Daumen hoch, Daumen runter

Pollice Verso „Daumen runter“ von Jean-Léon Gérôme 1872
Sport und Spiele sind eröffnet.
Sieger freuen sich, lachen, jubeln,
wenn vom eigenen Tun enttäuscht,
der Verlierer weint im Trubel.

Kleiner Krieg in Fangemeinden,
Pyrotechnik und Randale;
Böse werfen Böller, Becher,
fiebern hin bis zum Finale.

Heben Sieger auf den Sockel,
von dort stürzen ihn die Massen,
wenn er nicht ‚geliefert‘ runter.
Grölend treibt’s den Mob durch Straßen.

Der Kommerz reibt sich die Hände,
denn es blühen volle Kassen.
Die Athleten dieser Erde,
sie be-geistern Menschenmassen.

„Ich bin besser, größer, schneller!“,
stehts im Mienenspiel geschrieben;
Alkohol fließt durch die Reihen,
Mengen sind vom Wahn getrieben.

Ordnungshüter staatsbedienstet,
sind bezahlt vom Geld der Schwachen,
die sich wehrlos ausgeliefert
nichts aus Sport und Spielen machen.

Sex und Spiel und Alkohol
messen sich an falschen Göttern,
was im Rausch man finden wird,
sind des guten Geistes Spötter.

Das Schweigen

Mitten im Gewühl der Menge,
wie im Meer von tausend Stimmen,
liegt die Insel fern dem Trubel,
wo nur rauschend Wellen klingen.

Dahin zieht, wer Ruhe sucht,
fliehend vor den lauten Klängen;
steht am Ufer ganz allein
vor des Meeres sanftem Drängen.

Jede Woge nimmt Geräusche
mit hinaus ins tiefe Schweigen;
in schier unbekannte Tiefen,
fern vom schrillen Tagestreiben.

Einsamkeit, in Stille sein -
Wogen glättend im Verstehen.
Endlich zu sich selber finden,
um der Leere zu entgehen.

Sind berauscht von den Geräuschen,
die das Wichtigste verschütten
und den Ruf des eigenen Ich‘s
unter Lärm der Zeit ersticken.

Sport und Spiele

Fußballspiel – Tisa von der Schulenburg (1903-2001)
Be-geistert werden Menschen jubeln,
auf dieser unvollkommenen Erde,
bald geben sie im Freudetrubel
dem Sport und Spiel der Welt die Ehre.

Gejubelt wird von den Tribünen -
die Sorgen sind ganz klein geworden,
wenn in sonst alltagstrüben Mienen
die Siege für Triumphe sorgen.

Der Mensch, er kämpft, verliert, gewinnt,
mühselig, wie sein Lebensplan,
und wenn der Traum vom Sieg zerrinnt,
erwacht er aus dem Rausch alsdann.

Die ausgestreckten Hände vieler -,
im Chaos dieser Welt versponnen,
gehören zu den wahren Spielern,
für die das Lebensspiel gewonnen.

Spiel des Lebens

Königin Nefertari (19. Dynastie) beim Schachspiel
Das Spiel ist aus, doch leider nicht gewonnen.
So, wie die Chance hoch, war auch der Fall.
Verspieltes Leben, reich und doch verkommen,
die Hände lichtgestreckt, so manches Mal.

Den Grund des Daseins hielt der Schein verborgen,
der lockte und den letzten Zug gewann.
Nur, wer den Drang nach Irdischem verloren,
schaut irgendwann den inn’ren Himmel an. 

Das Licht in Seiten finst’rer Seelenkammern
war nur vom glamourösen Spiegelbild geschönt.
Die Kunstbeleuchtung dimmt den Erdenjammer,
wenn heller Schein des Heiligen getönt. 

Trotz Glanz und Glorie im Sehnsuchtsherzen,
nach Liebe, Anerkennung, kam Verdruss.
Als Bauernopfer lag die Welt in Schmerzen;
Schachmatt dem König! - liegt allein zum Schluss.