Schmerz

Das Gedicht stammt aus 2008. Den Traum darin gab es wirklich. Mehr darüber im nächsten Beitrag.
Bild von Darkmoon_Art auf Pixabay

Es schmerzt so sehr:
Ich lese deinen Namen!
Er streut mir Salz
in meine offnen Herzenswunden.
Aus meinem Leben längst
verschwunden, bist du…
und immer noch kein „Amen“.

Weiß nicht was wird.
Hab’ keine Ziele mehr und kein Warum.

Ich sah im Traum dich gehen…
abgewandt und stumm,
und neben mich trat ein
Kapuzenmann in schwarzem Lein’.
Seitdem du gingst, steh’ ich mit ihm allein.
Der Tod ist gnädig, trotzdem fürcht’ ich ihn.
Er ist so kalt und fordert tausend Tränen.
Die Einsamkeit quält mich mit wehem Sehnen,
und Finsternis liegt mir auf Leib und Sinn.

Weiß nicht was wird.
Hab’ keine Träume mehr und kein Wofür.
Nicht einmal schautest du dich um nach mir,
nicht ein Gedanke mehr für mich…kein Wort!

Weiß nicht warum…
Du gingst ganz einfach fort.

Mondschein des Gehirns

Kunstmaler: Duy Huynh

Ein weiser Mann sagte: „Träume sind der Mondschein des Gehirns.“
Es reihen sich Begebenheiten des Tages an die Begebenheiten vieler Jahre, ohne irgendwelcher Ordnung zu folgen, willkürlich, nach Fantasie und Einbildungskraft, nach Erlebtem und Verdrängtem.

Im Schlaf spricht die Psyche die Sprache des Traumes, folgt einem anderen Gesetz als sonst. Nur manchmal hört man eine Stimme, meist erscheint das Traumgeschehen in einer Bildersprache. Es gibt keine Fremdheit. Jeder versteht jeden; jede Sprachbarriere wird überbrückt.

Dann schwebt die Seele zwischen zwei Welten, erhält im Traum Anregungen des höheren Geistes oder die der Außenwelt, des Körpers.

So entstehen:

Bedeutungslose Träume, deren Bildersprache eine Folge von Reizungen des Körpers entspricht. Dazu gehören gewisse Impulse, Beschäftigungen und Gedanken des Tages. Ein nochmaliges Anschauen ermöglicht der Seele eine Befreiung und Verarbeitung.

Diese Art sind die Träume des Leibes.

Es gibt jedoch auch andere, die voller Bedeutung sind. Das sind hellseherische Träume. Obwohl hierbei die Bildersprache identisch ist, trägt ein solcher Traum eine höhere Bedeutung in sich. Manchmal sind die Bilder klar verständlich, ein anderes Mal geben sie dem Träumer Rätsel auf. Aber sie sind nicht flüchtig, wie bedeutungslose Träume. Sie bleiben im Gedächtnis.

Diese Art sind die Träume des Geistes.

Die Seele zieht sich im Traum für eine Ruhephase in sich selbst zurück. Es ist so, als würde sie einen inneren Dialog mit sich selber führen und fühlt sich in Erlebtes noch einmal ein. Sie erhält höhere Eingebungen aus dem unmittelbaren Wissens des Geistes. Ein solcher Traum kann wiederkehren, solange die Ursache nicht geändert oder beseitigt wird.

Diese Träume sind es, die den Glauben an das Wahrsagen der Traumbilder schon in alten Zeiten erweckt haben. Oft trifft das ein, was die hellsehende Seele in Bildern voraus verkündigt hatte.

Daraus sind viele Bücher mit Deutungen entstanden, die ich hin und wieder zu Rate ziehe. Ich vertraue allerdings auf meine eigene Deutung, die bisher immer stimmte.

In diesen prophetischen Träumen fügen sich die Traumbilder in Reihenfolge unserer erlebten und zukünftigen Lebensbedürfnisse. Die Seele verbindet nach beiden Seiten hin eine Ewigkeit, das heißt, sie knüpft das leibliche Leben von Beginn, an das Leben, das sein wird, wenn es einmal endet – völlig zeitlos.

Ich möchte hier nach und nach einige meiner Träume vorstellen. Die Bilder, die ich erhielt, waren damals und heute Mahnung und Zukunft, beides.

Für mich steht fest: Träume sind keine Schäume…jedenfalls nicht alle!

Traumgespinst

Alleine, mit Engeln gehen,
sich selbst im Traume sehen,
in fremden Sphären finden,
sekundenlang verbinden,

im Bild das längst vergangen,
Ängste von früher fangen,
auf einst Geliebte schauen,
Luftschlösser, die gebauten,

„Es ist vorbei!“ zu wissen,
der letzte Blick ein Müssen,
ohne Gefühl und Triebe,
verlassenes Bild der Liebe.

In alten Häusern leben,
wie durch die Räume schweben,
durch fremde Gassen eilen,
ganz schwerelos verweilen.

In Städten groß und schön,
nicht endend Stufen sehen,
vorbei an Menschenmassen,
die mich nicht sehen und fassen.

Nach Hause, will nach Hause!
Ein Suchen ohne Pause;
ein Fahren, Laufen, Warten
im Traum-Gedanken-Garten.

Zur Nacht

Bis dass der Tag beginnt,
vom Sonnenlicht erweckt,
geborgen wie ein Kind,
mit Träumen zugedeckt,

an Mutters festen Hand,
durch grüne Wiesen gehn,
im bunten Niemandsland,
bei sanften Engeln stehn.

Im Flügelschlag der Zeit,
zum Geist der Himmelsruh.
Schlaf gut und sei bereit!
Mach deine Augen zu.

Von Welt und Angst befreit,
fühl dich ins Licht gehoben.
Spür frei von Raum und Zeit
Glückseligkeiten oben.

Gelöste Knoten

Gemäldeausschnitt: Maria Knotenlöserin
Johann Georg Melchior Schmidtner (1625-1705)

Gefühlte Freiheit ist des Menschen Flucht
aus Alltag, Dasein fristend in den Räumen.
Im Außen er nach Licht und Sonne sucht,
sein Geist sucht Wirklichkeit in seinen Träumen.

Sind’s oft verwirrte Fäden, unlösbar,
die Menschen um ihr Schicksal banden,
so mancher Sommertraum macht klar,
das, was verband, kam irgendwann abhanden.

So ist der Faden unsres Lebensbandes
mit vielen Knoten oft versehen.
Ein jeder muss sie selber lösen,
die eigene Schuld daran, verstehn.

Ort des Vergessens

Bild von Paul Sprengers auf Pixabay

Das alte Haus am Stadtrand,
ist angefüllt mit Licht,
doch in den dunklen Stunden
sieht man’s von außen nicht.

Die durch die Räume schweben,
es sind die alten Träume,
der längst vergang’nen Leben,
sie tanzen durch die Räume.

Ein Duft von fremden Ländern,
ein Jauchzen und ein Singen,
wie rauschen von Gewändern
und unbekannte Stimmen.

Energie in allen Räumen,
ein Flüstern und ein Raunen,
wie längst verhalltes Lachen
von magischen Alraunen.

Doch draußen ist es stille,
der Abendwind weht leise.
Der Ort, nur leere Hülle,
träumt die vergessene Weise.

Die Geister dieses Ortes
sind lang schon fortgeweht,
im Klang des Zauberwortes,
ein Traum, der weiterlebt.

Balsam des Vergessens

Caspar David Friedrich (1774–1840)

Bald* bist Du gänzlich fort aus meinem Leben!
Du gehst nicht ganz – ein kleiner Teil bleibt hier,
den senke ich mit liebevollem Weben
in die verborgne Kammer meines Herzens mir.

Nicht losgelöst sind alle Erdenstricke,
noch hält mich die Erinnerung gebannt,
doch bald pflegt Schwester Zeit mit leisem Schritte,
mir mein gebrochnes Herz mit sanfter Hand.

Sie wird den Balsam des Vergessens auferlegen,
der wie der Nachtwind sich in Seelen senkt.
Sie wird die Wunden heilen, die noch quälen
und tröstend Sehnsucht stillen, wenn der Tag beginnt.

Die Einsamkeit wird sich in Stille wandeln,
mein Herz wird heilen, irgendwann und -wie.
Nur manchmal senkt mir dein verklärtes Handeln
„Verbundenheit“ in meine Phantasie.

In diesem Dunstbild sehe ich dich wieder,
du hüllst mich ein, in weißes Traumgespinst.
Dein Geist singt mir am Tage Trauerlieder,
zeigt mir, dass Traumesbilder nicht das Leben sind.

*Das Gedicht entstand im Jahr 2008

Verlorene Träume

Fahl wirft der Vollmond Schatten in die Zimmer.
Groß steht er, Stern umringt, in stiller Wacht.
Hat mich geweckt durch seinen Zauberschimmer.
Nun lieg’ ich lang schon, lausche in die Nacht.

Die Grillen geigen monotone Partituren.
Das Blattgewand, es rauscht im nahen Baumgeäst.
Ein Schlag fährt durch die müden Weltenuhren;
die Mitternacht hält magisch alle Zeiger fest.

Mein Engel singt mir Nachtwindmelodien.
Gott streut ein lichtes Ahnen in die Zeit.
Die Wesen aus den Schattenreichen fliehen
vorbei wie trüber Nebelhauch…so weit.

Der Schlaf, der gnädige, ist mitgegangen.
Gedanken treiben wie das Wasser an den Strand.
Sie kommen und sie gehen… Traum verhangen
zieh ich mit ihnen ins verklärte Niemandsland.

Dort liegt mein Tränensee und auf dem Grunde
verlorene Träume, dicht an dicht, wie Stein an Stein.
Ich treib hinab, versink in sonnenferner Stunde,
spinn’ neue Träume, losgelöst vom Sein.

Ausgeträumt

Karl Pavlovich Bryullov (1799-1852)
„Ein Traum eines Mädchens vor Sonnenaufgang“

Aus meinem Traumstein
sind die Träume entflohen.
Wie die Schatten der Nacht
sind sie im Nichts verschwunden.
Als das Licht mir die Wahrheit zeigte,
habe ich sie freigesprochen,
vom Bann ihrer Bestimmung.
Nun schweben sie im kosmischen Nichts,
auf der Suche nach einer neuen Vision,
schöner noch als die alte.
Irgendwann werde ich wieder einen neuen Stein finden,
bereit, mich und ihn mit schönen Träumen zu füllen,
für eine neue Bestimmung.