Liebe

Maximilian Pirner 1854-1924

Dein Blick ist mir das hellste
Licht auf dieser Welt,
wenn du es löscht,
bin ich allein im dunklen Raum.
Und meine Liebe zu dir,
die mich unlösbar in Fessel stellt,
ist stark – will Früchte tragen,
wie ein Baum.
 
Doch du beschneidest ihn,
lässt ihn nicht blühen,
und er fragt Gott: „Wann wird es Frühling sein?“
Die trüben Himmel sind stets über ihm
es bleibt die Kälte, und er steht allein.
 
Auch, wenn ich meine Hände nach dir strecke,
so wie der Baum zum Himmel sein Geäst,
so bleibst du fern, bist unerreichbar fort,
bist wie ein Horizont, der mir kein Leuchten lässt.
 
Nicht immer hält der Liebe Band
uns sanft umschlungen,
unlösbar ist es – trennen wird die Zeit.
So leb ich zwischen Sehnsuchtsleid
im Taumel, hoffend, wartend,
und täglich sind es die Erinnerungen
an jene Stunden,
als wir weltvergessen, voller Liebe,
einander in die Herzen lauschten,
und Liebe dort, so wie ein sanftes, frisches Windesrauschen,
ein Frühlingsweben in die Seelen schrieb:
 
Ich hab Dich lieb!
 

Hoffnung

William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Die Hoffnung setzt Vertrauen in das Leben,
obwohl die Dunkelheit so manchen Tag verhüllt,
wird sie uns Lebensmut und Selbstvertrauen geben,
auch wenn oft langes Warten unsre Stunden füllt.

Und ist uns bang ums Herz und trüb die Sicht,
für Pläne, die wir tief im Herzen schmieden,
so sendet uns ein Leuchten neues Hoffnungslicht;
gelingt ein Plan, bringt es uns den erträumten Frieden.

Die Hoffnung ist die Flamme unsrer Lebenslichter,
ein Funke, der das Feuer in der Dunkelheit entfacht,
erfüllte Träume bringen strahlende Gesichter
und es durchflutet heller Schein die finstre Nacht.

Oft will uns nicht gleich jeder Schritt gelingen,
dann straucheln wir und fallen hart zurück;
die ferne Zeit wird dann zum Guten bringen,
was einst zerstörte unser Missgeschick.

Nach Ostern

Carl Larsson 1853-1919 – Abend vor der Reise nach England

Kein Läuten mehr – die Osterglocken schweigen!
Still lastet Schwere auf dem kalten Tag,
und wieder liegen Fröste auf den Zweigen,
als wenn die Welt uns nicht mehr blühen mag.

Das Vogelsingen ist heut leis geworden.
Die Straßen leer, selbst Kinderlachen schweigt.
Das Leben scheint mir beinah ausgestorben,
wenn rauer Wind die frischen Wipfel streift.

Die Jahre sind so schnell dahingegangen.
Es blieb ein welker Kranz aus ferner Zeit.
Ob meinem wehen Herzen noch, dem bangen,
ein wenig Zuversicht erhalten bleibt?

Wohl dem, der aus des Lebens schweren Tagen
und aus den Stunden ungetrübten Glücks
ein Leuchten darf in seiner Seele tragen…
ein Sonnenlächeln göttlichen Geschicks.

Karfreitagstimmung

Caspar David Friedrich 1774-1840 – Spaziergang in der Abenddämmerung

Wie soll ich den Frühling genießen,
mit all seinen Blumengeschenken,
wo unlängst die Blüte der Liebe verwelkte,
in meinen Händen?
 
Wie kann die Sonne meine Seele erwärmen,
mit all ihrem Strahlengefunkel?
Wenn Tränen mir Sinn und Antlitz verhärmen,
bleibt mein Herz kalt und dunkel.
 
Wie kann ich Hoffnung in Gedanken binden,
wo alle Zukunftsbilder jüngst zerstört?
Wo werd’ ich jemals wieder finden,
was mir noch nie zuvor gehört?
 
Kann sich das Schweigen aus Gräberreihen –
wo kein Kreuz gleicht dem andern –
wie ein Wunder durch himmlischen Schluss,
ganz plötzlich in Lachen verwandeln?
 

Zukunft

Die Kartenlegerin – Paul Anker


Das Lebensrad dreht sich im Kreise,
mal läuft es langsam,
manchmal schnell,
lenkt uns auf unsichtbaren Gleisen,
vorbei an Dunkel oder Hell.
 
Oft fürchten wir, was im Verborg’nen liegt
und suchen Rat in des Orakels Kraft,
es gibt uns Wissen, das dann gerade biegt,
was sonst recht krumm in seiner Eigenschaft.
 
Wir gehen nicht mehr unsre eignen Wege,
das, was normal wir täten, tun wir nicht,
als würden wir die Zukunft in die Karten legen,
folgen wir dem, was unsren Willen bricht.
 
Wir denken nur noch an das unbekannte Ferne,
vergessen ganz den Glanz der Gegenwart,
befragen Kaffeesatz und Stand der Sterne
und sind vom Reiz der Antworten genarrt.
 
Vergesst nicht euer tiefes Wissen,
das selber ihr in euch verspürt,
Wegweiser werdet ihr nicht missen,
wenn euer Weg zu mir euch führt.