Hoffnungszweige

Bild von Kerstin Herrmann auf Pixabay
Der Sonntag will kein Sonntag sein,
so still ist es geworden.
Es frieret wieder Stock und Stein,
der Wind weht kalt von Norden.

Das Zwitschern öffnet sanft den Tag,
obwohl die Wolken dunkeln,
und auf den Feldern friert die Saat,
Frost lässt die Schollen funkeln.

Der schwere Mond ist längst verblasst,
mit ihm die Sterne wichen,
und jede Stunde wird zur Last,
die sonnenlos verstrichen.

Bald hellt der trübe Himmel auf,
sein Blau wird treu sich zeigen,
und alles Grün bedeckt das Grau,
an neuen Hoffnungszweigen. 
 

Augenblick

Vor einer kleinen Ewigkeit bin ich geboren,
die große öffnet bald ihr Tor.
Mein Bündel „Hoffnung“ hab ich nie verloren,
obwohl ich oft schon stand davor.

Was man im Lebenskampf versäumt,
an Glück im irdischen Gewand,
ist wie im Augenblick erträumt
und leicht zerdrückt in einer Hand.

Die Ansicht Gottes auf die Freude 
ist nur Moment von uns zu ihm. 
Es zieht sein Licht in hellem Kleide
durch alle Möglichkeiten hin.

Was einst verworfen, wird nie wiederkehren,
doch mahnend bleibt der Augenblick,
er wird uns eines Besseren belehren:
Hinter dem Tor gibt’s kein Zurück. 

Fragen

Wird sich das Böse in Menschengedanken,
blitzartig ändern und aufrichtig handeln;
am Wegkreuz der Hoffnung ein Wendepunkt sein,
zu gleiten ins Chaos durch Willkür und Schein?

Kann der teuflische Geist in jedermann dringen
und perfide voll List dessen Plan gelingen?
Wird das Herz der Welt durch Kammerflimmern
irgendwann stillstehen, sich die Lage verschlimmern?

Ist die Wissenschaft böse, die Waffen erfindet,
die Menschen auslöscht, an Erpressungen bindet?
Ist es gewollt, wenn Millionen entleibt,
ihre Energie frei zu den Lichtgöttern steigt?

Kann sich das Schweigen aus Gräberreihen,
wo kein Kreuz gleicht dem andern,
wie ein Wunder durch himmlischen Schluss,
plötzlich in Lachen verwandeln?

Das Wort Hoffnung

Erinnerungen verblassen
und des Tages Ruhm vergeht.
Die Spuren, die wir heute zieh’n
sind morgen schon verweht.
Doch in uns ist die Sehnsucht,
dass etwas von uns bleibt,
ein Fußabdruck am Ufer,
eh‘ der Strom uns weitertreibt.

Nur ein Graffiti, das sich von der grauen Wand abhebt,
so wie ein Schrei, der sagen will:
Schaut her, ich hab gelebt!
So nehm ich, was an Mut mir bleibt,
und in der Dunkelheit
sprühe ich das Wort „Hoffnung“ auf die Mauern meiner Zeit.

Die Herzen sind verschlossen,
die Blicke leer und kalt,
Brüderlichkeit kapituliert
vor Zwietracht und Gewalt,
und da ist so viel Not und Elend
gleich vor uns’rer Tür,
und wenn wir ein Kind lächeln seh’n,
so weinen zehn dafür.

Der Himmel hat sich abgewandt,
die Zuversicht versiegt.
Manchmal ist’s, als ob alle Last auf meinen Schultern liegt.
Doch tief aus meiner Ohnmacht
und meiner Traurigkeit
sprühe ich das Wort „Hoffnung“ auf die Mauern meiner Zeit.

Um uns regiert der Wahnsinn
und um uns steigt die Flut.
Die Welt geht aus den Fugen,
und ich rede noch von Mut.
Wir irren in der Finsternis
und doch ist da ein Licht,
ein Widerschein von Menschlichkeit –
ich überseh‘ ihn nicht.

Und wenn auf meinem Stein sich vielleicht das Unkraut wiegt im Wind,
die Worte „Ewig unvergessen“ überwuchert sind,
bleibt zwischen den Parolen von Hass und Bitterkeit
vielleicht auch das Wort „Hoffnung“ auf den Mauern jener Zeit,
bleibt zwischen den Parolen von Haß und Bitterkeit
vielleicht auch das Wort „Hoffnung“ auf den Mauern jener Zeit.

Quelle: Musixmatch
Songwriter: Reinhard Mey

Englische Übersetzung:

Memories fade
and the glory of the day fades.
The traces we leave today
Are tomorrow already blown away.
But in us is the longing,
that something of us remains,
A footprint on the shore
before the current carries us on.

Just a graffiti that stands out against the gray wall,
like a scream that wants to say:
Look, I lived!
So I take what courage I have left,
and in the darkness
I spray the word „hope“ on the walls of my time.

The hearts are closed,
gazes empty and cold,
brotherhood capitulates
before discord and violence,
and there is so much need and misery
just outside our door,
and when we see one child smile,
ten weep for it.

Heaven has turned away,
And all hope is gone.
Sometimes it’s as if all the weight is on my shoulders.
But deep from my helplessness
and my sadness
I spray the word „hope“ on the walls of my time.

Madness reigns around us
and around us the tide is rising.
The world is coming apart at the seams,
and I still speak of courage.
We wander in the darkness
and yet there is a light,
a reflection of humanity –
I do not overlook it.

And if on my stone perhaps the weeds sway in the wind,
the words „Eternally unforgotten“ are overgrown,
among the slogans of hatred and bitterness
perhaps the word „Hope“ also remains on the walls of that time,
between the slogans of hatred and bitterness
perhaps also the word „hope“ remains on the walls of that time.

Einsichten

nach Gustav Klimt, Goldene Tränen

Ich habe Gutes verschwendet,
an glücklichen Tagen,
hab gerne Trost gespendet,
obwohl Sorgen plagten.

Hab mir die Zeit vertrieben,
um die ich nun ringe,
hatte Hoffnung, mich nach Liebe
gesehnt, trotz unschöner Dinge.

Auf Empathie andrer gebaut,
als sie mich blutend verstießen;
hab ‚Edelmännern‘ vertraut,
die mich lachend verließen.

Liebe – romantische Fantasie;
erhoffte Nähe blieb stets im Außen,
Leidenschaft – lachende Ironie,
Gefühle gegen Alleinsein tauschen.

Einsichten stehen im Seelenlicht,
Geblendet, verklärt ist, das was war.
Mein Spiegelbild zeigt ein Trauergesicht.
Die Lebensfreude ist nicht mehr da!

Trauer dieser Welt

Göttliche Segenswünsche:
William Adolphe Bouguereau 1825-1905

Die Trauer dieser Welt,
ich will sie tragen
und fern in alle Winde streuen,
ich will sie an den dunklen Tagen,
mit hellem Himmelslicht erfreuen,
will ihr ein Lächeln zaubern,
wenn heiße Tränen rinnen
und durch Verzweiflungsmauern
den Zweig der Hoffnung bringen,
will nie den Mensch vergessen,
tief sitzt sein Weltenschmerz,
drum pflanz’ ich statt des Leidens
nur Liebe in sein Herz.

Keramikflies Quelle: Wikipedia

Gewissheit

Es wird noch lang so bleiben,
und ich fürchte mich:
Nur eisiges Schweigen
zwischen den Wänden –
und ich!

Da ist kein ‚Wir’,
das sich im ‚Uns’
verschließt – kein ‚Du’.
Kein Vogel singt
ein Lied für
‚unsren’ Tag!

Mit Sonnenhänden
hast du mich berührt,
und Hoffnung in den
Garten meiner Seligkeit
gepflanzt.

Doch ewig bist du fern,
und wo die andern Pärchen
liebend beieinander sitzen,
da ist kein Platz für uns.

Du sitzt mit andern –
nicht mit mir!

Dort, wo die Hoffnung
in mir wuchs,
blüht einzig wehes Bangen,
denn deine Sonnenhand,
sie brannte mir
Entsagen in das Herz.

Die Tage ohne dich
sind dunkel mir und kalt,
und alle Wege, die ich jemals
ging mit dir,
sie liegen traurig, tot im
Schatten unsrer Liebe.

Bitte, komm bald!

(2007)

Engelsflügel

Caspar David Friedrich (1774 – 1840) – Engel in Anbetung

Wenn eine Sehnsucht weint,
ein Haus im Schatten steht,
geht dort mit mildem Licht,
ein Geist, der Sorgen trägt.

Und jedes müde Herz,
von diesem Geist erhellt,
versteht mit einem Mal
die Spaltung dieser Welt .

Geduldig schweigt er,
trägt sein Leid auf Erden
bis in den Abend,
ohne Aufbegehren.

Der Himmelsfrieden
fließt herab von fern,
versinkt in Träumen,
wie ein Hoffnungsstern.

Sein zarter Glanz,
ein Hauch nur, nur ein Schein,
will leiderfüllten Menschen
Liebe sein
und Hoffnung
über alle Trübnis breiten.

Geister der Nacht
mit Engelsflügeln gleiten.

Still sein soll mein Herz

Ludwig von Hofmann (1861-1945) – Gretchen im Kerker

Still sein soll mein Herz –
kann im tiefen Schmerz
keine schwere Last mehr tragen,
will verzagen an der Welt,
an den vielen bangen Fragen,
die uns unsre Liebe stellt.

Oft trifft die Erkenntnis bitter
in den weichen Seelenkern,
und der letzte Hoffnungsstern
glänzt mir trübe durch die Gitter.
„Einzelhaft – ein Leben lang!“,
hör ich meine Seele klagen.

Werde niemals mehr befreit.
Will und kann es nicht ertragen!
Wenn der Kerkertüre Schluss,
sich vollzieht durch deine Hände,
fällt des Schattenbildes Guss
hier an die Gefängniswände,

und dein Bildnis schwebt im Raum,
um schnell wieder zu verblassen.
„Irgendwann muss ich dich lassen!“,
flüstert es mir leis‘ im Traum.
Kann das Schicksal nicht verstehen –
es erscheint mir wie ein Hohn!

Bleibt mein Wunschbild – Illusion?
Und beim traurigen Erwachen,
höre ich das Schicksal lachen:
Es trägt Deiner Stimme Ton!

Hoffnungsvoll

Die Republik – Gerome Jean Leon (1824 – 1904)

Die Hoffnung setzt Vertrauen in das Leben.
Obwohl die Dunkelheit so manchen Tag verhüllt,
wird sie uns Lebensmut und Selbstvertrauen geben,
auch wenn oft langes Warten unsre Stunden füllt.

Und ist uns bang ums Herz und trüb die Sicht,
für Pläne, die wir tief im Herzen schmieden,
so sendet uns ein Leuchten neues Hoffnungslicht;
gelingt ein Plan, bringt es uns den erträumten Frieden.

Die Hoffnung ist die Flamme unsrer Lebenslichter,
ein Funke, der das Feuer in der Dunkelheit entfacht,
erfüllte Träume bringen strahlende Gesichter,
und es durchflutet heller Schein die finstre Nacht.

Oft will uns nicht gleich jeder Schritt gelingen,
dann straucheln wir und fallen hart zurück,
die ferne Zeit wird dann zum Guten bringen,
was einst zerstörte unser Missgeschick.