Buntes Grünen

Die grüne lenzbeglückte Zeit
erwacht in warmer Sonne,
sie trägt ihr schönstes Hochzeitskleid,
beschwingt mit Glück und Wonne.

Bestickt von Farben der Natur,
in lang ersehnten Tönen,
führt eine bunte Blütenspur
zum rauschbeglückten Schönen.

Ein frisches Grün an Busch und Baum,
ein Lied in allen Zweigen,
der schwangre Lenz im Zeitenraum,
zeigt uns die Sonnenzeiten.

Die Heimat – so vertraut - sie singt;
dem edlen Klang zu lauschen,
der in die Winterseelen dringt,
wie zwitschernd Blätterrauschen.

Ostern hinterlässt ein Scheinen -
andachtsvoll, mit heil’gem Laut.
Großer Geist, durch all die Deinen,
klingt Dein warmer Liebeshauch.

Im Fluss der Stadt

Bild von Thang Ha auf Pixabay
Fließend zieht sich der Menschen Gang
durch Straßen dieser Stadt,
die Schatten tanzen, kurz, mal lang,
auf Gehsteig, Hauswand, Blatt.

Vorüber eilt so mancher Schritt -
man hüllt sich in Gedanken;
ein jeder folgt mit gleichem Tritt,
lässt Abstandsdornen ranken.

Sind undurchdringbar, märchengleich -
kein Prinz, um sie zu brechen,
hört nur im eignen stillen Reich
des Geistes Rosen sprechen.

Geheimnisvoll des Schweigens Mund,
versteinert sind die Blicke,
Mensch hastet durch des Flusses Schlund,
sucht seinen Weg zum Glücke.

Frühlingsmorgen

Wie die vielen Vögel singen!
Heben Sinn und Neubeginnen,
was man wohl willkommen heißt.
Über allem ruht der Geist.

Er, der Meister aller Töne,
der das wohl Erhabene, Schöne,
einstig schuf aus Wort und Sinn,
setzt es fort im Neubeginn.

Bild von Christiane auf Pixabay

Hört am lichten Tag das Singen!
Liebevoll klingt das Beginnen,
füllt des Lebens Füllhorn stumm,
wandelt Tod in Leben um.

Vertreibt Leere der Gedanken,
bringt die Dunkelheit ins Wanken,
Lässt auf bunten Wiesen blüh‘n,
Vergissmeinnicht und Tausendschön.

Neuland

Diego Max
Gebunden ist manch Land, gar regungslos im Handeln,
es macht sich frei, dort neu, wo Leben lenkbar ist.
Um sich zu öffnen, Falsches umzuwandeln,
verlangen altgewohnte Muster Lösungsfrist.

Der Wohlstand wird zum Hochmut und das Werden
ein Akt von neuem Sklaventum; frei ist das Land
durch wahre Helfer, gottestreu auf Erden,
beherrschen alle Wildheit durch Verstand. 

Nicht Brücken bauen über wilde Fluten,
sondern zur Selbsterlösung, aller Freiheit Mühe.
Schenkt Friedensblumen ängstlichen Rekruten,
zeigt ihnen Schönheit frei gewachsner Blühte.   

Wie die Gedanken, die man nicht bezwingt,
hat jede Seele ihres Denkens Garten.
Ein Land, das demutsvoll von neuem Frühling singt,
dienend dem Ganzen darf es ihn erwarten. 

Land der Eichen

Quelle: Pinterest
Land der Eichen, du bist mild geworden,
deine Rinde, wie vom Sturm geglättet,
doch wächst deine Wurzel, alt verwoben,
mit dem Boden, der die Ahnen bettet.

Nahmst die Nahrung dir aus fremden Bächen
und aus blutgetränkten Schollen,
hörtest nicht auf andere, wie sie sprechen,
die wie Blumen um dich wachsen wollen.

Holz, lass deine Jahresringe zählen,
die in dir wuchsen, hin durch ferne Zeiten;
wenn die Geschichte spricht, ist’s wie ein Quälen,
man fühlt die neue Zeit darüber schreiten.

Durch die Heimat rauschen neue Klänge -
wie ein Sang aus tausend fremden Kehlen,
und das Eichenlaub teilt rauschend die Gesänge,
dünkt sich neu, aus unbekannten Seelen.

Fernes Leuchten

Oft kreisen die Gedanken wie Planeten, um einen Mittelpunkt, der strahlt im Licht;
manchmal lässt uns der Geist um Wahrheit beten, denn wir erkennen Gut und Böse nicht.

Der Kosmos ist so groß, der in uns klein und jeder Stern ist wieder eine eigne Welt –
vielleicht ist schon sein Licht Vergangenheit, aus einer Zeit, die nicht mehr zählt.

Zuweilen staunen wir, wenn jeder Stern am dunklen Himmelszelt, sein Leuchten schenkt,
doch wir vergessen ihn in heller Welt, wenn unser Geist an andere Ziele denkt.

Im Frühling werden an den Zweigen Knospen sprießen, als ob sie neu geboren sind;
unzählig wird sich Blütenpracht ergießen und kurz gelebt, verwehen mit dem Wind.

Auch diese Zeit verweht. Ihr folgen, die einst neu geboren, blühen und vergehen;
der Kosmos ist so groß und wir in ihm verloren – wir können nur den kleinen Teil verstehen,

der sichtbar ist und unseren Blick erhellt, nicht was im Dunkeln liegt und außer Sicht.
Gerüstet schon, mit Wonne zu erblühen, ist die Natur im hellen Frühjahrslicht.

Tragik des Lebens

Foto: Gisela Seidel
Emporzusteigen auf dem Rücken anderer,
auf Herzen treten, kalt und rücksichtslos;
Erfolg zu haben, unter Welten-Wanderern,
immer nur nehmen, macht den Bösen groß.

Bringt es Befriedigung, bedeutend sein und mächtig,
was anderen schwer gelingen kann?
Viel schöner ist das Glück, das blüht und prächtig
durch eignes Tun im Menschenherz gelang. 

Ein Blümlein schauen, das im lichten Grünen
am Frühlingsmorgen Richtung Sonne strebt,
ist besser als Zertreten vor dem Blühen,
es auszureißen, damit der Rasen ‚lebt‘.

Andere Zeiten

Foto: Peter Henry Emerson (1856-1936)
Längst vergangen sind die beschwerlichen Zeiten, 
wo Bauern hinter Pferd und Pflug her schreiten,
im März, wo Äcker und Felder warten auf Licht,
und die Sonne durch Wolken und Nebel bricht. 

In der schwere Winde den Winter vertreiben,
aus gepflügten Schollen die Setzlinge treiben;
wo die karge Stube noch kalt von der Nacht
durch das wärmende Feuer des Ofens erwacht.

Wo die Hände der Landwirte schwielig und grob
von der harten Arbeit – schmal der Lohn und das Brot. 
Andere Zeiten - man vergaß mit den Jahren,
in ‚Goldener Zeit‘ nach dem Dunkel zu fragen.

Verlassen sein werden die kostbaren Schollen,
auf denen sie sich nicht mehr abrackern wollen,
damit auf ‚hohem Ross‘, mit schwerem Gerät,
Böden verseuchter Gewinn entsteht. 

Protest mit dem ‚goldenen Löffel im Mund‘ -
man will nicht verlassen den kostbaren Grund,
keinen Fußbreit abweichen von seinem Glück,
doch bleibt es nur kurz, wie der Lenz, ein Stück. 

Nachtstunden

Quelle: Pinterest
Die Bienenschwärme machen sich bereit,
für erste Blüher, die in Büschen leuchten,
kommt bald der Frühling vor der Zeit -
die Tage sind zu warm, die feuchten.

Noch schweigt der Tag in dunklen Stunden,
der Tau liegt schwer auf blassem Wintergrün,
die Sterne sind im Licht der Stadt verschwunden,
der Mond war groß, nun muss er still verglühen.

Mit schwerem Nebel schonungsvoll verhangen
ist hier die Welt, das Morgenrot noch weit;
der Himmel weint, treibt Perlen auf die Wangen -
ich sehn‘ den neuen Tag im Licht herbei.

Zeitenwende

Quelle: Pinterest
Ich mag die Bilder nicht mehr sehen,
die manchmal in meinem Kopf entstehen!
Wenn ich mir vorstelle, ein anderer zu sein,
säße inmitten der Kriegsparteien,
fühle die Kälte des Schützengrabens
und das Gefühl nie gelebt zu haben,  
denn in mir ist schon längst alles tot,
die Einschläge spür‘ ich, die Angst und die Not.

Erschütterung liegt in Stadt und Land,
kein Baum, kein bewohnbares Haus, das ich fand.
Hier wird der Frühling nie wieder sein!
Kein Vogel singt mehr, nur verlassene Reihen.
Trostlos und nass sinkt das Land im Schlamm,
und der, der noch lebt, wird zum Opferlamm.
So stell ich mir vor, ein anderer zu sein,
verloren, vergessen in endlosen Reihen.

Ein Friedhof mit offenen Gräbern darin,
mit Menschen, die hofften zu Kriegsbeginn,
die das Grauen empfingen, das Sterben, den Tod.
Verirrtes Geschlecht treibt den Himmel rot!
Wetterleuchten seh ich am Himmel prangen,
blitzende Schauer und Häuser in Flammen,
durch ‚Schwarze Reiter‘, die sich selbst zerstören,
die dem ewig gestrigen Feind angehören.

Der Krone beraubtes Land – wie ein Baum,
der nicht grünen darf im feindlichen Raum,
dessen Wurzeln noch stehn, nach vollzogenem Beben.
Voller Sehnsucht wird zum Licht er sich heben!
Bilder in mir sind ein verzweifeltes Sehen,
denn Menschen, die dem entgegengehen,
die mit weißer Fahne der Liebe bestückt,
werden verachtet in den Abgrund gedrückt. 

Dämonen, die erobern, besetzen, zerstören,
die, wie Marionetten, Befehle des Bösen erhören,
gnadenlos, mit barbarischen Henkershänden
werden sie unzählige Leben zum Tode wenden.
Blutgetränkt tragen die Wurzeln am Ende,
wie der Baumstumpf, in sich, die Zeitenwende.  
Denk mir Bilder der Gnade, der Einigkeit -
was ist Frieden ohne Freiheit in dieser Zeit?