Immer aufs Neue…

Bild: Karin M.

Müde bin ich,
der Tag ist lang.
Augen auf!
Schleppend mein Gang.

Essen –
wohl noch eine Weile.
Tagesablauf:
kein Drang, keine Eile.

Katzen verwöhnen,
dann Wolken schauen
und die Bäume…
essen, verdauen.

Dösen und sinnen,
Gedankenfieber!
Katzen streicheln,
was ist mir lieber?!

Blätter, sie schaukeln
an den Zweigen.
Neues Grün…
Lebendigkeit zeigen!

Zusammengefallen,
innerlich leer.
Noch wenige Stunden…
dann mag ich nicht mehr.

Die Fernsehbilder
sind fern und zeigen
fremde Stimmen…
ein Hören und Schweigen.

Ich lösche das Licht,
ruf nach Einschlafgefährten.
Meine ‚Schlaf‘-Katze streckt
ihren Bauch, den genährten.

In den Schlaf
gestreichelt so weich und schnell.
Die Nacht verging,
es wird wieder hell.

Immer aufs Neue…
Müd bin ich und bang.
„Augen auf!“, ruft die Stimme.
Wohin führt mein Gang?

Fahrt ins Blaue

Und manchmal,
wenn sich die Sonne neigt,
mit gedämpftem Licht
hinter die Dächer steigt,
ja, manchmal
bin ich der Einsamkeit müde,
mit der ich so lange verwoben,
und ich bitte Gott, dass er mich trüge
von hier unten zu sich nach oben.

Doch manchmal,
erwache ich morgens und strecke
mich gierig aus nach dem Leben,
will Neues und noch vieles mehr –
hab’ keine Zeit zu vergeben.

Und manches Mal denk ich,
so lang ist mein Weg,
den ich mich zu gehen getraue,
so allein, voller Neugier und unentwegt –
geht meine Fahrt ins Blaue.

Schein-Freundschaften

Fotograf unbekannt

Freundschaften, die gar keine sind,
entlarvt man in Krisenzeiten.
Plötzliche Klarheit! Man ist nicht mehr blind,
wenn sie uns nicht mehr begleiten.

Was sich verband mit dem täglichen Tun
war wie ein ‚Gebrauchsgegenstand‘.
Jetzt, wo nicht mehr blieb, als lästiges Ruhen,
hat man sich still abgewandt.

Das Telefon klingelt längst nicht mehr,
die vertrauten Stimmen – verstummt.
Meine Anrufliste gelöscht und leer;
da ist auch kein Handy, das summt.

So einsam kann überhaupt niemand sein,
denkt man und gibt sich die Schuld.
Es geht sicher schlimmer, bin nur allein;
mich drückt inn’re Ungeduld.

Das Sprechen verlernt man in ‚Einzelhaft‘,
man IST nur noch über Gedanken.
Erinnerungen, in denen keiner lacht;
mein Leben geriet ins Wanken.

Da ist keine Hand, die mich sicher hält.
Sie sind schon alle gegangen!
Wo sind die Freunde in meiner Welt?
Unlösbar mein Unterfangen.

Verlassen hat man schon lange den Bund,
hat bessere Freunde gefunden.
Mein blinder Fleck auf dem Erdenrund?!
Freundschaft für Jahre, für Stunden?

„Freundschaften wachsen, wenn man sie pflegt.“
Hab ich ‚zu wenig gegossen‘?
Traurig ‚Verbundenheit‘ abgelegt,
das Schicksal hat’s so beschlossen.

Wochenende

Herzweh statt Freude,
verhaltenes Warten,
Blick auf die Uhr.
 
Gedanken,
bedrückend, verharrend im Leide,
wartend und hoffend,
von Glück keine Spur.
 
Lösung?
Nicht dürfen,
nicht können,
nicht wollen!
 
Fragen ins Leere!
Steht Pflicht vor Gefühl?
 
Abwenden,
leugnen,
Achtung zollen,
Gefühle der Anderen –
ein bitteres Spiel.
 
Ausweg?
Bringt Trennung!
Auf steinigen Wegen,
Wandel,
der schmerzhaft
das Neue gebiert.
 
Zeit und Geduld?
Ein klagendes Streben,
das meine Tage
mit Trauer verziert.
 

Namenloses Sehnen

Im Geheimen – Sulamith Wülfing 1901-1989

Du stehst im Dunkeln –
unerkannt,
verborgen dein Gesicht.
Nie wird dein Name mir genannt,
und wie ein Schatten tauchst du aus dem Licht.
 
Wer bist du, unbekanntes Wesen,
nach dem mein Herz so sehnend dürstet?
Wartest du schlummernd,
bis die Zeit gereift?
Siehst du nicht, wie sie gnadenlos ergreift
mein klagend Leben?
So wird sich bange Sehnsucht
in die Stunden weben
und mich verzweifeln lassen
an der Seeleneinsamkeit.
 
Ich bitte dich, oh Zeit,
nimm mir die finst’ren Qualen
und zeig im Licht, was du mir vorgesponnen!
 
Wird neue Liebe mir den Ausgleich zahlen,
für das Vertrauen, das sie einst genommen?

Und manchmal

Und manchmal ist er noch da.
Dann füllt sich die Traumwelt mit Licht.
Obwohl schon so fern… doch so nah.
Und manchmal seh’ ich sein Gesicht.
 
Ich seh’ seine Lippen, so stumm,
und Hände, die greifen nach mir;
fühl’ seine Gedanken. Nur dumpf
dringt’s durch die verschlossene Tür.
 
Wie ein Reim, der harmonisch sich schließt…
War verbunden im Gleichklang mit ihm.
Wenn Moll Melodien durchfließt,
halte ich still sein Requiem.
 
Kein Gefühl dieser Welt füllt mein Herz,
kein Vers reimt sich wieder auf ihn.
Aus Harmonie wurde Trauer und Schmerz,
Erinnerung bleibt! – Wo der Sinn?

Traurige Seele

Bildausschnitt „Das große Erwachen“ – Herbert Gustave Schmalz , bekannt als Herbert Carmichael nach 1918 (1856-1935)

Traurige Seele, wie bist du erwacht?
Scheint doch der Tag noch so trübe.
Gedanken haben zum Schlafen gebracht,
was doch des Lebens längst müde.

Der Morgen ist kühl, der Kaffee schmeckt lau.
Der Blick auf die Uhr bringt ein Schaudern.
Draußen ist Kälte, so nebelgrau.
Höre im Traum noch mein Plaudern.

Kein Mensch ist hier; bin immer allein.
Im Albtraum sind viele Gestalten.
Für das, was mir alltags fehlt, daheim,
muss ich wohl dunkle Träume erhalten.

Wurde erschossen, mit zwei Kugeln gar;
lag auf dem Bett…Hirngespinste.
Ein Mann mit Pistole war noch da.
Ich starrte ihn an, er grinste.

Dann lief ich auf unserer Straße umher,
still, die Vergangenheit suchend.
Da war nichts, nur Fremdheit und Verkehr.
Ich wachte auf, leise fluchend.

Wie gerne wäre ich dort geblieben,
mit Fetzen aus Taggedanken!
Meine Zeit hier ist doch nur geliehen,
meine Seele im längst Vergang’nen.

Die Katzen haben mir Püppchen gebracht,
sie möchten Frühstück bekommen.
Ich fülle die Schalen – es ist noch Nacht.
Wandle still in den Tag, wie benommen.

Raum der Stille

Ich rufe deinen Namen…LAUT!

Du hörst mich nicht – du bist so weit.
Kein Wort dringt in die Einsamkeit hinein.
In meinem Raum der Stille steht die Zeit!
Nur Eines drängt sich in mein Herz, das Wort: ALLEIN.
Wo sonst Gefühl, da steht ein Nichts im Raum.
Es treibt ein Vakuum mir in die Sinne ein
und legt sich dunkel mir in jeden Traum.

Die Ströme der Gedanken stehen still,
um mich die laute Flut des welken Tags,
wo monoton die Zeit nur stehen will,
das Warten endlos an der Seele nagt.
Dringt Schwere in die Langsamkeit der Zeit,
wird jeder Augenblick zur Phantasie,
bereitet ihr den Hauch von Ewigkeit;
der Tag scheint endlos – irgendwie.

Geister der Nacht

The Nightmare – Johann Heinrich Füssli 1741-1825

Licht ohne Schatten –
nimmt Einsamkeit,
bringt Gesellschaft der Engel,
vertreibt die Angst vor der Dunkelheit,
macht quälende Gedanken erträglicher.
Die Geister,
die im Verborgenen lauerten,
sie schweigen,
erwachen in der Finsternis zu neuem Leben.
 
Ängste
werden wieder Schatten werfen,
zerren an der Bettdecke,
vertreiben den Schlaf
durch Gedankengespinste,
des Lebens böse Erinnerungen.
Alpträume sind die Geschenke der Geister,
bringen die alten Schwingungen,
greifen nach dir –
vielleicht schon in der nächsten Nacht!?

Dunkle Jahre

Edmund Blair Leighton 1853-1922 – The Unknown Land

Der Tränen hab’ ich viel vergossen,
in stetem Leid ertrank mein Herz
und war’n die Augen fest geschlossen,
empfand ich tiefen Seelenschmerz.
 
Ich irrte lange durch die Zeiten,
fand keinen Menschen, der mich trug,
ließ mich von Traurigkeit begleiten,
nur Ablehnung fand ich genug.
 
So gingen hin die alten Tage,
mir folgte nur die Einsamkeit,
nichts änderte die Lebenslage,
die Liebe blieb so fern, so weit.
 
Mein Herz, das suchte stets den Wandel,
doch Menschen brachten nicht das Glück
und durch das oftmals falsche Handeln,
blieb nur die Bitterkeit zurück.
 
Nach langen dunkeltrüben Jahren
sind’s neue Wege die ich gehe,
ich darf mit Dankbarkeit erfahren,
die liebevolle Gottesnähe.