Reifezeit

John Atkinson Grimshaw (1836 -1893)
Graue Welt, nach langersehntem Regen
sind die Farben dir im Nass verwaschen,
und der sehnsuchtsvoll erbet‘ne Segen
legt sich über Land und Menschenmassen.

In den Pfützen springen Regentropfen;
gegen gelbe Wipfel stößt der Wind,
hinter Wolken liegt der Himmel offen,
Fensterscheiben sind beschlagen, blind. 

Nuancenreich und gelblich überhaucht
scheinen herbstlich alle Pfade hier,
wo der Weg im Nebel untertaucht,
zeigt das Tor zur großen Rast sich mir.

Abgeerntet geht die Welt in Ruhezeit, 
beendet aller Früchte Reifefrist.
Trägt ein Bild von Makellosigkeit,
die Geist der ewig jungen Zukunft ist. 

Der Segen des Himmels

Bild von jplenio auf Pixabay

Das Frühjahrsblühen ging vorüber,
nur dürftig sind die Bäume tragend,
und in den Gärten schwebt ein trüber
Rauch vom Grill bis in den Abend.

Man röstet Fleisch in rauen Mengen
und sieht nicht, was der Erde blüht.
Wo Tierwohl schweigt bei Partygängen,
berührt der Tod nicht das Gemüt.

Der Erde Wohl sind reife Früchte,
sie wachsen nicht in den Regalen.
Der Supermarkt deckt viele Süchte,
dort schreit kein armes Tier in Qualen.

Die halbe Welt trägt ihr Verderben
auf kargen Böden, elendstief.
Wo viele Kinder hungers sterben,
kein Wasser eine Pflanze trieb.

Sie stehen da, sehn unser Plündern
mit leeren Mägen, und wir nehmen
das letzte noch aus ihren Mündern;
kein totes Kind wird uns beschämen.

Das Menschenleben ist begrenzt,
auch unser Wohlstand stirbt beizeiten,
es bebt in uns der letzte Lenz,
bringt scheinbar ew’ge Nacht des Schweigens.

Die Armut treibt im Himmel Blüte,
die Sehnsucht wird ins Licht gehoben,
himmlischer Segen wird zur Güte,
voll Harmonie, wie Frucht verwoben.

Was wir mit sehnsuchtsleerer Hand
entbehrten und was unerfüllt,
wird uns ein Blüh’n im lichten Land,
zum Segen, nicht von dieser Welt.