftung und der Menge an Antibiotika, die mir eingeflößt worden sind,
fühle ich mich noch sehr schlapp.

Mitte Februar geht es mir sicherlich besser. Ich lasse es langsam angehen.

Bis dahin muss ich mich verabschieden und wünsche allen Lesern eine schöne Zeit. Bleibt gesund und munter.

Wintermorgen

Foto: Gisela Seidel

Wo es sonst dunkel ist, wird Licht.

Es hat zum ersten Mal geschneit.
Die Flocken rieseln dicht an dicht.

Wie es mein Auge freut!

Die Katzen sind recht aufgeregt.
Beobachten das Treiben.

Sie fangen in der Luft das Licht,
die Flocken an den Scheiben.

Für sie liegen die Nerven blank,
für mich ist‘s kurzes Schauen.

Belagern meine Fensterbank.
Es wird nicht lange dauern.

Fußstapfen tau’n die weiße Welt;
zerronnen bald die Freude.

Ein kalter Gruß vom Himmelszelt,
trägt Engelglanz im Kleide.

Notarztnummer 116117

Ende Mai wurde der Notruf ausgelagert an ein externes Callcenter.
Das habe ich in der vergangenen Woche gemerkt: Zeimal angerufen und beide Male landete ich in einer halbstündigen Warteschleife.

Ich bin erstaunt über die Aufmachung der Website. Außerdem frage ich mich,
wie ein älterer Mensch dort klar kommen soll. Welche Leistungen wollen die denn vervielfältigt haben? Was sind das für ernstzunehmende Werbegesichter?

Als ich 2018 den Schlaganfall hatte, wäre beinahe mein Schädel geöffnet worden. Der Arzt kam nach meinem Anruf bei o.g. Nummer gegen 7 Uhr morgens, hat den Schlaganfall nicht bemerkt, obwohl ich nicht mehr laufen konnte und bestellte den Krankenwagen dann gegen 12 Uhr mittags. Die Sanitäterinnen sahen zum Glück sofort, was los war.

Jetzt habe ich bereits eine Woche lang Fieber, mal mehr mal weniger hoch.

Im vergangenen Jahr habe ich nur dreimal das Haus verlassen, als ich zum Arzt fuhr. Meine Freundin schimpft mit mir, wenn ich von Corona anfange. Mit Corona Syptomen lässt mich mein Hausarzt nicht vor. Also leide ich weiter, habe 5 kg abgenommen, bin recht hinfällig.

Wichtig wäre wieder mal ein Traum, den ich vor einer Woche hatte. Ich rettete eine Katze (immer Krankheit) und trug sie in einem roten Backstein-Treppenhaus mal hoch, mal runter, um sie zu schützen. Dann wollte ich die Katze in mein Auto bringen. Da war der schwarze Scherenschnitt-Mann und sagte mir, dass ich kein Auto mehr hätte.

Dann änderte sich das Traumgeschehen: Plötzlich befand ich mich in einer Kneipe, wie sie früher einmal war. Seltsamerweise mit älteren Leuten, die rauchten und tranken und hatten Spaß. So endete mein Traum.

Ich wünsche Allen einen schönen Jahresbeginn, viel Glück und Gesundheit.

Irrtümer

Banksy ist das Pseudonym eines britischen Streetart-Künstlers.

Versperrte Rettungsgassen,
dicht an dicht gedrängte Menschenmassen.

Gaffer und Pöbler filmen den Schrei der Entsetzten,
ergötzen sich am Leid und Tod der Verletzten.

In den Städten, Massenkäufe,
erste Klinik mit Triage-Verläufen.

Keine Zeit für Nächstenliebe.
Krankenhäuser Wirtschaftsbetriebe?!

Ökonomisch vertretbares Treiben?
Durch Kostendruck und Mangel auf der Strecke bleiben?!

Lukrative Indikationen?
Das Geschäft mit Kranken muss sich lohnen?

Nur, wer Gewinne erzielt kann sich halten.
Betriebswirte entscheiden und verwalten!

Der zum Helfen gedacht, geht sparsam voran.
Manch neuer Chefarzt setzt den Rotstift an.

Private Investoren – Geschäftemacher!
Wann wird diese Regierung wacher?

Das Gute fördern! Bei wohltätigen Dingen
kann nur Verstaatlichung Abhilfe bringen.

Fühle der Polizisten ohnmächtiges Treiben,
wenn unsre Gerichte „Bewährung“ entscheiden.

Das Übel der Welt wird es weiterhin tun.
Was soll dies ‚blinde‘ Gutmenschentum?

Wird sein, wie bei allen Geschäftemachern:
Die Masse wird blutend das Schlachtfeld verlassen!

In Acht und Bann

Labyrinth in der Cathédrale Notre-Dame de Chartres

Wo sonst Motoren dröhnen, war es still.
Gespenstisch ging die Ruhe durch die Nacht.

Der Nachtwind rauschte, ein Gefühl
von beinah ausgestorben, dichtgemacht.

Fast war es so, wie früher, autolos.
Das Fenster war gekippt, die Katze schlief.

Der dunkle Himmel spannte sternenlos
über dem Traumgeschehen, flüchtig, tief.

Es schien, als hält die Welt den Atem an,
als Zeichen für die schicksalhafte Zeit.

Ein Unsichtbarer legt in Acht und Bann,
was vormals Kirche tat, mit großem Leid.

Einst Strafe, höchster Reichserlass,
für vogelfrei erklärte Kreatur.

Was man nicht sehen kann, wird nicht gefasst!
Wir hemmen nur ein wenig seine Spur.

Ob es uns findet? Groß das Labyrinth.
Ich danke Gott und meiner Zuversicht:

Es wird kein Ende sein, Neues beginnt!
In jedem Chaos brennt ein Hoffnungslicht.

Rose im Schnee

Quelle: www.botanikus.de

Durch jedes Lieben geht ein Lichtlein an,
vermehrt entzündet an geweihten Tagen.
Die Nächstenliebe schreitet dem voran,
verstreut voll Güte ihre Liebesgaben.

Gemeinsamkeit im Mühn des Schenkens,
der Zeiten Dunkel tröstlich aufzuhellen.
Sei denen dankbar, die sich selbst verschenken,
die ihre Lichtlein denen zugesellen,

die sterbend um ihr kleines Leben bangen,
die einsam und voll Leid in Hospitälern,
nach Atem ringend, Trost und Zeit verlangen.
Lasst Licht entzünden in den Jammertälern!

Die Menschheit friert so lange schon,
weil jeder nehmen will und keiner geben.
Den Andern wärmen, nur für Gottes-Lohn,
sein eigen Licht entzünden und zum Zeichen heben.

Schau auf des Wunders lichten Schein;
seht, dort die Rose tief im Schnee!
An diesen Tagen musst du leise sein,
auch sie erleidet in der Kälte Winters Weh.

Das Spiegelbild

The Mirrow – Sir Frank Francis Bernard Dicksee (1853-1928)

Oh, Du Ergraute,
wie fremd wird mir dein Bild,
das Altvertraute,
und wie erscheint es mir so unbekannt?

Wo gestern noch der späte Sommer
wob mein Lebensband,
dort spüre ich den Herbst nun leise schleichen
und meinem unbeschwerten Ausseh’n
mussten Falten weichen.

Noch gestern blickte ich in junge Augen,
doch heute schau’n sie müde, voller Sorgen,
spür’ ich die Zeit an meinen Lebenskräften saugen,
frag’ ich dich Spiegel, was zeigst du
mir morgen?